Typ-1-Diabetes: Kontroverse ums Screening bei Kindern
Shownotes
Ein Screeningprogramm könnte Typ-1-Diabetes bei Kindern Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung erkennen und damit neue Möglichkeiten für Vorsorge und Behandlung bieten. Eine große deutsche Studie mit Daten aus Bayern sieht darin einiges Potential. Doch die Deutsche Diabetes Gesellschaft hält ein flächendeckendes Screening derzeit noch für verfrüht, unter anderem wegen der möglichen psychologischen Folgen einer frühen Diagnose für Kinder und Familien. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und fasst Argumente für und gegen ein breites Screening zusammen.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Dr. Louisa van den Boom
Stand: 21. Juli 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Aktuelle Studie zu einem Typ-1-Diabetes-Screening bei Kindern in Deutschland (engl.; DOI: 10.1001/jama.2026.6085)
- Positionspapier der Deutschen Diabetes Gesellschaft zum Typ-1-Diabetes-Screening bei Kindern
- Studie zu Antikörper-Screening bei Kindern (engl.; DOI: 10.1001/jama.2019.21565). 2020.
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:04: Typ eins Diabetes beginnt oft lange vor den ersten Symptomen.
00:00:08: Ein bevölkerungsweites Screening kann gefährdete Kinder früh erkennen, das zeigt eine aktuelle deutsche Studie – doch längst nicht alle Expertinnen und Experten sind von einem Screening überzeugt!
00:00:23: Guten Morgen und willkommen zu eine Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:28: Eine Dosis-Wissen gibt es werktagsabsexuell in der Früh in kompakten zehn Minuten.
00:00:32: Ich bin Dennis Balwiser ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau.
00:00:35: heute ist Dienstag der einundzwanzigste Juli.
00:00:39: zwei tausend
00:00:42: sechsund
00:00:45: zwanzig.
00:00:47: Es geht also um das Typ eins Diabetes Screening bei Kindern.
00:00:51: dazu ist eine Studie in Jama erschienen bereits im Mai Vorgelegt von Christiane Winkler und Annette Gabriele Ziegler vom Helmholtz-Institut in München.
00:01:02: Wir haben darüber mit Luisa van den Boom gesprochen, die ist Kinder- und Jugendmedizinerin, Diabetologin und Ernährungsmedizinnerin und als solche Chefärztin der Kinder-und Jugendklinik des Helios Klinikums geforn.
00:01:14: Sie sagt – ich persönlich wäre für ein freiwilliges breites Typ I Diabetes Screening bei Kindern!
00:01:21: holt euch euren ersten Kaffee des Tages und dann geht's los!
00:01:29: In Deutschland sind mehr als dreihunderttausend Menschen an Typ I Diabetes erkrankt, davon mehr als dreißig tausend Kinder- und Jugendliche.
00:01:36: Und die Zahl der Neuerkrankungen steigt an also die Neuerkrankungsraten nehmen zu.
00:01:43: Typ I Diabetes im Frühstadium lässt sich anhand des vorhanden Seins von Autoantikörpern gegen bestimmte Proteine in Blut nachweisen, was auf einen bereits bestehenden Krankheitsprozess hindeutet noch bevor klinische Symptome auftreten.
00:02:03: In den letzten Jahren hat man dieses präsymptomatische Stadium I, wenn zwei oder mehr Autoantikörper im Blut nachweisbar sind.
00:02:12: Der Blutzuckerspiegel aber normal ist und das präsymptomatische Stadium II definiert.
00:02:18: Das sind dann Autoantikkörper- und eingestörter Zuckerstoffwechseln Und wir wissen heute, dass man die klinische Manifestation also das Stadion drei der Erkrankung im Mittel um zwei Jahre hinaus zögern kann.
00:02:31: Wenn man bei diesen jungen Patientinnen und Patienten den monoklonalen Antikörper Tepli zum MAP einsetzt.
00:02:37: Der ist ab acht Jahren bei mehr als zwei Inselauto-Antikörpern, also eben Stadium zwei einsetzbar.
00:02:45: Das hat zur Diskussion geführt ob man die ganze Bevölkerungsscreenen sollte auf diese Inselautoantikörper, denn dann könnte man ja etwas tun.
00:02:55: Die Studie in Jama hat untersucht wie häufig frühe Stadien des Typ I Diabetes also Stadium I und Stadium II bei Kindern in der allgemeinen Bevölkerung vorkommen?
00:03:05: Und wie häufig diese Kinder später einen klinischen Typ-I Diabetes, also das Stadium III entwickeln?
00:03:12: Dazu gab es ein bevölkerungsbasiertes Screening-Programm und das hieß Frida in Bayern haben, dass die einen oder anderen mitbekommen.
00:03:21: Geschrieben FR I DA ist damals über Kinder- und Jugendärztlichen Praxen und Kliniken ausgerollt worden – im Zeitraum von Eingeschlossen worden sind mehr als zweihundertzwanzig tausend Kinder ab einem Alter von knapp unter zwei Jahren bis rund elf Jahre, bei denen ein bzw.
00:03:41: bei manchen sogar zwei Screenings durchgeführt worden sind.
00:03:44: Gesucht wurden diese Inselzellauto-Antikörper.
00:03:47: die Kinder mit einem positiven Befund wurden über Jahre weiter beobachtet.
00:03:52: Im Ergebnis wurde bei fast sechshundert Kindern bereits beim ersten Screening ein früher Typ I Diabetes festgestellt.
00:04:00: Das entspricht einer Häufigkeit von Null, drei Prozent der Kinder.
00:04:04: Ein zweites Screening hat dann noch ein paar mehr Fälle zu Tage gefördert.
00:04:09: Während eine mittlere Nachbeobachtungszeit von knapp sechs Jahren haben mehr als zweihundertfünfzig Kinder einen klinischen Typ-I Diabetes entwickelt – ein Großteil davon war bereits durch das Screening als Frühstadium bei diesen Patientinnen und Patienten erkannt worden!
00:04:25: Kinder mit dem Stadium I oder II hatten ein fast vierzigprozentiges Risiko, innerhalb von fünf Jahren eine klinische Form zu entwickeln.
00:04:34: Das Risiko unterscheidet sich dabei nicht signifikant zwischen den Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung ersten Grades.
00:04:42: Das spricht laut den Studienautorinnen dafür, dass das Screening nicht nur auf Risikofamilien beschränkt sein sollte – sie sprechen sich insgesamt für einen bevölkerungsweiten Screening aus!
00:04:53: Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat kürzlich die Vor und Nachteile eines solchen bevölkerungsweiten Screenings abgewogen.
00:05:00: Die Vorteile sind ein potenzieller Nutzen in der Reduktion schwerer, diabetischer Stoffwechselentkleisungen vor allem der Ketoazidosen und einer möglichen Progressionsverzögerung durch die immunmodulatorische Therapie, die ja verfügbar ist.
00:05:15: Nachteilen sind dass sich der Zeitpunkt des Ausbruchs individuell nicht zuverlässig vorher sagen lässt dass die Zeit bis zur Erkrankung damit von wenigen Monaten bis zu mehr als zwanzig Jahren reichen kann und, das ein solcher Antikörpertest ein an sich gesundes Kind über Jahre hin zu einem Kind in Krankheitserwartungen machen kann.
00:05:37: Und damit zu Ängsten und Unsicherheiten führt.
00:05:40: Insgesamt sieht die Deutsche Diabetes-Gesellschaft derzeit keine Grundlage für ein populationsweites Screening auf Basis der verfügbaren Daten.
00:05:50: Wir wollten das Ganze jetzt von Luisa van den Boom eingeordnet wissen mit der klaren, pädiatrischen Perspektive.
00:05:57: Sie sagt für ein deutschandweites Screening aller Kinderspräche dass man dann mehr Kinder herausfischen könnte die positiv fähren.
00:06:05: Wir wissen, dass achtzig bis neunzig Prozent der Patienten mit Typ-I Diabetes keinen weiteren Verwandten in der Familie mit Typ I Diabetes haben.
00:06:12: Das bedeutet wenn man nur diejenigen mit einem familiär bedingt höheren Risiko für Typ-i Diabetes screenen würde, würde man wahrscheinlich viele Patienten übersehen.
00:06:22: und weiter.
00:06:23: ein Gegenargument lautet wir haben kein Medikament das den Ausbruch der Erkrankung verhindern sondern nur eines das nach hinten verschieben kann um ca.
00:06:32: drei Jahre.
00:06:33: Meiner Meinung nach, sagt Luisa van den Boom kann aber ein solches hinauszögern um einige Jahre einen Gewinn an Lebensqualität sein.
00:06:41: Und sie sagt auch das Argument dass ein Screening zu unnötigen Ängsten führen würde greift für mich nicht.
00:06:47: eine deutsche Studie zeigt nämlich im ersten Moment nach einem positiven Test Kann was Ergebnis seine Belastung für die Familie seien arme Im Verlauf mit eng maschinen Kontrollen empfinden.
00:06:57: Die Eltern ist eher als hilfreich und Sie wollen auch Bescheid wissen.
00:07:02: Das führt dann zu dem Eingangs-Zitat, das ich vorhin schon gebracht habe.
00:07:08: Ich finde die Entwicklung sehr interessant.
00:07:20: Ich bin froh, dass wir solche Daten jetzt für Deutschland haben muss ich sagen und ich finde den Ansatz, den Louisa van Den Boom als Expertin hier genannt hat eigentlich sehr pragmatisch anbieten.
00:07:29: schauen wie die Resonanz ist.
00:07:31: dann kann man später immer noch für ein bevölkerungsweites Typ eins Diabetes Screening für Kinder plädieren aber auch auf Basis von Erfahrungswerten aus der Praxis.
00:07:44: Das war eine Dosis Wissen für heute.
00:07:46: Die nächste Folge gibt's morgen ab sechs Uhr in der Früh überall da wo ihr Podcasts findet.
00:07:50: Wenn euch die heutige Folge gefallen hat, dann lasst uns doch eine gute Bewertung da.
00:07:55: Vielen Dank dass ihr eine Dosis wissen
00:08:16: hört!
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