mRNA-Impfung: Durchbruch bei schwarzem Hautkrebs?
Shownotes
Beim schwarzen Hautkrebs ist die Situation nach einer Operation zwiespältig, der Tumor ist zwar weg, aber die Gefahr eines Rückfalls besteht. Das gilt besonders für fortgeschrittene Stadien. Genau hier setzen mRNA-Impfungen an. Sie sollen das Immunsystem so trainieren, dass es verbleibende Krebszellen erkennt. Auf diesem Weg soll ein Rezidiv vermieden werden. Die Daten einer Phase-IIb-Studie zu einer neuen Impfung sind durchaus ermutigend. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor, benennt ihre Grenzen und beurteilt, ob es sich um einen Durchbruch handelt.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. med. Thomas Eigentler
Stand: 1. Juni 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- 5-Jahres-Ergebnisse der Phase-IIb-Studie zur mRNA-Impfung bei schwarzem Hautkrebs (engl.)
- Abstract der Phase-IIb-Studie mit 5-Jahres-Ergebnissen zur mRNA-Impfung bei schwarzem Hautkrebs (engl.)
- Zwei-Jahres-Ergebnisse der Phase-IIb-Studie (engl.; DOI:10.1016/S0140-6736(23)02268-7)
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03: Klar, kein Ding inzwischen.
00:00:08: Das kennen wir, das ist etabliert.
00:00:10: Impfung gegen Krebs in Anführungsstrichen?
00:00:14: Ja, kennen wir auch.
00:00:16: Wobei wenn wir ehrlich sind, ist es ja nicht eine Impfung für Krebs, also wenn wir jetzt eben gegen Gebärmutterheitskrebs sagen wollen, sondern es ist natürlich die Impfungen gegen HPV eine Gebärmutter-Hals-Krebserkrankung hervorrufen können.
00:00:36: Aber jetzt reden wir tatsächlich über eine mögliche, und das ist an der Stelle ganz wichtig – das ist alles noch gar nicht sicher und zugelassen oder sonst irgendwas!
00:00:48: Wir reden aber über eine MRA-Impfung wirklich gegen Tumorzellen, gegen Krebs, die eventuell langfristig vor Rezidiven des Melanoms schützt.
00:01:08: Ich sage herzlich willkommen.
00:01:09: Guten Morgen!
00:01:11: Schön, dass ihr wieder bei dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen eingeschaltet habt.
00:01:15: Uns gibt's immer Werktags ab sechs in der Früh mit einem Thema in ... ja ich versuch es wirklich zehn Minuten.
00:01:23: Ich weiß nicht ob ich das heute schaffe denn ist eben was ganz Neues.
00:01:27: Mein Name ist Laura Weisenburger und ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau.
00:01:37: Ein Podcast von Gesundheit hören und Apothekenumschau pro.
00:01:44: Und wir schauen uns heute ganz genau die Phase IIB-Studie an, die ... Wenn ihr das jetzt am zweiten Juni hört gestern, also am ersten Juni, im Jahr ist es im Rahmen des jährlichen Meetings der American Society of Clinical Oncology Und ich kann auch nicht sagen, ihr findet sie verlinkt in den Show Notes.
00:02:08: Denn die wird erst noch veröffentlicht ... In eben diesem Journal of Clinical Oncology!
00:02:14: Das heißt also da müsstet ihr dann in dem Falle ausnahmsweise mal selbst suchen und die hat sich mit der ganz konkreten Frage beschäftigt Kann eine neue mRNA-Impfung gegen ein Rizidiv Also einen Rückfall bei schwarzem Hautkrebs schützen?
00:02:30: Und gerade weil das alles noch Den Frühphasen steckt, also zwei B. Ihr wisst ja da kommt noch mindestens Phase drei Studie hinterher und dann erst kann man über eine Zulassung reden.
00:02:41: Deswegen haben wir uns natürlich Expertise geholt bei Thomas Eigentler.
00:02:46: Er ist nicht nur Dermatologe und Venerologe sondern hat auch die Zusatzbezeichnung medikamentöse Tumortherapie Und ist Leiter des Hauttumorzentrums der Charité Berlin.
00:02:59: An dieser Stelle aber auch nochmal Mehr Transparenz.
00:03:03: Er war als Prüfarzt beteiligt und zwar an der aktuell noch laufenden Phase drei Studie, also die Nachfolgerstudie dazu zu eben dieser neuen Impfung.
00:03:12: Das ist die INTER PATH Null-Nur-Eins-Studie.
00:03:17: Und nach diesen ganzen Klärungen können wir doch endlich in die Folge starten, schnappt euch euren Kaffee und dann geht's los!
00:03:28: Natürlich, mit euch am Anfang für ein paar Daten und Fakten.
00:03:33: In den Jahren im Jahr hat es in Deutschland knapp siebenundzwanzigtausend Personen, die an einem maligenen Melanom der Haut erkranken.
00:03:43: Nach einer Entfernung dieses Tumors sollte dann anschließend eine Therapie mit dem Immun-Checkpoint-Inhibitor Pembolytumab erfolgen.
00:03:53: Das soll auch vor dem Rezidiv schützen!
00:03:56: Und unser Experte Eigentler sagt ja, Checkpoint-Inhibitoren sind zwar eine gute Option.
00:04:01: Aber sie wirken nicht bei allen.
00:04:04: und da kommt jetzt die neue Impfung also die mRNA-Impfung ins Spiel.
00:04:09: das könnte das quasi ergänzen beziehungsweise verbessern.
00:04:14: Denn diese mRNA Impfung ist ein Personalisierter im Stoff.
00:04:19: Das funktioniert folgendermaßen wenn das Melanom Komplett in Toto, natürlich dass das Ziel operativ entfernt ist.
00:04:27: Dann wird der Tumor analysiert so wie wir das ja von sämtlichen Tumorenfernungen kennen.
00:04:33: Das wird einmal durch deklariert und auch genetisch analysiert Und die Impfung enthält dann den individuellen genetischen Bauplan für diese spezifischen Merkmale Die der TUMOR trägt Dineoantigiene.
00:04:50: Dadurch wird letztendlich das Immunsystem darauf trainiert, wenn Wiederzellen diese Neoantigene exprimieren.
00:04:58: Diese zu erkennen und dementsprechend zu bekämpfen weil das sind ja Tumor Zellen.
00:05:03: Die Wirkstoffe können relativ schnell einfach angepasst werden.
00:05:07: Das ist der große Vorteil.
00:05:09: Allerdings gibt es einen großen Unterschied Zu den Impfungen die wir bisher kennen.
00:05:13: Unser Experte-Eigentler erläuterte da der große Unterschied, wenn man gegen Bakterien oder Viren wie HPV impft ist.
00:05:20: Deren Genom sieht anders aus als das menschliche Genom.
00:05:24: Das kann unser Immunsystem immer sehr gut als körperfremd erkennen.
00:05:28: Tumore hingegen ähneln natürlich genetisch unserem Körper eigenem Gewebe.
00:05:33: Deshalb ist es dafür das Immunystem schwieriger und entwickelt eine gewisse Toleranz Von rein eine gewisse Toleranz gegenüber den Tumorzellen und der Impfstoff muss daher ganz genau auf diese Veränderung bei dem Tuma ausgerichtet sein.
00:05:47: Und das ist gar nicht so einfach!
00:05:49: Ich hatte eben ja auch schon erläutert, wir haben inzwischen immuncheckpoint-Inhibituren, die auch sehr individuell sind – das Pembole zum MAP
00:05:56: z.B.,
00:05:57: aber das wirkt nicht bei allen bzw.
00:05:59: könnte besser wirken.
00:06:01: und derzeit wird eben die personalisierte mRNA-Impfung intismiran?
00:06:08: von Moderna getestet, die das ergänzen soll.
00:06:12: Es gab bisher schon zwei Phaser-IIB-Auswertungen.
00:06:15: Die hat sich Daten nach zwei und drei Jahren angeguckt.
00:06:20: Da sah man dann auch schon Kombinationen von Intesmeran und Pemboli zum MAP, verlängerte das recidivfreie Überleben nach einem operativ entfernten Hochrisikomelanom.
00:06:32: Das ist also gut, aber zwar bis drei Jahre nicht besonders lange!
00:06:36: Und diese neue Phase IIb-Studie, die hatte nun eine längere Nachbeobachtung nämlich fünf Jahre.
00:06:43: Jetzt habe ich auch schon ganz oft Phase IIB-Studien gesagt und vielleicht wenn ihr sehr aufmerksam die Dosiswissen hört dann wisst ihr normalerweise besprechen wir hier bei einer Dosis Wissen nur Phase III Studien weil dann ist im Grunde genommen auch die Zulassung sozusagen im Sack oder kann danach erfolgen.
00:07:03: Heute machen wir aber ganz bewusst eine Ausnahme von diesem Grundsatz, denn wenn das alles so weiterläuft und sich dann auch in der Folge diese Impfung bewährt.
00:07:15: Dann könnten wir hier die erste mRNA-Impfung wirklich in der Hand haben, die gegen Karzinome hilft.
00:07:23: Was das bedeutet?
00:07:24: Dazu hören wir unseren Experten später noch mal.
00:07:27: Jetzt gucken wir uns erst mal ganz kurz die Methodik dieser Phase-IIB-Studie an, es wurden mehr als hundertfünfzig Patientinnen und Patienten inkludiert.
00:07:36: Alle hatten eine operativ entferntes kutanes Melanom, ziemlich hohe Stadium entweder drei B oder vier.
00:07:43: Und sie wurden randomisiert im Verhältnis zwei zu eins also nicht Fifty-Fifty.
00:07:48: Rundhundert erhielten die Kombination Intismiran plus Pembrolizumab Und Fünfzig bekamen Monotherapie Pembrolizumab, also den bereits schon etablierten und natürlich auch erhältlichen Checkpoint inhibitor.
00:08:03: Primärer Endpunkt logischerweise Rezidifreies überleben.
00:08:07: Sekundär wurde aber auch darauf geguckt wie ist das Fernmetastasenfreie überleben und die Sicherheit?
00:08:15: Und nach mehr als sechzig Monaten Nachbeobachtungszeit zeigte sich dann auch, es gibt weiterhin ein Vorteil zu Gunsten der Kombinationstherapie.
00:08:25: Das Risiko für einen Rezidiv oder den Tod wurde um fast fünfzig Prozent gesenkt.
00:08:30: das Risiko fernmattetastasen oder tot wurde umfasst Sechzig Prozent reduziert.
00:08:36: Es gab sogar einen Trend für verpessertes Gesamtüberleben.
00:08:41: Das war aber wie gesagt Nur ein Trend und war nicht wirklich signifikant, statistisch.
00:08:49: Die Sicherheitsdaten waren nach fünf Jahren konsistent mit den früheren Analysen.
00:08:53: Da gab es also keine Nachteile, es gab keine Verstärkung, immunvermittelter Nebenwirkungen in der drei- jahres Analyse.
00:09:01: Hier ist es da.
00:09:02: die meisten unerwünschten Ereignisse waren leicht, die schweren Unerwüngsten Eregnisse waren aber auch in beiden Gruppen vergleichbar.
00:09:10: Und wenn man sich so zum Beispiel ein Ereignis des Grades III anguckt, da waren z.B.
00:09:14: Müdigkeit das häufigste behandlungsbedingte.
00:09:19: Nach diesen doch ja ganz guten Ergebnissen werfen wir natürlich auch einen Blick auf die Limitation in der Studie.
00:09:25: Ihr habt wahrscheinlich schon selber gemerkt, okay ... So viele Proband-Innen sind das gar nicht?
00:09:31: Hundertfünfzig ist jetzt kein so großes Kollektiv!
00:09:35: Wir haben eine zwei zu eins Randomisierung also da auch keinen Ausgleich, kein Echten.
00:09:41: Daher sind die Konfidenzintervalle auch weit und die Autorinnen und Autoren beschreiben diese fünf Jahresanalyse daher als rein deeskriptiv.
00:09:53: Es war ein offenes Design das auch Möglichkeiten für Verzerrung bietet.
00:09:58: wie gesagt es läuft derzeit dann die Phase drei Studie mit einer auch entsprechend größeren Probandenzahl.
00:10:06: Auch unser Experte Eigentler betonte noch mal ganz deutlich, das ist keine Zulassungsstudie.
00:10:15: Aber es ist eine gute Vorstudie!
00:10:17: Sie zeigt aufgrund der kleinen Probandenzahl aus statistischen Gründen kein eindeutiges Ja oder Nein auf die Frage ob denn jetzt der mRNA-Impfstoff einen Vorteil bei der Prävention von Rezitiven bietet?
00:10:33: Bei verschiedenen Auswertungspunkten geht zumindest in die richtige Richtung.
00:10:38: Für ihn zeigten die Risikoreduktion und Reduktion der Sterblichkeit
00:10:43: etc.,
00:10:44: in Kombination auch mit dem Checkpoint-Inhibitor bisher die besten Ergebnisse, was er so gesehen hat.
00:10:53: aber er betont auch es kann natürlich sein dass der Effekt nicht ganz so groß wäre Wenn wir jetzt mehr Probandinnen haben, also wie das dann vielleicht in der Phase drei Studie auch der Fall ist.
00:11:05: Sollten sich aber die Ergebnisse bestätigen – also in der noch laufenden folgenden Studie?
00:11:10: Dann wäre das der erste Nachweis, dass prinzipiell eine mRNA-Impfung bei Krebsrezidive verzögern oder sogar verhindern kann!
00:11:20: Und auch das Risiko für Fernmetastasen reduzieren kann.
00:11:24: Das wäre in den Augen von unserem Experten, und ich glaube da stimmen wir wahrscheinlich alle überein, ein komplett neues Dogma in der Krebsmedizin.
00:11:33: Dann würde man eine solche mRNA-Impfung wahrscheinlich auf andere Krebsarten ausweiten oder das zumindest versuchen wie zum Beispiel das Mamakazinum, Kolonkrozinum ... von der Wertigkeit vergleichbar mit der Einführung dieser Checkpoint-Inhibituoren damals, die jetzt ja inzwischen standard sind.
00:11:57: Wir haben ihn natürlich auch gefragt – wann gibt es denn da?
00:12:01: Die ersten Ergebnisse jetzt von der nächsten, also der Dreierphase Studie vermutet eher so Ende diesen Jahres, dass wir da die ersten Ergebnisse vorliegen haben und Wenn der Hersteller dann auch sagt, das ist alles zulassungsrelevant.
00:12:17: Das versuchen wir jetzt.
00:12:19: Dann dauert es mit der Zulassung bestimmt noch ein weiteres Jahr.
00:12:23: Seine optimistische Schätzung wäre daher, dass der Impfstoff wenn überhaupt Ende im Jahr zugelassen und dann eventuell verfügbar ist.
00:12:33: Abschließend war natürlich eine Frage von uns an ihn.
00:12:36: Für wen ist es denn überhaupt machbar?
00:12:39: Also wer kann diese Impfung bekommen?
00:12:42: Da hat er gesagt, die Impfung würde in Deutschland für alle Patientinnen und Patienten in Frage kommen.
00:12:47: Die entweder schon eine Metastasierung hatten oder eine hohe Wahrscheinlichkeit eines Rizitivs oder einer Metastaserung von schwarzen Hautkrebs
00:12:57: haben.".
00:12:59: Das werden wir also auf jeden Fall noch für euch nachhalten!
00:13:02: Dann müsst ihr dranbleiben einfach – wir werden sicherlich wieder berichten wie sich das alles entwickelt und ob da jetzt dann wirklich die Echte mRNA-Impfung gegen Tumorzellen kommt.
00:13:17: Und wenn man das schon in der eigenen Familie, hoffentlich nicht aber es kommt natürlich immer wieder vor erlebt hat dass jemand an Krebs erkrankt dann liegt auch relativ bald eventuell eine gewisse Pflegebedürftigkeit vielleicht auch nur verrübergehend nahe Und da gehen verdammt viele Fragen mit ein Her, wer sich schon mal versucht hat, ein bisschen mehr.
00:13:38: Mit der Pflege zu beschäftigen stellt fest oder bringt mir mein medizinisches Vorwissen vielleicht gar nicht so füchterlich für?
00:13:44: Das ist nämlich alles ungeheuerlich kompliziert und da habe ich einen Hörtipp für euch!
00:13:50: Wir haben nämlich von Gesundheit hören einen neuen Podcast, der heißt gepflegt gefragt Und das ist genau für all diejenigen gemacht, die eben Angehörige pflegen oder Selbstpflegebedürftig sind.
00:14:03: Und zwar beschäftigen wir uns immer mit einer Frage, die dann beantwortet wird.
00:14:06: Zum Beispiel welche Hilfen kann man nicht in Anspruch nehmen?
00:14:08: Welche Gelder stehen mir zur Verfügung und wie kommt man überhaupt an einen Pflegegrad?
00:14:14: Die Hosts sind meine sehr geschätzten Kolleginnen Kollegen Aglaya Adam und Kai Klint und mich würde wirklich freuen wenn ihr da mal reinhört!
00:14:26: Ein Podcast von Gesundheit hören und Apothekenumschau pro.
00:14:38: Gesundheit Hören, das ist das Audioangebot der Apothekeumschau.
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