Antidepressiva in der Schwangerschaft: Risiko überschätzt?
Shownotes
Depressionen in der Schwangerschaft sind keine Randerscheinung, sondern betreffen beinahe jede fünfte Schwangere. Ärzt:innen stehen vor einer schwierigen Abwägung. Unbehandelt können depressive Symptome die Gesundheit der Mutter, den Verlauf der Schwangerschaft und die frühe Entwicklung des Kindes belasten. Andererseits legten Studien in der Vergangenheit nahe, dass die Einnahme von Antidepressiva in dieser sensiblen Phase Risiken für das Kind bergen kann. Eine große Metaanalyse hat sich diesen möglichen Zusammenhang näher angeschaut. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und ordnet ein, ob Antidepressiva mehr Nutzen als Schaden bringen.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Dr. med. Wolfgang Paulus
Stand: 25. Juni 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft und dem Risiko von neurologischen Entwicklungsstörungen des Kindes (engl.; DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00089-1)
- Studie zum Zusammenhang zwischen Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft und dem Risiko von neurologischen Entwicklungsstörungen des Kindes (engl.; DOI: 10.1001/jamainternmed.2022.4268)
- Folge „Absetzen von Antidepressiva: Strategien im Vergleich“. 08.04.2026.
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Peter Glück;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer aktuellen Werbepartner findet ihr hier: https://www.apotheken-umschau.de/podcast/partner
Transkript anzeigen
00:00:03: Gesundheit hören.
00:00:04: Depressionen in der Schwangerschaft, das ist leider keine Seltenheit und da stellt sich sehr häufig für die Mütter oder die werdenden Müttern die Frage antidepressiver ja-oder nein!
00:00:17: Jetzt haben wir die bislang größte Untersuchung dazu vorliegen und die liefert tatsächlich Antworten.
00:00:29: Guten Morgen.
00:00:30: ich begrüße euch bei Der Dosis Wissen dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:35: Und freue mich sehr, dass ihr wieder eingeschaltet habt!
00:00:37: Uns hört ihr jeden Werktag ab sechs Uhr morgens mit einem Thema vor euch in zehn Minuten.
00:00:43: Mein Name ist Laura Weisenburger und ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau.
00:00:49: Heute ist Donnerstag, der fünfundzwanzigste
00:00:52: Juni.
00:01:01: Die Frage, die sich häufig stellt wenn es um Antidepressiva während der Schwangerschaft geht ist natürlich die der neurologischen Entwicklungsstörungen beim Kind.
00:01:14: Führt das dazu oder ist das zu vernachlässigen?
00:01:18: Das hat jetzt eine Studie, die im Lancent Psychiatry im Juni also jetzt gerade erschienen ist untersucht Und wir haben darüber gesprochen mit unserem Experten Wolfgang Paulus.
00:01:30: Er ist Gynäkologe und Leiter der Beratungsstelle für Medikamente in Schwangerschaft.
00:01:35: uns Stillzeit am Uniklinikum in Ulm, und er sagte so viel schon vorweg verraten das Absetzen von Antidepressiva während der Schwangersschaft bringt mehr Schaden als Nutzen.
00:01:48: Ganz wichtiges Thema also zum ersten Kaffee des Tages!
00:01:51: Für euch holt ihn euch und dann geht's los.
00:01:59: Gleich zu Beginn habe ich ja gesagt, dass es keine Seltenheit eine Depression während der Schwangerschaft.
00:02:05: Eine depressive Symptomatik zeigen nämlich rund achtzehn Prozent aller Schwangeren und an einer schweren also auch behandlungsbedürftigen Depression leiden rund zwölf Prozent.
00:02:16: Präpartum gar nicht so wenig.
00:02:19: Und eine ganz zentrale Säule der antidepressiven Therapie während so einer Depression sind natürlich antidegressiver.
00:02:27: In jüngester Zeit häuften sich da die Stimmen.
00:02:30: Ja, gibt es da nicht mögliche Risiken für neurologische Entwirkungsstörungen bei den Kindern?
00:02:34: Welche genau?
00:02:35: dazu kommen wir noch später.
00:02:37: und deshalb jetzt also diese Metaanalyse, die ihr im Lancet Psychiatry findet und natürlich auch in unseren Shownotes verlinkt.
00:02:46: Und das ist eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyser, also große Sache Die den Zusammenhang zwischen maternaler und aufgemerkt, das hat mich total gewundert.
00:02:57: Auch paternaler, antidepressiver Einnahme vor- und während der Schwangerschaft und neurologischen Entwicklungsstörungen beim Kind darunter ADHS, Autismus, Intelligenzminderung und motorische sowie Sprach- und Sprechstörung untersuchte.
00:03:14: Eingeschlossen in diese Meteranalyse wurden siebenundreißig Studien mit dann mehr als sechshunderttausend Exponierten und fast fünfundzwanzig Millionen nicht-exponierten Schwangerschaften, also Fünfund zwanzig Millionen.
00:03:28: Das ist schon sehr groß gewesen alles!
00:03:32: Ergebnis war in der Gesamtanalyse die Antidepressiverexposition – also wenn während einer Schwangershaft antidepressiver eingenommen wurden – Irgendeine neurologische Entwicklungsstörung assoziiert.
00:03:51: Also ja Risikoerhöhung, ja Assoziation da aber klein.
00:03:56: Wir gehen jetzt mal ins Detail für ADHS war das Risiko rund eins Komma Dreifach erhöht Für die Autismus Spektrum Störungen Eins Komma Siebenfach.
00:04:06: Die Heterogenität war dabei allerdings besonders hoch gerade bei ASS.
00:04:12: Für die weiteren Aspekte, sprich also Intelligenzminderung, Sprach- und Spechterung
00:04:16: usw.,
00:04:17: gab es keine konsistent erhöhten Risiken.
00:04:21: Und dann hat das Team gesagt im Moment jetzt müssen wir natürlich ein paar Sachen adjustieren verschiedene Faktoren ausgleichen und damit wurden dann die Zusammenhänge nochmal deutlich schwächer oder verschwanden sogar ganz zum Beispiel bei der Beschränkung auf Frauen mit psychischen Erkrankungen bei der Berücksichtigung der mütterlichen Depression als Co-Variante und einem Sibling-Matched-Design, um auch gemeinsame familiäre und genetische Faktoren zu berücksichtigen.
00:04:49: Einzig bei den Antidepressiva Amitryptilin und Nordtyptilin blieb bei ADHS und Autismus ein erhöhtes Risiko bestehen – und das kommentierte Wolfgang Paulus unser Experte folgendermaßen Diese beiden trizyklischen Antidepressiva werden nicht mehr so häufig verschrieben.
00:05:09: Aber jetzt kommen wir noch mal zu diesem besonderen Punkt zurück, dass auch die paternale Depression untersucht wurde und es zeigte sich – auch bei einer paternalen Exposition mit Antidepressiva gab's ein erhöhtes Risiko für ADHDs und Autismus.
00:05:27: Sagen natürlich alle momentmal!
00:05:29: Also... Platzhälter schanker Schöne gut, aber über Menschen hinweg.
00:05:33: Das funktioniert natürlich nicht klar und da machten sich die Autorinnen und Autoren auch Gedanken zu und vermuteten dass unter anderem auch die paternale psychische Gesundheit und dann eben allgemein familiäre Umwelt-Vaktoren eine Rolle spielen Und die kann man natürlich auch bei depressiven Frauen ja nie ganz ausschließen.
00:05:55: Schlussfolgerung war, bei schwangeren Frauen mit mittelschwerer bis schwerer Depression sollte die Behandlung mit Antidepressiva auf jeden Fall fortgesetzt werden.
00:06:04: Unser Experte Paulus ergänzte noch – die aktuelle Studie liefert zwar keinen endgötigen Kausalitätsnachweis aber zumindest eine stärkere Evidenz dafür -, dass sich viele frühere Risikosignale zumindest teilweise durch familiäre, genetische oder auch psychiatrische Einflussgrößen erklären lassen.
00:06:21: Insgesamt kommentierte er aber auch, die Ergebnisse haben ihn nicht wirklich sehr überrascht.
00:06:26: Denn es gab schon in den Jahren ist eine große US-amerikanische Studie, die wurde im Charme Internal Medicine veröffentlicht, die auch vom Datensatz her einen großen Teil dieser aktuellen Metaanalyse ausmacht logischerweise.
00:06:39: Die wurde daher inkludiert denn das passt hier rein und auch in dieser wurde schon klar die Häufigkeit von neurologischen Schäden Bei Kindern, die im Mutterleib antidepressiver in Anführungsstrichen ausgesetzt waren war zwar durchaus sichtbar.
00:06:53: Aber nach Adjustierung war auch hier dieser Anstieg fast nicht mehr vorhanden.
00:06:59: Daher fand er schon seit Jahrzehnteinzwanzig, konnte man eigentlich sagen, die neurologischen Probleme gehen nicht auf die Medikamente zurück.
00:07:07: Vielmehr ist das älterliche Umfeld entscheidend und wir wissen alle Infamilien, in denen die Mutter vor oder während der Schwangerschaft An Depressionen leidet ist die Belastung groß und das schlägt sich natürlich auch in der frühkindlichen Entwicklung nieder.
00:07:23: Er betonte, nicht die Medikamente sind das Problem sondern wenn Frauen gut eingestellt sind mit Antidepressiva.
00:07:36: Das ist das Problem.
00:07:38: Wir erleben immer wieder so Schilder der RS, dass die Frauen nach Absätzen in eine tiefe Krise geraten und teilweise sogar stationär behandelt werden müssen – was einer Schwangerschaft natürlich nicht gerade zuträglich ist!
00:07:50: Die erhöhten Level an Cortisol im Zuge dieser Ängste, die dann wiederkommen oder der Depressionen sind nämlich auch für die kindliche Entwicklung nachteilig.
00:07:58: Deshalb muss man auch in der Beratung vermitteln, dass das Absetzen der Medikamente mehr Schaden als Nutzen
00:08:05: bringt.".
00:08:06: Ganz deutliches Statement also von unserem Experten zu diesem Thema der Dosiswissen für euch, für heute.
00:08:16: Wenn ihr aber darüber hinaus noch ein bisschen mehr hören wollt zum Beispiel über gute Strategien zum Absetzen von Antidepressiva wenn dann die Schwangerschaft vorbei ist oder vielleicht die Episode vorbei ist da haben wir auch eine Dosis Wissenfolge für euch und zwar vom achten April diesen Jahres.
00:08:35: Hört da mal rein, wenn euch das Thema mehr
00:08:55: interessiert.
Neuer Kommentar