Koloskopie: Was bringt das Darmkrebsscreening?
Shownotes
Das Darmkrebs-Screening gilt seit Jahren als medizinischer Goldstandard im Kampf gegen Darmkrebs. Millionen Menschen werden zur Vorsorge aufgerufen. Gesundheitspolitisch ist das Screening fest etabliert. Der Grundgedanke scheint plausibel: Wer Vorstufen früh erkennt und entfernt, verhindert Krebs und rettet Leben. Doch eine große europäische Langzeitstudie stellt nun genau diese Annahme zumindest teilweise in Frage. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und deckt Schwachstellen in der Methodik auf.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Michael Hoffmeister
Stand: 19. Juni 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Aktuelle Studie zum Nutzen eines Darmkrebs-Screenings per Koloskopie (engl.; DOI: 10.1016/S0140-6736(26)00508-8)
- Registerstudie zum Nutzen eines Darmkrebs-Screenings per Koloskopie (engl.; DOI: 10.1016/S1470-2045(21)00199-6)
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Programm zur Früherkennung von Darmkrebs
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:11: Ich glaube, das zweifelt jetzt niemand hier an.
00:00:14: Aber wie belegt ist denn dieser Nutzen wirklich?
00:00:20: Und müssen wir das irgendwie noch mal hinterfragen?
00:00:23: Die Frage stellt auch eine neue Studie die wir heute anschauen.
00:00:31: Guten Morgen!
00:00:33: Willkommen zu einer Dosiswissen.
00:00:34: Schön, dass ihr da seid!
00:00:35: Ihr hört den täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und zwar gibt's dir immer Werktags.
00:00:41: ab sechs Uhr in der Früh könnt ihr uns hören mit einem Thema für euch aufbereitet in schnellen zehn Minuten.
00:00:47: Mein Name ist Laura Weisenburger ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau Und heute ist Freitag der neunzehnte Juni.
00:00:58: Ein Podcast
00:00:59: von Gesundheit hören die Apothekeumschau Pro.
00:01:05: Und diese Studie, um die es heute gehen soll, ist hochkarätig publiziert im Lancet.
00:01:10: Erschien es dem Mai und wenn ihr da genauer reinlesen wollt findet ihr sie natürlich in unseren Show Notes verlinkt.
00:01:18: Und natürlich haben wir ebenfalls mit einem Experten darüber gesprochen, so wie wir das immer tun.
00:01:25: Und zwar mit Michael Hofmeister.
00:01:27: ist Epidemiologe und stellvertretender Leiter der Abteilung klinische Epidemeologie Der Krebsrührerkennung am Deutschen Krebsfroschungszentrum in Heidelberg – also genau der richtige Experte dafür!
00:01:40: Und so viel verrate ich euch schon mal, die Studie unterschätzt den Nutzen der Screening-Koloskopie in ihrer Hauptanalyse drastisch.
00:01:51: So schätzte er die ganze Sache ein!
00:01:54: Ihr merkt also das wird vielleicht ein bisschen komprovers zum ersten Kaffee des Tages.
00:01:58: Holt euch den und dann geht's los... Dickdarm, also Kolon oder das Rektum.
00:02:16: im Jahr zwanzigzwanzig waren davon mehr als fünfzigtausend Frauen und Männer betroffen.
00:02:23: Und wenn ich Darmkrebs habe, dann ist es eine mittelguttherapierbare Krebserkrankung.
00:02:30: da liegt das relative Fünfjahresüberleben bei über sechzig Prozent.
00:02:36: alle Menschen, Frauen wie Männer können ab dem fünftigsten Lebensjahr zweimal eine Darmspielung, eine Koloskopie im Abstand von zehn Jahren durchführen lassen.
00:02:49: Dazu werden sie auch von der Kasse eingeladen quasi mit erreichen.
00:02:54: Das fünftigte Lebensjahres kommt da in.
00:02:56: die erste Einladung wird verschickt Aber wir wissen leider nicht, wie gut das angenommen wird.
00:03:02: Da gibt es sich keine Zahlen zu bzw ist so ein bisschen umstritten, wiegut dieses Screening dann tatsächlich angenommen und die Kodyskopie nach der Einladung auch wirklich erfolgt.
00:03:21: einer Studie mitbeschäftigt, und zwar war das die erste randomisierte, kontrollierte Studie Nordic European Initiative on Colorectal Cancer.
00:03:31: Die Nordic ECC.
00:03:34: Und wie gesagt kam da in der Jahr zwanzig zweiundzwanzig ihre Zwischenergebnisse raus?
00:03:39: Da ergab sich nach zehn Jahren eine eher nicht so tolle Balance oder sagen wir mal ein bisschen enttäuschende Reduktion von Darbgremsfällen von achtzehn Prozent!
00:03:51: wenn diese Screenecoloskopien durchgeführt werden.
00:03:56: Eventuell ist die Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren zu kurz, das war dieses Zwischenergebnis und deshalb gibt es ein weiteres Zwischenergebnis dieser großen Langzeitstudie veröffentlicht im Landset.
00:04:11: Diesmal haben die Kolleginnen und Kollegen geguckt ob eine einmalige Einladung ... zur Vorsorgekoloskopie.
00:04:20: Das Risiko senkt an, Damenkriegs zu erkranken bzw daran zu sterben – also Inzidenz und Mortalität wurden angeguckt.
00:04:28: Dafür wurden mehr als achtzigtausend Menschen eingeschlossen, die waren alle zwischen fünfundfünfzig- und viernsechzig Jahren alt und lebten in Norwegen, Polen und Schweden.
00:04:38: Also das war die Ländercohorte, die untersucht wurde.
00:04:41: Diese mehr als Achtzigtausend wurden randomisiert, eingeteilt.
00:04:47: Mehr als achtundzwanzigtausends haben eine einmalige Einladung zur Koloskopie bekommen und mehr als sechsundfünfzigtaussend bekamen gar keine Einladungen.
00:05:00: Der Nachbeobachtungszeitraum lag jetzt ein bisschen länger nämlich dreizehn Jahre Und man muss an der Stelle auch gleich schon sagen wenn wir uns die Ergebnisse angucken Von den eingeladenen Personen, also diesen achtundzwanzigtausend gingen dann nur rund vierzig Prozent zur Koloskopie.
00:05:19: Die ließen das durchführen weniger als die Hälfte.
00:05:22: Da haben wir zum einen ein bisschen Anhaltspunkt AHA.
00:05:26: So war also die Annahme nur vierzig prozent, die eingeladene werden gehen auch tatsächlich.
00:05:31: Die hatten aber wirklich nicht Glück sondern es war sinnvoll diejenigen, die der Einladung folgten und eine Koloskopie durchführen ließen.
00:05:42: Deren relative Risikoreduktion für Darmkrebs betrug zwanzig Prozent.
00:05:46: Die absolute Risikoreduktion waren dann nur coma drei vier Prozent
00:05:51: Punkte.".
00:05:52: Die Studie hat das so ein bisschen auf einzelne Fälle runtergerechnet und kam zu dem Ergebnis wenn man also ungefähr dreihundert Personen einlädt verhindert man dann innerhalb von dreizehn Jahren einen Darmkrebsfall.
00:06:07: Das klingt natürlich jetzt irgendwie ein bisschen mau, ähnlich ernüchternd war das Ergebnis zur signifikanten Reduktion der Darmkriebssterblichkeit in die war auch nicht statistisch signifikant.
00:06:21: aber wie ich schon sagte wer wirklich untersucht wurde profitete stärker von der ganzen Geschichte in der Gruppe der wirklich untersuchten Menschen.
00:06:28: es war also eine per Protocol-Analyse, die das Team dann durchgeführt hat, sankt das Darmkrebsrisiko relativ um viertzig Prozent.
00:06:37: Aber auch in dem Fall war der Effekt auf die Sterblichkeit statistisch zumindest unsicher.
00:06:43: Weitere so Nebenergebnisse, die dieses Team herausfand, waren, je distaler der Darm Krebs saß, desto besser war der Effect, weniger klar war es im proximalen Darm okay?
00:06:54: Dann noch ganz interessant Männer profitierten stärker von dieser ganzen Intervention als die Frauen.
00:07:00: Und jetzt stellt ihr euch vielleicht auch schon die Frage, warum gab's denn da keine klare Senkung der Sterblichkeit?
00:07:05: Was war da los?
00:07:07: Die Autorinnen und Autoren kamen auf mehrere mögliche Gründe.
00:07:11: Es fiel nämlich auch auf dass die Darmkrebssterblichkeit in der Kontrollgruppe also die gar kein Angebot bekommen hatten deutlich geringer war als prognostiziert.
00:07:22: Das alleine macht es schon schwerer statistische Unterschiede zu finden.
00:07:26: Und jetzt lasse ich noch mal ausführliche unseren Experten Michael Hofmeister dazu zurückkommen.
00:07:31: Er fand prinzipiell, ist es ja die größte randomisierte Studie dazu inwieweit Screening mit Koloskopie und Inzidenz- und Motilität von Darmkriegszusammenhängen und diese reduzieren.
00:07:42: Arbeiten seinen Augen unterschätzt die Studie den Nutzen der Screening-Koloskopi in der Hauptanalyse drastisch.
00:07:48: das hatte ich euch schon zu Anfang geteasert dass das seine Meinung ist Denn die Analyse sagt wenig aus über den Nutzen der Koloskopie selbst.
00:07:57: Sie beschreibt ja vielmehr den Nutzern einer einmaligen Einladung zur Kolosopie.
00:08:04: und er gab da noch einen wichtigen Aspekt zu bedenken, denn es wurden während der Beobachtungszeit auch Koloscopien aus anderen Gründen durchgeführt – nicht nur aufgrund der Einladungen!
00:08:15: Und das weiteren Ergänzte ist bis bekannt dass in Norwegen oder Polen in der entsprechenden Altersgruppe die da in der Studie inkludiert war, häufig koloskopieren durchgeführt werden.
00:08:25: Das bedeutet auch, dass Teilnehmer der Kontrollgruppe über den Untersuchungszeitraum von dreizehn Jahren hinweg eine Koloskopie gehabt haben.
00:08:35: Und damit unterschätzt man logischerweise den Nutzen einer Kolosopie wenn die Kontrollteilnehmer, die eigentlich keine haben sollten, denn sie wurden ja gar nicht eingeladen, anteiligt dann aber auch einen bekommen hatten.
00:08:48: Denn auch durch diese Koloskopien wird natürlich die Zahl der Inzidenzenfälle und Sterbefälle reduziert.
00:08:54: Er verwies dann noch auf andere Studien, aus denen sich den Nutzen eines Koloskopie-Screenings deutlich klarer ergibt als aus der aktuell vorliegenden.
00:09:04: Er nannte da eine Registerstudie, die durchgeführt wurde.
00:09:07: Daran haben wir geschaut, so sagt er es wie sich die Inzidenz und Modellität von Darmkrebs über Jahre und Jahrzehnte entwickelt hat.
00:09:14: Darin wurden Länder mit Screening verglichen, mit Ländern ohne Screening.
00:09:18: Und eben in diesen Ländern wo ein Screening angeboten wird sind die Zahlen rückläufig.
00:09:23: das sei ganz klar zu sehen und das werde auch genau auf diese Einführung eines Darmkrebs Screenings zurückgeführt.
00:09:31: Das heißt dass ist mal wieder ein Fall einer Studie die sehr hochkarätisch publiziert ist und vielleicht auch groß besprochen wird Die man sich aber sehr sehr sehr genau angucken muss Eventuell eben doch ein Ergebnis zeigt, dem man nicht so ganz vertrauen kann einfach weil die Methodik nicht ganz sauber war.
00:09:55: Das war eure Dosis Wissen für heute und für diese Woche!
00:09:59: Ich freue mich darauf wenn ihr am Montag wieder einschaltet und wenn ihr bis dahin ein bisschen höher Empfehlung braucht dann jetzt Ohrenspitzen.
00:10:08: kennt ihr schon den neuen Podcast von uns gepflegt gefragt?
00:10:12: das ist für alle selber Angehörige pflegen oder pflegebedürftig sind?
00:10:19: Alle möglichen Fragen durch die Bank weg werden da von meinen KollegInnen und Hosts Al-Qaia Adam und Kai Klint beantwortet.
00:10:27: Hört mal rein, wenn euch das Thema betrifft!
00:10:30: Ihr findet diesen Podcast natürlich genauso wie alle anderen Podcasts von Gesundheit hören auf allen Plattformen, die ihr so kennt.
00:10:50: Gesundheit hören.
00:10:52: Das ist das Audioangebot der Apothekenumschau.
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