Rotatorenmanschette: Anomalien ab 40 Jahren normal

Shownotes

Moderne Bildgebung kann heute Strukturen sichtbar machen, die früher unsichtbar geblieben wären. Das kann zu einem Dilemma führen: Nicht alles, was auffällig ist, ist zwingend behandlungsbedürftig. Das zeigt sich auch bei Schulterschmerzen. Hier kommt eine finnische Studie zu dem Ergebnis: Beschädigungen der Rotatorenmanschetten finden sich bei Patient:innen ab den mittleren Jahren häufig, ohne dass immer Beschwerden auftreten. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und erklärt, was das für die MRT-Diagnostik bedeutet.

Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Dennis Liem

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.

Quellen und nützliche Links


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sebastian Brodkorb, Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH

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00:00:03: Als ich den Titel und die Studie zu unserer heutigen Folge gesehen habe, habe ich gleich fürchterlich Schiss gekriegt.

00:00:11: Weil dieses Problem kenne ich Schulterproblematik ab vierzig Jahre plus?

00:00:17: Super!

00:00:18: Da hab' ich mich blöderweise angesprochen gefühlt.

00:00:20: Und jetzt gucken wir mal was da so dran ist.

00:00:23: Also sprich wie viel Schulterdiagnostik brauchen wir Ab den mittleren Lebensjahren?

00:00:29: Ich sag's nur ungern aber da gehör ich wahrscheinlich dazu.

00:00:35: Guten Morgen und willkommen zu einer Dosis Wissen.

00:00:37: Ihr hört den täglichen Podcast für das Gesundheitswesen, uns gibt's jeden Werktag ab sechs Uhr morgens mit einem Thema für euch in schnellen zehn Minuten.

00:00:47: Mein Name ist Laura Weisenburger.

00:00:49: ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau.

00:01:01: Und wir haben uns für euch angeschaut.

00:01:03: eine finnische Studie erschienen im Februar, und zwar im Jama Internal Medicine.

00:01:11: Und zu finden wie immer ihr kennt das Spiel unter dem Link in unseren Show-Notes.

00:01:17: Die fragte sich was sagt die Bildgebung bezüglich Schulterschmerzen bei älteren?

00:01:23: Da roll ich jetzt ein bisschen die Augen!

00:01:25: Menschen ab vierzig aus, wie viel ist das sozusagen wert?

00:01:28: Und darüber haben wir uns auch unterhalten mit Dennis Liem.

00:01:31: Er ist Facharzt für Orthopädie und Spezialist für Schulter- und Ellenbunkchirurgie am Sportopedikum Zentrum für Orthopaediesportmedizin und orthopädische Chirurgien in Berlin.

00:01:43: Schnappt euch euren ersten Kaffee des Tages!

00:01:45: Meiner steht zur Beruhigung schon mal vor mir... ...und dann geht's los.

00:01:54: Zunächst einmal ist festzuhalten.

00:01:56: Die Schulterschmerzen gehören zu den dritträufigsten muskuloskeletalen Beschwerden, die wir so haben in der Orthopädie.

00:02:04: Deshalb hatte wahrscheinlich der eine oder andere schon mal so ne Problematik.

00:02:09: Meist isst die Ursache auch tatsächlich ein Defekt in der Rotartorenmanschette.

00:02:14: Die hat nicht nur in der Anatomie damals genervt, die nervt sozusagen noch später im Leben.

00:02:20: Die bildgebenden Verfahren zeigen dann auch recht häufig Anomalien dieser Rotatorenmanschette.

00:02:26: Dazu gehören Tendinopatin, partielle Ruphturen also teilweise Risse oder sogar vollständige Ruppturen der Seen und die Primärdiagnostik ist das MRT.

00:02:38: Das ist die Methode der Wahl.

00:02:40: Allerdings fanden sich in den vorherigen Studien bis jetzt Teilweise nur sehr schwache Übereinstimmung von den Befunden in der Bildgebung und den Symptomen, die die Menschen dann tatsächlich hatten.

00:02:52: Es gibt zum Beispiel eben Menschen, die trotz der Anomalien der Rotatorenmanschette gar keine Beschwerden zeigen.

00:02:59: Und deshalb hat sich jetzt also diese finnische Studie gefragt wie häufig sehen wir den Anomalin in der Allgemeinen Bevölkerung?

00:03:09: Inwiefern korrespondieren sie auch wirklich mit Schulterproblemen und Symptome?

00:03:15: Dafür hat sich das Team erst mal gesagt, jetzt brauchen wir eine repräsentative Querschnitts-Stichprobe aus der Bevölkerung.

00:03:23: Deswegen wurden eingeschlossen sixhundert Personen von vierzig bis sechsundsechzig Jahre und die wurden alle untersucht.

00:03:30: Die bekamene Ananese, Fragebögen und natürlich ne klinische Schulteruntersuchungen und auch ein beidseitiges MRT.

00:03:38: Die MRT-Befunde wurden dann unterteilt so bisschen klassifiziert in Normal, Tendinopathie, Partialruptur, Komplettruptur.

00:03:47: soweit So klar.

00:03:49: Und die Schultersymptome wurden definiert als Schmerz oder als Funktionsstörung in den letzten Wochen.

00:03:56: und dann wurde verglichen, die Prävalenz von Anomalin der Rotatomaschette zwischen den verschiedenen Altersgruppen und auch zwischen symptomatischen und asymptomatischen Schultern – also Menschen mit Schultern.

00:04:14: Und dazu sagte unser Experte schon mal, das findet er methodisch sehr gut gemacht.

00:04:19: Weil eine große Bevölkerungsgruppe unabhängig von ihren Beschwerden untersucht wurde.

00:04:23: Es waren natürlich auch einige dabei die sagten ich hab eigentlich gar kein Problem mit meinen Schultern und was kam jetzt wirklich raus?

00:04:30: Zum ersten Mal kann man festhalten Veränderung der Rotatorenmanschette ab einem Alter von über vierzig Jahren müsste jetzt leider stark sein sind fast universell.

00:04:41: also haben fast alle Und sie korrelieren nur recht schwach mit Schulterschmerzen.

00:04:48: Jetzt schauen wir uns das mal aufgeschlüsselt an.

00:04:51: Rund ein Viertel hatte eine Tendinopatie, da gehe ich ja mit!

00:04:56: Rund jede Zehnte hatte eine Vollruptur – das finde ich schon ganz schön viel.

00:05:01: Aber besonders erstaunlich fand ich fast zwei Drittel.

00:05:06: Über sechzehn Prozent hatten eine Partialruptur und merken es gar nicht unbedingt.

00:05:13: Zwischen den Geschlechtern gab es da keine großen Unterschiede, was allerdings klar war und auch viel Sinn macht.

00:05:21: Je älter die Menschen wurden, desto häufiger und schwerer waren diese Schulter einem lieb.

00:05:27: Bei den asymptomatischem Schultern hatten tatsächlich sixundneunzig Prozent irgendwelche Veränderungen im MRT?

00:05:35: Und wenn man sich dann sagt naja gut aber dann hatten ja die symptomatischen Schultern bestimmt alle irgendeinen befunden.

00:05:40: Ja nicht ganz Achtundneunzig Prozent, also fast identische Prozentsätze.

00:05:47: Bei den Tendinopathien und Pazialrupturen darf es quasi keinen Unterschied bei der Häufigkeit und bei den asymptomatischen Schultern dieser Verteilung.

00:05:56: Das war quasi egal.

00:05:58: Die konnten ein Problem haben, konnte sich so anfühlen, konnte aber auch nicht sein?

00:06:04: Bei den Feuerrupturen sah es zunächst aus, dass das tatsächlich bei den symptomatischen Häufiger vorkam ... Aber nachdem dann so ein paar potenzielle Störfaktoren bereinigt wurden rein rechnerisch, gab es da auch keinen signifikanten Unterschied mehr.

00:06:18: Das heißt also, da kamen die Schlussfolgerung wenig überraschend von den Autorinnen und Autoren der Studie ab.

00:06:25: Dem mittleren Erwachsenenalter sind Veränderungen der rotatoren Manschettik einfach normale, altesbezogene Veränderung und kein verlässlicher Marker für Schmerzursachen.

00:06:36: sollte eine routinemäßige Bildgebung nicht als Grundlage für Diagnose oder Behandlung von atraumatischen Schulterschmerzen dienen.

00:06:44: Und da geht unser Experte, denn es lieb zwar mit dabei sagte auch das ist aus seiner Sicht jetzt nicht besonders neu.

00:06:52: Es gab schon vorher zahlreiche Studien die das gezeigt haben und er fand es noch mal wichtig zu betonen Das ist natürlich keine Kritik an MRT-Bildgibungen sondern nur den unreflektierten Einsatz von MRT ist, denn er sagte auch ein frühes MRT führt häufig dazu dass all das bedingte Zugfallsbefunde überinterpretiert werden.

00:07:14: Entscheidend ist daher zuerst klinische Einschätzung und natürlich der funktionelle Befund Und dann wird die Bildgebung sinnvoll wenn sich daraus eine konkrete therapeutische Konsequenz ergibt.

00:07:27: ja also was machen wir denn danach?

00:07:31: Nicht nur die reine Bestätigung von Schmerzen darf es nicht sein Aber leider nehmen Patienten dann häufig den radiologischen Befund als Wahrheit an.

00:07:40: Wenn die Menschen bei der Untersuchung feststellen, dass der MRT-Befund nicht die Beschwerden erklärt, führt das zu Verwirrungen und Unstimmigkeiten.

00:07:51: Das heißt also ein MRT ohne klinische Untersuchungen ist häufig sehr wenig wert?

00:07:58: Am wichtigsten sind weiterhin Anamnese, klinische Untersuchung, Funktionsanalyse.

00:08:04: Was geht noch?

00:08:04: Was geht nicht

00:08:05: mehr?".

00:08:06: Und natürlich kann auch Ultraschall als dynamische Untersuchtung eine gute Ergänzung sein.

00:08:11: und zum Abschluss ein Zitat von ihm aber sicherlich einen Oldie-But-Goldy den ihr alle kennt am Ende behandeln wir Patienten!

00:08:18: Nicht MRT Bilder.

00:08:20: Daher bin ich jetzt wieder ganz beruhigt.

00:08:23: Ich hab meine Schulterschmerzen und die müssen auch behandelt werden Aber es ist soweit alles richtig gelaufen an Untersuchungen und Diagnostik.

00:08:32: Und natürlich ist es trotzdem so, diejenigen, die Schmerzen haben, müssen wir herausfischen und gut

00:08:38: behandeln.".

00:08:41: Das war unsere Dosis-Wissen für euch zur Schulter!

00:08:45: Wenn sie euch gefallen hat, dann lasst uns das doch wiederum gerne wissen – am besten indem ihr Kommentare oder Sterne vergibt.

00:09:04: Gesundheit hören.

00:09:06: Das ist das Audioangebot der Apothekenumschau.

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