Bewegungsspezial: Mehr als „shrink it and pink it“ – Zyklus & Sport

Shownotes

Menstruation war lange ein Tabuthema – und auch im Kontext Sport ist der Zyklus untererforscht. In dieser Spezialfolge im Bewegungsmonat Mai spricht Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, mit der Sportwissenschaftlerin Elisabeth Maria Kirschbaum vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig. Es geht um den „Gender Data Gap“, um die Grenzen von Zyklus-Tracking und um die Frage, was Zyklusphasen wirklich mit Leistungsfähigkeit und Verletzungsrisiko zu tun haben.

Quellen und nützliche Links:

Beitrag zum Gender Data Gap

Buchkapitel zu Schwankungen des Verletzungsrisikos im Verlauf des Menstruationszyklus (engl.)

Querschnittsstudie zu hormoneller Verhütung, Menstruationszyklus und Verletzungsrisiko im weiblichen Spitzensport (engl.; DOI: 10.1002/hsr2.71812)

Folge von „The Sex Gap“ zum Thema Zyklus und Sport

Artikel zum Thema Bewegung in der Apotheken Umschau

Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“-Spezial:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;

Redaktion: Constanze Radnoti, Kareen Seidler, Sina Metz;

Postproduktion: Benedikt Möltner, Yves Seißler;

Chefredakteur: Peter Glück


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Transkript anzeigen

SPRECHER:

gesundheit-hören

DR. LAURA WEISENBURGER:

Zu Sport und Periode wurde gerade in den letzten Jahren sehr viel geforscht und was sich da alles getan hat, das müssen wir natürlich besprechen, hier bei der vierten Spezialfolge von ´ne Dosis Wissen zum Thema Bewegung.

Guten Morgen. Für diese Spezialfolge habe ich mir eine Expertin eingeladen, die sich auf dem Gebiet wunderbar auskennt, und zwar Elisabeth Maria Kirschbaum vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig. Sie ist Sportwissenschaftlerin und promoviert genau zu diesem Thema. Sport und Zyklus, Sport und Periode, Hormone, das ist alles genau ihr Thema. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe doch noch mal viel mehr über das Thema gelernt, als ich dachte. Mein Name ist Laura Weisenburger. Ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin im Team der Apotheken Umschau. Ihr hört die Folge am zweiundzwanzigsten Mai 2026 und jetzt wünsche ich euch dabei ganz viel Spaß.

SPRECHER:

Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Ich darf heute also bei ´ne Dosis Wissen begrüßen Elisabeth Maria Kirschbaum, herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind. Wir haben eine sehr weite Schalte dieses Mal, und zwar Sie sind gerade in Brisbane in Australien.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Ja, danke, dass ich hier sein darf. Ich freue mich.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Ja, wir müssen da ein ganz großes Danke natürlich sagen, dass Sie sich von so weit weg die Zeit nehmen. Sie sind, glaub ich, grade auf Kongress unterwegs als Sportwissenschaftlerin und eben auch Expertin im Bereich, ja, Sport und Frauen. Ich glaub, der Kongress dreht sich auch grade genau um dieses Thema, ne? Das steht im Fokus.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Genau, also der Kongress heißt Woman and Sport und ist vom Australian Institute of Sport organisiert und ist wahnsinnig inspirierend, hier die ganzen tollen Forscherinnen und Forscher zu hören, neueste Forschungsergebnisse zu bekommen und sich da auszutauschen, wo die Welt der Wissenschaft grade steht.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Wir hatten im Vorfeld jetzt schon kurz gesprochen. Sie sind eigentlich angestellt oder sind Mitarbeiterin am Institut für angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig, dort also Ihr Schwerpunkt. Aber jetzt haben Sie auch schon gesagt, quasi internationale Zusammenarbeit, das geht auch auf nationaler Ebene. Sie geben in Berlin an der Humboldt Universität im Mai, also wenn diese Folge dann auch ausgestrahlt wird, wir nehmen sie jetzt gerade ein bisschen früher auf, ein spezielles, ja, Blockseminar, wenn ich das richtig verstanden habe. Da geht's auch genau darum, dass die Studierenden mit Ihnen zusammen richtiggehend ein Studiendesign entwerfen, wenn ich das korrekt gelesen habe.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Genau. Und zwar ist es eine ganz tolle Möglichkeit, das nennt sich X-Student Research Group und wurde von der Berlin University Alliance gefördert. Und da haben eben ja junge Wissenschaftler:innen die Möglichkeit, Seminare zu geben, wo eben auch die Studierenden das forschende Lernen mitbekommen sollen. Und großes Anliegen ist mir eben, dass wir diesen Menstruationszyklus und generell die Arbeit mit Menstruationszyklus da auch ja näher beleuchten, weil das bisher so unsere Erfahrungen in den sportwissenschaftlichen Studiengängen eigentlich kein Thema ist. Und wir aber merken, dass es immer mehr in Öffentlichkeit diskutiert wird. Aber dann ja, vor allem eben, wenn wir von Studierenden Anfragen für Abschlussarbeiten bekommen, ja oftmals gedacht wird, okay, das geht relativ einfach, aber wenn wir das einfach wissenschaftlich sauber machen wollen und darum geht's hauptsächlich, dass wir evidenzbasiert arbeiten, ist es doch bisschen aufwendiger, als einfach nur Tagebuch zu führen.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Ja, da haben Sie's jetzt grade schon angesprochen, auch ich habe im Vorfeld recherchiert oder wir im Team haben geguckt. Ich selber bin auch drüber gestolpert. Ich glaub, vor 4 Jahren wollte ich das Thema mal in der Apotheken Umschau, die ja auch zu uns gehört, größer behandeln und stellte fest, Mist, also wie gesagt, das ist jetzt zwischen 4 oder 5 Jahre her, ich krieg da nur so einen kurzen Absatz zusammen, nämlich so viel weiß man noch nicht drüber und da ist es mir schon sehr, ja, aufgestoßen schon fast. Die Hälfte der Menschheit menstruiert. Ich gehöre jetzt auch dazu, ich gehe immer davon aus, Sie auch und wir wissen extrem wenig oder wussten bis vor wenigen Jahren noch extrem wenig über wie beeinflusst dieser schwankende Hormonhaushalt, dieser Zyklus, in dem sich so viele Menschen befinden, den Sport? Warum ist das so und wieso hat sich das jetzt auch bisschen verschoben, was ja gut ist?

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Ich da könnte man weit sogar vor Christus ausholen tatsächlich, wenn man ehrlich ist. Okay. Ja, und zwar ist es historisch gesehen einfach so, dass Menstruation natürlich mit Tabuthema, mit was Negativem verbunden ist. Das hat Ursprünge tatsächlich auch in der Bibel, also knapp ja, 500 vor Christus. Also wenn man sich überlegt, das sind zweieinhalbtausend Jahre inzwischen, in denen das irgendwie was mit Schlechtem verbunden wurde und dementsprechend natürlich auch ganz viel Unsicherheiten und ganz viel Negativen. Und wenn man sich überlegt, dass unsere Gesellschaft ja doch auch sehr patriarchal geprägt ist, überwiegend die Forschung bisher von Männern für Männer basierend auf Männern gemacht wurde, haben wir dann natürlich einen riesigen Gender Data Gap. Und das nicht nur nach Sportwissenschaft, sondern in ganz vielen Bereichen. Also ich glaub, den ersten Crashtest, ist tatsächlich vor 2 oder 3 Jahren erst entwickelt worden. Also da sehen wir, was für riesen Wissenslücken wir eigentlich generell haben und dass sich das natürlich in der Sportwissenschaft in gewissen Weisen repliziert, das ist ja in gewissen Form dann eigentlich auch nur selbstverständlich. Und ich glaub, da gab's interessante Studien, die sich da mal tatsächlich so diese größten Journals angeschaut haben und gesagt haben, okay, wie schauen so die Studienpopulationen aus?

Und das war von 2016 bis 2020 und ja, die haben eben rausgefunden, dass gerade mal 6 Prozent der Studien ausschließlich an Frauen gemacht wurden und 5-mal so viele dann ausschließlich an Männern, der Großteil dann eben gemischte Kohorten, aber da eben keine geschlechtsspezifischen Unterschiede analysiert worden. Und das ist natürlich Riesenproblem für uns in der Sportwissenschaft, aber natürlich auch in der weiteren Gesellschaft, dass wir eben dann sagen, okay, wir haben Empfehlungen, die meistens für Männer sind und ja, adaptieren die dann ein bisschen für Frauen. So klassisches Beispiel aus der Industrie ist irgendwie dann so shrink it and pink it und dann passt das schon ungefähr. Aber dass dann Frauen ja Grund auf in manchen Sachen zumindest doch verschieden sind als Männer, das wird einfach, ja, muss man eigentlich nahezu sagen ignoriert. Und das Thema hat tatsächlich an Fahrt gewonnen.

Zum einen deswegen, dass wir sehen, dass bei den Olympischen Spielen der Neuzeit inzwischen das Teilnehmerfeld. Paris waren die ersten Spiele, wo wir gleich viele Frauen wie Männer im Start hatten, was eine wahnsinnige, tolle Entwicklung ist. Und zudem haben wir aber auch mehr Athletinnen, die öffentlich ja auch so über Themen wie Menstruationszyklus sprechen. Also wir hatten jetzt bei den Olympischen Winterspiele, wo eine Dorothea Wierer drüber spricht, eine Amber Glenn, aber auch Agnes Reisch, die deutsche Skispringerin, was natürlich dann auch gewisse Themen im Diskurs und auch für die Wissenschaft setzt, was wahnsinnig toll ist.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Ja, das fand ich besonders spannend jetzt, dass Sie es ansprechen. Ich hatte mir das im Vorfeld auch noch mal genauer angeguckt. Ich glaube, Frau Reisch hatte sogar gesagt, dass da ging's um die Phase direkt vor der Periode, also nicht um die Periode per se, sondern in dieser Zyklussphase. Da sprach sie auch gar nicht über die Leistung, das fand ich sehr spannend, sondern es ging um die mentale Einstellung. Es ging, glaube ich, um ihre Angst und sie sagte, ich erzähle es jetzt mal für alle, die das nicht ganz so präsent haben oder nicht mehr so präsent haben.

Sie hat, glaube ich, den dritten Übungssprung ausgelassen, den die Athletinnen zur Verfügung haben, also Skispringerin. Sie durfte dreimal springen und sie hat beim dritten Sprung gesagt, das mache ich nicht. Ich bin einfach zu ängstlich in dieser Phase. Springt mir nichts mehr, noch mal zu springen. Warum sollte ich das tun?

Aber das war, das habe ich auch weiterverfolgt. Sie hatten Amber Glenn erwähnt, hat ihren Sprung im Eiskunstlauf verpasst. Dorothea Wierer im Biathlon hat sozusagen ihre, wie sie dann sagte, Bestleistung so nicht abrufen können. Es blieb quasi unter dem, was sie erwartet hatte. Das gab aber unschönen, ich formulier's jetzt mal vorsichtig, Gegenwind auch in den sozialen Medien und ja, nicht in den Medien offiziell, das hat sich niemand getraut.

Aber in den sozialen Medien war das da schon unschön, was dann passierte.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Absolut und das ist eigentlich erschreckend zu sehen. Und was ich besonders erschreckend fand in den Kommentarspalten, dass es nicht nur in Anführungszeichen nicht nur Männer waren, wo man ja eh auch von der Wissenschaft her auch bisschen weiß, dass man halt klar als Mann selber nicht menstruiert, dementsprechend die eigenen Erfahrungen nicht hat, sondern es auch teilweise viele Frauen waren, die so negativ waren. Das fand ich tatsächlich super erschreckend, anstatt dass wir da irgendwie gegenseitig empowern sind und uns unterstützen, das dann wirklich so, wir mussten da auch durch, so stell dich nicht so an, das ist das ist krass. Also es ist wirklich schockierend zu sehen, ja.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Umso wichtiger, dass wir jetzt noch mehr in die Forschung kommen und da würde ich jetzt so ein bisschen den Bogen wieder zurückspannen. Sie hatten ganz am Anfang schon erwähnt, im Seminar geht's auch darum, das ist bisschen mehr als Tagebuch führen. Ja, es ist einfach nicht nur in Anführungsstrichen. Ja, schreibt das halt mal auf, wie ist es so? Das hab ich nämlich ähnlich gefunden bei der Uni Twente, da gab's kleines Essay drüber und da hieß es vor allen Dingen, ja, wir haben so wahnsinnig viele Tracking Apps und immer noch gibt's da keinen vernünftigen Goldstandard, wie wir eigentlich tracken.

Also wie tracken wir die Periode, wie tracken wir die Symptome und so weiter und so fort. Warum? Was macht es so schwer?

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Ich glaube, was ein Thema ist tatsächlich, ist diese große Intraindividualität. Also die Unterschiede zwischen den Frauen, dass wir ganz verschiedene hormonelle Profile haben. Also wir haben auf der einen Seite zum Beispiel Mädchen vor der Pubertät, die noch nicht menstruieren, also die diesen Menstruationszyklus noch nicht haben. Dann haben wir während der Phase, in der Frauen menstruieren, also ungefähr so in Deutschland liegt das mittlere Männeralter bei 12.8 Jahren in der Normalbevölkerung. Im Sport sind wir knapp Jahr dahinter.

Da ab dem Zeitpunkt menstruieren Frauen für knapp 40 Jahre bis zur Menopause, also so in etwa an die 50 Jahre und dann setzt sie Menopause ein. Das heißt, wir haben allein schon mal da Frauen, die präpubertär sind oder Mädchen in dem Fall. Wir haben dann eben Frauen, Mädchen, die menstruieren und zuletzt haben wir dann natürlich auch Frauen in der Menopause. Und selbst innerhalb der Gruppe, die eigentlich menstruieren sollte, haben wir große Unterschiede. Wir haben zum einen großen Anteil, die hormonell verhüten und von dem her kein hormonelles Profil haben.

Und wir haben auf der anderen Seite natürlich auch Frauen, die schwanger sind oder stillen. Und auch das sind natürlich Riesenprobleme. Und im Sport haben wir noch weiteres großes Problem. Eigentlich sollten die normal menstruieren, aber haben aufgrund von Zyklusstörungen keine hormonellen Profile. Und das Ganze macht's dann natürlich schwieriger, wenn man dann im Zyklusmonitoring rein irgendwie Blutungsmuster anschaut, weil wir dann auch noch mal so Formen von subtilen Zyklusstörungen haben.

Also wir zum Beispiel keinen Eisprung sehen oder zu kurze Lutealphase, die man dann wieder nur mit genauerer Diagnostik erfassen kann. Und von der Wissenschaft her haben wir inzwischen eigentlich relativ guten Goldstandard, was das angeht. Auf der einen Seite ist natürlich Ultraschall, dieses serielle Follikelscreening auf alle Fälle so die beste Methode, aber das ist natürlich unfassbar aufwendig, sodass man sich eigentlich im Konsensus darauf geeinigt hat, dass es so quasi eine, ja, man sagt nur eine Three Step Methode gibt. Und das ist zum einen eben dieses Kalenderbasierte, also rein Fragebogen auszufüllen, wann menstruierst Du? Hast Du heute deine Blutung? Ja, nein? Und dann einfach die Tage quasi in Anführungszeichen zu zählen, bis die nächste Blutung einzusetzen. Das ist Step 1. Das Ganze wird dann kombiniert mit Ovulationstests oder LH-Tests, die dann eben im Urin den in Anführungszeichen Eisprung messen, beziehungsweise diesen LH-Anstieg, der dann den Eisprung auslöst. Das ist so der Step 2, wo wir schon mal verifizieren können, findet Eisprung statt oder nicht.

Auch da, nicht jeder LH-Anstieg ist automatisch Eisprung, aber in der Regel schon, es ist relativ zuverlässig. Und dann kommt, wenn wir in der Wissenschaft wirklich den Goldstandard anwenden, das Ganze noch mal mit Hormonanalysen zu verifizieren. Und das sind entweder Serumblutanalysen oder tatsächlich Speichelblutanalysen. Und das ist so aktuell der Goldstandard. Und wenn wir allein schon überdenken, was das erstens an Aufwand für die Proband:innen ist, aber zusätzlich an Aufwand finanziell, dann macht es das Ganze natürlich 'n bisschen schwieriger.

Es gibt auch Methoden, die man natürlich auch irgendwie zu Hause anwenden kann, bekannt aus der natürlichen Familienplanung, die dann eben auch noch den Zervixschleim beobachten oder so ein Temperaturanstieg. Aber auch das ist natürlich so, ja, hat eine gewisse Fehleranfälligkeit. Weil wir da einfach auch, wenn man zum Beispiel die Temperatur über Fieberthermometer oder über inzwischen gibt's ja diese ganz tollen Gadgets am Finger misst, dann sind die natürlich auch superanfällig für, zum Beispiel so Alkoholkonsum oder auch ja wie Fieber, Infekte, und nicht super genau. Es gibt tatsächlich ein Tool, was es inzwischen intravaginal misst. Das ist relativ zuverlässig, kostet natürlich auch wieder bisschen.

Und das ist natürlich 'n großer Faktor, der da eben auch mit reinspielt und diese Zervixschleimbeobachtung, die braucht eben auch bisschen, also nicht nur bisschen, die braucht einfach auch Erfahrung, dass man das dann irgendwann valide feststellen kann.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Also fürchterlich, ja, wie ich glaub, es war jetzt sehr gut dargestellt, wie aufwendig das wirklich für alle Beteiligten ja ist. Also so, Sie haben's schon gesagt, für die Frauen aber natürlich auch für diejenigen, die die Daten erfassen wollen und jetzt würde ich mal wirklich so komplett reingehen, Zyklus und Sport, wie wird's denn beeinflusst, wenn wir jetzt mal davon ausgehen, wir haben einen regelmäßigen Zyklus, da habe ich jetzt auch keine Unregelmäßigkeiten, auch keine kleinen. Wie lassen sich die Phasen so ungefähr übertragen? Also was bedeutet das für meine körperliche Fitness, für meine Verletzungsanfälligkeit, aber vielleicht auch für meine Leistungsfähigkeit, die einzelnen Zyklusphasen?

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Also grundsätzlich unterteilen wir ja, so kann man den Zyklus in mehrere Phasen unterteilen. Ich glaub, die einfachste Unterteilung ist tatsächlich die Follikelphase und die Lutealphase, die durch Eisprung getrennt werden. Aber auch da, je nach Definition, kann man dann auch noch mal eine frühe Follikelphase unterscheiden, eine späte Follikelphase, eine frühe Lutealphase, eine mittlere und eine späte Lutealphase. Also dann haben wir teilweise schon 6 Phasen. Das macht's natürlich dann auch nicht einfacher.

Ja, das ist superspannend, weil wir da auf einerseits zumindest was die Leistungsfähigkeit unterscheiden, das, was Sportlerinnen subjektiv berichten, also wie sie sich fühlen. Und dann auf der einen Seite das, was wir objektiv messen können. Und dort sind tatsächlich in den letzten Jahren relativ gute Reviews erschienen, also die, die mehrere Studien ja zusammenfassen und Metaanalysen. Und ja, was eben rausgekommen ist, ist tatsächlich, dass bei dieser subjektiven Leistungsfähigkeit tatsächlich zwischen, je nach Studiendesign zwischen 2 Prozent und alle Frauen sagen, dass sie sich negativ zu irgendwelchen Phasen im Zyklus beeinflusst fühlen. Und das ist schon Ja, das ist eine relativ große Menge und über alle Studien hinweg ist es so, muss man sagen, jede zweite Frau.

Und ich glaub, da kann jede Person in sich selber mal reinhören, wie's ihr so selber damit geht. Und wahrscheinlich wird man Leute kennen, denen ist das eigentlich relativ wurscht, was grade los ist. Die sind relativ konstant und andere, die merken das irgendwie stärker. Und betrachtet man das Ganze jetzt zum Beispiel von der objektiven Seite, dann ist es superinteressant zu sehen, dass wir da eigentlich nahezu keine Unterschiede sehen zwischen den Phasen.

Also da haben wir zwischen den Studien tatsächlich eine sehr große Variabilität und ja, was so ebenso im häufigsten Vergleich wurde, wurde dann eben so diese frühe Follikelphase, also die Menstruationsphase mit, ja, mit eigentlich allen anderen Phasen. Man konnte da tatsächlich so minimale Leistungseinbußen in dieser frühen Follikelphase sehen, Aber das war tatsächlich jetzt nicht sonderlich groß, sodass die Autorinnen da auch irgendwie auch geschlussfolgert hatten, dass es klar, im Leistungssport, wenn man sich überlegt, bei olympischen Spielen sind dann vielleicht irgendwie Ich glaub, Emma Aicher jetzt mit irgendwie vier Hundertsteln wurde Zweite – Silber, Bronze, also ne, Silber und Gold. Das ist superknapp beieinander. Dann sind diese minimalen Unterschiede extrem entscheidend. Aber im Jahr in der Normalbevölkerung, wenn ich aber sportlich aktiv bin, dann ist es wahrscheinlich eher, kann man knapp sagen, vernachlässigbar auf Gruppenebene.

Also das ist wichtig zu sagen, sodass sie immer eigentlich alle Studien aktuell einen persönlichen individualisierten Ansatz empfehlen. Und das ist tatsächlich, was jetzt auch neuere Forschungsergebnisse rausgefunden haben und was auch wir feststellen konnten in einer Studie, dass wir tatsächlich vor allem dann, wenn eben Frauen Symptome in ihrem Zyklus wahrnehmen, dass sich dann die Leistung verschlechtert. Und das ist auf der einen Seite total gut zu wissen, weil die Symptome sind dann doch irgendwie vielleicht leichter zu managen als ein Zyklus per se. Da haben wir aktuell nur irgendwie die Option, ich nehme irgendwie hormonelle Kontrazeptiva und manipuliere in dem Sinne meinen Zyklus oder ich gehe bewusst in eine Zyklusstörung, was ich niemandem raten würde, weil wir dann einfach ganz starke Konsequenzen für die Gesundheit haben.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Also ganz kurz an der Stelle eingehakt, Entschuldigung, Zyklusstörung bewusst in die Zyklusstörung gehen durch Übertraining, durch restriktives Essverhalten oder wie würde man sich da reinbegeben?

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Genau, also das sind so oftmals die Mechanismen und oftmals sind das gar nicht so in Anführungszeichen mit Absicht, sondern es passiert tatsächlich auch unabsichtlich, dass man einfach auch vielleicht nicht weiß, was man durch die Energie zu sich braucht oder was man durch den Energieverbrauch eigentlich zu sich nehmen sollte. Die Ausdauersportler:innen habe ich das Gefühl, dass die eigentlich, und das war jetzt auch so Konsensus eigentlich auf der Konferenz, dass Ausdauersportler:innen meistens sehr, sehr gut wissen, was die an Energie verbrauchen und wann die inzwischen Energie zu sich nehmen sollen. Also da sind wir inzwischen haben wir echt cool ausgebildete Athlet:innen. Wenn hier gingen wir an anderen Sportarten das dieses Wissen eben nicht vorhanden haben und das ist natürlich dann also es kann einfach auch passieren, dass man zum Beispiel einfach zu wenig isst oder nicht weiß, wann man richtig essen sollte. Und vielleicht ist es auch unbewusst passiert, aber man das irgendwie so als positiven Side Effekt eben sieht, dass man halt dann nicht mehr menstruiert, dass man vielleicht dann auch nicht mehr irgendwie mit der Menstruation, beim Wettkampf irgendwie zu tun haben muss. Dass zumindest auch, was wir aus anderen Studien wissen, viele Sportler:innen berichten und was aber drastische Folgen tatsächlich dann auch sowohl für die langfristige Leistungsentwicklung haben kann, aber natürlich auch für die Gesundheit. Wenn wir auch an so Knochengesundheit denken, aber auch viele weitere Aspekte, die in diesem REDS-Komplex, also diesem relativen Energiedefizit im Sport eben zusammengefasst sind. Und genau, das ist dann eben so oftmals so ein Punkt, wo man zumindest den Zyklus in dem Sinne verändern kann, weil man da einfach nicht mehr häufiger, ja, menstruiert und dadurch vielleicht dann auch möglicherweise weniger Symptome hat, weil diese Symptome typischerweise sowohl während der Menstruation auftreten als auch und da sind wir wären wir wieder bei Agnes Reisch, in diesem prämenstruellen Fenster. Aber es gibt auch und das ist superinteressant und superwichtig zu wissen, dass auch immer zu verschiedenen Phasen im Zyklus Symptome auftreten können. Also wir haben auch Frauen, die zum Beispiel die den Eisprung extrem, extrem stark merken und auch währenddessen Symptome haben, wo man eigentlich sagen würde, so, hey, eigentlich sollte es dir in Anführungszeichen heute noch super gehen und das ist krass individuell und deswegen macht's das Ganze natürlich von wissenschaftlicher Seite umso schwieriger.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Und in dem, wenn ich jetzt das jetzt richtig verstanden habe, ist da auch keine gruppenmäßige allgemeingültige Empfehlung möglich von wegen, na ja, Du befindest dich jetzt grade in deiner Eisprungphase, also jetzt wäre Krafttraining ist total mega oder prämenstruell jetzt schön langsam. So ganz für alle passen tut es nicht.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Nee, auch wenn wir da tatsächlich sehen, dass da aktuell oft der der Diskurs zumindest, sag ich mal, in der Öffentlichkeit eben da ist. Ja. Dass irgendwie oftmals empfohlen wird, hier in der Phase sollst Du das und das machen, in der und der Phase auf gar keinen Fall das und das. Ja, als seriöse Wissenschaftlerin muss ich einfach sagen, diese Evidenz haben wir nicht. Und das heißt, wir können es einfach nicht sagen.

Aktuell sind so die Studien, auf dem diese Annahme zu diesem zyklusbasierten Training und da sprechen wir lediglich über Krafttraining und lediglich über wann setzen wir die Reize, also von der Frequenz her? Wir haben dort aktuell vier Studien weltweit.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Das ist ja fast schon lächerlich von der Menge. Also vier Studien ist natürlich quasi nichts, an Evidenz.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Genau und da jetzt von Evidenz zu sprechen, das wäre eigentlich, muss man sagen, vermessen, zumal auch einige Studien einfach auch methodische Mängel haben. Das muss man einfach auch so klar anerkennen. Und neuere Studien, die sich jetzt haben, zum Beispiel so im Kraft Bereich auch so die Muskelproteinsynthese angeschaut haben in Verbindung mit Östrogen und Progesteron, die konnten da auch phasenabhängig keine Unterschiede finden. Also so, dass dort, muss man sagen, dass wir eigentlich keine Evidenz haben, was das angeht, zyklusgesteuert zu trainieren. Trotzdem wissen wir von den Studien, dass es natürlich superwichtig ist, auch auf den Körper zu hören.

Ich glaub, eine Agnes Reisch hat das super deutlich gemacht, dass sie inzwischen so ein Körperbewusstsein hat für sich, für ihren Zyklus, weiß, was ihr wann irgendwie guttut und was ihr vielleicht auch wann nicht guttut. Das auch so zu kommunizieren, das ist dann der nächste Step, was unfassbar wichtig ist und wo wir einfach auch Riesenpotenzial sehen, weil zumindest im Sport Deutschland aus eigenen Daten knapp ein Fünftel der Sportlerinnen mit ihren Trainer:innen über Zyklus spricht. Bei den Trainern waren es ein Ticken mehr, die zumindest gesagt haben, sie sprechen drüber.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Erschreckend wenig, finde ich, an der Stelle. Ein Fünftel ist ja fast nix eigentlich.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Nee, aber ich glaub, dass Wenn man sich das überhaupt überlegt, ich meine, wir sprechen jetzt heute so offen über den Zyklus. Ich glaub, vor einigen Jahren war das noch so unvorstellbar. Da war das eher so ein Thema, was man dann vielleicht mal irgendwie mit den engsten Freundinnen dann irgendwie besprochen hat, aber jetzt, wo man irgendwie nicht so die öffentliche Aufmerksamkeit eben entsprechend hatte. Und auch da ist es dann eben wichtig, wenn wir Symptome haben oder wenn wir Frauen haben, die sagen, heute geht nichts, heut fühl ich mich irgendwie von der Risikobereitschaft oder auch generell von der mentalen Seite nicht so gut, dann ist es total wichtig, dass sie auf ihren Körper hören und dann ist es auch total wichtig, das zu empowern und nicht dann irgendwie sagen so, ja, aber Du hast dich jetzt irgendwie anders zu fühlen oder den anderen Frauen, ja, die fühlen sich nicht so, jetzt stell dich mal nicht so an, Also das ist extrem wichtig, dass man dein Bewusstsein für den eigenen Körper schafft und dass man dann dieses Bewusstsein auch dementsprechend versucht zu artikulieren und selber herauszufinden, was tut mir gut und was tut mir nicht so gut.

Und auch da haben wir leider aktuell, so leid es mir tut, kein Rezept, wo wir sagen können, das mach jetzt in der Phase und das mach auf gar keinen Fall. Das wäre einfach, ja, unseriös, muss man einfach klar sagen.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Ja, total. Also da gehen wir auch komplett mit, denke ich, hier komplett im Team und bei der Apotheken Umschau natürlich auch. Das ist ja auch was wert, wenn ich evidenzbasiert sagen kann, da gibt es keine Empfehlung, so overall für alle passend, sondern die Empfehlung ist ja dann viel eher ganz individuell hinschauen, vielleicht Zyklustagebuch, Symptomtagebuch, Leistungstagebuch, was auch immer man da dokumentieren kann, führen und für sich selber rausfinden. Ah, alles klar. Also ich habe es tatsächlich bei mir selbst schon bisschen rausgefunden. Ich gehe gerne und regelmäßig zum Sport.

Ich bin auch lieber jemand, der dann alleine, ich geh dann laufen oder ich mach Krafttraining oder so was und ich habe versucht, drauf zu achten, wie ist das bei meiner Periode und hab genau das festgestellt, was Sie gesagt haben, nämlich prämenstruell bin ich nicht diejenige, die sich dann verkriecht und sagt, oh nee, ich mag jetzt nicht, da ist mein Aggressionspotenzial auch bisschen höher zugegebenermaßen und das fließt dann in die Bewegung. Also da geht alle Energie geht in diese Bewegung rein. Ich kenn das schon und eigentlich ist das auch eine ganz gute Lösung für alle Beteiligten. Aber es ist natürlich, es geht konträr zu diesem üblichen, na ja, da will man sich vielleicht eher schonen.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Auf jeden Fall und also vielleicht auch das zumindest, da haben wir Evidenz, dass es zumindest auch Studien gibt, die sagen, dass Sport vielleicht auch bei so Symptomen helfen kann. Und da haben wir aber jetzt nicht nur, sag ich, den einen Sport, sondern das war in der Kohorte, wo sie verschiedene Sportarten probiert haben. Wo sie einerseits gesagt haben, bleib in deiner Sportart, mach den Sport, mach irgendwie Yoga, mach irgendwie progressive Muskelrelaxation, mach gar nichts und also ja gar nicht als Kontrollgruppe. Und da war tatsächlich das Hauptergebnis eigentlich, dass alles besser war, als gar nichts zu tun. Aber dass man jetzt nicht klar sagen konnte, Du musst unbedingt den Sport machen oder Du musst unbedingt Atemübungen machen oder Yoga, sondern ja, das ist egal, über was man gemacht hat, dass aber alles tatsächlich sich besser ausgewirkt hat auf so Symptome. Und das muss man einfach dann für sich herausfinden, was tut mir gut, was tut mir heute nicht gut. Und für die eine ist es dann vielleicht irgendwie 5-Kilometer-Lauf, den man wo man einfach alles rauslässt, wo man einfach sagt, okay, ich lauf jetzt vielleicht einfach so in den Schmerz hinein oder lauf den Schmerz hinaus. Und das hilft mir. Für die anderen ist es dann vielleicht eher entspannte Yoga- oder Pilateseinheit zu Hause. Und für die anderen ist es vielleicht einfach Spaziergang oder so.

Und das ist total, ja, total wichtig und hilft auch, glaube ich, allen mehr, als wenn man dann im Training sich versucht, zu fokussieren auf gewisse Zyklusphasen und zu sagen, ich trainier jetzt mal eine Woche pauschal nicht, weil da ja möglicherweise was schlecht sein könnte, was ja dann auch für die langfristige Trainingsentwicklung, ja, Faktor sein könnte.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Jetzt haben wir viel über so genau Leistung und Nichtleistung gesprochen. Gibt's denn auch Phasen, wo man sagt, also es war, glaube ich, so ein bisschen im Gespräch zur vergangenen Weltmeister Frauen-Fußballweltmeisterschaft, so rum. Da gab es ja vermehrt Kreuzbandrisse und da war, glaube ich, der Zyklus auch zumindest in der Diskussion, gibt's da Ergebnisse zu, dass man sagen kann, ja oder ist das da ähnlich individuell, dass man sagt, na ja, da muss man gucken. Geht natürlich dann nur bei Frauen, die sich im Leistungssport bewegen, okay, das ist keine gute Phase für, sagen wir mal, Belastung von Bändern oder derartiges.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Es ist superspannendes Thema, weil insbesondere das Thema Kreuzbandriss so sehr, sehr oft im Zusammenhang mit dem Zyklus betrachtet wird. Wir haben auf der einen Seite Evidenz, dass klar, je nach Studienlage Frauen zwei- bis achtfach höheres Risiko generell für Kreuzbandrisse haben als Männer. Wo natürlich auch natürlich andere Faktoren mit reinspielen und ein Faktor eben unter anderem der Zyklus sein kann, weil es natürlich so Hauptunterschied eben auch ist zwischen Männern und Frauen. Aber meiner persönlichen Meinung nach und auch das, was wir wissenschaftlich rausgefunden haben, habe ich das Gefühl, dass dem in der ganzen Diskussion bisschen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und oft das dann heißt, ja, Du bist halt in der Zyklussphase, na klar verletzt Du dich, bist selber schuld. Das ist dann oftmals eben, ich sag bewusst, in der Mitte des Zyklus, weil wir einfach auch da von den Methodiken her oftmals einfach nur so retrospektive Befragungen haben, so wann warst Du ungefähr im Zyklus und wir eben auch keine Konfirmation des Eisprungs hatten. Deswegen würde ich mal sagen, in der Zyklusmitte oder etwa.

Aber wir tatsächlich in vielen Risikofaktoren auf neuromuskulärer Ebene keine Zyklusphasenabhängigen Unterschiede sehen. Eine häufig zitierte Studie ist tatsächlich eine Studie, die sich dann so die Bändereigenschaft anschaut. Man muss dort aber klar sagen, dass das Kreuzbänder von, ich sag jetzt mal ganz provokativ gesagt, von nicht lebendigen Lebewesen sind, die dann in Östrogen gelegt wurden. Ach so. Diese Präparate sich dann angeschaut wurden und dadurch dann festgestellt haben, ah, die sind jetzt irgendwie 'n bisschen weicher und dadurch vermutlich anfälliger für Kreuzbandrisse.

Und wenn wir das auf so Evidenzstufe anschauen, dann ist das eigentlich eine sehr, sehr geringe Evidenz, die wir haben. Aber diese Studie ist so wahnsinnig häufig zitiert und auch in diesem kausalen Zusammenhang, Dass wir da einfach irgendwie oftmals sagen, klar, die Bänder sind weicher, natürlich verletzt Du dich. Und wir haben aber ganz interessante Studien aus der Kognition, die tatsächlich auch feststellen, dass wir zum Beispiel um den Eisprung herum eine erhöhte Risikobereitschaft haben, was auch mit so Testosteron-Peek korreliert ist, und man vielleicht sehen kann, dass Sportlerinnen zu solchen Phasen anders in Zweikämpfe gehen oder vielleicht noch aggressiver spielen und dadurch vielleicht in Situationen kommen, in denen sie zu anderen Phasen des Zyklus möglicherweise nicht kommen. Und um jetzt gerne noch mal die Klammer vielleicht auch weiter zu machen, sehen wir im Frauensport aber auch natürlich extreme Unterschiede, was so ja Professionalisierung angeht, was Trainingsausstattung angeht, was aber auch so dieses Trainingsalter angeht, was Krafttraining, also so präventive Faktoren angeht, sodass ich da inzwischen mal versuche, so den Fokus hinzulegen, weil ich finde, es ist mir oftmals bisschen zu einfach, dann zu sagen, ja, der Zyklus ist schuld, weil die Frage ist, was kann ich da machen?

Gibt es Studien, die zumindest suggerieren, dass wenn junge Frauen dann die Pille nehmen, also insbesondere so dreizehn- bis sechzehnjährige Mädchen, dass es dann vielleicht einen leicht protektiven Effekt haben könnte? Bewusst sehr vorsichtig formuliert, hat natürlich auch vielleicht andere Nebenwirkungen, die Pille einfach so zu nehmen. Also oder nicht nur hart vielleicht, sondern definitiv. Aber dann, wenn wir sehen, dass die Frauen eben älter werden, dann sehen wir diese Unterschiede eben nicht mehr. Und oftmals war es so ein Thema, ja, dann nimm die Pille, dann hast Du dieses Risiko nicht.

Ja, das kann nicht die Lösung sein und das ist sie auch rein wissenschaftlich gesehen von den Daten, die wir zum jetzigen Zeitpunkt haben, eben nicht. Und vielmehr ist es dann tatsächlich auch so was wie, man investiert in die Strukturen, man investiert in den Frauensport, man investiert insbesondere in die Nachwuchsarbeit und das wäre dann eine viel, viel effektivere Kreuzbandrissprävention, als sich rein irgendwie an den Zyklus anzuschauen und möglicherweise zu sagen, dann spielst Du während der Phase halt nicht.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Ja, also wir dürfen viel breiter gerne gucken und denken.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Auf jeden Fall.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Jetzt hatten Sie grade auch schon ein Thema ziemlich deutlich angesprochen, nämlich dieses Reinkommen von diesem Übergang grade auch eben von ja, Mädchen, die noch keine Frauen sind, noch prämenstruell, in dem Sinne auch keinen Zyklus haben und vom Breitensport vielleicht auch langsam in den Profisport wechseln. Da hab ich aufgeschnappt, da gibt's auch nicht so wirklich, also da sind wir immer noch son bisschen, ganz tolles Wortspiel übrigens, was Sie am Anfang erwähnt haben. Was war das? Shrink it and pink it, also einfach mal das, was wir von den Jungen wissen, oder den Männern übertragen auf die Mädchen beziehungsweise Frauen und einfach anwenden. Ist das hier ähnliches Problem, was wir bei diesem bei der Jugendförderung der Mädchen sehen?

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Ich glaub, man muss auf der einen Seite sagen, insbesondere wenn wir im Fußball schauen, dann ist das wahnsinnig früh wahnsinnig professionell, weil einfach unfassbare Mengen an Geld sind. Ich bin ja selber nicht im Fußball drin, aber was man zumindest so hört und liest, dass dann irgendwie schon zehnjährige, zwölfjährige Kinder irgendwie Agenten haben und die Eltern in Anführungszeichen so die die Geldscheine in den Augen sehen. Ich glaub, das ist einfach im Mädchenbereich nicht so. Und das spielt definitiv eine Rolle, dass dann bereits Jungs schon viel früher dieses professionelle Umfeld, also insbesondere auch im Fußball kennenlernen und wir da auf der einen Seite aber auch oftmals auch noch so Probleme haben wie ja gesellschaftliche Wahrnehmungen zum Beispiel, insbesondere wenn's irgendwie ums Krafttraining geht. Und ja, spielt Social Media, spielt die Gesellschaft eine wahnsinnige Rolle, werden wir insbesondere sehen, dass so Body Positivity natürlich ein Thema ist.

Wir hatten jetzt seit Paris mit Ilona Maher eine wahnsinnige Vorreiterin, was eben dieses Strong am Beautiful angeht. Und nicht nur, ich bin jetzt nur beautiful. Also auch das ist Thema. Und zusätzlich haben wir natürlich auch im Mädchenbereich in dem Alter Pubertät wahnsinnig hohen Dropout aus dem Sport. Und das ist natürlich definitiv ein Problem, wenn wir später uns ja, die Breite eben auch anschauen wollen.

Und zusätzlich haben wir halt während der Pubertät einfach auch wahnsinnige Herausforderungen, was so auch ja, die Entwicklungsstände eben angeht, weil dann eben nicht nur das Alter eine Rolle spielt, sondern natürlich auch dieses biologische Alter. Also wie weit sind Sie in der Pubertät fortgeschritten und wie sind da so die Zustände? Und da findet aktuell schon Umdenken statt, aber auch da haben wir, glaube ich, noch nach wie vor wahnsinniges Potenzial.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Potenzial ist insofern gutes Stichwort, weil ich mir noch aufgeschrieben habe, das war ein ganz interessanter Beitrag. Da ging's darum, wurde besprochen, dass Frauen inzwischen bei in vielen Disziplinen, gerade was die Ausdauer angeht, die Männerrekorde, muss man wirklich sagen, das sind Rekordhalter gewesen, die werden alle geknackt. Und da gibt's zig Beispiele, ja, Ärmelkanal durchschwommen, viel schneller, Ultraläuferinnen, Rekorde geknackt, also da braucht man gar nicht so viel suchen, da findet man sehr, sehr schnell Beispiele.

Und meine Frage wäre, wenn wir mehr wissen, was wir ja hoffentlich dann in den nächsten 5 bis 10 bis 20 Jahren dann irgendwann mal tun, wenn die Studienlage viel besser ist als nur wir haben 4 Studien weltweit zu Krafttraining, ist da noch Luft nach oben? Sind vielleicht Frauen bis jetzt, haben die vielleicht wurden die falsch beraten? Nämlich so, na ja, trainierst Du halt durch und Periode erachten wir als nicht so wichtig. Macht das wird das den Unterschied machen noch?

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Auf der einen Seite ist es, wir gucken in eine Glaskugel.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Das ist ja ein bisschen gemein.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Ja, definitiv. Ich würde trotzdem sagen, dass wir da wahnsinniges Potenzial haben und dass wir da auf alle Fälle die Frauen auch noch besser machen können. Und man sieht, die Länder, die viel in Frauensport investieren, ich bin grade hier, Australien ist Vorreiter da drin, auch Neuseeland, USA. Da sieht man auch teilweise, wie gut die Frauen bei Olympischen Spielen, Paralympischen Spielen performen, dass sie dann auch für große Medaillen eben auch sorgen. Und wir haben auf der einen Seite auch, was wir im Fußball sehen, dass der Sport unfassbar athletisch wird, dass er unfassbar ja von den Zahlen her.

Wir haben deutlich höhere Laufraten und alles und high intensity efforts. Also auch da ist natürlich 'n wahnsinniges Potenzial drin auf der einen Seite. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich auch die Frauen, die Mädchen vorbereiten auf diese Belastungen. Und da sind wir auch wieder bei Verletzungen. Auch das ist natürlich wichtiges Thema, dass wir die nicht plötzlich ins kalte Wasser schmeißen und sagen, ich muss jetzt irgendwie noch Champion League spielen Mittwochabend und hab aber irgendwie parallel noch trotzdem uniduale Karriere.

Das sind einfach wahnsinnige Herausforderungen. Aber ich denke trotzdem, wenn wir die Wissenschaft, also die wissenschaftliche Evidenz bekommen, den Zyklus auch berücksichtigen und uns mehr damit auseinandersetzen, dass wir auch viele Frauen eben empowern können. Sei es, dass wir junge Mädchen länger im Sport behalten können, dass wir dadurch vielleicht eine größere generell Masse an Sportlerinnen oder potenziellen Sportlerinnen haben. Auch das ist natürlich superwichtig auf dem Weg dann irgendwann in die Spitze, dass man überhaupt aus so einem Talentenpool auch auswählen kann und oder selektieren kann. Und nicht, man sagt, wir haben nur noch eine und die muss es jetzt irgendwie richten.

Natürlich dann auch generell so diese Trainingsqualität erhöht, aber was natürlich dann auch diese Aspekte nach der Karriere erhöht, insbesondere dann Kinderwunsch, Familienplanung. Auch da sind wir inzwischen, was das angeht, ja, in manchen Verbänden, in manchen Ländern auch besser, dass es nicht nur heißt Kind oder Karriere, sondern dass es auch heißt Kind und Karriere. Also auch das sind Aspekte, die natürlich da eine Riesenrolle spielen und ich würde mir wünschen, dass es so ist. Ich werde auf alle Fälle oder wir werden von wissenschaftlicher Seite doch alles für tun und hoffen, dass es da natürlich auch viele andere gibt, die sich dem Thema annehmen und da irgendwie Lust haben, das Ganze mit nach vorne zu bringen.

DR. LAURA WEISENBURGER:

Das werden wir, denke ich mal, auf jeden Fall journalistisch mitbegleiten, steht auf unseren Fahnen groß drauf, und eventuell sprechen wir dann einfach noch mal in 5 Jahren, wie's inzwischen ausschaut, was sich da noch weiter getan hat. Ich sag an der Stelle ganz, ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, nach der großen Konferenz aus Australien dann auch noch so lange mit uns über Zyklus und Sport zu sprechen. Es war ein superspannendes Gespräch, auch viele Dinge, die mir so noch nicht bewusst waren oder bekannt waren. Ganz herzlichen Dank.

ELISABETH MARIA KIRSCHBAUM:

Sehr gerne.

DR. LAURA WEISENBURGER: Das waren jetzt ganz, ganz viele Informationen, Neuigkeiten zum Thema Periode und Sport. Wenn ihr euch da noch mal mehr einlesen möchtet, dann haben wir natürlich verschiedenste Studien für euch rausgesucht zu dem Thema und in den Shownotes verlinkt, genauso wie unsere Folge von The Sex Gap, auch genau zu dem Thema Sport und Periode. Auch den Link findet ihr in den Shownotes und dann erinnere ich euch natürlich auch noch an die letzte Spezialfolge zum Thema Bewegung, die ihr nächsten Freitag hier hört und da soll es darum gehen, wie die Leute, die im Krankenhaus arbeiten, auch ein bisschen mehr in Bewegung kommen. Und auch wenn ihr jetzt vielleicht sagt, Mensch, da bewege ich mich doch genug, das ist eventuell eben dann doch die falsche Art der Bewegung und wie könnte man das alles besser. Hört da auf jeden Fall rein. Vorher gibt's aber natürlich ganz regulär ab Montag wieder die normale ´ne Dosis Wissen für euch.

SPRECHER:

Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

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