Tourette-Syndrom: Was kann Ecopipam?

Shownotes

Das Tourette-Syndrom ist die häufigste Tic-Störung, doch pharmakologische Behandlungsoptionen sind begrenzt. Manche Medikamente, die am D2-Dopaminrezeptor ansetzen, lindern zwar die Tics, erkaufen das aber häufig mit erheblichen Nebenwirkungen: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Bewegungs- oder Stoffwechselstörungen, und damit letztlich Therapieabbrüchen. Nun könnte ein Wirkstoff mit einem anderen Angriffspunkt das Therapiespektrum erweitern: Ecopipam blockiert selektiv den Dopamin-D1/D5-Rezeptor – und soll damit wirksam sein, ohne die Nebenwirkungen hervorzurufen. Was also zeigen die Daten? Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, mit den Daten einer neuen Studie.

Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Jens Kuhn

Stand: 08.07.2026

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.

Quellen und nützliche Links:

  • Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Ecopipam beim Tourette Syndrome (engl., DOI: 10.1001/jamaneurol.2026.1431)
  • Europäische klinische Leitlinien für das Tourette-Syndrom und andere Tic-Störungen (engl., DOI: 10.1007/s00787-021-01899-z)
  • Review-Artikel zu aufkommenden Therapien und Fortschritte beim Tourette-Syndrom (engl., DOI: 10.1016/j.heliyon.2023.e12874)

Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger; 
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf; 
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser; 
Postproduktion: BEBE Medien GmbH 

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Transkript anzeigen

00:00:03: Gesundheit hören.

00:00:04: Die Therapieoptionen beim Tourette-Syndrom sind begrenzt, jetzt gibt es Daten für einen neuen Wirkstoff speziell gegen die Tics und das ohne die typischen Nebenwirkungen klassischer Antipsychotika.

00:00:17: Der Wirkstoff heißt Ecopipam Und die Frage ist ob er tatsächlich einen Durchbruch darstellt.

00:00:27: Guten Morgen und willkommen zu eine Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:32: Eine Dosis-Wissen gibt es werktags ab sechs Uhr in der Früh in kompakten zehn Minuten.

00:00:36: Ich bin Dennis Balwiser ich bin Arzt und Teil der Chefredaktion der Apotheken Umschau.

00:00:39: heute ist Mittwoch, der achte Juli.

00:00:52: Die bisher verfügbaren pharmakologischen Behandlungsoptionen für das Tourette-Syndrom sind nur eingeschränkt wirksam und sie sind vor allem nebenwirkungsbehaftet.

00:01:02: Da könnte ein neues Medikament willkommen sein, um das Therapiespektrum zu erweitern.

00:01:09: Dazu gibt es eine in den USA herstellerfinanzierte Studie die gerade in German Urology erschienen ist.

00:01:15: Daten dazu kommen einerseits aus Sinzionette in Ohio und andererseits von David Medical School in Boston, Massachusetts.

00:01:23: Wir haben über diese Ergebnisse mit Jens Kuhn gesprochen.

00:01:27: Der ist Neurologe und Psychiater und arbeitet am Alexianerkrankenhaus in Köln.

00:01:34: Jens Kuhn sagt uns im Gespräch mit eine Dosis wissen, Ecopipam wäre eines der wenigen Medikamente bei dem primär eine Zulassung für die Behandlung des Tourette-Syndroms angestrebt würde.

00:01:47: Es zielt vor allen Dingen auf die Ticks ab und auf Gesamtbelastung durch die Bewegungsstörungen der Erkrankung.

00:01:54: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages und dann geht's los!

00:02:02: Tourette, das kennen selbst nicht Medizinerinnen als eine chronische Tickstörung mit sowohl verschiedenen motorischen Ticks also kurze unwillkürliche Abläufe wie zum Beispiel Zuckungen.

00:02:15: Als auch mindestens einem vokalen oder phonischen Tick.

00:02:20: Dabei gehört zur Diagnose dass der Tick länger als ein Jahr anhält.

00:02:25: Am häufigsten sind einfache motorische Ticks im Gesicht und am Kopf etwa Augenblinzeln, Grimassieren oder Kopfrucken.

00:02:33: Das Ganze kommt bei etwa einem Drittel Prozent der Bevölkerung vor je nach Studie.

00:02:39: Die Patientinnen erkranken meist vor dem achtzenden Lebensjahr.

00:02:44: die ersten Ticks treten typischerweise zwischen dem dritten und achten Lebensjahre auf.

00:02:49: Die genaue Ursache ist bis heute nicht bekannt.

00:02:52: Vermutet wird eine Störung im Dopamin-Transmittersystem im Gehirn.

00:02:57: Und wenn man den Verdacht eines Tourette-Syndromes hat, dann muss man zwingend verschiedene andere mit tickseinhergehende Erkrankungen ausschließen bevor man zu dieser Diagnose kommt.

00:03:09: Es liegt glaube ich auf der Hand dass die Erkrankung einen hohen Leidensdruck bei den Patientinnen mit sich bringt vor allem wegen der Stigmatisierung aber auch wegen Komorbiditäten.

00:03:19: dazu gehören zum Beispiel Schlaflosigkeit eingeschränkte Arbeitsfähigkeiten oder Konzentrationsprobleme.

00:03:25: Jens Kuhn sagt uns dazu Viele Menschen mit Ticks und Tourette-Syndrom leiden auch unter Schmerzen in Folge der Bewegungsstörung.

00:03:32: Nicht selten sind das zum Beispiel raptusartige Bewegungen im Nackenbereich wie Kopfwendung, Kopfnicken

00:03:38: usw.,

00:03:39: die bei hunderttausendfacher Ausführung über eine gewisse Zeitspanne zu Verschleiß und assoziierten Schmerz führen.

00:03:46: Patienten mit schwerst ausgeprägten Krankheitsbildern, bei denen Ticks mit Selbstverletzungen oder Coprolalie also dem Ausrufen von Schimpfwörtern einhergehen haben nachvollziehbarerweise noch mehr Leidensdruck.

00:03:58: Ich denke das ist das Bild dass auch die meisten Menschen in der Öffentlichkeit vom Tourette-Syndrom haben.

00:04:03: Also da steht vor allem die Coprololalie im Vordergrund.

00:04:06: Also dieses Ausrufe von Sch Impfwörter dafür ist die Erkrankung bekannt geworden.

00:04:13: Zunächst wird Das Tourette-Syndrom psychotherapeutisch behandelt, da sagt Jens Kuhn.

00:04:18: Leider sind aber die spezifischen verhaltenstherapeutischen Konzepte wie das Habit Reversal Training in der Versorgung für viele Patientinnen und Patienten nur schwer zugänglich.

00:04:29: Alternativen gibt es auch also zum Beispiel Psychopharmaker wie zum Beispiel Halloperidol.

00:04:34: Das ist das einzige in Deutschland für diese Indikation zugelassene Präparate dass allerdings kaum noch eingesetzt wird wegen der vielen Nebenwirkungen.

00:04:42: Jens Die meistverwendeten Off-Label-Alternativen sind sogenannte atypische Neuroleptika, die allesamt primär zur Behandlung der Schizophrenie eingeführt wurden aber oftmals eine Symptomlinderung bewirken.

00:04:54: Aber viele Patientinnen und Patienten verspüren hierunter auch stark belastende Nebenwirkungen oder keinen ausreichenden Benefit!

00:05:02: Als Alternativen gibt es noch die primären Blutdruck-Medikamente, Clonidin und Guamphazine.

00:05:07: Die vereinzelten Patienten helfen und medizinisches Cannabis – das hat sich in jüngster Zeit als wirklich nützliche zusätzliche Optionen etabliert.

00:05:16: Es hilft nicht selten Patienten und Patientinnen, die auf die anderen Medikamente nicht ansprechen", sagt Jens Kuhn.

00:05:23: Insgesamt haben alle Medikamentösen-Therapien hohe Abbruchraten und deswegen gibt's einen Unmedical Need der ausgeprägt ist.

00:05:33: Und damit zu dieser Phase III-Studie für den neuen Wirkstoff Ecopipam, das ist eine Doppelblinde in der zweiten Studienphase randomisierte placebo kontrollierte Studie mit Teilnehmern die an siebenundsebzig Standorten in zwölf Nationen untersucht worden sind.

00:05:51: Insgesamt waren es zweihundertsechzehn Menschen ab sechs Jahren, die eine Diagnose des Tourette-Syndroms haben.

00:05:59: Es geht um die Bewertung der Sicherheit und des anhaltenden Wirkeffekts von ECOPYPAM, deswegen Phase III Studie.

00:06:06: Und ECOPyPam das ist ein selektiver Dopamin D-I Rezeptor Antagonist.

00:06:12: In der Studie sind die Patientinnen bis zu vierundzwanzig Wochen nach untersucht worden.

00:06:18: Die Intervention sah so aus, dass es zuerst eine zwölfwöchige offene Phase mit dem Auftitrieren der Ecopiparm-Dosis über drei bis vier Wochen gegeben hat.

00:06:29: Und dann sind die Responderer mit einer mindestens twenty fünf Prozentigen Verbesserung eines sogenannten Gesamt-Tick Scores nach der Yale Global Tick Serility Scale in den Wochen acht und zwölff eingeteilt

00:06:42: wurden.".

00:06:42: Und dann sind die Responder randomisiert worden.

00:06:45: Die eine Gruppe hat weiterhin E-Gruppepaar bekommen und die andere Gruppe, schrittweise die Dosis so reduziert bekommen dass sie am Ende auf Placebo-Niveau angekommen sind... ...und damit zu den wichtigsten Endpunkten!

00:07:01: Da ist die Zeit bis zum Rückfall gemessen worden also dem Verlust von mindestens fünfzig Prozent der in dem offenen Studienabschnitt erstmal erzielte Verbesserung bei diesem Score.

00:07:12: Und dazu sagt uns Jens Kuhn, das ist ein etwas ungewöhnliches Studiendesign.

00:07:16: Das bezieht sich darauf, dass man bei allen Patienten zunächst eine sukzessive Aufdosierung der Substanz vorgenommen hat und erst in einen zweiten Schritt placebo kontrolliert randomisiert für die Hälfte der Patienten, die dann wirksame Dosis wieder ausgeschlichen hat und die Wirksamkeit bzw.

00:07:31: Outcome-Parameter gemessen hat zum Beispiel relevante Wiederverschlechterung der Ticksymptomatik.

00:07:36: Er weiß also noch mal darauf hin wie ungewönlich es ist, so herum an die Sache.

00:07:43: Im Ergebnis zeigt sich eine signifikante Reduktion des Rückfallrisikos durch das Ecopiparm bei den pediatrischen Teilnehmern im Vergleich zu Placebo.

00:07:52: Das war eine Gruppe von dreiundvierzig Kindern in der Ecophiparm, Gruppe die unter achtzehn Jahre alt war.

00:07:59: Jens Kuhn sagt, dass bedeutet, in dieser Gruppe kam es unter der Placebo-Abdosierung zu mehr Rückfällen beziehungsweise vordefinierten Verschlechterungen der Symptomatik.

00:08:09: Bei den Erwachsenen geht die Tendenz in dieselbe Richtung, aber das Ergebnis ist nicht signifikant.

00:08:16: Hier waren es aber auch nur acht Erwachsene in der Verumgruppe und nur sechs Erwachse in der Placebogruppe also viel weniger als in der Kindergruppe.

00:08:25: Da waren's dreiundvierzig in der Epcopiparm-Gruppe und siebenundvierzig in der Placeboguppe.

00:08:31: Die Frage gerade bei diesem Medikament für diese Indikation ist vor allem natürlich auch die nach dem Nebenwirkungen.

00:08:40: Denn das ist ja das Problem bei den heute off-label eingesetzten Medikamenten genauso wie beim einzigen zugelassenen Medikamente, dass heute eigentlich nicht mehr eingesetzt wird also dem Halloperidol.

00:08:51: hier bei Ecopipam berichten die Studienteilnehmerinnen vor allem über Schläfrigkeit Angstzustände Kopfschmerzen Schlaflosigkeit und Müdigkeit.

00:09:02: Auch die Ticks selbst werden bei acht Prozent der Beteiligten als Nebenwirkung angegeben.

00:09:09: Es gibt keinen klinisch bedeutsamen Einfluss auf das Gewicht, auf Stoffwechselparameter oder auf die Werte psychiatrischer Skalen durch Ecopiparm.

00:09:17: Die StudienautorInnen schließen aus ihren Ergebnissen dass es eine anhaltende klinische bedeutetame Verbesserungen der Tourette-Syndrom Symptome durch E copiparm bei gleichzeitig guter Verträglichkeit über einen Zeitraum von bis zu vierundzwanzig Wochen gibt und dass die unerwünschten Nebenwirkungen sich vor allem, wenig verwunderlich im zentralen Nervensystem abspielen.

00:09:39: Wir wollten von Jens Kuhn abschließend noch mal wissen wie er denn die Studie jetzt insgesamt einschätzt.

00:09:45: Er sagte zum Studiendesign in der verblindeten Phase mit Kontrollbedingung wurden nur Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die vorher in der Eindosierungsphase relevant profitiert hatten.

00:09:55: Das muss bei der Bewertung der Effekte berücksichtigt werden.

00:09:58: Auch erfolgte keine Kontrolle mit einer aktiven Substanz, was der GBA regelhaft für eventuelle Preisverhandlungen in Deutschland fordert.

00:10:06: Dazu muss man sagen dass der Hersteller angibt mit Ecopiparm eine neue Substanzgruppe etabliert zu haben weil Ecophiparm über spezifische Modulation von D-I und D-V Dopaminrezeptoren wirkt.

00:10:17: und dazu sagt Jens Kuhn Die Neuroleptika, Tia Prid und Ari Pipazol beziehen sich schwerpunktmäßig auf das DII-System.

00:10:26: Sollte Ecopipam in Deutschland verfügbar werden, ergebe sich eine nützliche Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten – und das Nebenwirkungsspektrum scheint vergleichsweise günstig zu sein!

00:10:35: Gewichtszunahme, andere nachteilige metabolische Effekte und die so genannten extrapyramidalen motorischen Nebenwürkungen, traten im Rahmen der Behandlung mit Ecopiparm nicht verstärkt auf.

00:10:47: Also Jens Kuhn sieht das so ähnlich, dass dadurch, dass das an einer anderen Rezeptorklasse angreift schon auch anders zu bewerten wäre.

00:10:56: Allerdings sagt er sind Müdigkeit bzw.

00:10:59: Sondolenz und Kopfschmerzen als therapielimitierende Nebenwirkungen zu bedenken.

00:11:03: Etwas unklar ist noch der Kenntnisstand zur möglichen psychiatrischen Nebenwirkung unter Ecophiparm also etwa der Verstärkung depressiver Stimmungslagen.

00:11:12: Das wurde in anderen Studien mit dieser Substanz geholft beschrieben.

00:11:18: Für mich klingt nach dieser Studie das abschließende Fazit von Jens Kuhn sehr einleuchtend.

00:11:22: er sagt, für mich selber könnte nach jetzigen Kenntnisstand Ecopipam eine Zweitlinienoption darstellen.

00:11:29: Wenn meine bisherige Vorgehensweise meist mit atypischen Neuroleptika nicht hilft oder unzureichend vertragen wird würde diese Substanz dann neben anderen in Betracht gezogen werden und das klingt ziemlich schlüssig.

00:11:41: Davor steht jetzt allerdings noch die Zulassung.

00:11:44: Das kann also eine Weile dauern!

00:12:07: Sie ist Chefärztin im Klinikverbund Vivantes in Berlin, dort im Institut für Radiologie und Interventionelle Therapie an drei Standorten verantwortlich.

00:12:17: Mit Julia spricht sie über Vorbilder- und Selbstzweifel über MentorInnen und weibliche Führung und darüber das Ärztinnen Raum einnehmen müssen und vielleicht auch mal einen dummen Spruch loslassen sollten wenn sie sich unter Männern durchsetzen möchten.

00:12:32: Die Folge empfehle ich vor allem den männlichen Kollegen.

00:12:36: Danke, dass ihr eine Dosis wissen hört.

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