Selbstverletzung bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu
Shownotes
Selbstverletzung gilt oft als Form der Emotionsregulation, als Versuch mit innerem Druck, Stress oder psychischer Überforderung umzugehen. Es ist kein neues Phänomen unter Kindern und Jugendlichen, aber in vielen wohlhabenden Ländern scheint sich das Problem in den vergangenen Jahren deutlich verschärft zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Metaanalyse. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und erklärt, wie die Situation in Deutschland ist.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Tina In-Albon
Stand: 20. Mai 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Meta-Analyse zu langfristigen Trends bei der Selbstverletzung von Kindern und Jugendlichen (engl.; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2026.0217)
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sebastian Brodkorb, Kareen Seidler, Sofia Zharinova;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:04: Das ist eine Schlagzeile, die muss man erst mal gut verarbeiten.
00:00:08: Die Selbstverletzung bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten zwanzig Jahren zugenommen.
00:00:12: Wumms!
00:00:13: Das trifft einen ganz schön vor allen Dingen wenn man selber Kinder hat.
00:00:17: aber wir gucken uns natürlich hier beine Dosiswissen an.
00:00:21: wie genau sehen die Zahlen denn dazu aus?
00:00:24: Stimmt das so könnte das auch irgendwie anders interpretiert werden.
00:00:27: und vor allem geben wir euch natürlich an die Hand was brauchen diese Kinder und Jugendliche, denn?
00:00:34: dass es sie gibt, das sie sich selbst verletzen.
00:00:37: Das wissen wir!
00:00:41: Und damit sage ich herzlich willkommen und nichtsdestotrotz hoffentlich einen guten Morgen bei der Dosis Wissen.
00:00:48: Ihr hört den täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:51: uns gibt es jeden Morgen in der Früh also immer Werktagsabs sechs Uhr und Wir haben ein Thema für euch aufbereitet in schnell zehn Minuten.
00:01:01: Mein Name ist Laura Weisenburger, ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau.
00:01:06: Und heute ist Mittwoch, der zwanzigste
00:01:08: Mai!
00:01:17: Und natürlich stammt dieser Satz, der einen so trifft.
00:01:21: Aus einer Studie, die ist erschienen im Jama Pediatrics – im März diesen Jahres und wir haben sie uns ganz genau angeguckt und das zusammen mit einer Expertin, die das für uns eingeordnet hat, und zwar mit Tina In Albonn.
00:01:36: Sie ist psychologische Psychotherapeutin, Direktorin des Instituts für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Leiterin der psychotherapeutischen Ambulanz An der Uni Mannheim.
00:01:49: Jetzt fehlt euer erster Kaffee des Tages und dann legen wir mal mit diesem wichtigen Thema los!
00:01:59: Da die Sache ja meistens leichter fällt, wenn man Dinge gut definieren kann beginnen wir damit – also es gibt selbst verletzendes Verhalten mit- und ohne Suizidabsicht.
00:02:10: Suizids brauche ich nicht groß erklären, vermeintliche Lösungen für eine anhaltende seelische Notlage Selbstverletzung dazu zählen so Dinge wie Ritzen etc.
00:02:23: Das kann eine Bewältigungsstrategie sein und verschafft eben den durchführenden, verübergehende Erleichterung vor allen Dingen von unerwünschten Emotionen.
00:02:34: Und die Zahlen hierzu sind ziemlich hoch.
00:02:37: nicht Suizidales Verhalten kennen wir, gerade im Jugendalter ist es ziemlich weit verbreitet.
00:02:43: Da liegt die Häufigkeit bei ungefähr fünfzehn bis zwanzig Prozent in der Normalbevölkerung.
00:02:48: Bei denjenigen, die sowieso sich in einem klinischen Setting befinden sind wir da schon bei fünfzig Prozent also.
00:02:55: Die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen, die klinisch behandelt werden, die sind dann auch betroffen.
00:03:01: Macht Sinn wenn man sich da die Risikofaktoren für Selbstverletzungen bei Kindern und Jugendlingen genauer anschaut.
00:03:07: Dazu kommen natürlich dramatische Dinge in der eigenen Biografie wie Missbrauch, in der Kindheit, Depressionen.
00:03:14: Angzustände.
00:03:16: Erlebtes Mobbing, erlebte Traumataar, psychische Erkrankungen.
00:03:20: auch Substanzkonsum, missbrauch fällt darunter.
00:03:24: die Scheidung der Eltern schlechte Familienbeziehung also ihr merkt es weitet sich immer mehr aus.
00:03:29: deswegen sind ja auch so viele betroffen.
00:03:32: was wir auch wissen ist, dass eine Selbstverletzung in den ersten beiden Lebensjahrzehnten mit einer geringeren Lebenserwartung ein Herd geht und zwar verringert die sich um elf bis achtzehn Jahre was ich erstaunlich viel finde.
00:03:48: Und die Studie in Jama Pidiatrix, um dies heute geht hat nun mal untersucht.
00:03:53: wie sieht es denn zeitlich aus?
00:03:54: Haben wir da eine Entwicklung?
00:03:56: hat sich etwas getan?
00:03:58: Dafür hat das Team eine systematische Übersichtsarbeit durchgeführt mit Meteranalyse von mehr als vierzig Studien.
00:04:05: Das wurde gesammelt in unterschiedlichsten OECD-Ländern, vor allen Dingen Nordamerika, Australien, Verein des Königreich.
00:04:12: ein paar europäischer Länder sind auch dabei Deutschland allerdings nicht.
00:04:16: also das kann man wenn man möchte so ein bisschen im Hinterkopf behalten.
00:04:19: es sind keine deutschen Studien eingeschlossen worden.
00:04:23: Insgesamt kam aber das Team so auf mehr als zweihundertdreißig Millionen betrachtete Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene.
00:04:32: Das Alter ging nämlich hoch bis einschließlich vierundzwanzig Jahren aus zwölf Ländern, die ein relativ hohes Einkommen hatten mit Beobachtungszeuträumen – also der einzelnen Studien dann wiederum von mindestens fünf Jahren.
00:04:46: Also diese Studien mussten mindestens fünfe Jahre laufen.
00:04:48: Dann wurden sie eingeschlossen!
00:04:50: Ausgewertet wurden natürlich Gesundheitsdaten wie eine Vorstellung in der Notaufnahme, Hospitalisierung als Kontakte gehabt.
00:04:59: Aber auch Auswärtungen von Selbstberichten aus Befragung dieser Kinder und Jugendlichen.
00:05:04: Der primäre Outcome, der angeschaut wurde war die relative Veränderung der jährlichen Rate von diesen Gesundheitskontakten wegen einer Selbstverletzung.
00:05:16: Leichter formuliert Wie oft stellten sich Kinder und Jugendliche wirklich ärztlich in der Notaufnahme oder derartiges vor aufgrund einer Selbstverletzung?
00:05:26: Und änderte sich diese Rate über die Jahre hinweg.
00:05:30: Sekundäre Outcome, relative Veränderung der jährlichen Rate von selbstberichteten Selbstverlätzungen.
00:05:37: also sahen wir da vielleicht eine andere Erzählung.
00:05:40: Unsere Expertin Tina in Albonn sagte dazu, das Review hat den Verlauf von selbstverletzenden Verhalten vorwiegend anhand einer Inanspruchnahme aufgezeigt.
00:05:50: Also denenjenigen die Hilfe aufgesucht haben.
00:05:53: Was ja betonte sie auch nicht gleich eine epidemiologischen Studie zur Erfassung von Häufigkeitsdaten darstellt?
00:06:02: Ja also hier das erste kleine Aufmerkt Das ist natürlich nicht das Gleiche.
00:06:08: Es sind nur die in Anspruchnahme, die wir anschauen.
00:06:11: Ist sie gestiegen oder gefallen?
00:06:13: Und da kommen wir jetzt auch sofort zu.
00:06:15: ganz kurzer halber Vorsatz noch!
00:06:18: Die Grundraten unterschiedend sich sehr stark zwischen den Nändern aber in allen war die Richtung ähnlich nämlich ein Aufwärtstrend.
00:06:28: Das heißt also für die Gesundheitskontakte Im Zeitraum von zweitausend bis zu zweitoßenvierundzwanzig fand die Studie einen jährlichen Anstieg von drei Komma fünf Prozent gar nicht so wenig.
00:06:41: Bei Selbstberichten war es ein bisschen weniger, das waren anstieg Von zwei Komma Fünf Prozent pro Jahr und bei Mädchen wenn man das geschlechtlich trennte War der Ansteg höher als bei Jungen.
00:06:54: Die Interpretation Der Autorinnen und Autoren der Studie war naja Allgemein könnte das natürlich an der Zunahme von psychischen Erkrankungen liegen.
00:07:06: Allerdings würden da Studien eigentlich unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich der Frage liefern, ob es eine solche Zunnahme wirklich gäbe?
00:07:14: Das ist uns ein bisschen zu schwammig und wir haben unsere Expertin Tina in Albonn gefragt wie sehen sie das?
00:07:19: und sie sagte Wir wissen dass selbstverletzendes Verhalten auch in Deutschland im Jugendalter ein sehr häufiges Problem ist und ein sehr häufig gesehenes Phänomen.
00:07:29: Ob es aber wirklich eine Zunahme von selbstverletzten Verhalten gibt oder ob das Bewusstsein dafür gestiegen und die Barrieren Kontakt zu suchen reduziert wurden, dazu gibt es ihres Wissens keine Zahlen.
00:07:45: Also ihr merkt auch da ordnet sie gleich so ein bisschen das Ergebnis ein – denn sie erklärt er saß weiter diesen Kindern und Jugendlichen mit selbstverletzten Verhalten in den Notdiensten, die könnte ja auch darauf zurückgeführt werden, dass die Betroffenen mit diesem Verhalten überhaupt Hilfe aufsuchen.
00:08:04: Also mehr in Anspruchnahme für die professionelle Hilfe zeigen – das wäre eigentlich eine sehr gute Nachricht!
00:08:13: Als mögliche Gründe überlegte sie mit uns zusammen, es könnte natürlich sein, dass sich die Betroffene einfach mehr trauen darüber zu sprechen Ist kleiner geworden, früher wurden zum Beispiel diese Personen mit selbstverletzten Verhalten oft auch fälschlich als Borderliner bezeichnet.
00:08:29: Das Wissen um Selbstverletzensverhalten im Hilfesystem selbst ist auch besser geworden.
00:08:34: das heißt es sind alles Faktoren die damit rein spielen allerdings und das gab sie auch noch mal zu bedenken.
00:08:40: wir wissen aus aktuellen epidemiologischen Studien auch dass sich dieses selbst verletzte Verhalten ins Kindesalter hinein verschiebt.
00:08:47: also der Beginn wird tendenziell Früher.
00:08:50: Deshalb war ihr Fazit auch ganz klar, wir müssen professionelle Behandlungsangebote deutlich verbessern, denn es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene und wichtig ist in ihren Augen daher vor allen Dingen auch wie wir mit den Lebenswelten dieser Kinder- und Jugendlichen umgehen die Selbstverletzungsverhalten haben, wie wir sie ansprechen sah sie darin besonders, dass Kinder und Jugendliche selbst zur Selbstverletzung und auch zur Suizidalität natürlich befragt werden.
00:09:26: Denn die Eltern wissen oft gar nichts von diesem Verhalten oder den Gedanken.
00:09:32: Als Quintessenz also für euch die Dosis zum Mitnehmen sozusagen ja wir sehen über alle Länder hinweg die Häufigkeit von selbst verletzten Verhalten im Kindes- und Jugendalter nimmt zu.
00:09:44: Die Expertin sagt es verschiebt sich ein bisschen nach vorne.
00:09:46: das beginnt früher.
00:09:48: Ob das eine echte Zunahme ist oder ob es eine erhöhte Inanspruchnahme ist, oder eine Instigmatisierung.
00:09:54: Das ist nicht ganz klar!
00:09:56: Unsere Aufgabe ist es die betroffene Kinder und Jugendlichen möglichst schnell Anhilfe heranzuführen damit sie diese rechtzeitig bekommen können.
00:10:09: Ich danke euch sehr fürs zuhören bei diesem wichtigen Thema Und wenn ihr Kritik, Anmerkungen, Lob was auch immer für uns habt dann könnt ihr das auch gerne in den Kommentaren zu dieser Folge
00:10:37: hinterlassen.
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