JAMA, NEJM & Co: Wie findet man sich da zurecht?
Shownotes
Vom AAAS Annual Meeting in Phoenix in den USA hat Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, für diese Spezialfolge Tipps von den Chefredakteur:innen des New England Journal of Medicine und des Journal of the American Medical Association mitgebracht. Und der Chefredakteur von Science berichtet, was ihm die größten Sorgen bereitet in Zeiten Künstlicher Intelligenz.
Stand: 16.02.2026
Quellen und nützliche Links:
- American Association for the Advancement of Science (AAAS)
- Science
- The New England Journal of Medicine (NEJM)
- Journal of the American Medical Association (JAMA)
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sebastian Brodkorb, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:00: DR. DENNIS BALLWIESER: Das Klassentreffen der internationalen Wissenschaftselite fand in der vergangenen Woche in der Wüste Arizonas in Phoenix statt. Die AAAS, die das Fachmagazin Science herausgibt, hatte zu ihrem Jahreskongress eingeladen. Mehrere Tausend Wissenschaftler:innen haben vor allem über die aktuellen Angriffe auf die Wissenschaft gesprochen. Wir haben die Chefredakteur:innen von Science, des New England Journal of Medicine und von JAMA zum Gespräch getroffen.
00:00:27: SPRECHER: ’ne Dosis Wissen, der Podcast für Health Professionals.
00:00:33: DR. DENNIS BALLWIESER: Guten Morgen und willkommen zu ’ne Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen. ’ne Dosis Wissen gibt's werktags ab 6 Uhr in der Früh in kompakten 10 Minuten. Ich bin Dennis Ballwieser, ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau. Heute ist Mittwoch, der 18. Februar 2026.
00:00:52: SPRECHER: Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.
00:01:01: DR. DENNIS BALLWIESER: Heute stehe ich im Convention Center in Phoenix, Arizona, mitten im Trubel des Jahreskongresses der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Welt, der AAAS. Ausgeschrieben steht das Akronym für American Association for the Advancement of Science. Am bekanntesten ist sie für die von ihr herausgegebene Fachzeitschrift Science. Zu Beginn jedes Jahres treffen sich mehrere Tausend Wissenschaftler:innen zum Annual Meeting, bei dem es neben übergreifend bedeutenden wissenschaftlichen Fortschritten vor allem um Wissenschaftspolitik, internationale Zusammenarbeit und das Herausheben bemerkenswerter Leistungen von Nachwuchswissenschaftler:innen geht. Dieses Jahr ist die gastgebende Universität für die Veranstaltung die Arizona State University und die Konferenz findet in der Wüste Arizonas statt. Das Motto des diesjährigen Kongresses lautet Science at Scale. Kongresspräsidentin Theresa Maldonado hat in ihrer Eröffnungsrede betont, dass es darum geht, wie die Wissenschaft einen Mehrwert für die Gesellschaft schafft und vor welchen Herausforderungen und Chancen wir angesichts immer größerer Datenmengen und komplexer Wissenssysteme stehen. Natürlich geht es an vielen Stellen um die Einflüsse der künstlichen Intelligenz auf die Wissenschaft. Sowohl auf den Bühnen als auch in den Fluren des Kongresszentrums geht es vor allem aber um die Frage, was die aktuellen weltpolitischen Verwerfungen für die Wissenschaft bedeuten. In Gesprächen mit US-Forscher:innen wird deutlich, wie sehr die Entscheidungen der US-Regierung die praktische Arbeit von Wissenschaftler:innen beeinflussen. Dass die Trump-Regierung die Begriffe diversity, equity und inclusion, also Vielfalt, Chancengleichheit und Teilhabe auf den Index verbotener Begriffe im akademischen Bereich gesetzt hat, ist Thema in vielen Gesprächen über Anträge für Fördermittel, aber zum Beispiel auch Manuskripte für Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Um die Auswirkungen der an vielen Stellen wissenschaftsfeindlichen Politik der Trump-Regierung auf die Arbeit von Fachzeitschriften ist es am Freitag, am 13. Februar, gegangen bei einer Paneldiskussion, die der britische Financial Times Wissenschaftsjournalist Clive Cookson mit den Chefredakteur:innen dreier bedeutender Journals geführt hat. Der Chemiker Holden Thorp ist Chefredakteur von Science, die Ärztin Kirsten Bibbins-Domingo ist Chefredakteurin von JAMA und der Arzt Eric Rubin ist Chefredakteur des New England Journal of Medicine. Mit allen drei konnte ich im Anschluss an die Diskussion für ’ne Dosis Wissen sprechen. Holt euch euren ersten Kaffee des Tages und dann geht's los. Von Holden Thorp, dem Chefredakteur von Science, wollte ich wissen, was aus seiner Sicht die größten Herausforderungen für wissenschaftliche Zeitschriften sind, gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz.
00:03:52: HOLDEN THORP: Nun, ich würde sagen, die größte Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass wir uns an das höhere Tempo der eingehenden Beiträge anpassen können. Nicht nur, weil manche Leute KI auf schlechte Weise nutzen, sondern weil manche Leute KI auf gute Weise nutzen. Beispielsweise, um ihnen dabei zu helfen, die Zahlen zusammenzustellen und sicherzustellen, dass sie den Überblick behalten und um ihre Referenzen zu überprüfen und all diese Dinge. Die Zahl der eingereichten Beiträge ist also deutlich gestiegen und es ist noch schwieriger als zuvor geworden, den Überblick zu behalten und sicherzustellen, dass wir den besten Beiträgen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen, wie wir es immer tun wollen. Die gute Nachricht ist also, dass es sinnvolle Möglichkeiten gibt, wie KI die wissenschaftliche Produktivität steigert und die Herausforderung besteht darin, dass wir uns darauf einstellen müssen.
00:04:57: DR. DENNIS BALLWIESER: Ich wollte wissen, wie sehr künstliche Intelligenz die laufende Diskussion über das Vertrauen in die Wissenschaft beeinflusst.
00:05:03: HOLDEN THORP: Ich mache mir große Sorgen um die KI generierten Artikel, die nicht gut sind und um Suchmaschinen und KI suchfähige LLMs, die Menschen mit Informationen aus Artikeln versorgen, die nicht die besten sind. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, sicherzustellen, mir hat jemand gesagt, dass es altmodisch sei, vielleicht ist es das, das zu tun, was wir tun. Aber wir wollen sicherstellen, dass Menschen die Artikel sorgfältig geprüft und redigiert haben. Denn wir glauben, dass die KI-Tools diese Artikel langfristig als die glaubwürdigsten im Ökosystem ansehen werden.
00:05:47: DR. DENNIS BALLWIESER: So wie Holden Thorp von Science, hat auch die Chefredakteurin von JAMA, Kirsten Bibbins-Domingo, während der Paneldiskussion über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im medizinischen Bereich gesprochen. Ich wollte von ihr wissen, was sie jüngeren Ärzt:innen raten würde, wie sie mit künstlicher Intelligenz in der Klinik umgehen sollen.
00:06:07: KIRSTEN BIBBINS-DOMINGO: Ich halte sie für leistungsstarke Werkzeuge. Ich würde nicht vor ihrer Verwendung warnen. Aber ich würde Kliniker oder andere, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, bitten, sich wirklich mit der Frage auseinanderzusetzen, was sind ihre Erkenntnisse, wenn sie einen Patienten behandeln, die nicht einfach durch einen KI-Algorithmus ersetzt werden können? Was ist das, wie Sie kommunizieren oder wie Sie verstehen, was ein Patient sagt, dass eine einzigartige menschliche Fähigkeit ist? Und ich würde dasselbe sagen zu denen, die wissenschaftliche Arbeiten schreiben und vielleicht einreichen. Denn wissen Sie, eine Maschine kann sehr schöne Sätze verfassen, aber die Erkenntnis, warum diese Erkenntnis wichtig ist für die Art und Weise, wie wir Patienten versorgen oder warum sie unsere Sichtweise auf die Gesundheitspolitik verändert, das ist in der Regel eine menschliche Erkenntnis. Und ich würde jeden, der am Anfang seiner Karriere steht, dazu auffordern, darüber nachzudenken. Was ist das Einzigartige am Menschen, das für die Ausübung der Medizin oder unser Verständnis von Wissenschaft wichtig ist? Denn daran müssen wir alle festhalten.
00:07:28: DR. DENNIS BALLWIESER: JAMA-Chefredakteurin Kirsten Bibbins-Domingo ist sich der aktuellen Wissenschaft skeptischen Stimmung in weiten Teilen der US-Bevölkerung sehr bewusst. Ich habe sie gefragt, wie sie als klinisch tätige Ärztin mit Patient:innen umgeht, die nicht an den wissenschaftlichen Prozess glauben.
00:07:44: KIRSTEN BIBBINS-DOMINGO: Meine Erfahrung mit erfahrenen Klinikern ist, dass sie es gewohnt sind, mit Patienten zu diskutieren, die vielleicht anders denken als sie. Die vielleicht nicht über die richtigen Informationen verfügen, die vielleicht bestimmte Standpunkte vertreten, die von den wissenschaftlichen Informationen abweichen, vom wissenschaftlichen Standardkonsens. Und ich denke, erfahrene Kliniker wissen, wie man mit Patienten kommuniziert. Sie wissen, wie sie die Sichtweise des Patienten verstehen können. Sie wissen, wie sie eine Botschaft so umformulieren können, dass sie mit den Vorstellungen des Patienten übereinstimmt. Ich denke, die Herausforderung für Fachzeitschriften besteht darin, dies in größerem Maßstab zu tun. Wie schaffen wir das? Was passiert, wenn ich versuche, mit ihnen zu sprechen, um sie von einem Medikament oder einem Impfstoff oder etwas Ähnlichem zu überzeugen? Wie kann ich dieselbe Fähigkeit in größerem Maßstab einsetzen? Das ist schwieriger. Und deshalb denke ich, dass wir als Fachzeitschrift versuchen, verschiedene Kommunikationswege, verschiedene Ansätze und verschiedene Perspektiven zu durchdenken, die wir nutzen können, um eine Diskussion anzustoßen. Und auch, um Ärzten mehr Informationen zu geben, damit sie über die Informationen und Werkzeuge verfügen, die sie nutzen können, um die Diskussion mit einem Patienten zu beginnen. Ich denke, das ist tatsächlich die Herausforderung und es ist gut für uns, in dieser Zeit zu leben, in der wir uns der Aufgabe stellen müssen, sicherzustellen, dass wir wissen, wie wir wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse kommunizieren können, aber auf eine Weise, die in diesem Umfeld effektiv ist.
00:09:27: DR. DENNIS BALLWIESER: Zum wissenschaftlichen Prozess hatte der Chefredakteur des New England Journal of Medicine, Eric Rubin, in der Paneldiskussion aus dem Peer Review Prozess seiner Fachzeitschrift berichtet. Manche Vorgehensweise ist selbst einem regelmäßigen Leser wie mir nicht bewusst gewesen. Zum Beispiel, dass bei einer Veröffentlichung im Journal nahezu jeder Satz im fertigen Manuskript anders dasteht als die Autor:innen ihn ursprünglich zur Veröffentlichung eingereicht haben. Während das nicht durchgehend der Fall sein muss, legt Eric Rubin Wert darauf, dass die Schlussfolgerungen, die Conclusion eines New England Journal of Medicine Artikels von der Redaktion praktisch immer geändert wird vor der Veröffentlichung. Ebenso die praktischen Empfehlungen für die tägliche ärztliche Praxis. Denn da gehen die Meinungen zwischen Redaktion und Autoren häufig stark auseinander, welche Aussagen durch die veröffentlichten Daten tatsächlich gedeckt sind. Ich habe Eric Rubin gebeten, den Peer Review Prozess beim Journal einmal kurz zu schildern.
00:10:29: ERIC RUBIN: Der Begutachtungsprozess umfasst mehrere Schritte. Der erste Schritt besteht darin, zunächst zu entscheiden, ob das eingereichte Manuskript überhaupt geeignet ist. Wenn es nicht geeignet ist, senden wir es sofort, in der Regel innerhalb von ein oder zwei Tagen, an die Autoren zurück, damit sie es an eine Stelle weiterleiten können, die möglicherweise besser geeignet ist. An diesem Punkt wird es sorgfältig von einem Experten in der Redaktion geprüft, einem Fachredakteur, der entscheidet, ob wir ein Peer Review benötigen oder nicht. Wenn Sie entscheiden, dass es nicht das ist, was wir wollen, lehnen Sie es ab, und zwar wiederum sehr, sehr schnell. Wenn wir daran denken, es weiterzuverfolgen, brauchen wir den Rat externer Experten. Das ist der Peer Review Prozess. Aber denken Sie daran, dass unsere Redakteure ebenfalls Fachkollegen sind und ebenfalls ihre Meinung äußern werden. Als Erstes holen wir also externe Gutachten ein. Dann bringen wir den Artikel ins Haus und diskutieren ihn intern. Viele gut bewertete Artikel können aus Zahlengründen nicht veröffentlicht werden und manchmal werden schlecht bewertete Artikel veröffentlicht, weil wir sie, wie Sie sagten, ändern können. Oft sind die Schlussfolgerungen falsch, aber wir können mit den Autoren zusammenarbeiten, um die Schlussfolgerungen zu ändern. Die Expertenmeinungen sind also sehr hilfreich für uns und helfen uns, Entscheidungen zu treffen. Die Entscheidungen werden jedoch von den Redakteur:innen getroffen und nicht von den Peer Reviewern.
00:12:29: DR. DENNIS BALLWIESER: Von den beiden Ärzt:innen unter den Chefredakteur:innen wollte ich wissen, welche Tipps sie jungen Kolleg:innen mitgeben würden, wie man sich am besten neben dem klinischen Alltag kontinuierlich weiterbildet. Eric Rubin erzählte mir dazu eine Anekdote aus seiner klinischen Ausbildungszeit.
00:12:47: ERIC RUBIN: Ich denke, das Wichtigste ist, zu lernen, Informationen zu konsumieren, anstatt sich auf bestimmte Fakten zu konzentrieren. Ich möchte das anhand eines Beispiels veranschaulichen. Als ich mitten in meinem Medizinstudium promovierte, war ich ziemlich lange nicht an der medizinischen Fakultät. Als ich zurückkam, bekam fast jeder Patient in meiner ersten Rotation in der Chirurgie ein Antibiotikum, von dem ich noch nie gehört hatte, weil es zu meiner Zeit an der medizinischen Fakultät noch nicht eingeführt worden war. Was macht man in einer solchen Situation? Wenn man nur das wüsste, was man im Medizinstudium gelernt hat, wäre man innerhalb von zwei oder drei Jahren kein sehr guter Arzt mehr. Lebenslanges Lernen ist also Teil der Medizin. Und herauszufinden, was für einen selbst funktioniert, um ein lebenslang Lernender zu werden, ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg und dazu, dass man die beste Arbeit für seine Patienten lastet.
00:13:56: DR. DENNIS BALLWIESER: An dieser Stelle setzt, so Eric Rubin vom New England Journal of Medicine, auch die Ausbildung an US-amerikanischen medizinischen Fakultäten heute an.
00:14:05: ERIC RUBIN: Es ist interessant, dass sich viele Lehrpläne der medizinischen Fakultäten in den USA immer mehr auf das Lernen konzentrieren und weniger auf die Wissensbasis, damit die Menschen herausfinden können, wie sie weiter lernen können. Denn die Informationen, die man gelernt hat, sind sehr schnell wieder veraltet. Ich denke, wir leisten gute Arbeit dabei, unsere jungen Ärzte zu Konsumenten medizinischer Informationen auszubilden. Aber wie ich bereits sagte, ist dies aufgrund der schieren Menge an Informationen eine große Herausforderung. Wenn ich im Krankenhaus Visite mache, sehe ich viele junge Ärzte, die wirklich gute Arbeit leisten und die auch alle mit Methoden experimentieren, die für sie persönlich am besten funktionieren. Immer mehr unserer jungen Ärzte hören Podcasts wie ihren. Und immer mehr von ihnen beziehen Informationen über alternative Kanäle. Ich denke, es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese alternativen Kanäle von unterschiedlicher Qualität sind. Und ich hoffe, dass wir als Fachzeitschrift weiterhin eine vertrauenswürdige Quelle sein können, die Informationen auf eine Weise bereitstellt, die für die Menschen nutzbar ist.
00:15:28: DR. DENNIS BALLWIESER: So ähnlich wie Eric Rubin vom New England Journal of Medicine schätzt auch Kirsten Bibbins-Domingo vom Journal of the American Medical Association, dem JAMA, die Situation ein. Sie betont, wie wichtig die Einordnung wissenschaftlicher Veröffentlichungen in den klinischen Rahmen sind, indem zum Beispiel Editorials, also Kommentare, Zusatzinformationen liefern.
00:15:49: KIRSTEN BIBBINS-DOMINGO: Wow. Ich bin immer noch als Ärztin tätig und ich denke, die Herausforderung, die wir alle haben, ist, dass es so viele Informationen gibt. Und für einen viel beschäftigten, praktizierenden Kliniker, insbesondere für jemanden, der vielleicht noch am Anfang seiner Karriere steht, ist es eine Herausforderung, mit all diesen Informationen Schritt zu halten. Aber selbst danach stellt sich noch die Frage, mit der wir in der Fachzeitschrift konfrontiert sind, wenn wir eine wissenschaftliche Erkenntnis oder eine klinische Studie mit wichtigen Ergebnissen für Patienten veröffentlichen. Aber wie man dieses Ergebnis für seine Patienten nutzen würde oder wie man dieses Ergebnis in seiner Praxis anwenden würde, ist eine weitere Art von Information, die wir oft nicht haben. Ein Kliniker weiß vielleicht, dass eine neue Studie veröffentlicht wurde, aber er weiß nicht unbedingt, wie er seine klinische Praxis ändern soll. Das ist 1 der Gründe, warum wir, wenn wir eine wissenschaftliche Erkenntnis veröffentlichen, dazu in der Regel Leitartikel hinzufügen, die weitere Informationen darüber enthalten, wie man diese Informationen in der Praxis nutzen kann. Oder vielleicht sind die Informationen in der Praxis nicht ganz so nützlich. Und wir möchten Sie nur darüber informieren, weil sich in Zukunft etwas ändern könnte. Wir versuchen auch, wie Sie es gerade tun, Podcasts und kurze Beiträge zu veröffentlichen, die Ärzte, die sehr beschäftigt sind, etwa auf dem Weg zur Arbeit anhören können. Denn die Vorstellung, dass wir alle wissenschaftlichen Informationen konsumieren können, indem wir sie in einer Fachzeitschrift lesen, trifft auf praktizierende Ärzte nicht mehr wirklich zu.
00:17:34: DR. DENNIS BALLWIESER: In den Gesprächen mit den drei Chefredakteur:innen dieser bedeutenden wissenschaftlichen Zeitschriften ging es natürlich um die Herausforderungen, vor denen die wissenschaftliche und medizinische Community stehen. Einerseits im ganz großen Rahmen, wenn es um die Bedrohungen durch die aktuelle US-Regierung geht, andererseits ganz praktisch im ärztlichen Alltag. Was ich aber aus den USA mit nach Deutschland zurücknehme, ist etwas Positives und Hoffnung Machendes. Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen nach Phoenix gereist. Der Blick in die täglichen Nachrichten macht aktuell so gar keine Lust auf eine Reise nach Amerika. Was mir begegnet ist, ist eine Gemeinschaft von Tausenden Wissenschaftler:innen, natürlich aus aller Welt, vor allem aber aus den Vereinigten Staaten von Amerika selbst, die keinen Zweifel daran gelassen haben, dass sie mit Inbrunst für die Wissenschaft, die Wissenschaftsfreiheit und die Aufklärung eintreten und die mit diesem Kongress in Phoenix in Arizona willkommen waren. Das war zu spüren. Dieses Gefühl löst keine Probleme mit einer wissenschaftsfeindlichen US-Regierung. Wir sollten aber nicht vergessen, dass es diese Community in den USA gibt und dass sie im Moment nach Verbündeten in aller Welt sucht, die sie unterstützen.
00:18:50: Das war ’ne Dosis Wissen für heute. Die nächste Folge gibt es morgen ab 6 Uhr in der Früh überall da, wo ihr Podcasts hört. Wenn euch die heutige Sonderfolge gefallen hat, dann würde mich gerade dazu interessieren, was ihr vermisst habt und was euch aus der Welt der kontinuierlichen medizinischen Fortbildung und der Fachzeitschriften noch interessieren würde. Schreibt mir gerne eine E-Mail an d.ballwieser@a-u.de Danke, dass ihr ’ne Dosis Wissen hört.
00:19:19: SPRECHER: Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.
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