Längere Lebensarbeitszeit: gesundheitlich wohl problematisch

Shownotes

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt, gleichzeitig fehlen Arbeitskräfte. Die Politik diskutiert, ob Menschen in Zukunft länger arbeiten sollen. Doch es kommt nicht nur darauf an, wie lange sie arbeiten, sondern auch, wie viele dieser Jahre die Erwerbstätigen gesund verbringen können. Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie sich die Lebenserwartung bei guter Gesundheit in Deutschland in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Warum eine längere Lebensarbeitszeit aus gesundheitlicher Sicht problematisch sein könnte, erklärt Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau. Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Prof. Dr. Hans Martin Hasselhorn

Stand: 4. September 2026

Quellen und nützliche Links:

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;

Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;

Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;

Chefredakteur: Dennis Ballwieser;

Postproduktion: BEBE Medien GmbH

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Transkript anzeigen

00:00:03: Gesundheit hören.

00:00:04: Deutschland

00:00:04: wird älter und die Menschen sollen länger arbeiten, doch sind sie dafür auch lange genug gesund?

00:00:12: Eine neue Studie zeichnet ein eher pessimistisches Bild.

00:00:20: Guten Morgen und Willkommen zu Nettdosis Wissen dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:25: Eine Dosis Wissen gibt es werktags ab der sechs Uhr früh in kompakten zehn Minuten.

00:00:29: Ich bin Dennis Ballwieser, ich bin Arzt und Chefredakteur der Apothekenumschau.

00:00:33: heute ist Freitag, der vierte September.

00:00:36: zwei tausend sechsundzwanzig ein Podcast

00:00:40: von Gesundheit hören.

00:00:46: die Gesundheit der Menschen im Erwerbsalter in Deutschland Ist das Thema eine Studie Die im Juni dieses Jahres Im European Journal of Public Health erschienen ist.

00:00:57: Vorgelegt haben sie Juliane Tetzlaff von der Medizinischen Hochschule Hannover gemeinsam mit Fabian Petzlaaff vom Robert-Koch-Institut.

00:01:07: Wir haben über diese Gemeinschaftsarbeit gesprochen, mit Hans Martin Hasselhorn.

00:01:12: Er ist Arbeitsmediziner und Leiter des Fachgebietarbeitswissenschaft an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal.

00:01:21: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages!

00:01:23: Und dann geht's los... Freulicherweise steigt die durchschnittliche Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung stetig an.

00:01:37: Im Jahr twenty-fünfundzwanzig hat sie für den Geburtsjahrgang, für Frauen, dreieinachtzig Komma sechs Jahre betragen und bei Männern neunundsebzig Kommaeins jahre.

00:01:50: Wenn es nach der Politik geht, dann sollen die Menschen in Deutschland künftig länger arbeiten.

00:01:56: Nicht komplett sinnfrei sondern damit wir insbesondere unsere Renten weiter finanzieren können!

00:02:04: Deswegen hat die Alterssicherungskommission der Bundesregierung empfohlen, die Regelaltersgrenze nach dem Jahr- und Jahrzehntag bei einem weiteren Anstieg der Lebenserwartungen moderat anzupassen.

00:02:17: An dieser Stelle sei erwähnt, dass Menschen, die volkswirtschaftlich rechnen können betonen, dass man das eigentlich sofort tun müsste um unsere Renten weiter bezahlen zu können – aber das gilt politisch als nicht vermittelbar!

00:02:32: Jetzt stellt sich zudem die Frage, ob die Menschen in Deutschland überhaupt lange genug gesund sind bei ihrer steigenden Lebenserwartung um einer verlängerten Erwerbstätigkeit nachzugehen.

00:02:45: Die Studie im European Journal of Public Health untersucht genau das und zwar wie sich die gesunde Lebenserwartung im Erwerbsalter in Deutschland zwischen two-tausend zwei und zweitausend zwanzig entwickelt hat.

00:02:58: Die Forscherinnen haben Daten des sozu ökonomischen Panels genutzt, das sogenannten SOEP.

00:03:05: Insgesamt sind da mehr als zweihunderttausend Menschen zwischen achtzehn und vierundsechzig Jahren in die Analyse eingegangen.

00:03:13: Betrachtet worden sind drei Zeiträume einmal von zwei tausendzwei bis zweitausendacht dann von zweitausenden zehn bis sechzehn Und schließlich von achtzehnt bis zwanzig.

00:03:25: Gesunde Lebensamartung ist über drei Punkte erfasst worden.

00:03:28: Einmal die Selbsteinschätzung der Menschen, also die subjektive Gesundheit von sehr gut bis schlecht dann die gesundheitsbezogene körperliche Lebensqualität und schließlich die gesundheizt bezogene psychische Lebensqualitete.

00:03:44: dazu sagt uns unser Experte Hans-Martin Hasselhorn das folgende.

00:03:50: Jetzt um einen muss ich sagen dass sich die Fragestellung attraktiv und interessant, eigentlich auch gesellschaftlich sehr relevant halte.

00:03:58: Aber die Stärken dieser Studie sind sicherlich zum einen neben der Fragestellung die Größe des Samples dann zum anderen das Design, dass sie also verschiedene Alterskohorten zu unterschiedlichen Zeiten betrachten und vergleichen hinsichtlich Gesundheit und auch Mortalität.

00:04:15: Und aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass es immer gut ist, verschiedene Gesundheitsindikaturen zu verwenden.

00:04:21: und

00:04:22: damit zu den Ergebnissen der Studie.

00:04:25: Die Entwicklung der Gesundheit ist innerhalb des Erwerbshalters in entgegengesetzte Richtungen verlaufen.

00:04:32: Bei Personen im jüngeren Erwerbsalter hat sie sich tatsächlich verschlechtert, während sie sich bei den Menschen im älteren Erwerbesalter verbessert hat – das ist mal sehr kontraintuitiv!

00:04:44: Das heißt, bei den Jüngeren sind gesunde Lebensjahre verloren gegangen während die älteren zusätzliche Lebensjahr gewonnen haben.

00:04:52: Das habe ich auch in der politischen Diskussion so noch nie gehört.

00:04:56: Das zeigt sich besonders deutlich bei der subjektiven Gesundheit und der körperlichen Lebensqualität!

00:05:02: Dadurch erhöht sich das Risiko, dass jüngere Generationen das hohe Erwerbsalter in Zukunft in viel schlechterer Gesundheit erreichen werden als aktuell ältere Generation.

00:05:14: Hans-Martin Hasselhorn sieht hier aber eine Limitation der Studie.

00:05:19: Was mir jetzt hier besonders ein Aufhält ist natürlich wenn man so eine healthy life or the working life expectancy abschätzt, dass diese Abschätzungen beruhen auf die Gesundheitsverteilung zu einem bestimmten Zeitpunkt.

00:05:32: Da geht man also davon aus, dass die jungen Menschen, die inzwischen im Jahr zwei Tausendsechzehn und bis zum Jahr zweitausend zwanzig einen bestimmten Gesundheitszustand gehabt haben.

00:05:41: Dass sie den auch über die künftigen weiteren arbeitsfähigen Jahre beibehalten werden.

00:05:47: das muss natürlich längst nicht so sein.

00:05:51: Damit zu den weiteren Ergebnissen.

00:05:54: Bei Männern nahm die Zahl der Jahre mit sehr guter, subjektiver Gesundheit zwischen den Untersuchungszeiträumen zu.

00:06:01: Die körperliche gesundheitsbezogene Lebensqualität und psychische gesundheits- bezogene Lebenskwalität sind weitgehend unverändert geblieben.

00:06:09: Bei Frauen sieht es anders aus – da fällt die Bilanz ungünstiger aus!

00:06:14: Die Zahl der Jahre mit schlechter, subjektiver Gesundheit hat zugenommen.

00:06:18: Besonders stark war diese Verschlechterung bei den jüngeren Frauen.

00:06:23: Insgesamt hat bei den Frauen die gesunde Lebenserwartungen gemessen an das Subjektiven unter körperlichen gesundheitsbezogenen Lebensqualität abgenommen.

00:06:32: Bei der psychischen gesundheits- bezogenen Lebenskualität gab es keinen zeitlichen Trend.

00:06:39: Man muss noch hinzufügen, dass die Veränderungen bei der gesunden Lebenserwartung kaum durch eine veränderte Mortalität zu erklären sind.

00:06:51: Die Autorinnen des Studieschlussfolgern – wenn sich die Gesundheit jüngerer Menschen tatsächlich dauerhaft verschlechtert, dann könnte das politische Bemühungen weiter erschweren, die Lebensarbeitszeit zu verlängern.

00:07:06: Deswegen plädieren die Autorinnen für wirksame Präventionsmaßnahmen, die gezielt die allgemeine und körperliche Gesundheit im jungen und mittleren Erwerbsalter

00:07:15: verbessern.".

00:07:17: Hans Martin Hasselhorn von der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal ordnet noch einmal die Grenzen der Studie für uns ein.

00:07:26: Das ist ein Querschnitt, der Erhebung ist jetzt keine Lenkständerhebung.

00:07:29: Aber ich halte es für naheliegend dass die Studie tatsächliche Entwicklung widerspiegelt auch wenn es da möglicherweise Widersprüche gibt in gesellschaftlicher Entwicklung.

00:07:38: Ich finde das ganz schön beeindruckend Dass bei den Menschen im jüngeren Erwerbsalter sich die gesunde Lebenserwartung verschlechtert.

00:07:48: Denn das stellt uns ja noch einmal vor ganz neue Herausforderungen angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland Angesichts dessen, was das eben für unser gesellschaftliches Miteinander den Rentenvertrag bedeutet.

00:08:02: Denn der scheint ja jetzt schon kaum mehr zu halten zu sein.

00:08:06: Das beruht bisher auf einer politischen Diskussion die sich vor allem an Gefühlen festmacht würde ich behaupten.

00:08:14: und wenn sich das aber auch noch an harten medizinischen Fakten entlang so auseinanderentwickelt dass es vielleicht gar nicht möglich ist die Menschen so weiterarbeiten zu lassen wie das eigentlich volkswirtschaftlich geboten erscheint, dann wird das eine wirklich sehr spannende Diskussion.

00:08:30: Unser Experte Hans Martin Hasselhorn ordnet das zum Ende so ein!

00:08:35: Wenn die Studie das Ziel hat, die Beschäftigungsfähigkeit der Erwerbsbevölkerung zu sichern über die nächsten Jahrzehnte, dann würde es nicht nur darauf ankommen, die Gesundheit zu fördern sondern wir werden genauso Darauf angewiesen sein möglicherweise sogar noch mehr.

00:08:50: Die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass die Menschen mit guter und aber auch mit schlechter Gesundheit weiterhin gut in der Lage sein werden, erwerbstätig zu

00:08:59: bleiben.".

00:08:59: Das

00:08:59: was die AutorInnen betonen nämlich die Notwendigkeit einer früher einsetzenden Prävention das ist mit Sicherheit richtig.

00:09:06: Was mir an der Stelle fehlt ist, dass wir glaube ich gesellschaftlich und damit vor allem auch in der Breite politisch in den Parteien da wo die politische Meinungsbildung stattfinden soll Diese Diskussion nicht mit ehrlichen Daten führen bisher.

00:09:21: Und das muss ich, glaube ich, dringend ändern!

00:09:26: Das war eine Dosis Wissen für heute und auch für diese Woche.

00:09:29: die nächste Folge gibt's am Montag ab sechs Uhr in der Früh überall da wo ihr Podcasts findet.

00:09:35: und wenn ihr dieses Wochenende für euch nutzen wollt dann empfehle ich euch Unsere Folgen aus dem Juli von eine Dosis wissen, denn da haben wir uns schon einmal ausführlich mit der alternden Gesellschaft beschäftigt.

00:09:52: Zum Beispiel in der Folge vom ersten Juli, im Jahr für die Leitlinie die Multimobilität richtig behandelbar machen soll.

00:10:02: Und dann haben wir am sechsten Juli, einen Live-Podcastfolge mit Laura Weißenburger vom Festival der Zukunft aufgenommen.

00:10:10: Darin ging es unter anderem im Gespräch mit dem Altersforscher Björn Schumacher über die Zukunft des Alterns.

00:10:17: Beide Folgen sind sehr höhrenswert und falls ihr am Wochenende im Dienst irgendwie Zeit dafür habt, lege ich euch die sehr ans Herz!

00:10:26: Danke, dass ihr eine Dosis wissen

00:10:47: hört.

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