Krankschreibung ab dem ersten Tag in der Kritik
Shownotes
Die Bundesregierung plant, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend zu machen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Doch wie valide ist die Annahme, dass sich dadurch Krankenstände senken lassen? Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, bespricht mit Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverband VdK Deutschland, was die Regelung für die hausärztliche Versorgung, überlastete Praxen und chronisch Kranke bedeuten würde.
Diese Folge haben wir am 6. Juli 2026 um 14 Uhr aufgezeichnet.
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links
• Bundesregierung. Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung
• Fehlzeiten-Bilanz 2025 der AOK
• Artikel: Untersuchung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung zum Anteil an telefonischen Krankschreibungen
• Gesundheitsreport 2026 der Techniker Krankenkasse
• Folge „Bloß nicht zu leise sein!“ von Frau Doktor, übernehmen Sie! vom 6. Juli 2026
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: Yves Seißler, Benedikt Möltner
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Transkript anzeigen
00:00:03: Gesundheit hören.
00:00:04: Es ist mal wieder jede Menge los in der Welt der Medizin und im Gesundheitswesen allgemein, gerade erst waren wir auf dem Festival der Zukunft für euch aber heute müssen wir eine weitere Spezialfolge nachschieben.
00:00:18: es geht gar nicht anders denn wir sprechen natürlich auch hier bei der Dosis Wissen über das Thema Krankschreibung.
00:00:28: Letzten Donnerstag war es, da hat Friedrich Merz erklärt dass das mit den Regelungen etwas anders ausschauen soll.
00:00:36: Die verpflichtende Krankscheibung soll ab dem ersten Krankheitstag kommen und zugleich wird die telefonische Krankschreibung abgeschafft Und darüber müssen wir jetzt reden.
00:00:56: Ich sage trotz euch und vielleicht gerade deswegen Guten Morgen.
00:01:01: Ich freue mich sehr, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei der Dosis Wissen dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und es hört ihr jeden Werktag ab sechs in der Früh eigentlich in schnellen zehn Minuten Es sei denn die Regierung verkündet mal kurz so einen kleinen Minigau wie sie sich jetzt gerade getan hat.
00:01:19: dann müssen wir länger sprechen und zwar mit einer Expertin heute.
00:01:23: Mein Name ist Laura Weisenburger.
00:01:24: Ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau.
00:01:28: Wir nehmen die Folge auf am sechsten Juli, es ist gerade vierzehn Uhr Und ihr hört sie am siebten Juli.
00:01:36: Zwei tausend sechsundzwanzig
00:01:41: Ein Podcast von Gesundheit hören und apothekenumschau pro
00:01:56: Deutschland.
00:01:57: Und ich weiß gar nicht, was ich euch jetzt raten soll fürs Gespräch.
00:02:01: Blutdruck-Tabletten vielleicht?
00:02:02: Ein kleinen Nerven-Tee... ...ne Schnäppskin!
00:02:05: Okay das zugegebenermaßen kann ich bei der Dosis wissen natürlich überhaupt gar nicht empfehlen.
00:02:11: Ich bleibe beim Kaffee denn Routinen erden uns ja auch ein bisschen und dann starten wir mal ins Gespräch zu diesem sehr brisanten Thema.
00:02:26: Ja Frau Bentele Sag erstmal herzlich willkommen hier bei der Dosis Wissen.
00:02:30: Schön, dass Sie da sind und natürlich ein herzliches Dankeschön, das Sie so kurzfristig Zeit hatten!
00:02:35: Ja vielen Dank für die Einladung und es ist ein spannendes wichtiges Thema zu dem ich mich gerne mit Ihnen unterhalte.
00:02:40: Ja, denn das wäre gleich mal meine erste Frage als sie die Ankündigung von Friedrich Merz am vergangenen Donnerstag gehört haben – was war da Ihr erster Gedanke?
00:02:50: Naja, für uns als Sozialverband VdK ergibt es ehrlicherweise überhaupt keinen Sinn.
00:02:55: Dass Menschen ab dem ersten Krankheitstag und zwar ausnahmslos alle einen Arzt oder eine Ärztin aussuchen müssen für eine Krankschreibung.
00:03:03: Das ergibt ja durchaus Sinn dass die ersten Krankheitstage eben auch Menschen zu Hause bleiben können weil gerade wenn man etwas vielleicht leichteres hat ne Magenverstimmung Ne Erkältung dann mag's ja auch manchmal gut sein einfach zwei Tage im Bett zu bleiben oder Zuhause Nicht zur Arbeit zu gehen, niemanden anzustecken.
00:03:21: Auch nicht in der Arztpraxis zu gehen mit der Magenverstimmung und da noch andere Leute anzustecken die vielleicht gerade da sind wegen der vierundzwanzig Stunden Blutdruckmessung ergibt absolut Sinn.
00:03:32: Als ich das gehört habe, die Ankündigung dass ab dem ersten Krankheitstag schon die Krankschreibung erforderlich ist.
00:03:37: Habe ich mir gedacht naja also Ich vertraue da sehr viel mehr in die Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern.
00:03:42: Die können es bei Menschen die oft die oder manchmal die ein Tageskrankheit haben ja heute schon machen.
00:03:47: Das kann man schon verlangen.
00:03:49: Dass ab dem erster Krankheiz tag eine krank Schreibung vorzulegen ist als Maßnahme sozusagen.
00:03:53: aber bei den allermeisten menschen Machen wir die Erfahrungen Und zwar wirklich durch die Bank mit allem mit denen ich spreche.
00:04:02: Sinn ergibt, das den Personen selbst zu überlassen.
00:04:05: Diese Entscheidung wurde ja vom Bundeskanzler vor allen Dingen damit begründet also diese Verschärfung die es definitiv ist mit ich zitiere jetzt exorbitant gewordenen Krankenständen die wir seit der Corona-Pandemie haben oder hatten.
00:04:21: er sagte ganz konkret Wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten nicht länger leisten und so weiter.
00:04:27: in ihren Augen werden denn Diese Maßnahmen helfen, um dann tatsächlich diesen Krankenstand in Deutschland zu verringern.
00:04:35: Ist das eine sinnvolle Maßnahme?
00:04:37: In meinen Augen werden die Maßnahmen so nicht helfen.
00:04:39: Das große Problem wird sein und da bin ich sehr, sehr gespannt wie sich dann die Zahlen verändern wenn jemand schon zur Ärztin oder zum Arzt geht.
00:04:47: Dann werden viele Menschen bestimmt auch sagen naja schreiben sie mich nicht zwei Tage krank oder vielleicht nur einen sondern dann halt vielleicht gleich die ganze Arbeitswoche weil ich weiß ja nicht wie lang es dauert.
00:04:56: Vielleicht ist es nach drei Tagen wieder gut oder vielleicht ist es noch fünf tagen gut.
00:04:59: Da muss ich zweimal zu zur Arztpraxis kommen und ich kann mir durchaus vorstellen dass für viele es entweder bedeuten wird, dass sie sagen okay aber dann gleich die ganze Arbeitswoche und für die anderen, die das vielleicht nicht wollen oder können.
00:05:13: Für die das gar nicht so einfach möglich ist.
00:05:16: Einfach gleich zu einem Arzt eine Ärztin zu gehen, die werden sich vielleicht auch krank zur Arbeit schleppen was dann dazu führen kann, Gesamtdauer der Krankheit länger ist, weil eben Personen sich krank zur Arbeit schleppen, krank arbeiten, Kolleginnen und Kollegen anstecken.
00:05:32: Und dann ist auch nichts gewonnen.
00:05:33: Also was für mich einfach ganz klar ist dieses Misstrauen gegenüber der Bevölkerung ergibt viel weniger Sinn und es für mich überhaupt nicht hilfreich wäre wirklich zu gucken wie es eigentlich am Arbeitsplatz zu gewährleisten dass die Menschen da gut arbeiten können Arbeitsbedingungen nicht krank machen, die Überforderung in manchen Jobs vielleicht wie in der Pflege wo oft Personalausfälle dazu führen dass viele eben sehr sehr belastet sind.
00:06:00: Also was kann auch in der Arbeitswelt passieren damit die Krankenstände zurückgehen?
00:06:04: Das wäre für mich wirklich eine sinnvolle Diskussion mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in der deutschen Wirtschaft zu gucken.
00:06:11: Was können wir eben alle gemeinsam beitragen damit unsere Beschäftigten gesünder sind
00:06:16: Das ist ja ein sehr wichtiger Punkt, dieses Gesündersein in die Prävention kommen.
00:06:21: Denn gerade wir haben uns jetzt im Team dankenswerter Weise mal die Zahlen genauer angeguckt wie denn da eigentlich so die Verteilung sind und wir haben ja gerade bei diesen ganz kurzen Erkrankungen sprich alles unter sieben Tage das sind zwar die häufigsten Fälle nämlich seventy-fünf Prozent aber die wenigsten Tage also nur dreiundzwanzig Prozent der tatsächlichen Krankheitstage Die kommt von diesem ganz kurze Erkrankung großen Batzen über vierzig Prozent ausmacht sind die Langzeiterkrankungen, also über sechs Wochen.
00:06:51: Und da haben wir dann als ganz viele Gründe, die eben muskulitale Erkrankung, psychische Erkrankung was ja alles auch Dinge sind, die durch Faktoren in der Arbeit beeinflusst werden könnten.
00:07:02: Das heißt es spielt genau... Sie sprechen das an, dass quasi diese hohen Krankheitstage dieser große Anteil, dass das eigentlich verbessert werden könnte durch eine andere Herangehensweise
00:07:14: Genau, also für mich ist wirklich der zentrale Punkt mit dem wir uns ja alle auseinandersetzen müssen.
00:07:18: Was muss passieren damit zum Beispiel auch mehr Menschen die Regelaltersgrenze gesund erreichen können?
00:07:23: Also bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können das die Krankheit Tage insgesamt weniger werden, die Langzeiterkrankungen weniger werden.
00:07:31: Bei uns im Sozialverband VdK ist immer die Frage was muss eigentlich passieren dass weniger Menschen aus unterschiedlichen Gründen die Erwerbsminderungsrente beantragen?
00:07:39: und auch da sind die psychischen Erkrankung in einer der wirklich großen und häufigen Ursachen.
00:07:44: das wären für mich die spannenden Diskussionen.
00:07:46: Und wie kann zum Beispiel erfolgreiche Rehabilitation?
00:07:50: Wie kann erfolgreichere Umschulung Qualifizierung?
00:07:53: Wie können Präventionsangebote am Arbeitsplatz Wirklich sinnvoll und wichtigen Beitrag leisten, dass mehr Menschen wirklich gesund in der Arbeit sind zu Arbeit gehen können.
00:08:06: Und weniger lange ausfallen?
00:08:08: das muss finde ich heute die spannende Frage sein.
00:08:10: für uns als Gesellschaft für die Wirtschaft für die sozialen Sicherungssysteme ist es eigentlich der zentrale Punkt.
00:08:17: ein zweiter Punkt der ja quasi in der gleichen Ankündigung auch so nebenher erwähnt wurde, fast war die telefonische Krankschreibung.
00:08:25: Die soll auch sicher fallen.
00:08:28: Auch weil sie so ein bisschen unter Verdacht steht dass die für Krankschrebungen ausgenutzt wird.
00:08:33: ist das so?
00:08:35: kann man das so stehen lassen?
00:08:36: Also das ist natürlich das was natürlich immer damit schwingt.
00:08:39: ne
00:08:40: Auch da würde ich sagen, das Misstrauen gegen die Bevölkerung ist hier nicht angebracht.
00:08:43: Für viele Ärztinnen und Ärzte ist es auch ein wirklich gutes Probates Mittel wenn sie eben am Telefon schon hören jemand hat tatsächlich eine Erkältung, eine Zune Nase hustet.
00:08:55: Dass dann eben auch die telefundische Krankschreibungen absolut Sinn ergibt.
00:08:58: und im besten aller möglichen Fälle haben natürlich auch viele Menschen ihre Hausärzte in ihren Hausarzt, die eben ihre Patientinnen und Patienten auch wirklich kennen und das ein bisschen einschätzen können.
00:09:09: also da würde ich auf das medizinische Fachwissen vertrauen.
00:09:13: Das ist ein Punkt und der andere ist auch hier, die telefonischen Krankenschreibungen machen jetzt nicht den Hauptteil der Krankschreibung aus.
00:09:19: Also auch da wissen ja die Ärztinnen und Ärzte genau dass man schon für heraus von Situationen längere Erkrankungen natürlich jemandem auch sehen muss dafür.
00:09:30: Und deswegen ist es für mich Auch dieses Thema Ereins, das im Zweifel-Zweil wahrscheinlich die Arztpraxen eher füllen wird und es dazu führen wird dass eben auch die, die vielleicht wirklich kommen mit einem dringenden Anliegen dann vielleicht doch länger warten müssen.
00:09:44: Also ich verspreche mir hier von nicht den ganz großen Effekt.
00:09:48: Ja wichtiger Punkt also gar nicht... der große Anteil.
00:09:50: Es kann gar nicht so viel Missbrauch geben, wenn der Anteil derartig klein ist.
00:09:54: Wir haben noch mal Zahlen rausgesucht, zwanzig, zweiundzwanzig waren es eins.
00:09:57: Zwei Prozent telefonische Krankschreibung und dreiundzwanzig nur noch null Komma neun also wirklich verschwindend.
00:10:03: Ja
00:10:03: die Botschaft ist halt verheernd.
00:10:05: Also sorry ich will gar nicht nur brechen aber vielleicht zur hinzufügung?
00:10:07: Die Botschaft is einfach schwierig auch gegenüber den Menschen hier zu landen, wenn man ihnen sagt wir misstrauen euch da prinzipiell.
00:10:15: Da würde ich wirklich sagen was in Vertrauen einzahlen wird würde, wäre eben wenn wir im Gesundheitssystem wirklich mehr in Präventionsmaßnahmen investieren würden.
00:10:24: Mehr in Rehabilitationsmaßnahme, in Sportangebote Bewegungs- und Ernährungsangebote die in Betrieben stattfinden, die von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden.
00:10:34: also das wäre wirklich eine vertrauensbildende Maßnahme den Menschen ein Angebot zu machen und ihnen nicht nur zu sagen du nutze das System aus.
00:10:41: Das finde ich als Botschaft einfach auch schwierig
00:10:44: vor allen Dingen weil man ja auch betonen muss dass theoretisch diese Ankündigung ja gar nicht sein hätte müssen.
00:10:52: Denn es kann der Arbeitgeber, die Arbeitgebertin auch jetzt schon verlangen dass man ab dem ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegt.
00:11:02: das ist jetzt bloß quasi.
00:11:04: die Grundeinstellung hat sich jetzt geändert.
00:11:06: also ab dem ersten Tag ist es jetzt verpflichtend und alle Betriebe können das auch ändern wenn sie möchten.
00:11:11: und jetzt soll's anders sein ab dem Ersten Tag und dann wenn man sagt okay Moment, wir wollen das aber besser und lockerer sinnvoller Hand haben.
00:11:21: Dann kann man das ja auch wieder drehen.
00:11:25: Warum diese Verschärfung?
00:11:27: Zahlt es mit einen in diesen Misstrauens Gedanken?
00:11:30: Also die Verschäfung zahlt in jedem Fall eine in den Misstrauen Kultur.
00:11:32: Und ich würde wirklich auch klar sagen, jede und jeder der als Arbeitgeberin und Arbeitgebe arbeitet kennt ja so seine Leute, die gerne mal am Montag oder am Freitageintag nicht da sind Und das vielleicht auch wiederholt und mehrfach.
00:11:47: das magst durchaus geben.
00:11:49: Da glaube ich schon auch dran, wenn es solche Fälle gibt, wenn das in der Firma bekannt ist hat man ja heute wie gesagt die Möglichkeit ab dem ersten Tag zu sagen wir wollen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben und hat so eben wirklich auch ein Mechanismus den ja Firmen auch schon einsetzen heute.
00:12:05: aber dass jetzt eben wirklich die prinzipielle Anforderungen wird, das ist wirklich für das Thema Vertrauen extrem kontraproduktiv.
00:12:13: Denn vor allem für die Menschen, die wirklich verantwortungsbewusst sind, die sagen Mensch ich will meine Arbeit machen!
00:12:19: Ich will ja auch meine Kolleginnen und Kollegen nicht weiter belasten aber ich will sie auch nicht anstecken und will krank zur Arbeit gehen.
00:12:26: Für all die Menschen ist es eben wirklich zentral und wichtig ganz klar zu sagen wir vertrauen erstmal auf eure Einschätzung, auf eure Verantwortung und Selbstverantwortung Und wollen euch hier mit Vertrauen begegnen und mit der Möglichkeit, eben wirklich auch zwei Tage zu Hause zu bleiben.
00:12:42: Dann wiederzukommen gesund und fit und in der Arbeit weiterzumachen und nicht durch das Verschleppen von Erkrankungen wegen Verantwortungsgefühl zu sagen ja gut dann gehe ich halt einfach weiter zur Arbeit geh vielleicht auch am dritten oder vierten Tag nicht zum Arzt sondern gar nicht dass man dann Dinge verschleppte hat auch keiner was davon.
00:13:01: dieses Misstrauen geht ja noch ein bisschen weiter.
00:13:04: Der Kreis ist ja durchaus ein bisschen größer noch gezogen worden, denn es wurde auch angekündigt dass Ärztinnen und Ärzte die fälschliche Krankschreibungen ausstellen dann ebenfalls schärfer stärker bestraft werden sollen.
00:13:16: also das geht ja alles sehr deutlich in eine Richtung.
00:13:21: jetzt zu dieser Geschichte.
00:13:24: Naja, niemand muss ja.
00:13:26: Ich habe noch mal nachgeguckt, sowohl März als auch Klingweil haben dann danach in den Interviews als das jetzt so große Wellenschlug beide davon gesprochen auf Nachfrage hin dass zwar die Krankschreibung ab dem ersten Tag vorliegen muss aber niemand muss deswegen sofort in die Praxis gehen.
00:13:44: Können Sie sich erklären was die beiden Herren damit genau meinen?
00:13:48: Also ich habe darauf keine Antwort, vielleicht haben Sie eine Antwort da drauf.
00:13:51: Ich kann mir das gerade noch nicht so richtig vorstellen weil die Patientinnen und Patienten sollen nicht anrufen, soll nicht in die Praxis gehen.
00:13:56: Da fragt mich natürlich jetzt meine Soachtens berechtigt wie soll dann die Krankschreibung zu der betreffenden Person kommen?
00:14:02: Kann ich mir nicht vorstellen!
00:14:03: Und ich bin ja auch überzeugt davon dass die Ärztin und Ärzte die sie in den letzten Tagen da ja auch kritisch zu geäußert haben da auch noch gute Methode haben, wie es genau klappen soll.
00:14:16: Und die Praxen werden deswegen jetzt einfach auch nochmal deutlich voller werden weil halt immer mehr Menschen kommen, die sagen ja mir geht's grad nicht so gut ich kann heute nichts zur Arbeit und braucht die Krankschreibung auch ganz schnell Weil wenn ich jetzt morgen zum Acht eigentlich zur Arbeit müsste muss ich um acht auch direkt in die Arztpraxis.
00:14:33: Muss mir da dann eine Krankschrebungen holen kann der auch nicht bis nachmittags warten.
00:14:36: also da wird sichs einfach sehr knubbeln.
00:14:37: und wie das genau funktionieren soll ohne dass die menschen alle hingehen keine ahnung.
00:14:43: Und alle sprechen jetzt natürlich zurecht von den Praxen, die wir damit endgültig sicherlich in die Überlastung abrutschen lassen wenn sie da nicht schon vorher hingen.
00:14:51: Das ist ja je nach Region auch unterschiedlich.
00:14:54: die Belastungen.
00:14:56: Allerdings ist mir auch aufgefallen.
00:14:59: Jeder Besuch bedeutet ja dann Untersuchende an Namnises, heißt ich brauche Zeit aber kann das ja auch abrechnen.
00:15:06: Ist ja richtig so wenn ich es als Ärztin oder Arzt nicht könnte kriege für meine Arbeit letztendlich gar keine Vergütung.
00:15:12: Das heißt also mindestens einmal pro Fuertal passiert das dann.
00:15:17: Ist das jetzt für die Kassen auch ein Problem?
00:15:20: Also bei denen sieht's ja auch nicht gerade rosig aus.
00:15:22: was die Kasse betrifft klappt damit das System zusammen.
00:15:26: Das wird wirklich spannend, also das hat mich auch sehr gewundert bei dem Vorschlag ob und inwieweit eigentlich die Auswirkungen abgeschätzt wurden.
00:15:34: Die Frage wie belastet es die Kassen?
00:15:36: Das ist eine Frage Wie wird es die Honorare für Ärztinnen und Ärzte verändern wenn's eben keine Budgetdeckel gibt?
00:15:45: Zahl der Tage verändern die Menschen dann eben wirklich krankgeschrieben sind.
00:15:49: Als sich in eine Praxis zu schleppen und sich ein Tag krankschreiben zu lassen, glaube ich einfach daran das werden viele nicht machen, die halt bislang einen Tag zu Hause geblieben sind.
00:15:58: Die werden jetzt mal mindestens sagen zwei drei vier Tage nämlich auf jeden Fall weil sonst kann ich ja morgen wieder in die Arztpraxis tragen und wenn man eh schon krank ist U-Bahn oder Bus oder irgendwas nehmen muss.
00:16:11: Oder Autofahren muss selber, wenn man vielleicht auch niemanden hat der einen dahin fährt was ja bei den allermeisten Menschen dann auch der Fall sein kann weil vielleicht die Familie schon selber auch beim Arbeiten ist wenn man allein lebend ist.
00:16:23: also werden ja viele Menschen auch ein sehr hohen Aufwand betreiben müssen und dann werden sie sicherlich auch andere Entscheidungen treffen.
00:16:28: also ich kann mir auch wirtschaftlich vorstellen dass das nicht den Spareffekt und Durchbruch hat und den Effekt den sich Herr Merz herklingbeilt Frau Baas Und alle, die das beschlossen haben im Koalitionsausschuss erwünscht haben.
00:16:44: Ist diese Teilzeit-Krankschreibung überdiebe ich jetzt bei der Recherche auch nochmal gestolpert?
00:16:49: Eventuell da ein Kompromiss also dass diese Möglichkeit erläuterst mal kurz für alle, Teilzeit in die Arbeit zurückkommt, kennen manche vielleicht vom Hamburger Modell.
00:17:02: Dass man nach einer sehr langen Krankheit das so macht.
00:17:05: Aber das ginge ja zum Beispiel auch eben ... Ich bin angeschlagen und kann aber noch nicht voll wiederarbeiten.
00:17:11: Ich mach aber drei Stunden oder
00:17:12: sowas.".
00:17:14: Also ich kann mir das nicht vorstellen, weil wir sollen Ärztinnen und Ärzte einschätzen können für jedes Berufsfeld.
00:17:19: Für jeden Job, für jeden Arbeitsplatz.
00:17:21: Wie viel ist da jetzt wieder machbar?
00:17:22: Wieviel ist dazu mutbar?
00:17:23: Und Ich würde wirklich eher mich als Bundesregierung dran machen.
00:17:27: die Modelle wie das Hamburger Modell oder der sogenannte betriebliche Eingliederungsmanagement also die Instrumente, die wir schon haben im Arbeitsmarkt wo Teilzeitarbeiten schon geht, die eben auszubauen vielleicht ein bisschen anzupassen Halt ich für Zielführende als die Teilkrankschreibung, weil das wird auch riesige Herausforderungen mit sich bringen.
00:17:45: Für die in meinen Augen eigentlich keine Antworten da sind.
00:17:48: Weil dann eben wirklich unterschiedlichste die Arbeitgeber, die Ärztinnen und Ärzte, die Arbeitnehmer.
00:17:53: also es müssen so viele am Tisch sitzen im Prinzip und überlegen wie schaut die Arbeit konkret aus was ist mit dem Krankheitsbild machbar?
00:18:01: Das wird in der Praxis und im Alltag zu einer riesigen Überforderung des Systems führen.
00:18:05: bei so einem Wie man es aus anderen Systemen kennt wirklich kleine Konferenz, wo das dann abgewogen wird und überlegt wird.
00:18:12: Das ist ja für so eine Vielzahl von Menschen, die das betreffen wird überhaupt nicht machbar.
00:18:17: Und dann wird eben auch da sicherlich zur Entscheidung kommen, die vielleicht nicht so glücklich sind.
00:18:23: Deswegen wäre für mich wie gesagt die Möglichkeit der Instrumente, die schon da sind zu nutzen, die bessere.
00:18:30: Wir haben jetzt vor allen Dingen über so akut Krankheiten gesprochen quasi wenn man so will Feld, Wald und Wiese.
00:18:38: Husten, Schnupfen, Magen, Darm hatten sie kurz erwähnt was aber immer wieder eingeworfen wird und was ja auch wirklich deutlich mehr Menschen betrifft als man eigentlich so auf dem Schirm hat und ich glaube auch deutlich mehr als die Regierung da aufm Schirm ist.
00:18:51: Die chronisch kranken also Migräne haben, die endometriose haben, multiplischlorose, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die also hoffentlich die meiste Zeit gesund und arbeitsfähig sind, aber immer wieder sehr unberechenbar Phasen haben in denen sie genau das Gegenteil sind nämlich überhaupt nicht arbeitsfähig.
00:19:12: Was bedeutet denn das eigentlich für die?
00:19:15: Also es wird eine riesige Herausforderung.
00:19:16: ich hatte mal eine Kollegin die Migräne Patientin ist und die hatte dann wirklich einfach morgens zum Teil gar nicht mehr die Möglichkeit aufzustehen.
00:19:24: Die lag im dunklen Zimmer hat mir danach immer erzählt dass sie sich den halben Tag abgeschirmter Deckel im Kopf gezogen hat oder sich übergeben musste, um das einfach mal beim Namen zu nennen.
00:19:36: Für die ist es natürlich wahnsinnig schwierig dann auch eine Arztpraxis aufzusuchen und dahin zu
00:19:39: kommen.".
00:19:40: gut und sicher, ohne dass man jetzt vielleicht jemanden hat der einen da im verdunkelten Auto hinfährt.
00:19:44: Ich kann mir das irgendwie technisch auch überhaupt nicht
00:19:46: vorstellen.".
00:19:47: Und gerade für diese Personengruppe, für die chronisch erkrankten Menschen muss es schon irgendeine Lösung geben weil da ist ja auch niemandem geholfen wenn dann jedes Mal, wenn vielleicht mal ein oder zwei Tage nicht so gut sind, dann die Krankschreibung gleich für eine längere Zeit kommt.
00:19:59: Das wird die Arbeitsbedingungen und Arbeitsmöglichkeiten gerade für chronisch erkrankte Menschen deutlich beeinträchtigen.
00:20:05: Und eigentlich muss sehr herumgehen durch wie gesagt gute Angebote durch das betriebliche Eingredungsmanagement, das Hamburger Modell.
00:20:13: Durch gute Bedingungen am Arbeitsplatz da wo es geht eben vielleicht auch mal das mobile arbeiten was natürlich längst nicht in allen Jobs möglich ist eben dann die Arbeitsbedingungen so zu verändern dass die Menschen dort eben weiter arbeiten können und eben wirklich auch gut arbeiten können.
00:20:27: Und der können auch in Jobs wo man hingehen muss also physisch anwesend sein muss an der Supermarktkasse auf der Baustelle, in der Pflege und den ganz vielen anderen Jobs können eben auch andere Möglichkeiten wie flexible Arbeitszeiten und ja Unterstützung des Arbeitgebers in der Suche nach der guten Möglichkeit seine Potenziale einzubringen.
00:20:46: Können da mal irgendwie hilfreicher sein?
00:20:49: Also wir müssen zusammenfassen, da wurde ein Hauruckvorschluss gemacht mit wenig Blick fürs Ganze was das eigentlich für Auswirkungen im ganzen System hat Und sehr, sehr viele Menschen und Patienten in den Gruppen einfach vergessen.
00:21:03: Ja ich würde das auch so sehen.
00:21:04: Die wurden vergessen bzw es wurden Effekte erwartet und vielleicht auch ein Stück bei der Öffentlichkeit versprochen die in meinen Augen so nicht eintreten können.
00:21:12: Ich würde es gerade im gesundheitlichen Bereich immer mit Unterstützung und Vertrauen und nicht mit Misstrauen halten weil dass Menschen prinzipiell gesünder macht und uns als Gesellschaft auch kulturell weiterbringt.
00:21:23: Ein wunderbares Schlusswort.
00:21:25: Vielen Dank
00:21:26: und
00:21:27: auch an der Stelle natürlich noch mal herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für das Gespräch.
00:21:31: Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass wir da bessere Nachrichten haben in den nächsten paar Wochen oder Monaten.
00:21:38: Mal gucken was daraus wird.
00:21:39: Ja vielen dank und politisch gute Besserung!
00:21:45: Ja so ganz unrichtig mit der politischen Gutebesserung ist es ja nicht... Das war eure Dosiswissen heute zur Krankschreibung.
00:21:54: Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass man da noch mal eine Dosis Wissen extra zu machen muss... aber mussten wir?
00:22:00: Wenn ihr jetzt sagt, Mensch, jetzt bin ich so im Flow mit langen Folgen und Gesprächen.
00:22:05: Da höre ich gerne weiter!
00:22:06: Dann habe ich jetzt einen Hörtipp für euch.
00:22:08: Und zwar ist eine neue Folge von Frau Doktor übernehmen Sie erschienen?
00:22:13: Mit dem schönen irgendwie auch gerade passenden Titel.
00:22:16: bloß nicht zu leise sein, wie ich mich als Ärztin durchsetze.
00:22:21: Zu Gast ist diesmal Dr.
00:22:23: Anna Magdalena Zielke.
00:22:25: Sie ist Chefärztin für Radiologie- und interventionelle Therapie Mit unserer Chefredakteurin Joja Rotherbel über Vorbilder und Selbstpfeifel, über Mentorinnen und Mentoren und weibliche Führung.
00:22:38: Und darüber dass Ärztinnen auch Raum einnehmen müssen wenn sie sich unter Männern durchsetzen wollen.
00:22:44: Den Podcast Frau Doktor übernehmen Sie findet ihr wie immer überall dort wo Ihr Podcasts hört.
00:22:53: Das
00:23:05: ist das Audioangebot der Apothekenumschau.
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