ADHS-Medikation: Höhere Dosis nicht gleich bessere Wirkung
Shownotes
Bei der medikamentösen Behandlung von ADHS ist die richtige Dosierung eine echte Gratwanderung. Ist sie zu niedrig angesetzt, werden Symptome möglicherweise nicht ausreichend behandelt. Ist sie zu hoch, können Nebenwirkungen zunehmen, ohne dass sich die Wirkung wesentlich verbessert. Eine neue systematische Übersichtsarbeit und Dosis-Wirkungs-Netzwerk-Metaanalyse hat nach der optimalen Dosis gesucht. Insgesamt zeigt sich ein wiederkehrendes Muster bei verschiedenen ADHS-Medikamenten: Die Wirksamkeit steigt zunächst mit höherer Dosierung, erreicht dann aber häufig ein Plateau und nimmt bei noch höheren Dosierungen nicht weiter zu. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, fasst die Studie zusammen und erklärt, was die Ergebnisse für eine Bedeutung für die klinische Praxis haben.
Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Alexandra Philipsen
Stand: 21. August 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Quellen und nützliche Links:
- Systematischer Review und Dosis-Wirkung-Netzwerkanalyse zu ADHS-Medikamenten (engl.; DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00091-X)
- Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3 Leitlinie. Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter (in Überarbeitung)
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:04: Viel hilft viel.
00:00:06: Das stimmt natürlich in Bezug auf einige Dosierungen, aber nicht bei allen und schon gar nicht bei einem Thema, was doch eher schlecht bis jetzt erforscht ist – nämlich bei ADHS-Medikamenten!
00:00:21: Da ist die optimale Dosis meistens eine Gratwanderung.
00:00:29: Guten Morgen und ich heiße euch willkommen zu eurer optimalen Dosis Wissen, nämlich dieser hier.
00:00:36: Dem täglichem Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:39: uns hört ihr jeden Werktag ab sechs in der Früh in schnellen zehn Minuten mit einem Thema für euch!
00:00:46: Mein Name ist Laura Weisenburger und ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau
00:00:58: Und
00:01:02: wir machen uns heute also auf die Suche nach der optimalen Dosis bei ADHS-Medikamenten und ob es sie überhaupt gibt.
00:01:10: Das machen wir natürlich nicht alleine, sondern das hat ein systematischer Review getan, der eine Dosis Wirkungsnetzwerk-Analyse durchgeführt hat – veröffentlicht ist das alles im Lancet Psyche Tree erschienen im Juni, und verlinkt selbstverständlich in unseren Shownotes.
00:01:30: Und die Einordnung dieser ganzen Sache macht für uns auch noch eine Expertin, und zwar Alexandra Philipsen.
00:01:36: Sie ist Fachärztin für Psychiatrie- und Psychotherapie und Direktorin der Klinik und Polyklinik für Psychotherapien am Universitätsklinikum in Bonn.
00:01:47: Um diese optimale Dosiswissen optimal genießen zu können, holt euch jetzt den ersten Kaffee des Tages und dann starten wir ins Thema!
00:01:59: Ein paar Zahlen vorweg, wie immer zum Warmwerden.
00:02:03: In Deutschland haben mehr als vier Prozent der drei- bis siebzehnjährigen Kindern die Diagnose ADHS – im Erwachsenenalter sind es ein bisschen weniger, nämlich rund zwei Komma fünf Prozent?
00:02:15: Die Kernsymptome….
00:02:17: da gehe ich jetzt sehr schnell drüber!
00:02:18: Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität, Impulsivität.
00:02:22: Aber es ist vor allen Dingen eine adäquate Behandlung wichtig, um langfristige Risiken zu senken.
00:02:29: Die gehen nämlich damit einher und dazu gehört unter anderem leider Gottes Suizidadesverhalten, Substanzmissbrauch oder auch einfach gesteigerte Unfallverletzungen.
00:02:40: Und eine ganz wichtige Säule in der Behandelung von ADI isst natürlich die medikamentöse Behandlungen – da gibt Zum einen die Stimulanzien, wie das Methylfinidad kennen wir alle – das Ritalin oder Amphetamine.
00:02:54: Aber auch die Nichtstimulantien wie Atomoxetine oder Guanfazin.
00:02:59: Aber wenn man sich diese Medikamente anschaut, dann fällt in der Laatlinie vor allen Dingen dazu auf es gibt nur begrenzt Hinweise zur Dosierung
00:03:08: bzw.,
00:03:09: wie man das am besten dosieren sollte und da ist die Forschung auch dementsprechend noch unvollständig zu!
00:03:16: Das versucht jetzt wie gesagt dieser systematische Review ein bisschen zu schließen, diese Forschungslücke.
00:03:24: Deshalb wurde da die Frage gestellt – Wie verändert sich denn die Wirksamkeit verschiedener Medikamente also Stimulanzien versus Nicht-Stimulantien mit steigender Dosis?
00:03:34: Und ab wann haben wir keine zusätzlichen Nutzen mehr bei einer Dosiserhöhung?
00:03:41: Und ab Wann kommen die Nebenwirkungen dazu, das sind ja alles ganz wichtige Fragen, die wir geklärt haben wollen wenn wir da jemanden Medikamentüs einstellen.
00:03:49: Und für diesen Revie wurden mehr als hundert RCTs, Randomized Control Trials eingeschlossen was dann insgesamt über twenty-fünftausend Kinder, Jugendliche und Erwachsenen Daten waren.
00:04:03: Unsere Expertin sagte dazu schon mal vorweg – insgesamt ist das methodisch eine gute und aufwendige Studie.
00:04:11: Jetzt ganz schnell zu den Ergebnissen!
00:04:14: Für die meisten Stimulanzchen steigt die durchschnittliche Wirksamkeit, zunächst mit der Dosis an.
00:04:20: Aber es gibt natürlich ab einem bestimmten Punkt ein Plateau oder bei manchen nimmt sie sogar leicht wieder ab!
00:04:28: Bei Kindern und Jugendlichen im Speziellen war das bei fortyfünf Milligramm Methylphenidat pro Tag der Fall – da ist die maximale mittlere Wirksamkeit erreicht, höhere Dosen bringen dann keinen weiteren Nutzen.
00:04:42: Bei Erwachsenen sieht das hingegen ganz anders aus….
00:04:46: Da gibt es zwar für die Amphetermine allgemein ein Plateau, was so ungefähr bei fünfzig Milligramm pro Tag erreicht wird.
00:04:53: Aber die Wirksamkeit von Methylfinidad nimmt weiter zu ohne dass es Anzeichen für einen Plateau gibt.
00:05:01: Das könnte allerdings auch das Team der Studie des Reviews auf die sperrlichen Daten zurückzuführen sein.
00:05:08: Insgesamt war aber bei Stimulanzien insbesondere bei einer Dosissteigerung auch das Risiko zunehmend, dass die Behandlung wegen Nebenwirkungen abgebrochen wird.
00:05:21: Das heißt also bei Stimulanzien höhere Dosis dann eventuell auch Abbruch der Behandlungen wegen Nebenwirkung und bei den beiden Stoffen Modafinil- und Atomoxetin fanden die Forscherinnen keinen Dosis Wirkungszusammenhang – das ist natürlich auch wichtig zu wissen!
00:05:41: Insgesamt wies das Team der Studie auch darauf hin, dass viele Betroffene in der Praxis relativ niedrige Dosierung erhalten und die Dosis gar nicht konsequent zu Ende auftetriert wird.
00:05:53: Unsere Expertin Philippsens sagte dazu, die meisten eingeschlossenen Studien beinhalten ein fixes Aufdorisierungsschema welches in der Regel die maximale Dosis im Verlauf beinhaltet.
00:06:04: Studien mit flexiblen Dosierungen sind selten Und würden diese Frage deshalb vermutlich auch noch besser beantworten.
00:06:12: Die Schlussfolgerung im Review war auf jeden Fall zu niedrigere Dosierungen sollen vermieden werden, logisch.
00:06:19: wenn die Symptome also weiterhin deutlich bestehen dann ist man da nicht am Ende und höhere Dosierung über den zugelassenen Bereich hinaus bringen aber eigentlich keinen zusätzlichen Nutzen erhöhen aber häufig das Risiko für Nebenwirkung.
00:06:33: Wir haben uns natürlich auch angeguckt inwiefern da bei diesem Review eventuell Grenzen oder Limitationen zu sehen sind.
00:06:42: Und ja, das war eine eher kurzfristige Wirksamkeit, die untersucht wurde.
00:06:47: im Durchschnitt waren es sieben Wochen bei Erwachsenen und acht Wochen bei Kindern.
00:06:51: dafür dass man das Medikament dann meistens über Jahre hinweg oder Jahrzehnte sogar bei Erwachsene nimmt ist natürlich ne sehr kurze Zeit.
00:07:00: Die Ergebnisse bezogen sich auch auf die Gruppenebene d. h., also es können keine Entscheidungen auf individueller Ebene abgebildet werden.
00:07:10: Unsere Expertin Alexandra Philipsen betonte auch, dass im Erwachsenenalter zu gering dosiert wird – sehen wir schon auch!
00:07:17: Allerdings ist ihr Eindruck, das sich das verbessert hat in den letzten Jahren.
00:07:21: Die meisten Menschen mit ADHS entscheiden sich am Ende für eine Dosierung so im mittleren Bereich.
00:07:27: Allerdings gibt es auch Menschen die von der Erhöhung deutlich profitieren Und sie betonte, es sollte nicht abschrecken aufzutusieren.
00:07:35: Das heißt, die maximale Wirkung bei tolerabler Verträglichkeit zu testen – da also weiterzugehen!
00:07:42: In der Praxis muss das natürlich ärztlich sorgfältig unter Abwägung von Wirkungen und Verträglichkeit zum Beispiel Blutdruck usw.
00:07:49: geschehen.
00:07:51: Und einen wichtigen Aspekt, den sie am Ende auch noch brachte war natürlich ganz klar dass Sie in Deutschland insgesamt ein Versorgungsproblem sieht was also die Möglichkeit überhaupt der Diagnostik und der Behandlung einschließt.
00:08:04: Das heißt ich muss erst mal dahin kommen das sich überhaupt eine Diagnose bekomme und dann auch die Behandlungen beginnen kann.
00:08:11: und oft so ergänzte sie die Unkenntnis dass die Medikation individuell austariert werden muss.
00:08:18: Sprich Zusammenfassend eigentlich individuelle Behandlungbetreuung ist am besten, aber da haben wir natürlich auch immer noch eine der größten Lücken bei der ADHS-Betreuung und Behandlungen.
00:08:34: Ich hoffe, wir haben damit für euch die optimale Dosis zu diesem Thema heute erreicht!
00:08:39: Wenn ihr das auch so seht, dann lasst uns das doch gerne wissen in die mir Sterne zum Beispiel vergibt – wo das geht?
00:08:45: Gerne fünf
00:09:01: Gesundheit hören.
00:09:03: Das ist das Audioangebot der Apothekenumschau.
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