Die Zukunft des Alterns – Live auf dem Festival der Zukunft

Shownotes

Live-Podcast: Was bedeutet es konkret, wenn wir Altern besser verstehen oder sogar beeinflussen können? Für diese Spezialfolge spricht Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, mit dem Alternsforscher Prof. Dr. Björn Schumacher. Die beiden geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Altersforschung und spannen den Bogen von molekularen Prozessen bis zu therapeutischen und gesellschaftlichen Fragen: Wie verändert sich unser Verständnis von Gesundheit? Wer profitiert von neuen Therapien – und wie gerecht sind sie verteilt? Im Zentrum steht die Frage, wie wir nicht nur länger, sondern vor allem gesünder altern können.

Diese Folge haben wir am 2. Juli 2026 live beim Festival der Zukunft im Deutschen Museum in München aufgezeichnet.

Quellen und nützliche Links

• Harvard Medical School. Wege zur Longevity: Wissenschaft und Strategien für ein längeres, gesünderes Leben. 2026 (engl.)

Metformin senkt Gesamtmortalität und Auftreten altersbedingter Erkrankungen (engl; DOI: 10.1016/j.arr.2017.08.003)

Auswirkungen von Rapamycin auf den Alterungsprozess und altersbedingte Erkrankungen (engl.; DOI: 10.1007/s11357-020-00274-1)

Auswirkungen von Semaglutid auf chronische Nierenerkrankung bei Typ-2-Diabetes (engl.; DOI: 10.1056/NEJMoa2403347)

Semaglutid verlangsamt epigenetische Alterung (engl.; DOI: 10.1038/s41467-026-72861-3)

Auswirkungen von langfristiger Kalorienrestriktion auf DNA-Methylierungsmarker des biologischen Alterns (engl.; DOI: 10.1038/s43587-022-00357-y)

Kalorienreduktion und immunmetabolische Regulatoren der Gesundheitsspanne (engl.; DOI: 10.1126/science.abg7292)

Positive Wahrnehmung des Alterns verlängert die Lebenserwartung (engl.; DOI: 10.1037//0022-3514.83.2.261)

• Folge „Alternde Gesellschaft: Multimorbidität richtig behandeln“. 1. Juli 2026.

• Folge „Bewegungsspezial: Motivierende Beratung in der Arztpraxis“. 8. Mai 2026.

Miniserie „Über Gewicht“ bei ’ne Dosis Wissen. August 2025.

Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;

Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;

Chefredakteur: Dennis Ballwieser;

Postproduktion: Yves Seißler, Benedikt Möltner

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Transkript anzeigen

00:00:03: SPRECHER: gesundheit-hören.

00:00:04: DR. LAURA WEISENBURGER: Normalerweise sage ich an dieser Stelle guten Morgen, aber das ist jetzt nicht so ganz passend für uns hier und euch in der Theatre Stage im Publikum ist es mehr so früher Nachmittag. Und genau, das hat einen ganz besonderen Grund, aber erst mal sage ich das, was ich sonst sage, nämlich herzlich willkommen bei ’ne Dosis Wissen. Wir sind der tägliche Podcast für das Gesundheitswesen und heute sind wir nicht nur das, sondern wir sind live. Und das ist eine Premiere, das hatten wir so noch nicht. Wir zeichnen auf hier vom Festival der Zukunft in München. Das hört man eventuell auch ein bisschen bei dieser Aufzeichnung oder vielleicht, weil man euch hört hier im Saal. Ja, genau. Ganz wunderbar, vielen Dank. Wir erscheinen für alle, die uns hören und auch für euch natürlich, die uns vielleicht noch nicht kennen, immer werktags ab sechs Uhr morgens. Da kann man uns überall da hören, wo ihr Podcasts sonst auch so hört. Und eigentlich versprechen wir immer, wir machen das alles ganz schnell in kompakten zehn Minuten ein Thema pro Folge für euch. Das machen wir heute nicht. Das dauert mit Sicherheit länger, denn wir befinden uns ja im Wissenschaftsjahr 2026. Großes Thema ist Medizin der Zukunft, was ja hier auch beim Festival im Deutschen Museum Thema ist. Und damit beschäftigen wir uns heute. Wir nehmen diese Folge heute auf am 2. Juli 2026 für alle, die uns zuhören. Und zu hören sein wird sie dann am Montag, den 6. Juli 2026. SPRECHER:Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro. DR. LAURA WEISENBURGER: Und weil ich das immer so sage und weil ihr mich vielleicht ja auch noch gar nicht kennt, mein Name ist Laura Weisenburger. Ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin im Team der Apotheken Umschau. Die kennen hier vielleicht auch schon einige im Saal. Und für diejenigen, die es nur hören und uns nicht sehen können, ich sitze hier nicht alleine. Neben mir und als Gast darf ich begrüßen heute ganz live Prof. Björn Schumacher. Sie sind Leiter des Instituts für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung an der Universität zu Köln, das seit 2013 und Präsident der Deutschen Gesellschaft für DNA-Reparatur seit 2022. Schön, dass Sie da sind.

00:02:29: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Sehr gerne.

00:02:30: DR. LAURA WEISENBURGER: Und, ja, vielen Dank. Damit sind Sie der Experte für unser heutiges Thema. Wir beschäftigen uns mit dem Altern. Erst mal vorweg, wir machen das bei der Dosis Wissen immer ganz gerne, sone kleine, ja, Definitionsklärung oder auch Zahlen, Fakten. Altern ist ja nicht das Gleiche wie alt sein.

00:02:58: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, das ist eine ganz wichtige Unterscheidung, denn viele Menschen gehen davon aus, altern, das mache ich, wenn ich alt bin. Aber das ist gar nicht der Fall, sondern wir altern unser ganzes Leben lang. Das geht ganz, ganz früh los, also schon in der Embryonalentwicklung, während der Schwangerschaft, da geht's schon los mit dem Altern. Und es zieht sich unser ganzes Leben lang hindurch. Und das ist ganz wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind. Das verfolgt uns unser ganzes Leben und das macht uns auch so unterschiedlich, dass jeder son bisschen anders altert. Das ist wahrscheinlich das Privateste, was man macht, dass man so altert, wie man nur selber altert.

00:03:33: DR. LAURA WEISENBURGER: Also eine ganz persönliche Folge heute oder individuell. Was ich mich gefragt habe oder das, was mir auch sehr, sehr schnell in den Kopf kommt und vielleicht ist es bei einigen hier im Saal ähnlich, dieses eine knallige Wort, was man jetzt immer, immer wieder liest und hört, wenn's ums Altern geht, Longevity. Und da gibt's aber auch einen anderen Begriff, der dem gegenübersteht oder eigentlich eben auch synonym verwendet werden kann, die Geroprotektion. Welches bevorzugen Sie und warum?

00:04:08: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Also ich finde beide Begriffe haben ihren Platz. Denn Geroprotektion, das heißt vor dem Alter schützen. Und das ist eigentlich wissenschaftlich das, was wir wollen. Denn Altern bedeutet die Abnahme von Funktion und die Zunahme von Risiken für Krankheiten. Und was wir ja wollen, ist Gesundheit in das Alter bringen. Und deswegen brauchen wir einen Schutz vor diesen Krankheiten des Alterns. Und das ist die Geroprotektion. Und Longevity ist ein Begriff, der vielleicht auch motivierend ist, auch für jüngere Menschen schon, sich darüber Gedanken zu machen, wie lebe ich eigentlich und wie will ich leben und wie will ich leben, auch wenn ich alt bin? Und da einen positiv besetzten Begriff zu haben, auch wenn der überall mit allem Möglichen gefüllt wird, den sollten wir uns nicht wegnehmen, sondern den sollten wir auch positiv besetzt behalten und auch weil Lifestyle sehr viel damit zu tun hat, wie wir altern.

00:05:13: DR. LAURA WEISENBURGER: Den hat auch jetzt grade, also ich hab's gesehen vor zwei Tagen, gestern glaube ich, ging die Nachricht über den Ticker, Harvard hat jetzt einen Longevity Report rausgebracht, also wirklich auch einen extra, glaube ich, leichter, verständlichen Text, eine große, lange Leitlinie letztendlich auch für Laien, wie man am besten, ja, altert beziehungsweise eben dieses Longevity-Konzept umsetzen kann. Allerdings auch relativ nüchtern, wenn ich das richtig verstanden habe, also sehr, sehr gut umsetzbar, aber dazu kommen wir gleich später noch mal wahrscheinlich. Ich hab ja auch paar Zahlen versprochen, eine Zahl, die wir gefunden haben bei der Recherche war, älteste Frau der Welt jemals, also der älteste Mensch, war eine Französin, Jeanne Calment. 122 Jahre ist die alt geworden. 120 ist also so wirklich bisschen das Maximum, was wir rausholen können. Wissen wir schon wieso?

00:06:13: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Ja, also das hängt mit unseren Genen einfach zusammen. Wie lange wir so als Menschen leben. Wir müssen uns einfach vergegenwärtigen, dass wir heute eine Lebenserwartung haben, die höher ist als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. So traditionell war unsere Lebenserwartung so bei Mitte 30. Das ging unsere ganze Menschheitsgeschichte so. Bis so vor 150 Jahren, da ging erst die Kindersterblichkeit runter. Dadurch hat das begonnen, dass sich die Lebenserwartung erhöht und inzwischen hat sich das wirklich verdoppelt. Und wir sind heute bei einer Lebenserwartung um die 80. Aber traditionell kam es eigentlich für den Menschen immer nur darauf an, so drei, vier Jahrzehnte zu leben, denn so lange dauert es, hat es immer gedauert, bis die nächste Generation unsere Gene weitertragen kann. Und das ist das Einzige, was unsere die Evolutionsbiologie interessiert.

00:07:08: DR. LAURA WEISENBURGER: Danach sind wir fertig.

00:07:09: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Danach sind wir fertig. Wir sind nur dazu da, Gene weiterzugeben. Danach ist vorbei im Prinzip, ja. Und deshalb sind unsere Gene, die ja für unseren Zellaufbau, Körperaufbau, für alles, was wir sind, eigentlich verantwortlich sind, die sind so gemacht, dass sie so für drei, vier Jahrzehnte unseren Körper erhalten, reparieren, und wiederherstellen. Und das funktioniert sehr, sehr gut. Und was wir heute haben, ist eigentlich son Extra. So weit tragen uns grade so die Gene, die eigentlich dafür gemacht sind, drei, vier Jahrzehnte, die tragen uns, und da sagt man so, von bis zu so nem Maximum von 120 Jahren. Das ist allerdings schon sehr, sehr, sehr selten. Also bei 100 wird die Luft sehr, sehr dünn dann. Also da gibt es dann noch einige, die dann auch noch länger leben. Und da gibt's auch unter diesen son Fünftel etwa 20 Prozent, die auch gesund sind. Bis kurz vor ein, zwei Jahren vor ihrem Tod in sehr, sehr hohem Alter. Und das ist eigentlich dann wirklich wieder ermutigend. Also wer sich jetzt entmutigt fühlt, okay, mehr als 120 wird's vermutlich nicht werden. Aber es gibt durchaus die Möglichkeit, lange gesund zu bleiben und darum geht es eigentlich.

00:08:25: DR. LAURA WEISENBURGER: Ich denke, das ist auch eins der ganz wichtigen Stichworte, ne, denn viele denken sich ja auch, ich mir auch zum Teil son bisschen, okay, aber dann bin ich 110 vielleicht, aber ich komm doch dann gar nicht mehr die Treppe hoch oder irgendwie so was. Also man denkt ja dann schon auch bisschen, okay, wie leben wir denn dann mit 110 oder 120? Dazu kommen wir dann aber später noch. Wir waren jetzt nämlich eigentlich schon mitten drin in Ihrem Spezialgebiet im Hauptforschungsthema, also quasi Zellforschung, Alterung auf Zellebene. Und das ist ja extrem wichtig, wenn man das richtig verstehen will, deshalb würde ich da ganz gerne quasi jetzt zum Anfang mehr reingehen. Was passiert da genau auf der zellulären Ebene und was ist diese epigenetische Uhr, die einem dann auch immer, immer wieder begegnet, ja, die ja sozusagen tickt und abläuft? Was müssen wir uns da drunter vorstellen?

00:09:17: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Also das zentrale Molekül unseres Lebens ist die DNA, das Erbgut. Das ist in jeder unserer Zellen drin und das hat ja sämtliche Informationen für Bau und Erhalt von Zellen, von Geweben, vom Körper. Alles ist in der DNA codiert. Und nun ist es so, dass die DNA ständig beschädigt wird. Das ist kein unendlich stabiles Molekül. Wenn Sie DNA-Molekül haben, son Erbstrang, einfach nur in ner wässrigen Phase, dann baut es spontan ab. Und jeden Tag in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers kommt es zu bis zu einhunderttausend Beschädigungen.

00:09:57: DR. LAURA WEISENBURGER: In jeder einzelnen, also noch mal ganz genau. Das ist ja um ein Millionenfaches häufig dann pro Tag.

00:10:03: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau. Jeden Tag tagtäglich. Das können Sie auch noch bisschen nach oben nach oben verschieben durchs Rauchen, durch Sonnenstrahlen zum Beispiel, UV-Schäden, all solche Dinge. Aber selbst unser ganz normaler Stoffwechsel in den Zellen führt zu diesen Beschädigungen. Passiert also die ganze Zeit und die müssen immer wieder repariert werden. Es gibt Menschen, die können nicht reparieren, die haben Erbkrankheiten in der DNA-Reparatur und die altern dann im Zeitraffer innerhalb von zehn Jahren schon. Und unsere Reparatur ist, wie gesagt, so gemacht, dass sie perfekt für drei, vier Jahrzehnte ist. Und dann häufen sich aber DNA-Schäden an, also die Schäden in unserem Erbgut, in unseren Zellen. Und dann kommt es zunehmend zu Funktionsverlust. Die Zellen können nicht mehr richtig funktionieren. Und das ist so der ursprüngliche Kern so des Alterungsprozesses. Und dann kommt es natürlich auch zu Beschädigungen in sämtlichen anderen, in den Mitochondrien, in den Kraftwerken der Zellen, in Molekülen wie dem Kollagen, in der Haut, all solche Dinge. Alles wird beschädigt und eben nicht mehr so repariert, wie es am Anfang mal war. Und das ist so die Triebfeder, die molekulare Triebfeder des Alterns. Und darauf reagieren unsere Zellen, die können absterben, die können in die sogenannte Seneszenz gehen vom Latein für altern, wo die Zellen altern und nicht sich nicht mehr teilen können, Gewebe nicht mehr neu generieren können. Und das ist genau, da kommen die Ursachen des Alterns her. Und was zunimmt im Alter, sind auch so diese zufälligen Veränderungen dann. Und die nehmen so zu, dass man daraus sogar eine Uhr bauen kann. Eine Uhr, die uns sagt, wie alt unsere Zellen und unser Körper sind.

00:11:55: DR. LAURA WEISENBURGER: Will man das wissen?

00:11:57: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Das kann man wissen, wenn man möchte, muss man nicht. Aber interessant wird es auch erst dann, nicht, wenn man jetzt weiß, man ist jetzt biologisch bisschen älter oder jünger als sein chronologisches Alter. Das allein nützt ja noch nix. Aber was dann wirklich was nützt, ist, wenn ich dann daran denke, kann ich eine Intervention machen? Kann ich etwas tun, was mir im Alter eine bessere Gesundheit gibt? Was mich schützt vor dem Schlaganfall, vor der Alzheimererkrankung, vor Arteriosklerose, vor allen möglichen Sachen. Und da ist es dann wichtig zu messen, was fürn Effekt sone Intervention hat. Denn es ist ja ganz schwierig vorauszusehen eigentlich, wenn ich jetzt zum Beispiel meinen Lebensstil ändere oder ein Medikament nehme. Dann weiß ich ja gar nicht, wenn ich so was langfristig mache, kommt da was Gutes bei raus oder mach ich auch vielleicht zu viel Sport? Übertreib ich das vielleicht und beschädige meine Gelenke und solche Dinge? Und deshalb ist es durchaus ganz wichtig zu wissen, was mein biologisches Alter ist und ob ich es verändern kann.

00:13:11: DR. LAURA WEISENBURGER: Jetzt son richtiges, also wir haben jetzt ganz viel gehört, da geht extrem viel kaputt. Da ist natürlich dann die Medizinerin in mir sagt dann, okay, wie können wir es denn wieder reparieren, ja? Oder wie können wir das vor allen Dingen blockieren? Wir arbeiten in der Medizin, in der Pharmakologie ja auch ganz häufig mit eben Blockaden von Dingen. Da gibt es aber noch nix. Also wir haben jetzt hier, wissen ja auch alle, sonst wär das, glaube ich, überall weltweit in der Presse gewesen, es gibt ein Medikament, ein Anti-Aging-Medikament, wenn man so will, nicht, was das könnte.

00:13:45: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Ja, also das ist eine ganz interessante Entwicklung, die sich im Moment da vollzieht. Und wir reden da wieder gern von der Geroprotektion, also von Medikamenten, die vor dem Alter schützen. Und da hat man das 1. Mal so beobachtet, zum Beispiel, wir wissen seit ganz langer Zeit schon, seit 100 Jahren wissen wir eigentlich, dass verminderte Kalorienaufnahme das Leben verlängert und auch die Gesundheit verlängert. Das war ursprünglich hat man's in Ratten mal in Chicago beobachtet und mittlerweile hat man das bei ganz viel Tierarten gesehen und nun ist es aber so, dass man gefunden hat, dass es gar nicht so auf die Kalorien selbst ankommt, sondern wie unsere Zellen darauf reagieren. Und sie reagieren mit einer Hemmung, also genau das, was die pharmakologischen Substanzen machen. Sie hemmen etwas und sie und es kommt zu einer Hemmung des sogenannten Torsignalwegs, also wie das Tor beim Fußball. Tor steht in diesem Fall für das Target of Rapamycin. Und Rapamycin ist ein Medikament. Und wenn man jetzt bei Mäusen zum Beispiel dieses Medikament gibt anstatt die Verminderung der Kalorien, dann leben die auch länger. Und das war so der 1. Hinweis darauf, dass es so was wie Geroprotektion, man kann's auch Anti-Ageing nennen, wenn man möchte, dass das wirklich funktionieren könnte. Dann hat man's auch in Studien gesehen, bei Menschen, die Metformin nehmen. Also bei Typ 2 Diabetikern ist Metformin so das am weitesten verbreitete Medikament. Und da hat man dann gesehen, dass die nicht nur vor, dass nicht nur ihre Diabetes behandelt wird, sondern dass die auch geringere andere Krankheitsrisiken haben. Und das war so der Startschuss, wo man gesagt hat, man kann ein Medikament nehmen, das mich vor verschiedenen Krankheiten schützt. Und das ist eigentlich so der Kern dieser geroprotektiven Intervention. Und natürlich ist die große Frage, hilft das auch Leuten, die jetzt gesund sind schon, die keine Diabetes haben, die ansonsten gesund sind? Hilft es da? Das ist eine große Frage, die im Moment sehr, sehr heiß diskutiert wird. Aber dieses Prinzip, dass man mit einem Medikament vor verschiedenen Krankheiten schützen kann, dieses Prinzip, das ist ganz entscheidend.

00:16:21: DR. LAURA WEISENBURGER: Das sehen wir ja jetzt auch grade. Wer das son bisschen mitverfolgt hat, die Abnehmspritzen, Ich sag's jetzt mal mit den Gänsefüßchen in der Luft, weil das, glaube ich, für die meisten geläufiger ist, als wenn ich jetzt sagen würde, GLP1-Agonisten, aber die sind's eigentlich. Also diese Spritzen, bei denen hat man ja auch diesen Effekt gehabt, wenn man das son bisschen mitverfolgt hat. Also genau, ganz am Anfang natürlich eigentlich ein Diabetesmedikament, sprich also hilft auch gegen Diabetes. Hat dann die Nebenwirkungen abgenommen, also Gewichtsreduktion, das ist, wo wir ja jetzt inzwischen zweigleisig fahren bei der Indikation. Aber kardioprotektiv ist es auch und Schlaganfälle, die gehen auch runter. Also das das hat ja ähnliche Effekte wie auch das Rapamycin oder das Metformin. Da sehen wir's ähnlich. Aber wir haben auch das Problem, wir kennen's noch nicht besonders lange.

00:17:09: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, das ist das ist wirklich der entscheidende Punkt. Also das sind ja Dinge, die ganz aktuell jetzt rauskommen. Also mit Metformin, weil's so gut bekannt ist und sehr, sehr billig ist und weit verbreitet ist, man kennt die Nebenwirkungen gut, hatte man so am Anfang gedacht, okay, jetzt lass uns mal Metformin testen. Das ist nur zum Opfer der billigen Verfügbarkeit geworden, denn kein Mensch finanziert eine Studie eines billigen Medikaments, weil niemand daran Geld verdient. Und deswegen hat man jetzt mit diesen Abnehmspritzen und ähnlichen Medikamenten, da hat man ja aktuelle Studien und deswegen konnte man das auch beobachten. Und genau diese Effekte, dass man wirklich schützt vor anderen Krankheiten, das ist eben das Entscheidende und deswegen geht man wirklich davon aus, dass so etwas wie dieses Semaglutid in diesem Fall, es gibt auch Glucose-Uptake-Inhibitoren, SGLT2-Inhibitoren zum Beispiel, ist was auch kommt auch ursprünglich von Diabetes, genau wie die Abnehmspritze hier ursprünglich von Diabetes kommt, diese Stoffwechselbehandlung praktisch, wo man dann wirklich auch diese Effekte sieht, diese geroprotektiven Effekte, verschiedene Krankheitsrisiken ist man vorgeschützt. Das ist natürlich ein enormer Fortschritt, wenn man sich anschaut, dass man dann wirklich im Endeffekt vielleicht einen Schlaganfall verhindert hat oder 'n chronisches Nierenleiden verhindert hat. Da gab's bislang überhaupt keine Medikamente für chronisches Nierenleiden. Die Leute sind irgendwann zur Dialyse gekommen und dann kommen alle anderen Krankheiten dann auch ganz, ganz schnell. Und das ist schon ein wirklich ein Quantensprung eigentlich, dass man solche Medikamente jetzt hat. Das ist noch sehr neu in der Tat, weil natürlich die Menschen, die primär sone Abnehmspritze nehmen und davon profitieren, das sind natürlich stark übergewichtige Menschen.

00:19:10: DR. LAURA WEISENBURGER: Sollten sie im besten Falle sein. Wir sehen auch eine Menge Missbrauchsfälle, im schlimmsten Falle landen die in der Klinik und in den Medien beides. Aber das ist ja eigentlich der in die Indikation, die echte.

00:19:21: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, also Medikamente auch grundsätzlich nur unter ärztlicher Anweisung nehmen, also nicht einfach irgendwas ausprobieren oder sich aufm Internet bestellen und so, da wirklich sehr, sehr vorsichtig mit sein. Aber für diese Menschen ist das ein enormer Vorteil. Und die Gewichtsabnahme ist sehr wichtig. Genauso wichtig ist es, Bluthochdruck zu behandeln. Das kann man machen durch eine Sportintervention, aber wenn das nicht klappt, dann macht man's medikamentös. Ist auch ganz wichtig, um wirklich schützend zu sein. Und man wird jetzt einfach sehen, also es gibt jetzt die Studien dazu, auch mit diesen Altersuhren zum Beispiel zu testen, ob sich da wirklich dran drehen lässt mit solchen Interventionen wie Abnehmspritzen und Ähnlichem. Das wird man jetzt alles sehen. Man muss natürlich immer die Studien abwarten. Also man sollte natürlich nicht immer sofort immer auf das Neueste, was irgendwo im Internet angekündigt wird springen, sondern man braucht immer noch die Studien. Man muss wirklich sehen, was sind die Risiken auch, wie grade bei Dingen, die man jetzt geroprotektiv eigentlich ja langfristig nehmen will, also dieses Semaglutid zum Beispiel, das wirkt ja nur, während man's nimmt.

00:20:39: DR. LAURA WEISENBURGER: Ja.

00:20:40: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Ja, und das heißt, da muss man schon ganz genau wissen, was sind die Nebeneffekte, was ist der Vorteil, was ist der Nachteil? Und das ist wichtig, das wirklich zu ermitteln. Aber entscheidend ist, dass wir dieses Konzept haben der Geroprotektion, denn das hat wirklich das Potenzial, uns vor diesen wirklich schwierigen, schweren und wirklich auch lebenzerstörenden Krankheiten zu schützen. Das ist ja entscheidend in einer Gesellschaft, in der wir immer mehr alternde Patienten haben mit sehr, sehr hohen Risiko, auch ganz verschiedene Krankheiten zu auszubilden.

00:21:20: DR. LAURA WEISENBURGER: Ja, immer wieder kommt das vor, häufig in Studien, die eben diese Langzeitstudien haben, grade vor ein, zwei Folgen habe ich eine besprochen. Da ging's ums Altern und um Krankheitslast und da kommt ja auch immer wieder zur Sprache, die sogenannten, jetzt muss ich richtig sagen, DALYS, die disease adjusted life years, also Lebensjahre, die einem im Endeffekt ja durch eine Krankheitslast verloren gehen. Da sind wir son bisschen bei dem Thema, wie will ich denn alt werden? Denn wenn ich dann sage, ja super, jetzt bin ich 110, 115, aber ich hab Arthrose und die künstliche Hüfte müsste auch schon wieder gewechselt werden, weil das hält ja auch nicht ewig und Bluthochdruck und Schlaganfall hatte ich vielleicht. Also ne, das summiert sich alles so auf. Ewig können wir das gar nicht spielen, das Spiel.

00:22:15: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, das ist ja eigentlich die größte Herausforderung unserer alternden Gesellschaft. Ist, was wir Multimorbidität nennen. Das heißt, dass zwei oder mehrere Krankheiten gleichzeitig vorliegen. Und das ist der Fall in über der Hälfte in der Gruppe der über Fünfundsechzigjährigen. Also das ist das Gesundheitsproblem, vor dem wir stehen. Und diese Gruppe der über Fünfundsechzigjährigen wird schon bald auf ein Drittel anwachsen der Bevölkerung. Das heißt, wir haben ein massives Problem. Und es ist mehr als zehn Jahre am Ende des Lebens, dass im Durchschnitt die Menschen in Krankheit verbringen. Und da müssen wir ran. Da müssen wir gesellschaftlich dran und da müssen wir auch mit der Gesundheit ran. Und dafür brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Medizin. Wir müssen in die Prävention, wir müssen in die Geroprotektion, weil wir sehen müssen, dass wir mehr gesunde Jahre in das Altern kriegen. Das ist absolut entscheidend. Das ist für die eigene Lebensqualität entscheidend. Es ist genauso entscheidend für die familiäre Umgebung. Es ist genauso entscheidend für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaft. Also da müssen wir uns wirklich darauf konzentrieren. Und dass es jetzt diese ersten Konzepte gibt, die jetzt nachgewiesen haben, dass so was möglich ist, da müssen wir in der Forschung ran, um da wirklich zu sehen, wie können wir das maximieren.

00:23:40: DR. LAURA WEISENBURGER: Also sehr global eigentlich. Sie haben jetzt grade aufgezählt individuell die einzelnen Personen, gesamtgesellschaftlich, politisch muss sich was ändern. In der Forschung muss sich auch was tun. Wenn wir jetzt aber noch mal bisschen Schritt zurücktreten, weniger global groß denken, denn vielleicht stellen sich ja auch einige im Saal die Frage, okay, gut, jetzt hab ich das gehört, Alterung läuft quasi noch vor der Geburt, fang ich schon an, schönen Dank auch. Was kann ich tun? Wir haben keine Medikamente, das haben wir etabliert, die sind nur für spezielle Gruppen beziehungsweise wir wissen noch nicht um die Langzeitfolgen oder auch um die Langzeitwirksamkeit. Aber wenn ich jetzt sage, na gut, dann schaue ich mir das jetzt mal genauer an. Was wissen wir, macht jetzt schon Sinn und zwar fürs Individuum?

00:24:32: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, es gibt zwei ganz wichtige Sachen. Einige Sachen, die sollten wir lassen und einige andere, anderes, was wir tun sollten. Was wir lassen sollten, ist, was uns schadet. Und da steht ganz, ganz oben Nummer eins ist das Rauchen. Unbedingt aufhören, am besten nie anfangen. Und da haben wir einen Trend heute, dass grade unter jungen Menschen, unter Jugendlichen Rauchen, Vaping ist genauso schlimm, dass das zunimmt. Und da muss man unbedingt ran. Alles, was ungesund ist, das kommt ja auch so von diesen ganzen, starkes Übergewicht, Bluthochdruck, all solche Dinge. Wenn Sie sehen, Sie haben irgendwas, was wirklich was chronisch ungesund ist, hören Sie damit auf. Fragen Sie Ihren Hausarzt, was kann ich machen? Wo kann ich auch Unterstützung bekommen? Das ist einfach zu sagen, hören Sie das Rauchen auf, das ist eine Suchtkrankheit.

00:25:24: DR. LAURA WEISENBURGER: Ein langer langer Weg, das lange darf man nicht vergessen.

00:25:26: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Also das ist das eine. Was können Sie aber tun? Und da steht wirklich der Lebensstil, Lifestyle im Mittelpunkt, denn da können Sie wirklich viel tun. Die Intervention, die zwei Interventionen, die am besten funktionieren, die eine ist die allerunpopulärste, das ist die kalorische Restriktion. Hält sich niemand dran, weil sich niemand an Diäten hält, deswegen ist es so kompliziert. Wir wissen seit 100 Jahren, macht trotzdem keiner. Das liegt einfach in der Natur des Menschen. Unser Gehirn belohnt uns dafür, wenn wir möglichst viel Süßes futtern, aber nicht …

00:26:05: DR. LAURA WEISENBURGER: Es könnte ja gerade der nächste Säbelzahntiger um die Ecke kommen. Ich hab neulich mit einer Forscherin über dieses Thema Abnehmen und Schwierigkeiten in Bewegung zu kommen zu gesprochen, auch für ’ne Dosis Wissen zum Thema Bewegung. Und sie meinte auch, das ist auch irgendwie in unserer DNA, wenn ich jetzt mal quasi das so benutzen darf, diese Redewendung, das ist das haben wir damals gelernt. Wir müssen essen, wenn wir können, denn wir könnten gleich wieder fliehen vorm nächsten Mammut, was da kommt.

00:26:34: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, genau. Also unsere menschliche Natur ist darauf ausgerichtet, möglichst Nahrung aufzunehmen, denn unsere Vorfahren haben an Nahrungsmittel-, Hungerkatastrophen gelitten und heute ist alles verfügbar, trifft aber aufn Gehirn, was wirklich nicht der Zeit angemessen ist. Unser Gehirn ist genau noch das Gleiche, was die Leute vor 100.000 Jahren hatten und deswegen stürzen wir uns dann gerne da drauf, und haben da wenig Kontrolle darüber. Und deswegen macht die Abnehmspritze ja auch dieses Sättigungsgefühl, dass es einfach da ansetzt, dass man einfach nicht mehr diesen Heißhunger hat. Also bei Ernährung kann man sehr viel tun. Kalorische Restriktionen ist ne komplizierte Sache. Man hat so gesehen, Intervallfasten ist bisschen einfacher, ja. Und kalorische Restriktionen sieht man auch, dass, wenn man das etwas milder macht, dann kann man das auch länger durchhalten. Also eine Studie zum Beispiel, wo es wo es nur 14 Prozent kalorische Restriktionen gegeben hat, also gar nicht so viel, eins vier, 14 Prozent, gar nicht so viel, hat man gesehen innerhalb von zwei Jahren hat sich das Immunsystem verbessert. Der Thymos hat sich wieder ausgebildet. Also wirklich, das scheint wirklich gut zu funktionieren. In mittlerem Alter, in hohem Alter ist das was anderes. Da brauchen Sie Ihre Nährstoffe wieder.

00:27:49: DR. LAURA WEISENBURGER: Das ganz wichtiger Punkt an der Stelle, weil viele kommen in die Mangelernährung. Und man sieht es ihnen ja nicht unbedingt auch dann an. Das kann ja durchaus ein übergewichtiger Patient oder eine Patientin sein, die vor mir sitzt und trotzdem mangelernährt ist.

00:28:04: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau. Deswegen ausgewogene Ernährung ist ganz wichtig. Auch im Alter brauchen Sie auch genügend Eiweißstoffe, genügend Proteine, müssen Sie ja auch immer dazu denken. Und das verändert sich. Also kalorische Restriktion in hohem Alter ist keine gute Idee, aber im mittlerem Alter etwas weniger essen und dadurch, dass wir ja wirklich in soner Pandemie der Fettleibigkeit leben, in Deutschland ist glaub die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig, da ist da ist schon eine ganz gute Idee, einfach mal bisschen weniger zu essen, aber gleichzeitig zu sehen, dass man alles kriegt, was man bekommt. Und dass man wirklich eine ausgewogene Ernährung hat, so mediterrane Ernährungsweise wird so empfohlen, einfach ausgewogen. Das kann man eigentlich hinkriegen, so was. Und die 2., die Intervention, Lifestyle, die funktioniert, ist die 2. und populärste, nämlich das ist der Sport. Der ist auch immer ganz wichtig, mit dazu zu denken. Also es nützt noch nichts, allein nur Ernährung umzustellen. Man braucht doch Bewegung, immer angemessen. Also keinen Marathon laufen, das ist ja keine gute Idee und schon gar kein Iron Man, da kommen die Leute ja wirklich …

00:29:13: DR. LAURA WEISENBURGER: Da sind wir wieder beim Gegenteil, ja?

00:29:14: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Genau, das ist dann übertrieben. Also Maß und Mitte ist immer ganz wichtig, aber der Sport ist wirklich wichtig. Und da hat sich auch gezeigt, man sollte nicht nur darauf achten, auf Cardio, also Ausdauertraining, sondern man braucht auch Muskeln. Weil im Alter unweigerlich bei jedem Menschen, da können Sie sich Arnold Schwarzenegger anschauen, der sieht auch nicht mehr so aus wie Conan der Barbar. Weil einfach im Alter die Muskelmasse abnimmt, immer, bei jedem, egal, egal ob Sie vorher Bodybuilding machen oder nicht. Deswegen ist es entscheidend, wo fang ich an? Und deswegen Muskeln aufbauen ist auch wichtig, weil im Alter ein Ding, was man oft dann übersieht, ist das Sturzrisiko. Das hängt viel mit Muskulatur zusammen, ob ich solide stehen kann zum Beispiel, und gehen kann. Und dafür brauchen wir Muskeln. Und ein Sturzrisiko hat dann vieles, was danach kommt. Also wenn dann erst mal der Sturz passiert ist, dann heilt alles nicht so gut wie in der Jugend.

00:30:22: DR. LAURA WEISENBURGER: Ja, oder ich hab ja sogar eine derartige Verletzung. Ich denk jetzt mal so an den ganz großen Klassiker, den ich persönlich sehr, sehr häufig gesehen habe in der chirurgischen Notaufnahme, die Schenkelhalsfraktur. Ab nem gewissen Alter ist das sehr, sehr fragiler Knochen, weil man eben auch so zur Seite kippt, dann ist der kaputt. Das ist eine große Operation und das zieht auch eine lange Rehabilitation nach sich und da …

00:30:46: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Und das ist ja das Problem, dass dann wirklich lange Zeiten der Immobilität da sind. Dann baut wieder Muskel ab, das passiert ziemlich schnell. Und dann kommen die anderen Krankheiten halt auch, weil wir sind halt integriertes System. Also auch unser Gehirn braucht eine gute Blutzirkulation und eine gute Blutzirkulation braucht Bewegung. Also deswegen selbst die kognitive Gesundheit im Alter ist nicht nur etwas, was ich mit kognitiven Anstrengungen erreichen kann, sondern eben auch ganz trivial mit Bewegung.

00:31:19: DR. LAURA WEISENBURGER: Inwieweit spielt aber kognitive Anstrengung auch eine Rolle? Da gab's ja, glaub ich, auch Untersuchungen, Menschen, die im Alter noch mal eine Fremdsprache lernen. Menschen, die sagen, Mensch, jetzt habe ich wieder Zeit für mein Hobby. Ich treff mich zum Angeln oder ich geh plötzlich und sing im Chor oder Derartiges. Das hat positive Auswirkungen, und zwar mehr als wir denken.

00:31:41: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Ja, das ist nur immer ganz schwer auseinanderzuhalten. Das ist ja meist son Gesamtpaket. Also wer sitzt allein zu Hause und verkümmert hinter den Geranien? Ist natürlich jemand anders als jemand, der jetzt aktiv in Gruppen unterwegs ist, der ein soziales Leben pflegt. Vielleicht eine Tanzgruppe. Tanzen ist auch was, was sehr, sehr Positives. Musik dazu, solche Dinge. Also es gibt da viel, viele Dinge, die positiv sind, soziale Kontakte. Und das kommt halt meist mit ganz viel verschiedenen Dingen. Da ist es gar nicht immer so einfach zu sagen, was ist wirklich Ursache und Wirkung? Es hat sich auch gezeigt, Menschen, die ein positives Bild übers Altern haben, dass die besser altern. Liegt das nun daran, dass sie da eine positive Vorstellung haben oder liegt das vielleicht daran, dass sie in Familien aufgewachsen sind, in denen's ganz viele gesunde Alte gibt. Wenn die Großeltern noch lange gesund sind, hab ich natürlich 'n viel besseren Eindruck, was mit dem Alter so passiert, als wenn ich jetzt in ner Familie lebe, in der es sehr viel frühe Krankheit gibt und vielleicht langwierigere Krankheit. Also das ist immer sehr schwer, wirklich auseinanderzuhalten. Aber man sollte sich natürlich schon sehen, wie kann ich irgendwie ein aktives Leben führen? Und das ist auch nicht für jeden immer das Gleiche. Es gibt auch Menschen, die eben nicht gern in Gruppen sind. Das ist dann ja auch okay. Es muss halt immer zu einem selber passen, sodass man wirklich sieht, man ist aktiv und man hat so, man kann ja sone Selbstbestimmung auch nen bisschen machen, bis dann die Alternsuhren wirklich auf dem Individuum, auf dem Einzelnen angewendet werden, dass man son bisschen schaut, wie sind denn meine Blutwerte? Wie ist denn mein, wie sieht's mit dem Bluthochdruck aus? Wie geht's mir denn so physisch und auch psychisch? Das kann man ja son bisschen auch nachhalten und dann auch mit Check-ups eben wirklich dann immer wieder zur Sprache bringen.

00:33:40: DR. LAURA WEISENBURGER: Jetzt haben wir viel von diesen individuellen Punkten besprochen, die, ich hatte ja versprochen, ich red noch über den Harvard Longevity Report, ziemlich genau das auch, glaub ich, da abgebildet haben. Also genau das steht auch so da drin. Und was sowohl hier in unserem Gespräch grade fehlt und natürlich auch im Report nicht steht, sind die ganzen Supplements. Diese Nahrungsergänzungsmittel, die werden da ausgespart und wir sparen sie auch aus, und zwar aus dem leichten einfachen Grund.

00:34:09: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Man weiß nix, ob das irgendwas Positives bringt und man hat normalerweise kriegt man alles, was man braucht mit gesunder Ernährung. Veganer sollten aufpassen. Also wenn sie wirklich davon meinen, dass veganes Essen eine gute Idee sei, dann wirklich aufpassen, was man da substituiert, was man da braucht, weil da fehlt einem dann wirklich was.

00:34:32: DR. LAURA WEISENBURGER: Also genau, da müssen wir differenzieren. Mangel muss ausgeglichen, fehlende Stoffe, welcher Art auch immer sollten substituiert werden, darüber hinaus kein Benefit.

00:34:43: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Nein, nein. Also das das braucht man nicht, wenn man wirklich keinen Mangel hat. Wenn man dann einen Mangel hat, das kann man ja auch beim Hausarzt mal bestimmen, wo es einem so dran fehlt. Dann kann man das, es gibt ja auch viele Stoffwechselkrankheiten oder Ähnliches, dass man da wirklich dann natürlich das nimmt, was einem fehlt. Aber mit einer gesunden Ernährung, das kann vegetarisch sein, das kann eine normale Ernährung sein, das ist im Prinzip egal. Hauptsache, es ist wirklich ausgewogen. Dann hat man alles.

00:35:16: DR. LAURA WEISENBURGER: Und jetzt müssen wir natürlich noch ganz zum Schluss doch den Bogen wieder ein bisschen öffnen, denn das haben wir schon, wir hatten da eine sehr intensive quasi einen Monat gemacht zu eben Übergewicht Adipositas bei ’ne Dosis Wissen. Lange Folgen, gerne reinhören, wenn euch das mehr interessiert. Aber da war quasi auch die Quintessenz, wir können gar nicht umhin, weil wir sind quasi wie in sonem Netz, was es uns gar nicht leichter macht, eben zum Beispiel abzunehmen oder uns mehr zu bewegen. Und wir haben schon angedeutet, es ist beim Altern letztendlich genauso. Was muss sich politisch beziehungsweise gesellschaftlich noch tun, damit wir mehr in dieses gesunde Altern kommen? Was müsste da jetzt, was sind die nächsten Schritte, die die Politik vielleicht auch angehen muss?

00:36:02: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Ja, wir brauchen unbedingt einen Paradigmenwechsel. Wir müssen aufhören, erst dann eine Krankheit zu behandeln, wenn sie da ist. Wir müssen in die Prävention. Und zwar nicht nur irgendwo draufschreiben auf eine Werbebroschüre der Krankenkasse, sondern das muss zentrale Aufgabe einer Gesundheitskasse sein. Wir brauchen keine Krankenkassen, wir brauchen Gesundheitskassen. Und wir brauchen individuelle Verantwortung als auch die gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wenn Sie sich einfach mal vorstellen, wer altert am schnellsten und leidet am meisten unter den Krankheiten früher? Das sind die ärmeren Teile der Bevölkerung. Der Gesundheitsaspekt, der da die Krankheiten treibt, ist Übergewicht. Und das liegt am Lebensstil. Und das liegt nicht am Geld primär, das liegt am Lebensstil. Und das heißt, da müssen wir unbedingt ran. Und das ist eine politische Verantwortung. Und da muss man den Leuten nicht die Schuld zuschieben. Schuld ist schon das ganz Falsche, sondern man muss sehen, wie kommt man da ran? Wie kann man da gesünderen Lebensstil reinbringen? Wir haben leben in einer Zeit jetzt aktuell 2026. In fünf Jahren fangen die Babyboomer an, über 65 in Rente zu gehen, in das Hochrisiko, die rote Zone der Krankheiten einzutreten. Das wird unser gesamtes Sozialsystem kollabieren lassen, wenn wir es nicht schaffen, jetzt umzusteuern und wirklich in die Prävention gehen. Ein Paradigmenwechsel in der Medizin. Wir brauchen Ansprechpartner für Menschen, die noch keine schlimme Krankheit haben, sondern die einfach nur altern. Und dass die wirklich nahegelegt bekommen eine Implementation bekommen von Strategien, wie sie länger gesünder bleiben können. Das ist wirklich eine Herausforderung, der müssen wir uns heute stellen. Es ist wirklich fünf vor zwölf da. Also wenn Sie sich anschauen einfach nur, da können Sie die Uhr nachstellen, was in fünf bis zehn Jahren passieren wird. Da kollabiert uns unser derzeitiges System, wenn wir nicht jetzt umsteuern.

00:38:11: DR. LAURA WEISENBURGER: Deshalb haben wir jetzt heute drüber geredet und hoffentlich für alle hier im Saal da auch einiges an wichtigen Themen angestoßen, vielleicht auch einige Denkanstöße gegeben. Ein ganz großes herzliches Dankeschön an Sie für das Gespräch heute und natürlich an alle hier im Saal, die bei uns zugehört haben. Schön, dass ihr alle da wart. Und ich darf jetzt noch quasi kurz erinnern, wenn ihr uns mehr hören möchtet, uns gibt's eigentlich jeden Tag, also jeden Werktag und dann sucht uns da doch einfach mal auf den Podcastplattformen, wo ihr normalerweise Podcasts hört. Da findet ihr uns mit Sicherheit. Da einfach eine Erinnerung setzen, Glocke und so weiter und dann könnt ihr uns jeden Tag hören, wenn ihr möchtet. Vielen herzlichen Dank.

00:39:02: PROF. DR. BJÖRN SCHUMACHER: Sehr gerne. SPRECHER: Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

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