Wie gut ist das Gesundheitssystem auf die Hitze vorbereitet?

Shownotes

Die aktuelle Hitzewelle ist Anlass für eine Extra-Folge von ’ne Dosis Wissen. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen in Deutschland auf über 40 Grad klettern. Frankreich hat bereits eine Woche Rekordtemperaturen hinter sich: Die Zahl der hitzebedingten Notfälle steigt an, es gibt sogar erste Todesfälle. Das französische Gesundheitssystem bereitet sich auf die weiteren Folgen der andauernden Hitze vor. Wie gut ist Deutschland auf eine solche Situation vorbereitet? Darüber spricht Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, mit Prof. Dr. Viktoria Bogner-Flatz, Chefärztin der Klinischen Akut- & Notfallmedizin im Klinikum Ebersberg und Ärztliche Leiterin Rettungsdienst bei der Regierung von Oberbayern.

Diese Folge haben wir am 26. Juni 2026 um 13 Uhr aufgezeichnet.

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.

Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger; Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf; Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler; Chefredakteur: Peter Glück; Postproduktion: Yves Seißler, Benedikt Möltner

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00:00:03: In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen in Deutschland über vierzig Grad klettern.

00:00:09: Frankreich hat bereits eine Woche lang Rekordtemperaturen hinter sich und die Zahl der hitzebedingten Notfälle steigt dort an, es gibt bereits erste Todesfälle durch die Hitze.

00:00:20: das französische Gesundheitssystem bereitet sich darauf vor.

00:00:23: wir fragen wie gut ist Deutschland auf eine solche Situation vorbereitet?

00:00:36: Herzlich willkommen zu einer Spezialausgabe von Ne Dosis Wissen.

00:00:40: Eigentlich ist es ein täglicher Podcast, heute kommen wir zweimal täglich!

00:00:46: Ne Doses Wissen gibt's normalerweise um sechs Uhr hinter früh.

00:00:49: jetzt ist bereits später Nachmittag.

00:00:51: Wir zeichnen auf um dreizehn Uhr bei vierunddreißig Grad in Bayerbrunn.

00:00:56: Ich bin Dennis Ballwieser ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau.

00:00:59: Es ist immer noch Freitag der sechsohnzwanzigste Juni.

00:01:15: Ich will also über die Hitze in Deutschland und die Frage diskutieren, wie wir im Gesundheitswesen darauf vorbereitet sind.

00:01:21: Und ich freue mich dass sich dafür als Gästin Prof.

00:01:25: Dr.

00:01:25: Victoria Bognar-Flaz begrüßen kann!

00:01:28: Sie ist die Chefärztin der klinischen Akut und Notfallmedizin im Klinikum Ebersberg in Oberbayern und ärztliche Leiterin Rettungsdienst im Bezirk Oberbayer.

00:01:39: Liebe Victoria, wir kennen uns schon lange.

00:01:42: Wir haben mal im selben Klinikum gearbeitet.

00:01:44: Schön dass du da bist!

00:01:46: Dann schlage ich vor das alle die uns zuhören sich jetzt noch einen Kaffee holen ob Eiscafé oder frisch aus der heißen Maschine und dann geht's los.

00:02:00: Ich weiß nicht, ob du die Situation in Frankreich so eng verfolgst.

00:02:04: Uns ist das in der Redaktion aufgefallen dass es da eben schon die Berichte über erste Todesfälle durch die Hitze eindeutig zuzuordnen gibt und auch dass die KollegInnen im Gesundheitswesen dort berichten, dass die Zahl der Notrufe um fünfzehn bis zwanzig Prozent zugenommen hätte, das berichtet LeMond.

00:02:22: Wie nimmst Du das denn wahr bei euch?

00:02:26: Wir sehen insgesamt in den letzten Jahren schwer verlaufende Hitzefolgen bei Patienten, die zum Teil tödlich oder lebensbedrohlich verlaufen.

00:02:38: Insofern sehe ich die Entwicklung in Frankreich zum einen natürlich mit großer Betroffenheit, zum anderen aber nicht mit viel Distanz, weil ich genau weiß dass das bei uns jederzeit bereits vorkommt und auch noch nach oben skalierbar ist.

00:02:54: Das heißt Hitzeeinwirkungen, die von mir ist heiß bis ich kann nicht mehr.

00:03:00: Bis ich werde reanimiert als Kaskade laufen kann.

00:03:05: Die kennen wir, die sehe ich.

00:03:07: und besonders dramatisch ist es dann wenn jemand aus Hitzegründen kollabiert und sich aus dieser Hitze-Einwörung selbst nicht mehr befreien kann und dann sozusagen auf Erden in der Hölle

00:03:19: schmort.".

00:03:20: Wir reden daher häufig über Patientinnen auch auf Hilfe angewiesen sind, schon in ihrem normalen Alltag.

00:03:27: Bei denen es dann schnell kritisch werden kann wenn zum Beispiel Pflegezeitfenster nicht mehr hinterherkommen mit der Hitzeentwicklung im Verlauf des Tages.

00:03:36: Merkt ihr das jetzt schon?

00:03:37: Wir sehen das jetzt aber bei allen Altersstufen.

00:03:43: Natürlich hat man den besonderen Blick auf die Patienten, die ohnehin chronisch vorerkrankt sind.

00:03:48: Hilfe bedürftig sind.

00:03:50: Jemand der gesund ist keine Medikation hat braucht sich nicht in Sicherheit wiegen nur seine eigene Verantwortung ist größer.

00:04:00: Du sagst ihr habt das auch in den letzten Jahren schon bemerkt.

00:04:03: gibt es denn strukturierte Vorbereitungen jetzt gerade in der akut und notfallmedizin?

00:04:09: Auf solche hitzewellen die uns vermutlich häufiger bevorstehen?

00:04:13: Wir haben ohnehin mittlerweile dank der GBA-Vorgaben und politischen Vorgaben zur Struktur der Notfallversorgung eine sehr gute, wie ich finde, Basisnotfallausstattung unserer Notaufnahmen.

00:04:25: Mittlerweile personell, organisatorisch und strukturell so dass Ich denke das wir mit sehr vielen höheren Anforderungen und den Anspruch Namen gut zurechtkommen.

00:04:37: Wir sehen aber selbst, dass es uns in den Kliniken teilweise auch ganz schön warm wird und wir natürlich auch betroffen sind von der Temperatur.

00:04:45: Das heißt, wir müssen sehen, dass unsere kritischen Bereiche die Notaufnahme zum Teil die Wartezimmer, die Medikamenten, die Kühlung dieser Bereiche gut funktioniert.

00:04:55: Insofern ja ist betrifft uns immer mehr.

00:05:00: Wie nehmt ihr es wahr?

00:05:02: In den Einrichtungen um euch herum also... offensichtliche Tatsache, die glaube ich den meisten im Gesundheitswesen auch bewusst ist.

00:05:10: Dass viele Patientinnen und Patienten gerade wenn es kritisch wird dann aus Pflegeeinrichtungen zuverlegt werden sind sie auch Teil von solchen strukturierten Vorbereitungen.

00:05:20: spricht man da gemeinsam drüber?

00:05:22: Als Notfallmediziner sehen wir am Augenblick eher mit Sorge diejenigen die nicht strukturiert betreut sind und die nicht im Blick sind.

00:05:30: das ist die ältere Dame Zuhause in guten Zeiten Kuchenbackt für ihre Nachbarn und dann sich plötzlich längere Stunden nicht mehr meldet.

00:05:41: Das ist die eigene Mutter, die normalerweise mittags ans Telefon geht und heute nicht erreichbar war.

00:05:48: Das is der Bürger den man überhaupt dicht kennt, der beim zweiten Vorbeifahren immer noch an der Bushaltestelle sitzt.

00:05:59: wir sehr viel tun können, wenn man den sozialen Blick der ja häufig von Anstand und Distanz geprägt ist ein bisschen weitet.

00:06:08: Und du hast eben schon darüber gesprochen.

00:06:10: natürlich ist das für alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen eine zusätzliche Herausforderung.

00:06:15: ihr arbeitet alle körperlich intensiv und die meisten Krankenhäuser sind zwar in bestimmten Funktionsbereichen mit Klimaanlagen ausgestattet also so einen OP ist normalerweise gekühlt Aber das ist ja nicht der Fall in allen anderen Räumen des Gebäudes.

00:06:31: Wie trifft euch das denn im Moment akut?

00:06:34: Wir haben gelegentlich die Möglichkeit uns auch in kühlere Gefilde selbst zurückzuziehen, da kommt dann plötzlich der Besuch auf der Intensivstation weil die Kühl ist oder auch der Besucher in der Notaufnahme gelegenlich.

00:06:46: Was wir aber deutlich sehen, um nochmal auf den Patienten zu kommen ist das viele Patienten die sich mit Hitze-Erschöpfung oder hitzebedingten Kreislaufproblemen zum Zeitpunkt wenn sie bei uns sind schnell erholen.

00:06:59: Das heißt auch dass man selbst wenn man merkt jetzt geht es mir nicht gut eigentlich durch Standardmaßnahmen wie kühlere Umgebungen aufsuchen trinken, relativ schnell sich verbessern kann und einige Patienten wenn sie da sind nach einer halben Stunde sagen jetzt geht es mir eigentlich wieder gut weil in unserer Notaufnahme ist das kühl.

00:07:19: In Frankreich erleben wir gerade etwas was wir normalerweise nur bei Großschadensaignissen kennen.

00:07:25: Da versuchen Kliniken jetzt präventiv bettenfrei zu machen für die zu erwartenden Opfer der Hitzewelle Also für den kommenden Ansturm, hältst du so etwas in Deutschland auch schon für notwendig?

00:07:39: Ich würde spontan sagen dass wir an dieser Stelle noch nicht angekommen sind.

00:07:44: Wir haben zum Glück in der Vergangenheit viele andere Ereignisse gehabt die dazu geführt haben das man sich größer skalierte Probleme und Massenanfall von Patienten vorbereitet.

00:07:56: Und ich glaube, dass man das extra polieren kann auch fast egal welche Situation.

00:08:01: Augenblicklich sehen wir das Problem in diesem Ausmaß noch nicht.

00:08:05: zum Glück.

00:08:06: Und was es auch gab in Frankreich, in den vergangenen Tagen schon ist das teilweise natürlich Veranstaltungen ganz abgesagt worden sind gerade wenn sie im Freien stattgefunden haben.

00:08:15: Aber was ich auch interessant fand dass es teilweise dann Alkoholverbote gab bei öffentlichen Veranstaltung.

00:08:20: wäre so etwas in Deutschland auch sinnvoll?

00:08:23: Sobald man sieht dass die Eigenverantwortung des Menschen seine Getränke sorgfältig zu wählen in so einer Temperatursituation nicht mehr selbstständig greift oder zu einer hohen Beanspruchung des Gesundheitssystems führt und ich glaube, dass das eher dann der Grund ist für das Flächendeckender Alkoholverbot.

00:08:42: Ich denke, man kann über sowas nachdenken.

00:08:45: Ich hoffe allerdings sehr, dass jeder die Wirkung von Alkohl bei hoher Temperatur auf das eigene Empfinden und das eigene Wohlbefinden selbst noch so einschätzen kann, dass er sich

00:08:57: mäßigt.".

00:08:59: Und eine andere Beobachtung, die wir machen, ist es ja offensichtlich so fünf bis siebentägige Verzögerung gibt von den Auswirkungen, die solche Hitzewellen nach sich ziehen.

00:09:09: Also in den ersten Tagen gibt es da noch gar keine wirklichen Folgen jetzt zumindest im medizinischen Bereich.

00:09:15: Warum ist das denn eigentlich so?

00:09:16: Da fallen mir spontan zwei Gründe ein.

00:09:19: Zum einen ist es so dass der Körper sehr gute Kompensationsmöglichkeiten auf äußere Einflüsse hat und man kurzfristig hohe Temperaturen kältet zum Beispiel durch kälte Zittern sehr gut abfangen kann.

00:09:34: Wenn mehrere Tage allerdings die gleichen äußeren Verhältnisse in Extremform herrschen, sinkt die körperliche Kompensationsfähigkeit einfach aufgrund der dauernden Anstrengung ab – das ist aus unserer Sicht der erste Grund.

00:09:49: Der zweite Grund liegt darin, dass die Dehydrierungen des Körpers also der Entzug von Wasser, die Veränderung von Elektrolyten im Körperzusammensetzung Schlaganfälle, Herzinfarkte dadurch begünstigen kann.

00:10:06: Dass die Blutzusammensetzung und die Fließeigenschaften des Blutes sich verändern.

00:10:12: Und so wird solche Folgen begünstigt.

00:10:14: Das haben wir auch jetzt akkut schon gesehen.

00:10:18: Viele, die uns hören sind hausärztlich tätig.

00:10:21: wenn du einen Wunsch äußern könntest an die Kollegen in den Praxen, in den Tagen jetzt, die auch noch vor uns liegen was wäre das aus deiner Sicht wichtigste?

00:10:30: Was da Primärversorgung für die Patientinnen und Patienten getan werden sollte.

00:10:35: Zunächst möchte ich meine Anerkennung für deren Durchhalte vermögen... ausdrücken, weil sie meistens die erste Anlaufstelle für kleinere und mittelgroße Fragen sind.

00:10:45: Und auch häufig große Fragen sind, die ihre Patienten diese Teils ja seit Jahren betreuen haben.

00:10:52: Ich denke man muss darauf achten dass die Patienten ihre Dauermedikation weiternehmen.

00:10:56: ich kann mir vorstellen das einige auf die Idee kommen das ein oder andere jetzt abzusetzen.

00:11:02: Das haben wir schon gesehen bei Blutverdünnern zum Beispiel den Blutverdünner unter den Temperaturen absetzt, der Schlaganfall zwei Tage später an der Tür steht.

00:11:13: Das wäre so mein Anhalt!

00:11:15: Und eins würde mich noch interessieren wie geht ihr denn in der Klinik um mit der Medikation von Patientinnen?

00:11:21: Wir wissen ja das Hitze natürlich auch etwas macht mit der Verstoffwechslung von verschiedenen Wirkstoffen.

00:11:27: Das ist so ein Thema wir wissen das alle.

00:11:29: aber ich habe immer den Eindruck dass bleibt in der Praxis häufig Unberücksichtigt.

00:11:34: gibt es da schon Ansätze, das irgendwie strukturiert anzugehen?

00:11:38: Aus Temperaturgründen haben wir bis dato zu meinem Wissenstand noch keine Substanzen abgesetzt oder verändert.

00:11:47: Weil wir uns Sorgen machen dass das Medikament selbst strukturell sich verändert haben könnte außer es hat jemandem Auto gelassen.

00:11:55: darüber muss man auch nachdenken wenn sie in der Apotheke waren.

00:11:57: Sie können aktuell den Hund die Schwiegermutter und Apothekentüte auf keinen Fall im Auto lassen, weil sie davon ausgehen müssen dass alle drei danach nicht besser rauskommen als die vorher waren.

00:12:12: Das sollte man wirklich bedenken gilt auch für Lebensmittel ist aber dem Medikament nicht anzusehen das es Anwirksamkeit verloren hat.

00:12:20: Was wir müssen ist Medikation anpassen.

00:12:24: Das gilt für Blutdruckmedikamente, das gilt für vor allem Medikamente die Elektrolyte im Körper beeinflussen – die sogenannte Wassertablette falls jemand das braucht zum Entwässern führen nicht dazu dass nur Wasser verloren geht, sondern häufig Elektrolyte gezielt verloren gehen oder auch zurückgehalten werden.

00:12:45: Das heißt die Zusammensetzung hier ändert sich und schwere Elektrolütstörungen können lebensbedrohlich sein.

00:12:51: Darauf achten wir aktuell besonders – das kann durchaus sein, dass Patienten mit Hitze folgen danach mit einer kurzfristig aber ärztlich kontrollierten verhinderten Medikationen das Haus verlassen.

00:13:05: Wunderbar, vielen Dank für die Einordnung.

00:13:07: Dann wünsche ich dir und dem gesamten Team bei euch alles Gute für den Nachmittag der noch versprochene über vierzig Grad zumindest im Südwesten von Deutschland prognostiziert bekommen hat.

00:13:20: Und das ist dann vielleicht schon wieder.

00:13:22: spätestens ab Sonntag soll es ja der Fall sein etwas ans Abklingen geht bei den Temperaturen.

00:13:27: Danke für deine Zeit!

00:13:28: Vielen Dank.

00:13:35: Das war eine Dosis Wissen zum zweiten Mal für heute.

00:13:39: Die nächste Folge gibt's jetzt wirklich, wie gewohnt am Montag ab sechs Uhr in der Früh überall da wo ihr Podcasts hört.

00:13:45: und wenn euch die heutige Folge gefallen hat dann lasst uns doch eine gute Bewertung da.

00:13:49: Danke dass ihr eine Doses Wissen hört!

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