Antibiotika prägen das Darmmikrobiom über Jahre hinweg

Shownotes

Antibiotika zählen zu den bedeutendsten medizinischen Fortschritten. Sie bekämpfen aber nicht nur Krankheitserreger, sondern verändern auch die komplexe Gemeinschaft der Darmbakterien. Nachgewiesen war das bislang für kurze Zeiträume. Doch wie beeinflussen Antibiotika die Diversität der Darmbakterien langfristig? Das hat eine neue Studie in Nature Medicine unter die Lupe genommen. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und erklärt, welche Folgen die Ergebnisse für die Verschreibungspraxis von Antibiotika haben könnten.

Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: PD Dr. Lena Biehl

Stand: 7. Mai 2026

Quellen und nützliche Links

  • Aktuelle Studie zur Wirkung von Antibiotika auf das Darmmikrobiom (engl.; DOI: 10.1038/s41591-026-04284-y)

Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sebastian Brodkorb, Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH

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Transkript anzeigen

00:00:03: [Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt] gesundheit-hören.

00:00:04: Der Einsatz von Antibiotika ist bei bakteriellen Infektionen oft wirklich geboten, doch die Wirkung dieser Medikamente endet nicht mit dem Abklingen der Beschwerden – sie beeinflussen insbesondere das Darm Mikrobiom über einen langen Zeitraum hinweg ungünstig!

00:00:23: Guten Morgen und willkommen zu eine Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:28: Eine Dosis Wissen gibt es werktagsabsexuell in der Früh, im kompakten Zehn Minuten.

00:00:32: Ich bin Dennis Balwiser, ich bin Arzt und Teil der Chefredaktion der Apothekenumschau.

00:00:36: Heute ist Donnerstag, der siebte Mai, zwanzig.

00:00:48: Es geht um die Wirkung, die Antibiotika über die Akutphase hinaus auf das Damenmikrobium haben.

00:00:54: Dazu ist eine Studie von der Schwedischen Universität Uppsala In Nature Medicine erschienen gerade im März dieses Jahres.

00:01:02: Und über die haben wir mit Lena Biel gesprochen, sie ist Infektiologin und Mikrobiomforscherin an der Uniklinik Köln und am Fraunhofer Institut für translationale Medizin- und Pharmakologie.

00:01:14: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages!

00:01:23: Antibiotika sind ein wichtiges Mittel im Kampf gegen bakterielle Infektionen.

00:01:27: Der Antibiatikerverbrauch in Deutschland steigt tatsächlich immer noch!

00:01:31: Im Jahr ist es insgesamt mehr als dreißig Millionen Packungen Antibiotika über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet worden.

00:01:39: Eines der Probleme des Einsatzes von Antibiodika ist, sie stören das Darmikrobiom.

00:01:45: Es gibt kleinere Interventionsstudien bei gesunden ProbandInnen, die zeigen dass nach der Anwendung von Antibiotika zu einer kurzfristigen Abnahme der Diversität des Mikrobioms kommt.

00:01:56: Und Störungen dieses Darm-Mikrobiomes wiederum stehen im Zusammenhang mit kardiometabolischen Erkrankungen, Typ II Diabetes und noch vielem mehr.

00:02:06: Es fehlen aber Langzeitdaten zu den Auswirkungen von Antibiotika auf das Darm Mikrobiom – in diese Richtung geht jetzt die neue Studie in Nature Medicine!

00:02:15: Die Untersuch, den Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Gabe und der Zusammensetzung des Darmicrobiums.

00:02:21: Grundlage waren die Daten von fast fünfzehntausend Erwachsenen aus drei schwedischen Bevölkerungskohorten deren Darmikrobiomanalysen aus Stuhlproben mit Rezeptdaten aus dem schwedischem National Prescribed Drug Register verknüpft wurden.

00:02:36: Ich erspare Euch heute jeden meiner Kommentare über solche Register!

00:02:41: Die Gabe von Antibiotika haben die ForscherInnen dann für drei Zeitfenster analysiert.

00:02:46: Das erste Jahr, die Jahre eins bis vier und dann die Jahre vier bis acht.

00:02:52: Verglichen worden ist die Antibiatikagabe mit der Diversität und dem Anteil von Mikroorganismen einer bestimmten Spezies am gesamten Mikrobiom.

00:03:02: Kontrolliert worden ist das Ganze für verschiedene Störfaktoren, alter Geschlechtbildung, ob die Menschen geraucht haben wie der BMI war und andere Komobilitäten.

00:03:11: Außerdem natürlich auch welche Medikamente die Menschen sonst noch genommen haben – damit zu den Ergebnissen!

00:03:18: Die größte Verringerung der Diversität haben die ForscherInnen bei einer Antibiotika-Gabe weniger als ein Jahr vor einer genommenen Stuhlprobe gefunden.

00:03:27: Aber auch wenn die Antibiotika Gabe vier bis acht Jahre her war Dann konnte man noch Veränderungen der Diversität im Darmen Mikrobiom nachweisen, also eine wirklich lang anhaltende Wirkung.

00:03:39: Je mehr Antibiotika-Behandlungen die ProbandInnen erhalten hatten desto geringer war im Mittel die Diversitet des Darme Mikrobioms.

00:03:48: Der Großteil dieser negativen Assoziationen mit der Häufigkeit einzelner Spezies kam bei Klindermyzzin, Flurchinolonen und Flucoxazilin vor.

00:03:58: Schon ein einzelner Behandlungszyklus mit einem Antibiotikum aus einer dieser Wirksstoffklassen vier bis acht Jahre vor der Stuhluntersuchung war verknüpft mit Abweichungen der relativen Häufigkeit bei zehn bis fünfzehn Prozent der Bakterienspezius.

00:04:13: Deutlich weniger Effekte zeigen übrigens Penicilline, es gab aber auch Arten die unter Antibiotika Gaben eher angereichert worden sind zum Beispiel Selimonas intestinales.

00:04:24: Die sind wiederum verknüpft mit ungünstigen Werten, Kardiometabolischer Marker wie höheren BMI-Werten, einem schlechteren Teil in Hüffverhältnis – was ja mit dem BMI häufig einhergeht.

00:04:35: Und negativen Werten bei Trieglützeriden und dem CRP.

00:04:39: Umgekehrt waren die unter Antibiotika-Gabe selteneren Arten eher mit günstigeren Werten an diesen Markern verbunden.

00:04:48: Jetzt wollten wir von Mikrobiomforscherin Lena Biel einmal ihre Einschätzung dieser Ergebnisse hören.

00:04:53: Sie sagt uns im Gespräch mit eine Dosis wissen, diese Studienergebnisse decken sich mit dem was wir schon sehr lange in der Mikrobiome Forschung beobachten.

00:05:01: auch kleine Mengen Antibiotika können bereits einen teils langfristigen Effekt auf die Gesundheit und Krankheit von Patienten haben.

00:05:08: Veränderungen der Vielfalt des Darmikrobioms sind mit einer Vielzahl an Erkrankungen assoziiert.

00:05:14: So dass klar ist, es ist in jeder Lebenssituation und bei jeder Erkrankung wichtig das Mikrobiom zu schützen oder etwas für seine Vielfaltung zu tun.

00:05:22: Letzteres geht zum Beispiel durch eine ausgewogene Ernährung mit möglichst vielen Ballaststoffen.

00:05:27: Antibiotika sollten immer nur bei eindeutig bestehender Indikation eingesetzt werden und dann rational ausgewählt werden.

00:05:34: Die Wahl der Klasse sollte aber eindeutlich von den behandelnden Ärzten festgelegt werden, hier spielen neben dem Einfluss auf das Mikrobiom noch viele andere Aspekte eine Rolle wie zum Beispiel in Begleiterkrankungen einer Person oder die möglichen sonstigen Nebenwirkungen.

00:05:48: In Zukunft wird es vielleicht möglich sein, dass unsere Leitlinien für Antibiotikatherapie auch den Aspekt der Schädigung des Mikrobioms eindeutig gewichten und in die Empfehlungen mit einfließen lassen.

00:05:59: Aktuell sind wir aber schon einen ganzen Schritt weiter wenn alle zuständigen der potenziell schädlichen Effekte der Antibiotika auf das Mikrobiom bewusst wird und wenn auf unnötige Antibiatiktherapien verzichtet wird.

00:06:11: Soweit ein wichtiger Appell zu rationaler Antibiodikaterapie.

00:06:16: Wir haben hier ja das Problem, dass nicht wirklich in Frage steht bei vielen Indikationen ob man ein Antibiotikum einsetzen muss.

00:06:23: Das muss man häufig!

00:06:25: Die Frage ist was können wir künftig für das Darm Mikrobiom und damit für unsere langfristige Gesundheit tun wenn wir Antibiotika einsetzen müssen?

00:06:37: Das war eine Dosis Wissen für heute.

00:06:39: die nächste Folge gibt es morgen mit der zweiten Folge unseres Bewegungsspezials.

00:06:43: Es geht um motivierende Beratung in der Arztpraxis.

00:06:47: Darüber spricht meine Kollegin Laura Weißenburger mit Christine Josten von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

00:06:53: Gibt's morgen, ab sechs Uhr in der Früh, in deutlich mehr als zehn Minuten überall da, wo ihr Podcast hört!

00:06:59: Danke dass ihr eine Dosis wissen

00:07:22: hört.

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