Wie Diskriminierung der Gesundheit schadet
Shownotes
Lange Zeit dominierten in der Gesundheitsdebatte vor allem Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht. Doch es wird immer deutlicher: Auch Diskriminierungserfahrungen schaden der allgemeinen und psychischen Gesundheit erheblich. Eine Studie des Robert Koch-Instituts erfasst nun das Ausmaß von Diskriminierung und ihre Folgen. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und nennt mögliche Maßnahmen.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Dr. Christine Emmer
Stand: 6. Mai 2026
Quellen und nützliche Links
- Aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts zu Diskriminierung in Deutschland und ihre Folgen für die Gesundheit
- Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor
- Metaanalyse zum Einfluss von Diskriminierung auf die psychische Gesundheit (engl.; DOI: 10.1037/bul0000419)
- ’ne Dosis Wissen. „Stigmatisierung bei Suchterkrankungen gefährdet Therapie“. 17.02.2026.
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sebastian Brodkorb, Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH.
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Transkript anzeigen
00:00:03: [Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt] gesundheit-hören.
00:00:04: Diskriminierung ist kein Randphänomen in Deutschland, das zeigt eine neue Studie des Robert-Koch-Instituts und die Folgen für die Gesundheit sind erheblich.
00:00:17: Guten Morgen und willkommen zu Ne Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:22: Ne Doses Wissen gibt es Werktagsabsexo in der Früh im kompakten zehn Minuten – jetzt auch wieder bei Sonnenschein morgens in der Frühe!
00:00:29: Ich bin Dennis Balwiser, ich bin Arzt und Teil der Chefredaktion der Apotheken-Umschau.
00:00:32: heute ist Mittwoch, der sechste Mai, zwei Tausend sechsundzwanzig.
00:00:38: Ein Podcast
00:00:39: von Gesundheit hören.
00:00:45: Wie verbreitet ist Diskriminierung und wie wirkt sie sich auf die Gesundheit aus?
00:00:49: Dazu gibt es eine neu erschienene Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem März dieses Jahres.
00:00:54: Vorgelegt von Karmen Koscholek, Jens Höbel und Kollegen vom Robert-koch-Institute.
00:01:00: Wir haben darüber gesprochen mit Christine Emma.
00:01:02: Sie ist Psychologin an der Uni Mannheim Postdoc dort am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie und am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim.
00:01:14: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages, dann geht's los!
00:01:28: Bereichen, wie zum Beispiel dem Arbeitsleben oder bei Dienstleistungen nicht benachteiligt werden dürfen.
00:01:34: Zum Beispiel aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts-, ihrer sexuellen Identität, ihrer Religion- oder Weltanschauung, ihren Alters- oder einer Behinderung.
00:01:43: Gleichwohl gibt es Diskriminierung in Deutschland natürlich auch im Gesundheitswesen!
00:01:49: Die Weltgesundheitsorganisation die WHO betont in ihrem World Report on Social Determinants of Health Equity, dass Diskriminierung eine strukturelle Barriere für gesundheitliche Chancengerechtigkeit ist.
00:02:00: Leuchtet alles ein?
00:02:02: Ist bis auf wenige Ausnahmen der Welt auch Common Sense?
00:02:06: Worum geht es jetzt in der Studie des Robert Koch Instituts?
00:02:09: Die untersucht die Verbreitung von Diskriminierungen in Deutschland und deren Folgen für die Gesundheit?
00:02:15: Grundlage ist das repräsentative Panel Gesundheit in Deutschland mit mehr als vierzigtausend registrierten Erwachsenen ab achtzehn Jahren.
00:02:23: Ausgewertet worden sind Selbstauskünfte zur Alltagsdiskriminierung, also zum Beispiel zu Häufigkeit und Gründen – und zu Mehrfachdiskriminierungen wenn zwei oder mehr der genannten Gründe vorliegen sowie die selbst eingeschätzte allgemeine und psychische Gesundheit.
00:02:39: Ganz großer Bayes hier?
00:02:40: Das ist alles selbsteingeschätzt!
00:02:42: Ihr wisst was das für die Studien Aussagefähigkeit von vornherein heißt.
00:02:47: Die ist eingeschränkt, weil das Ganze natürlich nicht objektiviert werden kann.
00:02:52: Christine Emmer sagt dazu, meine Ansicht nach ist die Studie des RKI sehr wertvoll, weil sie Diskriminierung in Deutschland systematisch erfasst und das Ausmaß an Diskriminierungen deutlich sichtbar macht.
00:03:03: Gleichzeitig ist wichtig zu betonen dass es sich um Querschnittsdaten handelt.
00:03:08: In den Ergebnissen der Studie fällt folgendes auf.
00:03:12: Die Diskriminierung ist häufig, zwei Drittel der Bevölkerung geben an, Diskriminierungen zumindest selten oder manchmal zu erleben – mehr als jeder Zehnte macht solche Erfahrungen oft oder sehr oft.
00:03:24: Als Gründe für ihre Diskriminierungserfahrungen haben die Befragten ihr Alter, ihr Einkommen, ihr Geschlecht, ihre Herkunft und verschiedene andere Punkte genannt Zum Beispiel auch Diskriminierung wegen des eigenen Gewichts oder wegen der sexuellen Orientierung.
00:03:40: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt einen Grund für die erlebte Diskriminierungen an, rund ein Viertel nennt zwei, weniger als ein Vierzeltrei – oder mehr Gründe!
00:03:50: Die Auswertung hat außerdem ergeben dass häufiger solche Menschen Diskriminierung erleben, die jünger sind, die trans oder genderdiverse sind, so zu ökonomisch benachteiligt sind oder eine Migrationsgeschichte haben.
00:04:05: Die Erfahrung von Alltagsdiskriminierung und Mehrfachdiskriminierung ist graduell mit schlechterer allgemeiner und psychischer Gesundheit assoziiert.
00:04:14: Je häufiger bzw je mehr Gründe angegeben werden, desto höher war der Anteil mit mittelmäßiger bis sehr schlechter allgemeine oder psychischer Gesundheits in der Selbstvernehmung.
00:04:25: Rund ein Drittel der Personen ohne Diskriminierungserfahrung beurteilt ihre allgemeine Gesundheit als mittelmäßig bis sehr schlecht.
00:04:32: Bei Menschen mit häufiger Diskriminierung war es fast die Hälfte.
00:04:37: Dazu wieder die Einschätzung von Christine Emmer.
00:04:39: Die Ergebnisse der RKI-Studie bieten, auch zusammen mit weiteren Erkenntnissen wie zum Beispiel des nationalen Diskriminierungs und Rassismusmonitors eine solide empirische Grundlage dafür dass viele Menschen in Deutschland von Diskriminierung betroffen sind.
00:04:54: Und das diese Erfahrungen mit gesundheitlichen Nachteilen einhergehen.
00:04:58: Ergänzend zeigen internationale Studien auch kausale Effekte von Diskriminierung auf die Gesundheit.
00:05:05: In einer aktuellen Übersichtsarbeit konnten wir solche Effekten robust
00:05:08: nachweisen.".
00:05:10: Diskriminierung wirkt sich über verschiedene Mechanismen auf Gesundheit aus.
00:05:13: Auf psychosozialer Ebene bedroht Diskriminierungen ganz klar grundlegende Bedürfnisse wie soziale Zugehörigkeit oder Selbstwert und wirkt gleichzeitig als chronischer Stressor.
00:05:24: Hinzu kommt strukturelle Diskriminierungs, die dazu beitragen kann dass betroffene schlechtere Wohn- und Arbeitsbedingungen haben geringere Einkommen erzielen oder schlechter Zugang zu Gesundheitsversorgung haben.
00:05:36: Deswegen macht es aus Public Health Sicht total Sinn, Diskriminierung ähnlich wie andere soziale Determinanten der Gesundheit zu behandeln.
00:05:44: Wir müssen Diskriminierungserfahrungen auf mehreren Ebenen adressieren – die RKI-Studie zeigt dass Diskriminierungen auch in Bereichen vorkommt, die eigentlich rechtlich geschützt sind etwa im Gesundheitssystem und im Arbeitsleben Und das viele Betroffene diese Erfahrungen nicht melden.
00:06:01: Wir brauchen daher stärkeren rechtlichen Schutz sowie niedrigschwellige Möglichkeiten, Diskriminierung zu melden und Unterstützung zu erhalten.
00:06:09: So das ist alles eine Menge an empirischen Daten die hochrelevant sind und jetzt aber übersetzt werden müssen in Handlungen im Gesundheitssystem.
00:06:19: Und da stellt sich die Frage wie solche Präventions- und Interventionsangebote aussehen können damit sie auch in der Realität genutzt werden können.
00:06:28: Das ist glaube ich ein Thema, das wir gerade im Gesundheitssystem nochmal deutlich stärker diskutieren sollten an praktischen Erfahrungen am besten aus dem eigenen Umfeld.
00:06:41: Das war eine Dosis Wissen für heute!
00:06:44: Die nächste Folge gibt's morgen ab sechs Uhr in der Früh überall da wo ihr Podcast findet.
00:06:48: Wenn euch die heutige Folge angesprochen hat dann hätt' mir noch eine Folge aus dem Februar, die wir in den Shownotes verlinken.
00:06:54: Es geht um Stigmatisierung bei Suchterkrankungen, die den Therapierfolg gefährden kann.
00:06:59: Die Folge mit meiner Kollegin Laura Weißenburger zum Nachhören, wie gesagt in den Schornots verlinkt gibt es auch überall da wo ihr Podcasts findet.
00:07:07: Danke dass ihr eine Dosis wissen
00:07:27: hört!
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