Hilft Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen?
Shownotes
Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen und sind ein Grund für viele Arztbesuche, Arbeitsausfälle und chronische Einschränkungen. In Deutschland erhalten viele Betroffene auch osteopathische Behandlungen als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Genau hier setzt der Bericht des IGeL-Monitors an. Er prüft, ob die versprochene Linderung durch osteopathische Behandlungen wissenschaftlich belegt ist. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, fasst den Bericht zusammen und ordnet ihn ein.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Dr. Markus Schneider
Stand: 17. Juli 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Evidenzbericht des IGeL-Monitors zu Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen
- Science Media Center. Expert:inneneinschätzungen zum Evidenzbericht
- Symposium: #MEDtoo – Vom Schweigen zur Struktur
- Podcastfolge ’ne Dosis Wissen x Frau Doktor: Rückblick auf das #MEDtoo-Netzwerktreffen
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:04: Die Osteopathie zählt zu den besonders gefragten Selbstzahlerleistungen im Bereich der Rückenschmerzbehandlung.
00:00:12: Doch gerade bei unspezifischen Kreuzschmerzen, da ist die Studienlage seit Jahren umstritten – jetzt hat der Igel-Monitor erneut deren Nutzen eingeschätzt!
00:00:26: Guten Morgen und willkommen zu eine Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:31: Eine Dosis-Wissen gibt es Werktags ab sechs Uhr in der Früh in kompakten zehn Minuten.
00:00:36: Ich bin Dennis Ballwieser ich bin Arzt und Chefredakteur der Apothekenumschau.
00:00:40: Heute ist Freitag der siebzehnte Juli.
00:00:42: zwei tausend sechsohn zwanzig Ein
00:00:44: Podcast von Gesundheit
00:00:46: hören
00:00:48: die Apotheckenumschau Pro!
00:00:51: Der Igelmonitor des medizinischen Dienstes im Bund hat also eine Analyse der Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen vorgelegt.
00:01:02: Die Ergebnisse verlinken wir natürlich in den Show-Notes.
00:01:05: Wir haben darüber gesprochen mit Markus Schneider, der ist Orthopäde und Unfallchirurg Und Präsident der interdisziplinären Gesellschaft für orthopedische, unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie Der IGOST.
00:01:18: Außerdem ist er Mitglied des Präsidiums der Deutschen Schmerzgesellschaft Und Markus Schneiders sagt uns im Gespräch mit eine Dosiswissen Ich glaube, viele Menschen wären überrascht wie schlecht die Evidenz ist beim Thema Osteopatie.
00:01:33: Ich persönlich glaube dass selbst viele Menschen im Gesundheitswesen immer wieder überraschend sind, wie wenig Evidenz es für die Osteopathie gibt.
00:01:41: darüber spreche ich in den nächsten Minuten.
00:01:43: holt euch dafür euren ersten Kaffee des Tages und dann geht's los!
00:01:52: Die Daten für diesen IGL-Monitor sind im Zeitraum von zwei Tausend neunzehnt zwanzig erhoben worden.
00:01:57: In dem Zeitraum haben sechzig von ein Hundert Personen angegeben, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Rückenschmerzen gehabt zu haben – das sind Daten des Robert Koch Instituts!
00:02:11: Bei etwa fünfundachtzig von Einhundert Personen mit Rückenschmerz geht es um unspezifische Rückenschmärzen also bei der ganz überwiegenden Mehrheit.
00:02:21: Im Moment erstattet die gesetzliche Krankenversicherung bei Kreuzschmerzen unter anderem, die Physiotherapie und bestimmte medikamentöse Schmerztherapeutika.
00:02:33: Es gibt natürlich auch wie in vielen Fällen einen komplementären Therapieansatz für unspezifische Rückenschmerzen – da gibt es eben auch die Osteopatie!
00:02:43: Die basiert grundsätzlich auf der Annahme dass sich alle Körperstrukturen und Funktionen wechselseitig beeinflussen.
00:02:50: Die Behandlung wird in erster Linie manuell ausgeübt.
00:02:53: Das Ziel der Osteopathie ist es, Funktionsstörungen im Körper zu erkennen und durch gezielte manuelle osteopathische Techniken zu lösen bzw.
00:03:03: zu beeinflussen.
00:03:04: Der Ansatz soll die Selbsteilungs- und Selbstregulationsmechanismen der behandelten Personen unterstützen.
00:03:11: Osteopatische Behandlungen werden nicht durch die gesetzliche Krankenkasse erstattet können derzeit von PatientInnen als individuelle Gesundheitsleistung, also sogenannte IGL in Anspruch genommen werden.
00:03:23: Osteopathie bei Schmerzen liegt laut dem IGL-Report im Jahr ist auf Platz neun der am häufigsten in Anspruch genommenen IGL.
00:03:31: Der Nutzen ist nach wie vor umstritten und der medizinische Dienstbund bewertet regelmäßig den Nutzen solcher Gesundheitsleistungen auf Basis evidenzmedizinische Kriterien.
00:03:41: Die Bewertung der Osteopathie bei Kreuzschmerzen durch den Igel-Monitor hat zuletzt stattgefunden im Jahr zwei Tausend Achtzehn.
00:03:48: Damals lautete das Urteil, denn Nutzen oder der Schaden der Oesteopathie sei unklar.
00:03:54: Jetzt gibt es den aktuellen Bericht wiederum Igel Monitor des Medizinischen Dienstbund zur Osteopathie bei unspezifischen Kreuz schmerzen.
00:04:04: die Methodik sieht folgendermaßen aus Eingeschlossen worden sind insgesamt drei systematische Übersichtsarbeiten, davon eine als Light Review und zwei randomisiert kontrollierte Studien.
00:04:16: Wir verlinken auch das alles in den Show-Notes.
00:04:18: Bewertet worden ist die Osteopathie bei erwachsenen Personen mit unspezifischen Kreuzschmerzen – d.h.
00:04:24: Schmerzen im unteren Rücken – einschließlich akuter subakuter chronischer und chronisch rezidivierender Kreuztschmerzen.
00:04:32: Verglichen worden ist das Ganze Keine Behandlung, einer Placebo-Behandlung oder konservativen Therapien wie eben Physiotherapie-, Bewegungstherapie oder nicht-steroidalen Antiflugistiker.
00:04:45: Eingeschlossen worden sind diverse Techniken der Osteopathie – die sogenannte parietale Osteopathie, die auf den Bewegungsapparat abzielt also auf die Muskeln, die Gelenke, die Faszin und die Wirbelsäule.
00:04:56: Dann die sogenannte wisterale Osteopathie, die sich auf die inneren Organe und deren Verankerungen – also die Faszin- und Bänder im Körperinneren konzentriert.
00:05:05: Und dann die kraniosakrale Osteopathie, der sich auf den Schädel, die Wirbelsäule das Kreuzbein und das Nervensystem konzentiert.
00:05:16: Endpunkte waren dabei zum Beispiel die Morbidität, also Schmerzen eine Symptomverbesserung oder gar Genesung Rücken spezifische funktionelle Stati und Begleitsymptome wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Tinnitus, Taubheizgefühle, Kribbeln oder gar Lemungserscheinungen.
00:05:35: Bakus Schneider sagt dazu das Thema wurde im Rahmen des Berichts dieses Ilmonitors wissenschaftlich in guter Qualität ausgearbeitet.
00:05:45: Und damit zu den Ergebnissen.
00:05:47: Bei chronischen Kreuzschmerz haben Einige Auswertungen Vorteile bei Schmerzen und Teilsfunktionen gezeigt, aber meist nur mit sehr niedriger oder niedrigen Evidenzqualität.
00:06:00: Besonders für die myofasziale Entspannungstherapie gab es signifikante Effekte, die aber wegen kleiner verzerrungsanfälliger Studien und einem möglichen Publikationsbeiß nicht als gesicherte Nutzen gewertet worden sind.
00:06:15: Unerwünschte Ereignisse wurden in den Studien unvollständig oder uneinheitlich erhoben, deshalb lässt sich auch kein verlässlicher Schaden nachweisen.
00:06:24: Und da sagt der Igel-Monitor im Ergebnis das hat die Leistung weiterhin – also auf Basis der Untersuchung aus dem Jahr zweizehn als unklar Einstuft.
00:06:34: für unspezifische Kreuzschmerzen sieht der Bericht wegen fehlender Aussage kräftiger Daten keine belastbare Aussage zu nutzen.
00:06:44: Wir wollten von Markus Schneider wissen, wie er das Ganze abschließend einordnet.
00:06:48: Er sagt uns, der Bericht liefert für mich jetzt nicht wirklich so viel Neues – aber für die Bevölkerung wären die Ergebnisse schon etwas Neues, denn ich glaube viele Menschen wären überrascht, wie schlecht die Evidenz beim Thema Osteopathie
00:07:00: ist.".
00:07:01: Das hatten wir eingangs schon.
00:07:03: Weiter sagt Markus Schneiderm.
00:07:05: Wissenschaftlich sind alleine schon die drei Säulen der Osteopatie heikel!
00:07:09: Besonders die wisterale Therapie und die kraniosakrale Therapie haben ein schwieriges Verhältnis zur evidenzbasierten Medizin.
00:07:18: Das ist jetzt sehr diplomatisch von Markus Schneider ausgedrückt, ich würde etwas deutlicher sagen das ist ein Erklärungsansatz für den es keine wissenschaftliche Basis gibt und man kann daran glauben aber man kann's halt nicht belegen!
00:07:31: Und wieso genau da jetzt die GKV im Zweifelsfall dafür Geld ausgeben sollte?
00:07:36: Das hat mir in der Vergangenheit auch noch keiner erklären können.
00:07:39: Aber noch mal zurück zum diplomatischeren Teil von Markus Schneider.
00:07:44: Der sagt weiter, meine Meinung nach hat die Erstattung der Osteopathie im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nichts zu suchen.
00:07:52: Es gibt keine Evidenz und wenn überhaupt haben osteopathische Behandlungen nur sehr kleine
00:07:56: Effekte.".
00:07:57: Das ist ähnlich wie bei der Homöopathie Über den Placeboeffekt hinaus haben sie wenig Effekt.
00:08:02: Dass die überhaupt wirkt, hängt wahrscheinlich damit zusammen dass man sich wie bei der Homeoparty sehr viel Zeit für die Patienten nimmt.
00:08:09: Es gibt eine ausführliche Anamnese und die Behandler sind meist empathisch.
00:08:12: Das sind alles Dinge die den Placeboeffekt stark triggern.
00:08:17: Was mich jetzt wieder ganz persönlich daran unglaublich aufregt, das macht mich wirklich wütend.
00:08:23: Wenn wir diese Ressourcen in die Methoden, die wir haben, die evidenzbasiert funktionieren stecken würden zum Beispiel an der Stelle die Physiotherapie und den Physiotherapeutinnen ermöglichen würden so zu arbeiten dass sie sich Zeit nehmen können auch regelmäßig die Behandlung so anwenden können wie es eigentlich notwendig ist Und entsprechend auch in Ruhe mit den Patientinnen und Patienten arbeiten könnten, dann hätten wir da auch bessere Ergebnisse.
00:08:50: Aber so bleibt es natürlich unfair gegenüber dem sogenannten Therapien die keinen Nachweis bringen müssen weil sie außerhalb des GKV-Systems funktionieren.
00:09:04: Das war eine Dosiswissen für heute.
00:09:06: Die nächste Folge gibt's am Montag ab sechs Uhr in der Früh überall da wo ihr Podcast findet.
00:09:13: Wenn ihr am Wochenende noch Zeit habt und falls ihr die Folge vom Montag noch nicht gehört haben solltet, dann lege ich euch die noch einmal dringend ans Herz.
00:09:23: Die gibt's sowohl hier auf dem Kanal von Ne Dosis Wissen als auch Drügen bei.
00:09:28: Frau Doktor übernehmen Sie – dem Podcast mit meiner Kollegin Julia Roth-Herbel.
00:09:32: Gesprochen hat Julia am Montag mit Laura Weißenburger von Ne Dosis Wissen der Apothekenumschau in der vergangenen Woche in Berlin.
00:09:43: Es geht darum, wie wir vom Schweigen über Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt hin zu strukturellen Veränderungen kommen!
00:09:51: Hört euch diese gute halbe Stunde unbedingt an.
00:09:54: – was ihr dann auch tun könnt ist euch anmelden für das Apothekeumschau-Event am Montag den.
00:10:05: Dort werden Julia und Laura und weitere Kolleginnen von uns und aus verschiedenen Institutionen darüber sprechen, wie wir eben vom Reden ins Handeln kommen.
00:10:17: Dass das notwendig ist, ist klar – mehr Informationen findet ihr auf der Anmeldeseite, die wir auch in den Shownotes hier verlinken und die ihr natürlich auch in dem Shownutz der Folge vom Montag dieser Woche findet!
00:10:30: Danke dass Ihr eine Dosis wissen hört.
00:10:48: Das ist das Audioangebot der Apothekenumschau.
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