Corona-Stress
Shownotes
Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, fasst für Mitarbeitende im Gesundheitswesen zusammen, wie die Pandemie ein bereits überlastetes System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat. Konkret gibt es Tipps, an wen sich Mitarbeitende wenden können, wenn sie akut Unterstützung benötigen.
Hilfsangebote für Mitarbeiter im Gesundheitswesen:
PSU-Akut e. V.: Vorsorge, Schulung, Krisenintervention und Forschung im Bereich Psychosozialer Unterstützung (PSU) im Gesundheitswesen
Kollegiale Unterstützung von 9 bis 21 Uhr
Psychologische Hilfe während der Corona-Krise der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Original-Studien zum Thema:
- Bielicki JA, Duval X, Gobat N, et al. Monitoring approaches for health-care workers during the COVID-19 pandemic. Lancet Infect Dis. 2020;20(10):e261-e267. doi:10.1016/S1473-3099(20)30458-8
- Binnie A, Moura K, Moura C, D'Aragon F, Tsang JLY. Psychosocial distress amongst Canadian intensive care unit healthcare workers during the acceleration phase of the COVID-19 pandemic. PLoS One. 2021;16(8):e0254708. Published 2021 Aug 12. doi:10.1371/journal.pone.0254708
- Conti C, Fontanesi L, Lanzara R, Rosa I, Porcelli P. Fragile heroes. The psychological impact of the COVID-19 pandemic on health-care workers in Italy. PLoS One. 2020;15(11):e0242538. Published 2020 Nov 18. doi:10.1371/journal.pone.0242538
- Kramer V, Thoma A, Kunz M. Medizinisches Fachpersonal in der COVID-19-Pandemie: Psyche am Limit. InFo Neurologie + Psychiatrie. 2021;23(6):46-53. doi:10.1007/s15005-021-1975-8
- Morawa E, Schug C, Geiser F, et al. Psychosocial burden and working conditions during the COVID-19 pandemic in Germany: The VOICE survey among 3678 health care workers in hospitals. J Psychosom Res. 2021;144:110415. doi:10.1016/j.jpsychores.2021.110415
- Lu MY, Ahorsu DK, Kukreti S, et al. The Prevalence of Post-traumatic Stress Disorder Symptoms, Sleep Problems, and Psychological Distress Among COVID-19 Frontline Healthcare Workers in Taiwan. Front Psychiatry. 2021;12:705657. Published 2021 Jul 12. doi:10.3389/fpsyt.2021.705657
- Steudte-Schmiedgen S, Stieler L, Erim Y, et al. Correlates and Predictors of PTSD Symptoms Among Healthcare Workers During the COVID-19 Pandemic: Results of the egePan-VOICE Study. Front Psychiatry. 2021;12:686667. Published 2021 Aug 17. doi:10.3389/fpsyt.2021.686667
- Weigl M, Schreyer J. Die parallele Pandemie? : Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Beanspruchungssituation bei Personal in der Krankenversorgung [Is this the parallel pandemic? : Measures to improve working conditions and stress levels among health care personnel]. Internist (Berl). 2021;62(9):928-936. doi:10.1007/s00108-021-01120-y
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Quelle "3-fach höhere Thymolkonzentration": EMA/HMPC/342334/2013.
Transkript anzeigen
Ne Dosis wissen der Podcast für Health-Professionals.
00: 00:05
00: Willkommen zur ersten Folge unseres neuen Podcasts für Profis im Gesundheitswesen. Heute geht es um den Corona Stress, dem sie seit eineinhalb Jahren ausgesetzt sind. Zusätzlich zu der Überlastung, die schon vorher in Kliniken, Rettungswache und Praxen geherrscht hat. Mein Name ist Dr. Dennis Ballwieser. Ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau. Heute ist Montag, der 27. September 2021.
00: 00:34
00: Ein Podcast von Gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.
00: 00:41
00: Die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen sind hart. Das waren sie auch schon vor Beginn der Corona-Pandemie. Aber erst recht seitdem die Pandemie wütet, gilt das umso mehr. Und es ist ja im Moment gerade so, dass im Alltag der falsche Eindruck entsteht, die Pandemie mache jetzt irgendwie eine Pause, aber ist vor allem auf vielen Intensivstationen gerade jetzt deutlich Corona ist immer noch da und die Belastung, die bleibt. Wie soll man damit umgehen? Menschen im Gesundheitswesen neigen ja zu so einem gewissen Fatalismus, weil wer heute im Gesundheitswesen arbeitet, der ist ja schon in den Beruf eingestiegen. Im Wissen, dass ihn ein dringend reformbedürftig System einsteigt und hat sich dann dennoch dafür entschieden, eben in der Pflege oder als Ärztin oder Arzt oder in der Apotheke oder in der Praxis für die Menschen da zu sein. In dieser Krise, die jetzt immerhin schon eineinhalb Jahre dauert, da funktionieren sie alle im Krisenmodus. Das machen sie auf bewundernswerte Art, das ist alleine schon mehr, als die Gesellschaft sich eigentlich erhoffen dürfte. Und es ist mehr als genug. Was nicht wirklich funktioniert, das ist an vielen Stellen die Reaktion der Gesellschaft, der Gesellschaft, für die sie da sind. Auf diesen Ausnahmezustand. Was heißt das für Sie? Zuallererst Es ist okay, dass es Ihnen so geht, wie es Ihnen geht. Sie sind in der Krise. Sie reagieren auf eine Krisensituation. Was immer sie an Ort und Stelle einfordern können, ist, dass all das von ihren Schultern genommen wird, was nicht unbedingt notwendig ist, um den Laden am Laufen zu halten. Und sie können die Mechanismen und die Ressourcen nutzen, die für sie erreichbar sind. Wenn man sucht, dann gibt es nur wenig einfach zu findende Angebote für Menschen im Gesundheitswesen. Wenn die wegen der Pandemie zum Beispiel und ganz konkret ihrer persönlichen Belastung akut Hilfe suchen. Eines ist die Website PSU-helpline.de, vertrieben vom Verein PSU Akut e.V. Wir verlinken die Website den Notizen zu dieser Folge. PSU, das steht für psychosoziale Unterstützung. Teil von dem Konzept ist das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, den Peers, das in Studien vielfach gezeigt hat, dass es helfen kann. Dieser Verein PSU Akut bietet eine Telefonnummer an, die täglich von 9 Uhr bis 21 Uhr erreichbar ist. Da gibt es kollegiale Unterstützung in besonders schweren Belastung, Situation oder nach besonders schwerwiegenden Ereignissen. Die Telefonnummer ist 0 800 0 9 1 1 9 1 2 täglich von 9 bis 21 Uhr. Es gibt mittlerweile schon zahlreiche Studien, sowohl aus Deutschland als auch aus der ganzen Welt, die beschreiben, wie schlecht es den Menschen geht, die die Intensivstation, Reha-Klinik in Altenheimen, ärztlichen Praxen und so weiter am Laufen halten. Es gibt zum Beispiel aus dem vergangenen Jahr eine italienische Studie mit dem sprechenden Titel Fragile Heroes, also zerbrechliche Helden. Die haben gefragt, ob Menschen im Gesundheitswesen psychologische Unterstützung benötigen würden und 40 Prozent der Befragten haben ja gesagt. Diese Pandemie, die führt zu mehr Depressionen, Angststörungen und psycho traumatischen Belastungsstörungen bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen. Sie trifft die Pflegekräfte härter als die im ärztlichen Dienst. Es könnte damit zu tun haben, dass die Pflegekräfte näher dran sind an den Menschen und ganz besonders bevor die Impfungen verfügbar waren, auch einen höheren persönlichen Risiko ausgesetzt gewesen sind. Die meisten dieser Studien, die sind in den ersten Wellen der Pandemie entstanden. Damals gab es noch keinen Schutz vor Sars-CoV-2 und Covid- 19 für die Mitarbeitenden. Immerhin irgendwann gab es Schutzkleidung, aber die hilft eben bei weitem nicht so gut gegen die Angst, sich selbst, die Familie oder Freunde mit einem potenziell tödlichen Virus zu infizieren wie eine Doppel Impfung Piontek. Einer verhöhnt müssen sich Mitarbeitende vorkommen, wenn sie über die Maßnahmen für die eigene psychische Gesundheit lesen. Die gibt es formuliert von der Weltgesundheitsorganisation und anderen, auch von den eigenen Berufsverbänden und auch nicht erst seit der Pandemie. Da geht es um psychologische Unterstützung, für die schon vor der Krise Personal und Zeit gefehlt haben oder um die regelmäßige Rotation des Personals. Und das war auch schon vor der Krise knapp. Oder um finanziellen Ausgleich. Dabei hat gerade die Pandemie wieder deutlich gemacht, dass es da ein großes Gerechtigkeitsproblem gibt, insbesondere bei den Pflegekräften. Die Weltgesundheitsorganisation, die WHO, die empfiehlt, Mitarbeitenden im Gesundheitswesen auf sich selbst zu achten und hilfreiche Bewältigungsstrategien anzuwenden. Damit sind dann Pausen, Ruhezeiten, gesunde Ernährung, körperliche Aktivität oder Gespräche mit Familien und Freunden gemeint. Dazu gibt es einen treffenden Kommentar in einer aktuellen Übersicht zu genau dem Thema. Der Kommentar kommt von Victoria Kramer, Andreas Thoma und Miriam Kunz von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Universität Augsburg. Und die schreiben treffend. Zitat Diese Ratschläge erscheinen manch einer Pflegekraft sicher zynisch, da das Problem ja genau darin liegt. Pausen nicht einhalten zu können und durch zu viele Überstunden nicht zu ausreichender Selbstfürsorge gelangen zu können. Ende. Auch die Forderung, dass die Verantwortung für die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden nicht bei denen selbst abgeladen wird, sondern dass dafür Vorgesetzte, Führungskräfte und diejenigen, die Rahmenbedingungen gestalten, Verantwortung übernehmen. Auch die Forderung, die gab es schon vor der Pandemie. Genauso wie die Forderung, dass endlich psychische Unterstützungsangebote wie die Supervision aktiv an Mitarbeitende herangetragen werden, statt zu reagieren. Was sie für sich tun können, wenn es weniger schlimm ist, als dass sie die Hilfe von PSU A kut in Anspruch nehmen wollen. Das wissen Sie selbst. Natürlich hilft das, wenn man nach dem Dienst aus der Klinik kommt, die Tür hinter sich lässt und die ersten Atemzüge kalter, klarer Herbst Luft ganz bewusst ein und ausatmet. Oder wenn man an einem Spielplatz vorbeikommt und für einen kleinen Moment innehalten kann und das Lachen von Kindern genießt. Was gerade heute vielleicht aber wichtig bleibt, ist, danach wieder all diejenigen auf all die Dinge aufmerksam zu machen, die sich ändern müssen, die über das Gesundheitswesen entscheiden. Haben Sie Themen, die Sie in diesem Podcast gerne hören würden? Dann schicken Sie uns doch eine E-Mail an nedosiswissen@apothekenumschau.de und empfehlen Sie uns weiter an Ihre Kolleginnen und Kollegen.
00: 07:53
00: Ein Podcast von Gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.
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