PMOS statt PCOS: Neuer Name – und was nun?
Shownotes
Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) soll fortan polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) heißen. Obwohl die Erkrankung jede achte Frau betrifft, ist sie unterdiagnostiziert und oft unzureichend behandelt. Dabei wirkt sie sich auf Gewicht, Stoffwechsel, psychische Gesundheit, Haut und Reproduktion aus. Schuld daran war auch der irreführende Name. Der neue Name soll den zugrundeliegenden Hormonstörungen gerecht werden. Kann die Namensänderung von PCOS in PMOS die Versorgung verbessern? Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, gibt Antworten.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Dr. Cornelia Jaursch-Hancke und Prof. Dr. Susanne Reger-Tan
Stand: 3. Juli 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Health-Policy-Beitrag in The Lancet zur neuen Bezeichnung „Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom“ für das polyzystische Ovarialsyndrom (engl., DOI: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8)
- S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS) (DOI: 10.1055/a-2050-1952)
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03: Als Kind der achtziger, neunziger Jahre fällt mir bei Namensänderungen immer eine ganz spezielle Werbung ein.
00:00:12: Ja genau die und ich erwähne sie jetzt gar nicht weil das Thema was wir heute haben und warum da die Namensendrung so wichtig ist wie viel wichtiger als irgendwelche Schokoriegel es geht um P-COS was jetzt PMOIS heißt und warum dieser vermeintlich eine Buchstabe so wichtig is.
00:00:32: Eigentlich ist es natürlich viel mehr.
00:00:34: Das besprechen wir heute!
00:00:39: Guten Morgen, schön dass ihr wieder bei eine Dosiswissen eingeschaltet habt.
00:00:44: Ihr hört den täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und zwar jeden Werktag gibt's uns ab sechs in der Früh mit einem Thema für euch in schnellen zehn Minuten.
00:00:54: Mein Name ist Laura Weisenburger ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau Und Heute ist Freitag der dritte Juli.
00:01:10: Das Polycystische Ovarial-Syndrom, PCOS wird in Zukunft PMOS Polyendocrines Metabolisches Ovarialsyndrome heißen.
00:01:25: Das wurde jetzt verkündet in einem Positions bzw.
00:01:29: Konsenspapier im Lancet.
00:01:31: Habt ihr vielleicht schon drüber gelesen oder gehört von.
00:01:35: Erschienen ist es im Mai, zwanzig sechsundzwanzig – verlinkt bei uns in den Show-Notes für alle die genau reingucken wollen und über dieses sehr, sehr wichtige Thema haben wir nicht nur mit einer, sondern gleich mit zwei Expertinnen gesprochen!
00:01:47: Und zwar mit Cornelia Jaroschanke, sie ist Diabetologin & Endocrinologin an der DKD Helios Klinik Wiesbaden und mit Susanne Regatan Internistin und Direktorin der Klinik für Diabetologie- und Endocrineologie des Herz- und Diabeteszentrums in Nordrhein-Westfalen, in Bad Oienhausen.
00:02:08: Und wenn ihr euch jetzt fragt Moment aber PMOS ist doch eine kinekologische Erkrankung?
00:02:14: Jetzt hier ganz viel innere Medizin, Diabetes und Endokrinologie – ja genau darum geht's!
00:02:19: Wir müssen nämlich viel weiter denken.
00:02:22: Das fällt mir jedenfalls häufig leichter nach dem ersten Kaffee des Tages.
00:02:27: Den gibt es jetzt Und dann starten wir in die Folge.
00:02:37: Rund acht bis dreizehn Prozent aller Frauen im reproduktiven Alter, also gar nicht so wie nicht sind vom PMOS betroffen.
00:02:47: Allerdings werden sehr viele gar nicht erst diagnostiziert oder unzureichend behandelt und wenn man sich da weitere Zahlen anschaut, dann versteht man schnell warum das so ist.
00:03:00: Da gab es Umfragen zu.
00:03:02: Glaubten, eighty-five Prozent der Patientinnen, die ein diagnostiziertes PMOS hatten und zweiundsechzig Prozent aller medizinischen Fachkräfte, das heißt also auch ich und andere Menschen, fälschlicherweise dass pathologische Züsten an den Eier stöcken ganz charakteristisch für das PCOS seien?
00:03:25: Denn natürlich suggeriert das der Name polizistisch.
00:03:30: Aber unsere Expertin Cornelia Jau-Rush Anke erklärte, das wissen wir eigentlich seit mehr als zehn Jahren.
00:03:36: Das PCO-Syndrom total falsch gelabelt ist und dass es in Wahrheit ein metabolisches Syndrome ist.
00:03:43: Dieses falsche Label führte dazu, dass auch viele Mediziner das PCOS vorwiegend als gynäkologische Krankheit betrachtet haben!
00:03:51: Da sind so ein paar Züsten doch am Ovar, ne?
00:03:54: Und das war es letztendlich.
00:03:56: Dabei handelt es sich wissenschaftlich noch nicht mal wirklich um Züchten sondern um kleine antrale Follikel.
00:04:02: Aber diese ganze große Stoffwechselsituation die auch dahinter steckt, so erklärte sie S, vermehrte Diabetes, Bluthochdruck, Fettsstoffwechselstörungen und natürlich die Gewichtsproblematik kam durch die Bezeichnung PCOS sogar nicht zum Ausdruck.
00:04:20: Und sie erzählte weiter, die Frauen sind oft nicht richtig ernst genommen worden.
00:04:24: Das ist wiederum hochpräsant, denn es handelt sich um die häufigste endocrinologisch-metabolische Erkrankung von Frauen mit einer Prävalenz von bis zu fünfzehn Prozent.
00:04:34: und diese betroffenen Frauen üren meist mit ihren Problemen von Facharzt zu Fahrarzt.
00:04:39: Denn es kommen eben Hautveränderungen auch mit vermehrter Behaarungen Akne dazu.
00:04:44: dann gehen Sie zum Hautarzt.
00:04:46: Sind sie vielleicht bei der Gynäkologin?
00:04:48: Noch eine Vorstellung bei der Diabetologen wegen des Diabetes.
00:04:51: Niemand von denen bringt das mal zusammen, auch wenn die Frauen behandelt sind mit ihren Zyklostürungen und untersucht, ob da nicht eine ernsthafte metabolische Begleiterkrankung dahinter steckt, die natürlich auch behandelt werden muss.
00:05:04: Denn sie betonte es können schon voll Geschäden an den Organen besonders Herz und Gefäßen ab dem fünfundreißigsten Lebensjahr
00:05:11: auftreten.".
00:05:12: Und das fand ich jetzt persönlich, ich lauere, besonders bemerkenswert, denn das ist natürlich unfassbar früh!
00:05:19: Unsere Expertin erklärte weiter im höheren Alter nach der Menopause sind diese Frauen unbehandelt auch deutlich gefährdeter Verherzinfarkt- und Schlaganfall.
00:05:28: Wir müssen also ganz dringend dafür sorgen, dass die deutlich besser versorgt sind.
00:05:33: So und wie kam das jetzt mit der Namensänderung?
00:05:35: Das hat sich natürlich nicht irgendwie eine Einzelperson ausgedacht sondern das war letztlich ein weltweiter koordinierter Konsensusprozess Mit dem ganz konkreten Ziel auch warum ändern wir jetzt den Namen?
00:05:48: es muss wissenschaftlich präziser werden Es soll weniger stigmatisierend sein Und auch global implementierbar.
00:05:57: da wurden Und was bei vielen Surveys durchgeführt, Workshops.
00:06:00: Marketing, Implementierungsanalysen ... Die Monarch University hat viel koordiniert.
00:06:05: Androgen, Access und PCOS.
00:06:07: Society and Variety ist eine britische Organisation von Patienten vor allen Dingen.
00:06:13: Die haben sich kurz geschlossen und nach vierzehn Jahren, also das ist jetzt auch nicht von heute auf morgen passiert, gab es dann einen quasi einstimmigen Konsens von sechsundfünfzig beteiligten Organisationen.
00:06:26: PCOS heißt jetzt PMOS.
00:06:30: Und noch mal Polyendocrine, das P betont die hormonellen Störungen M-Metabolic also spiegelt alle metabolischen Risiken wieder.
00:06:42: Ovarian da bleiben wir beim reproduktiven System.
00:06:47: Das ist der Bezug dass es da natürlich auch irgendwie verankert ist und Syndrome das soll weiterhin symbolisieren multisystemischer Natur.
00:06:56: Wir müssen viel
00:06:57: mitdenken.".
00:06:59: Und wir wollten von unserer Expertin Susanne Regatan wissen, was könnte sich denn jetzt ändern?
00:07:05: Und sie hofft weniger Stigma und weniger Fehlverständnis vor allen Dingen.
00:07:10: Viele Betroffene erleben den alten Namen als belastend der Neue vermeidet diesen irreführenden Begriff Züsten – und der Leidensdruck wird anerkannt in vielen anderen wesentlichen Gesundheitsbereichen!
00:07:23: sodass hoffentlich die Betroffenen deutlich früher diagnostiziert werden können, dass ein breiteres Risikoverständ es herrscht und das auch kardiometabolische Folgen von Beginn an mitgedacht werden.
00:07:36: Und was können wir jetzt ganz konkret aus dem Paper mit in die Praxis nehmen bzw.
00:07:42: Was können wir von der Dosis Wissen euch für die Praxise geben?
00:07:47: So'n bisschen zusammengefasst Also ganz wichtig, natürlich nicht nur nach diesen Züsten suchen.
00:07:53: Das ist keine alleinige Abhängigkeit der Diagnose vom Ultraschall befunden.
00:07:57: Davon muss man ganz dringend weg und auch Cornelia Jaroschanke sagt es handelt sich nicht nur um eine gynäkologische Unannehmlichkeit sondern um eine ernstzunehende systemische Erkrankung.
00:08:09: Dann nächster Punkt Kardiometabolisches Screenings sehr ernst nehmen.
00:08:14: Das heißt also regelhaft auch in der hausärztlichen Praxis, in der Gynnpraxis und in der Dermatologie.
00:08:20: daran denken muss ich mal gucken nach Insulinresistenz?
00:08:24: Wie sieht es aus mit Glukosetoleranz, Typ II Diabetes, Dyslipidemie, Hypertunie, Fettleber?
00:08:29: das sollte man alles regelmäßig abklären!
00:08:32: Und natürlich schlanke Betroffene nicht übersehen.
00:08:36: Adipositas gehört zwar häufig zum PMOS dazu, aber nicht immer – das heißt auch ein Normalgewicht schließt natürlich das PMOS nicht aus!
00:08:46: Wenn ich von meiner Patientin weiß sie hat PMOS dann auf jeden Fall auch psychische Belastungen aktiv ansprechen.
00:08:55: Haben Sie Depressionen?
00:08:56: Wie sieht es aus mit Ängsten?
00:08:58: Wie ist die Lebensqualität, Essstörung?
00:09:00: Das alles sind weitere häufige Begleiterkrankungen und definitiv keine Nebenteam.
00:09:07: Und ganz wesentlich natürlich die Hautsymptome als Hinweise nutzen.
00:09:12: Man sieht häufig Akne ... vermehrte Körperbehaarung oder aber auch Haarausfall und zwar nach einem männlichen Verteilungsmuster.
00:09:20: Das alles können potenziell wichtige Hinweise auf ein PMOS sein, das heißt also gerade in der Dämmatologie da die Augen offen halten!
00:09:29: Und Susanne Regatan erinnerte auch noch mal, PMOS betrifft nicht nur die reproduktive Lebensphase oder dann meinetwegen den aktuellen Kinderwunsch.
00:09:39: Sondern metabolische und kardiovaskuläre Risiken treten früher auf als in der Bevölkerung – und die Chance auf Prävention sollte natürlich rechtzeitig ergriffen werden!
00:09:49: Unsere andere Expertin sagte auch so ein bisschen als Fazit ja wir müssen alle daran arbeiten dass sich das Syndrome jetzt mit seinem richtigen Namen in den Köpfen fest setzt und durchsetzt, das heißt also auf Vorträgen darauf achten.
00:10:01: Öffentlichkeitsarbeit machen usw.
00:10:03: Ihr habt heute schon einen Teil quasi dazu beigetragen indem ihr diese Folge von der Dosis Wissen bis hierhin gehört habt.
00:10:10: dafür danke ich euch sehr und ich hoffe dass es nicht lange dauert auch wenn da eine Übergangsphase von drei Jahren angesetzt ist ja bis das alles ersetzt wurde in den Krankheitsklassifikationen, das spricht also den ICDCs, Leitlinien, Publikationen und so weiter.
00:10:28: Sondern dass wir sehr schnell vom PMOS sprechen, wie wir eben vorher von einem anderen Namen gesprochen haben.
00:10:34: Und dass wir damit dem Betroffenen tatsächlich dieses Leiden
00:10:38: erleichtern.".
00:10:43: Ganz zum Schluss möchte ich aber noch mal kurz auf etwas anderes hinweisen.
00:10:47: Ich hatte ja schon vor einigen Tagen gesagt, wir waren auf dem Festival der Zukunft in München unterwegs und haben da einen super spannenden Vortrag, ein Spezialfolge letztendlich für euch aufgezeichnet kommt dann am Montag.
00:11:02: Thema ist Zukunft des Alterns zwischen Zellforschung und Gesellschaft, wir haben mit dem Alternspforscher Prof.
00:11:09: Björn Schumacher sprechen dürfen – und wenn ihr diese Folge nicht verpassen möchtet, dann jetzt gleich Glocke aktivieren, Erinnerungen setzen, Podcast abonnieren!
00:11:19: Dann geht ihr sicher, dass da eine Nachricht für euch auf dem Handy aufploppt am Montags Früh.
00:11:24: Bis dahin habt ein hoffentlich schönes, vielleicht sogar dienstreies Wochenende.
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