CKD ohne Diabetes: Wie viel bringt Finerenon?

Shownotes

Rund acht bis zehn Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer chronischen Nierenkrankheit – mit dem Risiko einer dialysepflichtigen terminalen Niereninsuffizienz, erheblichen Einbußen an Lebensqualität und Lebenserwartung sowie hohen Gesundheitsausgaben. SGLT-2-Hemmer sind seit einigen Jahren Standard, um die Progression zu verlangsamen. Doch reicht das? Finerenon ist bislang nur bei chronischer Nierenkrankheit mit Typ-2-Diabetes zugelassen. Sollte das Medikament auch unabhängig vom Diabetesstatus eingesetzt werden? Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, geht der Frage auf Basis neuer Daten nach.

Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Sylvia Stracke

Stand: 26. August 2026

Quellen und nützliche Links:

  • Studie zu Finerenon bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ohne Diabetes (engl., DOI: 10.1056/NEJMoa2604625)
  • Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Finerenon bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung: eine gepoolte Analyse individueller Teilnehmerdaten (engl., DOI: 10.1016/S0140-6736(26)01009-3)
  • Studie zu Finerenon bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung aufgrund glomerulärer Erkrankungen (engl., DOI: 10.1001/jama.2026.9923)
  • Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Finerenon des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)
  • Bewertung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Finerenon bei Typ-2-Diabetes: Schutz für Herz und Niere – oder doch nicht?

Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;

Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH

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Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:04: Für die Therapie der chronischen Niernerkrankung gibt es ja inzwischen einige Therapioroptionen.

00:00:11: Die Frage ist, reichen sie aus oder brauchen wir eine weitere mit Finerenon?

00:00:22: Guten Morgen!

00:00:23: Willkommen bei Ne Dosis Wissen dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und es gibt jeden Werktag ab sechs in der Früh mit einem Thema für euch in schnellen zehn Minuten.

00:00:34: Mein Name ist Laura Weisenburger, ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apotheken-Umschau.

00:00:40: Und heute ist Donnerstag, der siebenundzwanzigste August!

00:00:51: Und auch wenn das Thema jetzt für manche sehr speziell erscheint, ist es aber doch relativ wichtig.

00:00:58: Denn gerade in der Therapie der grunischen Nierenerkrankung hat sich so viel getan in den letzten paar Jahren.

00:01:05: Wenn ich jetzt das Stichwort SGLT II-Innebitoren in den Raum werfe dann werden vor allen Dingen wahrscheinlich die Nephrologinnen und Nephologen eifrechnicken und sagen ja genau!

00:01:15: Jetzt ist aber eben die Frage denn auch eigentlich dafür indiziert, so breit eingesetzt zu werden.

00:01:23: Denn es ist zugelassen aber nicht in allen Fällen!

00:01:27: Dafür hat sich unser Team zwei Dinge angeschaut und das was ich jetzt sage ist relativ wichtig, denn beide Analysen- und eine Studie sind Hersteller finanziert.

00:01:40: Einmal eine gepulte Analyse im Lancet vom Juni zwanzigundzwanzig und das andere ist eine herstellerfinanzierte Studie im New England Journal ebenfalls erschienen, im Juni.

00:01:54: Und weil das natürlich ein doch brisanteres Thema ist wenn zwei so große Analysen auf ein spezielles Ergebnis kommen.

00:02:02: aber eben da einen ganz spezifischen Hintergrund haben, haben wir das natürlich mit einer Expertin besprochen und zwar mit Sylvia Stracke.

00:02:10: Sie sind natürlich Nephrologin und stellvertretende Klinikleiterin der Klinikumpolikklinik für innere Medizin an der Universitätsmedizin Greifswald.

00:02:20: Holt euch also euren ersten Kaffee des Tages und dann schauen wir uns diese Studie mal ganz, ganz genau an!

00:02:31: Warum ist das Thema natürlich so präsent und so wichtig?

00:02:34: Wir haben acht bis zehn Millionen Menschen mit einer grunischen Niereninsuffizienzkrankheit die behandelt werden muss in Deutschland.

00:02:43: Natürlich dass übergeordnete Versorgungsziel die Dialyse oder Transplantationen so lange wie möglich vermeiden hinauszögern Und ich hatte sie schon erwähnt, die SGLT-II-Inhibitoren sind da inzwischen standardmäßig etabliert.

00:02:59: In dieser Therapie weitere Wirkstoffe kennen wir schon lange.

00:03:03: ACE-Hemmer, AT-I Rezeptor-Blocke und so weiter und sofort.

00:03:07: auch die GLP-I-Receptoragonisten kommen da leicht rein.

00:03:11: aber unsere Expertin Stracke formuliert das so.

00:03:14: für die Nephrologie stellt sich heute die Frage wie diese verschiedenen Wirkstoffklassen künftig optimal kombiniert werden sollten.

00:03:22: Die Frage ist, reicht eine Substanz aus?

00:03:25: Profitieren Patientinnen und Patienten vielleicht von einer Kombination mehrerer Wirkprinzipien.

00:03:29: Und deshalb brauchen wir da immer wieder Studien, die das eben auch anschauen.

00:03:34: Welche Rolle genau spielt jetzt Finerenon bei der Behandlung der chronischen Nierenerkrankung?

00:03:41: Es ist ein nicht-steroidaler Mineralkorticoid Rezeptor antagonist.

00:03:47: Warum antagonist?

00:03:48: Weil übermäßige Aktivierung trägt bei vielen Nierenerkrankten zu Entzündung und Narbenbildung bei, immer schlecht in dem Feingewebe.

00:03:58: Aber es wurde bisher auch gezeigt ja Finerenon kann gegenüber Placebo, wurde im Studium belegt da besser wirken als der Placebo.

00:04:07: Damals war der Therapierstandard allerdings ACE-Hemmer bzw.

00:04:11: Sartane.

00:04:13: Und weiterer wichtiger Punkt damals wurde vor allen Dingen auf PatientInnen mit diabetescher Nephropathie fokussiert also Diabetes bestand als Vorerkrankung.

00:04:25: Und deshalb kam es auch dazu, dass die EMA vor einiger Zeit sagte – und die FDA übrigens auch – ja, Finerenon lassen wir zu bei chronischer Neerkrankungen allerdings nur wenn gleichzeitig ein Typ II Diabetes besteht.

00:04:42: Warum war das so eingeschränkt?

00:04:45: Die SGLT-II Hemmer Die werden bei diversen Ursachen für Dienieren und Sofizienz zugelassen.

00:04:52: Und wurden auch dementsprechend vorher getestet, die lieferten auch eindeutige Belege der Progressionsverzögerung.

00:05:00: Deshalb wurden sie für alle Patientinnen und Patienten zugelassene unabhängig von der Diabetes-Diagnose.

00:05:07: Und deshalb sagte der GBA, zwanzig, dreihundzwanzig – Naja Moment!

00:05:11: Jetzt haben wir ja eine neue Zulassung und für viele Nährenonen gibt es keinen Zusatznutzen.

00:05:17: Und die als Neimittelkommission empfahl im Fall, in Anführungsstrichen Sprachen-Evidenz eben auch äußerste Zurückhaltung bei der Verordnung.

00:05:27: Sprich es wurde nicht nötig angesehen.

00:05:31: Jetzt erklärt sich die Sache warum diese beiden größeren Analysen auch Hersteller finanziert sind.

00:05:36: Natürlich fanden sie das nicht ganz so super dass gesagt wurde im Moment den brauchen wir dann vielleicht gar nicht.

00:05:42: jetzt gucken uns aber die Studien einmal an!

00:05:45: Die erste im New England Journal ist eine weltweite Studie mit knapp thousand sechshundert Patientinnen und Patienten, mit Chronic Kidney Disease unterschiedlicher Genese.

00:05:54: Das ist ja wichtig!

00:05:56: Fast alle Teilnehmenden hatten bereits eine Medikation eines nierenprotektiven Hemmers irgendwie aus dem Rheninangiotensinsystem logisch.

00:06:05: und siebzehn Prozent hatten auch schon einen SGLT-Zweihemmer eingenommen.

00:06:11: Dann wurden alle randomisiert auf eine zusätzliche Behandlung mit entweder Phinerinon oder Plazibo.

00:06:18: Prämierer Endpunkt verwundert jetzt sich weiter Veränderung der EGFR, also zielmöglich die Verlangsamungen des weiteren Abfalls dieser EGFr-Slob.

00:06:31: das Ergebnis nach Zweiunddreißig Monate Beobachtungszeit sah folgendermaßen aus.

00:06:36: In der Platzhebo-Gruppe Abfall der EGFR um vier Milliliter pro Minute, pro eins Komma sieben drei Quadratmeter pro Jahr.

00:06:45: in der Finären non Gruppe ab Fall um dreikommer Drei Millilite Ja das ist zwar wenig aber nach statistisch signifikante Differenz von null Komma Sieben Millilitern.

00:06:57: Und in der Finerenongruppe zeigte sich im Vergleich zur Placebo-Gruppe bei der kombinierten Endpunktkombiniere und Herzkreislaufaregnisse, die waren unter Finerenonseltner.

00:07:13: Als häufigste Nebenwirkung zeigete sich eine Hyperkalimie in der finerenon Gruppe bei hundertdreißig Teilnehmenden – da kommen wir später nochmal dazu, dass das natürlich nicht vernachlässigt werden darf!

00:07:25: Jetzt ein schneller Blick nochmal auf die Meteranalyse, die im Lancet erschienen ist.

00:07:31: Da war das Ziel die Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Finerenon über das gesamte Spektrum der Chronic Kidney Disease hinweg.

00:07:40: Dafür wurden Gebultdaten verwendet,

00:07:43: d.h.,

00:07:44: Daten von Teilnehmenden aus drei randomisierten doppelblinden platzhebekontrollierten Studien mit Finerenonen, die schon gelaufen waren bei fast eben fünfzehntausend Patientinnen.

00:07:55: Auch hier Ursachen waren unterschiedlich, Diabetes dabei aber nicht nur, Altersdurchschnitt Knapp vierundsechzig Jahre über zwei Drittel Männer.

00:08:04: Nicht so toll, das würde ich mir natürlich ausgewogener wünschen.

00:08:06: Kleines Seitenbemerkung von mir und hier wurden dann statistische Modelle verwendet um die Bewertung der relativen Auswirkungen auf renale und kardiovaskuläre Endpunkte zu messen.

00:08:20: Der wichtigste renale Endpunkt war Nierenversagen klar oder anhaltender Rückgang der EGSR um siebenundfünfzig Prozent oder mehr.

00:08:31: Und als primärer Kardiovaskulära Endpunkt wurde definiert, Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz oder Kardiovaskullära

00:08:39: Tod.".

00:08:40: Ich lasse da unsere Expertin ganz kurz was zusagen zu dieser Meta-Analyse und dem Datenpooling – sie sagt nämlich der besondere Vorteil einer solchen gepulten Analyse besteht darin dass die Daten jedes einzelnen Studienternemers erneut gemeinsam ausgewertet werden können.

00:08:55: Dadurch lassen sich Fragestellungen untersuchen, für die die einzelnen Studien allein nicht ausreichend statistische Aussagekraft gehabt hätten.

00:09:04: Und was kam hier raus?

00:09:06: Finerenon senkte das Risiko für kombinierte Nierenereignisse um vierundzwanzig Prozent im Vergleich zum Placebo.

00:09:15: Für Nierenversagen allein fiel da die Senkung allerdings geringer aus und ebenfalls senkte Finerenone Kardiovaskuläre composite Outcome im Vergleich zum Placebo.

00:09:29: Unsere Expertin fasste das folgendermaßen zusammen, die Analyse zeigt in ihren Augen dass Phenarenon auch bei nicht-diabetischen Formen der gruntschen Nierenkrankheit die Progression hemmt und die Anzahl kardiowaskulärer Ereignisse reduziert.

00:09:44: Allerdings, jetzt kommt das Wichtige was sie auch noch mal betonte muss.

00:09:47: Das Risiko einer Hyperkalemie berücksichtigt werden.

00:09:50: gerade bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenkrankheit die auch häufig dann gleichzeitig noch ACE-Hemma, Satane erhalten sind natürlich regelmäßige Kontrollen des Kaliumspiegels erforderlich.

00:10:04: aber sie sagte auch mit entsprechender Überwachung und gegebenenfalls unterstützenden Maßnahmen eben Kaliumbinder zusätzlich lässt sich das gut beherrschen.

00:10:15: Und um das jetzt nochmal ganz kurz zusammenzufassen, was bedeutet das dann für uns?

00:10:20: Für euch als praktisch Tätige?

00:10:23: wirklich die ursprünglichen Zulassungsstudien von Finnerenon wurden gegen Placebo durchgeführt.

00:10:30: SGLT-Zweihemmer gab es damals noch gar nicht als Standardtherapie weil das quasi zeitgleich erfolgte.

00:10:36: Das heißt jetzt muss sich der GBA bei der Nutzenbewertung eigentlich fragen Welchen zusätzlichen Nutzen bringt Phinerenon in die moderne Standardtherapie mit hinein?

00:10:49: Und da lasse ich unsere Expertin, Silvia Strecke noch mal zu Wort kommen.

00:10:52: sie sagt.

00:10:52: Phinereron ist bei chronisch ernieren Krankheit im Zusammenhang mit Typ zwei Diabetes bereits etabliert.

00:10:58: ja wird in Leitlinien auch so empfohlen Aber in ihnen sprechen die neuen Daten auch dafür dass künftig Patientinnen und Patienten mit chronisch Ernieren Krankheiten ohne Diabetes von dieser Therapie profitieren können.

00:11:11: Allerdings sagte sie auch, ob und in welchem Umfang sich dies in den Leitlinien- und Nutzenbewertungen niederschlagen wird müssen weitere Studien und auch die entsprechenden Bewertungsverfahren zeigen.

00:11:23: Das heißt gehört ihr da zu den behandelnden, nephrologinnen und nephrologen Augen offenhalten – da könnte sich was ändern!

00:11:35: Das war die Spezialdosis heute zur Nephrologie für euch.

00:11:41: Wenn ihr Anmerkungen oder Kommentare habt, dann schaut doch mal ob ihr die da vielleicht hinterlassen könnt.

00:11:47: Das freut uns immer und hilft auch diejenigen, die unseren Podcast noch nicht kennen ihn zu

00:12:11: finden!

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