Schlaganfall: Lohnen sich Mobile Stroke Units?
Shownotes
Je schneller ein:e Patient:in bei Verdacht auf einen Schlaganfall versorgt wird, desto geringer ist das Risiko für langfristige Folgen. Bei der Diagnose und Behandlung könnten „Mobile Stroke Units“ (MSUs) helfen. Dabei handelt es sich um Spezialfahrzeuge, die mit einem Computertomographen ausgestattet sind und die Behandlungsinfrastruktur zu den Patient:innen bringen statt umgekehrt. Ob sich die hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten der MSUs lohnen, erklärt Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. med. Lars Kellert
Stand: 22. Juli 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Studie Besseres Outcome mit Mobilen Stroke Units (engl.; DOI:10.1007/s15005-021-2221-0)
- Studie zum Vergleich von MSU und Standardbehandlung (engl.; DOI: 10.1001/jamaneurol.2024.3659)
- Evaluierung von MSUs in der Praxis (engl.; DOI: 10.1056/nejm-jw.NA58110)
- Randomisierte Studie zu Telemedizin in MSUs (engl.; DOI: 10.1056/EVIDoa2500217)
- Modellierung des potenziellen klinischen Nutzens von MSUs in England (engl.; DOI: 10.1186/s12873-025-01242-8)
- MSUs und Behandlungsausgang (engl.; DOI: 10.1001/jama.2020.26345)
- MSUs und Kosteneffektivität in Deutschland (engl.; DOI: 10.1111/ene.16514)
- Schlaganfall: Bessere Prognose bei Einsatz von SMUs in Berlin
- Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. Schlaganfall: Epidemiologie, Notfallhandeln und Prävention
- Artikel. Drei Millionen Deutsche ohne schnelle Schlaganfall-Hilfe
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:04: Ich war noch ganz frisch Assistenzärztin und da habe ich mich mit einer anesthesiologischen Kollegin unterhalten.
00:00:10: Die sind ja immer ganz besonders nett, die erzählte mir sie fährt NAW also Ja Rettungsdienst Rettungswagen und erklärte mir die schwierigste Situation für Sie ist immer die Wenn sie vor jedem steht und sie weiß, das ist wahrscheinlich irgendeine Art von Apoplex.
00:00:32: Also Schlaganfall aber sie weiß natürlich nicht.
00:00:36: Ist es jetzt ein ischemisches Ereignis oder ist es eine Blutung?
00:00:42: Und ich hab im Berliner ganz weit tiefen Westen ganz mini kleines Krankenhaus gearbeitet.
00:00:47: Das heißt da war auch die Versorgung dementsprechend bisschen weiter auseinander Und sie erklärte mir dann, das ist ziemlich schwierig.
00:00:54: Weil sie eben manchmal entscheiden muss, oh mein Gott wir brauchen so und solange bis zur nächsten Klinik beginne ich jetzt schon mit einer Lüse?
00:01:02: Kann nicht das überhaupt ... Also die hat im Grunde genommen genau das Problem mir damals schon vor fünfzehn, zwanzig Jahren intensiv geschildert was jetzt vielleicht eine Lösung hat.
00:01:19: Guten Morgen.
00:01:20: Willkommen zu Ne Dosis Wissen!
00:01:22: Ihr hört den täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und zwar immer ab sechs Uhr früh, wenn ihr das denn wollt jeden Werktag mit einem Thema für euch in schnellen zehn Minuten.
00:01:35: Mein Name ist Laura Weisenburger ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau Und heute ist Mittwoch Der Zweiundzwanzigste
00:01:44: Juli.
00:01:47: Ein Podcast von Gesundheit hören Und
00:01:55: wir haben uns für euch heute mal die Studienlage angeschaut zum Thema Mobile Stroke.
00:02:05: Und natürlich haben wir dazu auch mit einem Experten gesprochen, mit Lars Kellert.
00:02:11: Er ist Neurologe, Leiter der Stroke Unit, der Schlaganfallambulanz und des neurovascularen Ultraschalts an der neurologischen Klinik- und Polyklinik am LMU-Klinikum in München.
00:02:23: Und er sagte das schon mal als Einschätzung vorab ... Der Zeitvorteil liegt ungefähr bei zwanzig bis dreißig Minuten im Vergleich zur konventionellen Schlaganfallbehandlung.
00:02:35: Also wenn so eine Mobile Stroke-Unit da ist und ich ergänze an der Stelle, na wer erinnert sich noch an den alten Spruch Time is Brain?
00:02:46: Und wenn wir jetzt die zwanzi bis dreizig Minuten anschauen dann ist das verdammt viel Brain!
00:02:51: Das braucht also einen genauen Blick zum ersten Kaffee des Tages.
00:03:00: Wir starten rein mit ein paar Zahlen, und die sind diesmal natürlich dem Thema angemessen nicht besonders schön.
00:03:07: Mehr als twohundertsiebzig tausend Menschen in Deutschland erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall – für knapp zweihunderttausend ist das der erste!
00:03:17: Wenn man das auf Minuten runterrechnet, dann sind das alle drei Minuten, die ein Schlag-Einfall in Deutschland passiert und alle neun Minuten stirbt auch jemand an dem Schlaganfeil.
00:03:29: Das macht die Schlaganfälle auch so zur dritträufigsten Todesursache in Deutschland und zum häufigsten Grund natürlich für Behinderungen im Erwachsenenalter, weil so ein Schlaganfall hat ja Folgen je nachdem wie lange er vielleicht auch unbeobachtet bleibt.
00:03:47: Theoretisch sollten alle Menschen in Deutschland innerhalb von eben dreißig Minuten adäquat versorgt werden, wenn sie einen Schlaganfall haben.
00:03:56: Das zumindest ist die Theorie.
00:03:58: aber es sieht natürlich leider ganz anders aus.
00:04:02: hierzulande haben wir rund drei Millionen Menschen, die im Notfall eben nicht rechtzeitig versorgt wird können.
00:04:09: gerade in den weniger dicht besiedelten Gegenden Wenn ich die Versorgung habe, soll es im Idealfall in eine Klinik mit Stroke-Unit gehen.
00:04:22: Jetzt kommen wir zu dem Punkt, den meine Kollegen am Anfang oder den ich erzählen lasse vom Anfang dieser Folge.
00:04:30: Die Entscheidung ob es sich um ein ischemisches Ereignis handelt oder eine Hirnblutung.
00:04:36: Dafür braucht man niemand von uns darin genaugen.
00:04:40: Ein CT!
00:04:42: Und erst dann kann ich eigentlich auch sicher entscheiden, ob ich neben, wenn nicht denn eine Trombolyse-Therapie einleite.
00:04:48: Auch zum Beispiel eine Kardeterintervention brauche, wo ich vielleicht noch mehr Effekt habe mit der mechanischen Entfernung des
00:04:57: Blutgerinnselts.".
00:04:58: Jetzt kommt die MSU ins Spiel – also den Mobile Stroke Unit.
00:05:03: Da ist genau so ein CT einen Computertumograph verbaut.
00:05:06: Es gibt eine Labordiagnostik an Bord.
00:05:08: Das heißt... Diagnose-Stellung und sogar Erstbehandlung, wenn man eine Trombolyse machen sollte können bereits vor dem Eintreffen in der Klinik erfolgen.
00:05:19: Mobil!
00:05:20: Unser Experte Lars Kellert sagte dazu quasi vor der Haustür der Betroffenen.
00:05:26: Und jetzt haben wir bzw.
00:05:28: hat unser Team ein paar Studien dazu rausgesucht wie gut das denn funktioniert?
00:05:34: Erst mal vorweg ja diese schnelle Diagnosse und Behandlung können den Outcome für die Betroffenen deutlich verbessern, das haben internationale Studien zeigen können.
00:05:46: Da gibt es multizentrische nicht randomisierte aber kontrollierte Studien aus den USA.
00:05:51: von Da führte die MSU oder die Versorgung mit einer MSU zu deutlich häufiger und schnellerer Behandlungen als beim normalen Rettungsdienst.
00:06:03: Und nach neunzig Tagen hatten die so behandelten Personen insgesamt bessere Ergebnisse gerade bei dem Überleben ohne Behinderungen.
00:06:13: Eine Studie aus England, noch Neuer zwanzig fünfundzwanzig zeigte Ähnliches bei der Behandlung von hundert Patienten, die auch alle für eine Trombolyse infrage kamen.
00:06:26: Konnten danach ein bis drei zusätzliche Personen ihr Leben ohne Hilfe
00:06:31: leben.".
00:06:32: D.h.,
00:06:32: also drei bis sechs Monate nach dem Schlaganfall waren sie komplett selbstständig zusätzlich zu dienen, die das auch ohne MSU schafften?
00:06:41: Und jetzt ist natürlich die Frage gibt es denn das bei uns und warum gibt's das nicht?
00:06:46: Ja in!
00:06:47: Also, wir haben mobile Strokeunits bislang in Berlin und an einigen sehr ausgewählten Orten ausprobiert zum Beispiel unter anderem in Saarland.
00:06:57: Da lief auch an der Charité eine prospjektive, nicht randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit ´tausend vierhundertundvierzig noch was Patientinnen und Patienten.
00:07:07: Da war der zusätzliche Einsatz mobiler Stroke-Units im Vergleich zum normalen Rettungsdienst verbunden – mit einer geringeren Behinderung nach drei Monaten also sehr ähnliche Ergebnisse wie die anderen beiden Untersuchungen gezeigt
00:07:20: haben.".
00:07:21: Und warum ist es jetzt so schwierig?
00:07:23: Ihr könnt euch mit Sicherheit denken, es liegt natürlich an den wirklich sehr hohen Kosten.
00:07:30: Unser Experte beschrieb das mit Anschaffung und Betrieb einer MSU pro Jahr mehrere Millionen Euro.
00:07:38: Und er bemerkte auch wir müssen betonen die sind natürlich keine Kassenleistungen!
00:07:43: und werden daher nicht finanziert.
00:07:45: Das heißt, alle MSUs, die wir bis jetzt hier in Deutschland so im Einsatz hatten oder haben, sind immer irgendwie an eine Finanzierung gekoppelt über lokale Projekte, über Studienwehr an der Charité – ob dieser Art der Schlaganfallversorgung in eine Regelversorgungen übergeht?
00:08:03: Damit dann auch von den Kassen finanzieren wird, so beschrieb Claas Kellert ist unklar!
00:08:10: Und er betonte, er unterstützt grundsätzlich alle Maßnahmen die zu einer Verbesserung der Versorgung von Schlaganfallpatientinnen und Patienten führen.
00:08:18: Aber die MSUs sind komplex wegen ihrer Einbettungen in die lokalen Strukturen – und der Frage ob man mit dem Geld nicht vielleicht besser etwas anderes anfangen kann!
00:08:30: Da gibt es allerdings auch eine Untersuchung von Betrieben werden könnten.
00:08:41: Und das wird jetzt interessant, denn im Vergleich zur Standardversorgung erzielten mobile Stroke Units über fünf Jahre einen zusätzlichen Nutzen von etwa Null Komma Null Sex.
00:08:52: Jetzt wird spannend Qualitätsadjustierten Lebensjahren pro Patient.
00:08:57: Das heißt da fällt natürlich auch rein wenn jemand nach dem Schlaganfall nicht mehr arbeitsfähig ist Wenn niemand nach dem schlag Anfall extrem pflegebedürftig ist, wenn da quasi mehr Kosten im Gesundheitssystem als nachhalt auf den Apoplex einfach nötig sind.
00:09:15: Diese Berechnung muss man natürlich auch machen.
00:09:18: Das heißt auch ganz klar die Wirtschaftlichkeit hängt stark von der Einsatzdauer vom Versorgungsgebiet und natürlich auch der Treffergenauigkeit der MSU ab.
00:09:30: Bei größerer Abdeckung wird sie besser Und wenn Schlaganfälle verpasst werden, wird sie deutlich schlechter.
00:09:39: Gegen die Anschaffung sprichen also in erster Linie aktuell noch die Kosten und natürlich auch die Verfügbarkeit dieser Fahrzeuge.
00:09:47: Das ist ja hochspezialisierte Technik aber sobald wir das irgendwie senken können oder tatsächlich kostentragend betreiben könnten spricht eigentlich nichts gegen den MSU Einsatz.
00:10:05: Eine Dosiswissen für heute, ich danke euch sehr fürs Zuhören.
00:10:08: Und wenn ihr da eigene Gedanken zu den MSUs zur Schlaganfallversorgung in Deutschland mit uns teilen möchtet dann doch sehr gerne zum Beispiel über die Kommentarfunktion überall wo das möglich
00:10:40: ist!
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