Oveporexton bei Narkolepsie: ein Gamechanger?
Shownotes
Wer an Narkolepsie Typ 1 leidet, dem fehlt im Gehirn ein entscheidendes Signal. Nervenzellen, die den Botenstoff Orexin produzieren, sind weitgehend zerstört. Orexin hat normalerweise die Aufgabe, dass wir tagsüber wach und aufmerksam bleiben und unser Schlaf-Wach-System stabil funktioniert. Bislang wirkten Medikamente nur symptomatisch. Das neue Medikament Orzeyful (mit dem Wirkstoff Oveporexton) setzt genau an diesem Mechanismus an. Nun hat die US-amerikanische FDA die innovative Therapie bei Narkolepsie Typ 1 zugelassen. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, stellt das Medikament vor und schätzt seine Bedeutung ein.
Für diese Folge haben wir gesprochen mit: PD Dr. Anna Heidbreder
Stand: 10. September 2026
Quellen und nützliche Links:
- Zulassung von Orzeyful durch die US-amerikanische FDA (engl.)
- Phase-III Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Oveporexton bei Narkolepsie Typ 1 (engl.; DOI: 10.1056/NEJMoa2601598)
- Editorial im New England Journal of Medicine zur Studie (engl.)
- S2k-Leitlinie „Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen und Kindern“, Stand: November 2025
- Folge zur Leitlinie „Narkolepsie“
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03: Gesundheit hören.
00:00:04: Fachleute, die sich mit dem Thema Narkolepsie beschäftigen sprechen fast ausnahmslos von einem Gamechanger, einem Wendepunkt also etwas ziemlich großem.
00:00:17: Es geht um ein neues Medikament was jetzt bei der narkolepsy wahrscheinlich die Behandlung grundlegend ändern könnte.
00:00:28: das schauen wir uns heute genau an.
00:00:35: Guten Morgen.
00:00:36: Willkommen bei eine Dosis Wissen, ich freue mich sehr, dass ihr wieder dabei seid beim Podcast für das Gesundheitswesen und hört jeden Werktag ab sechs Uhr in der Früh mit einem Thema für euch in schnellen zehn Minuten.
00:00:50: Mein Name ist Laura Weisenburger, ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau und heute ist Donnerstag, der zehnte September.
00:01:01: Ein Podcast
00:01:01: von Gesundheit
00:01:02: hören!
00:01:07: Es geht um Owe-Porex-Ton.
00:01:11: Und wie das bei Narcolepsy eingesetzt wird, wie es genau funktioniert und was die Ergebnisse dieser neuen Studien sind, die jetzt gerade bzw gestern erst erschienen sind?
00:01:25: Wir sind also ganz aktuell im New England Journal of Medicine.
00:01:29: Ihr findet sie natürlich in unseren Shownotes, aber wir reden heute auch ausführlich darüber.
00:01:35: Und zwar nicht nur ich alleine sondern natürlich mit einer Expertin.
00:01:39: Anna Heitbreda haben wir dazu befragt.
00:01:42: Sie ist Geschäftsführende Oberärztin der Neurologie am BG Universitätsklinikum in Bergmannsheil-Buchum und war auch Mitglied der Leitliniengruppe Und das ist Ihre erste Einschätzung zum neuen Medikament.
00:02:01: Ich glaube, dass dieses Medikamente ein Paradigmenwechsel ist, weil es den Rezeptor anspricht der durch den Mangel an Orexin-Hypokritin wirklich nicht mehr angesprochen werden konnte?
00:02:12: Das ist natürlich eine Sache die wir uns zum ersten Kaffee des Tages ganz genau anschauen müssen!
00:02:23: In Deutschland sind rund vierzigtausend Menschen von Narcolepsie betroffen und auch wenn man Dieses Krankheitsbild natürlich immer mal wieder, auch durchaus in Medien oder Filmen dargestellt bekommt.
00:02:36: Was bedeutet das eigentlich genau?
00:02:39: Die Narcolepsie zählt zu den primären Hypersommnulenserkrankungen.
00:02:43: Das heißt also betroffen ist ganz zentral die Regulation des Schlafs und der Wachheit.
00:02:51: Zu den Leitsymptomen gehören exzessive Tageschläfigkeit und Kataplexin.
00:02:56: Außerdem gibt es Hypnagoge- und Hypnopompe-Haluzinationen, also Sinnestäuschung die an dieser Schwelle zum Schlafwachzustand auftreten können, die aber sehr echt wirken.
00:03:11: Schlaflehmungen kennen wahrscheinlich die meisten.
00:03:14: Natürlich gehört zu dem ganzen Enkelstötter Nachtschlaf.
00:03:17: Es gibt die Narcolepsie Typ I. Da weiß man, dass es zum Untergang von Orexin-Hypokritin produzierenden Neuronen des Hypothalamus kommt.
00:03:27: oder das daß die Ursache ist – das beschrieb unsere Expertin ja auch schon im ersten Zitat.
00:03:33: Dann gibt es aber natürlich noch Narcolepsy Typ
00:03:36: II.,
00:03:36: da ist die Ursachen im Grunde ungeklärt und wenn man sich jetzt alle Dinge, die ich gerade aufgezählt habe In der Gesamtschau anguckt, erklärt sich von allein, dass die Narkolepsie quasi auf alle Aspekte des täglichen Lebens auswirkt.
00:03:53: Das ist natürlich immense persönliche soziale und wirtschaftliche Folgen für jemandem hat, wenn man daran erkrankt.
00:04:01: Bisher war die Behandlung der Nakolepsi immer symptomatisch ausgerichtet da dieser Verlust der Orexineuron irreversibel ist.
00:04:12: Bisher waren daher in der Therapie im Einsatz Stimulanzien wie Modafinil mit Hylfinidat am Vitamine, aber auch Anti-Epileptika, Antidepressiva oder Pilositant oder Säuri am Fetol.
00:04:26: Und jetzt kommt eben sehr wahrscheinlich neu hinzu O-W-Porexton!
00:04:33: Was genau macht das?
00:04:35: Er aktiviert den Orexine II Rezeptor Und in den USA hat die FDA, the Food and Drug Administration im August auch schon Oveporecton zugelassen für Typ I Narcolepsy.
00:04:50: Und natürlich geschah das nicht ganz ohne Anlass.
00:04:53: Es gibt ja wie gesagt diese zwei randomisierten doppelblinden placebo-kontrollierten Phase III Studien mit insgesamt mehr als zweieinhalbzig Erwachsenen, die Narcolepsy Typ I hatten und dieses Medikament bekamen.
00:05:09: Und die schauen wir uns jetzt genauer an.
00:05:12: Insgesamt dauerten die Studien zwölf Wochen publiziert, habe ich auch schon gesagt im New England Journal und zwar einmal unter dem Stichwort First Light.
00:05:21: das waren hundertsechzig Teilnehmende aus Nordamerika Europa und Asien.
00:05:26: Die bekamen entweder ein Milligramm oder zwei Milligramms zweimal täglich verblendet gegen natürlich einen Placebo.
00:05:35: Die zweite Studie namens Radiant Light.
00:05:38: Das waren da nur hundertfünf Teilnehmende aus Europa, Asien und Australien.
00:05:44: Da wurde verglichen zwei Milligramm täglich.
00:05:46: das Medikamentsversus.
00:05:48: Placeboeinnahme war bei zwei Millgramm um acht und elf Uhr.
00:05:54: Und jetzt kommen ein paar Punkte nämlich die primären Endpunkte, die man natürlich aus der Narkolepsie Diagnostik kennt.
00:06:03: Primärer Endpunkt war die Änderung der mittleren Schlaflatenz im vierzig Minuten MVT.
00:06:10: Das ist der Maintenance Wakefulness Test, sprich also wie lange konnten Menschen in einer sehr einschleffenden Umgebung wachbleiben und zwar Änderungen der mittleren Schlaflatenz nach zwölf Wochen.
00:06:24: Als sekundäre Endpunkte wurden angeschaut der ISS Gesamtscore Abworth-Sleepiness-Scale, also wie schläfrig man war.
00:06:35: Und die wöchentliche Kataplexie, also Anfallrate.
00:06:39: und nach den ganzen Rahmenbedingungen kommen wir jetzt sofort zu den Ergebnissen.
00:06:43: Es zeigte sich unter der Therapie mit oveporikston eine deutlich geringere Tagesmöglichkeit Also der Rückgang des MWT von einem Ausgangswert Eine Zunahme um fourteen Komma drei Minuten unter einem Milligramm oder sogar um siebzehn Komma sechs Minuten unter zwei Milligrammen.
00:07:07: Beziehungsweise beim Radiant Light waren das sogar Ninzen Komma acht Minuten Zuname.
00:07:12: zum Vergleich und der Placebo waren die Werte deutlich schlechter, Sie waren sogar im negativen Bereich also Abnahme des MWT von Null Komma vier bis Minus null Komma Acht Minuten.
00:07:22: Eine normale, also durchschnittliche Wachzeit und damit auch einen Durchschnittlichen Wert des MWT von über zwanzig Minuten erreichten unter einem Milligramm Medikation, Eins, fünf bis eins, sieben unter Platz Evo.
00:07:55: So befanden sich dann am Ende siebenundsechzig- bis vierundachtzig Prozent der Behandelten sogar im Normbereich nämlich unter zehn Punkten.
00:08:04: auch die Kataplexieepisoden gingen signifikant zurück.
00:08:10: Nämlich um neunundsiebzig bis achtundachzig Prozent versus nur siebundzwanzig bis neun und dreißig Prozent Unterplatz Ebo.
00:08:18: damit stiegen Die anfallsfreien Kataplexifreientage für die Betroffenen von null auf roundabout vier bis fünf pro Woche.
00:08:28: Und diese Wirkung zeigte sich auch schon zum frühsten Messzeitpunkt, nämlich die Kataplaxie war schon messbar weniger ab Woche zwei.
00:08:39: Die Lebensqualität verbesserte sich natürlich jetzt logischerweise auch deutlich von seventy auf siemonneunzig Prozent.
00:08:46: Und wir werfen noch einen ganz kurzen Blick auf die unerwünschten Ereignisse, waren eher mild bis moderat.
00:08:54: Am häufigsten wurde über Polarkisurie berichtet.
00:08:56: das betraf so fünfzig- bis sechzig Prozent der einnehmenden und eine transiente Insumni.
00:09:04: darüber berichteten dreienfünfzig bis achtundfünfzig Prozent.
00:09:07: Die begann meist innerhalb von zwei Tagen aber war dann auch innerhalb von einer Woche rückläufig.
00:09:13: es gab in beiden Studien Fünf Abbrüche aufgrund von UAWs, aber glücklicherweise auch keine relevanten Blutdruck-Herzfrequenz oder Gewichtsveränderung.
00:09:25: Und wir hören jetzt zur Einschätzung.
00:09:26: gleich nochmal unsere Expertin Anna Heitbreder zu den Ergebnissen.
00:09:32: Also das was wir bisher wissen vom neuen Medikament ist es tatsächlich so dass es wirklich bahnberechende Verbesserungen in der Tageswachheit gebracht hat.
00:09:44: also dieser Nicht Einschlaftest, also dieser Wachbleibetest der durchgeführt worden ist hat nahezu Normalwerte angezeigt.
00:09:54: Es gibt allerdings auch ein paar kleinere Limitationen.
00:09:58: überwiegend eingeschlossen waren moderat bis schwer betroffene Patienten das heißt die hatten meistens mehr oder gleich vier Kataplexien pro Woche.
00:10:08: Die Studie lief nur über zwölf Wochen das hatte ich gleich am Anfang gesagt und es kam eventuell zu einer möglichen funktionellen Entblindung.
00:10:18: Anna Heidbreder schätzt die Limitationen folgendermaßen ein ...
00:10:22: Die Studien, die uns bis jetzt zur Verfügung stehen sind relativ kurzfristig.
00:10:27: Es gibt natürlich auch schon längerfristigere Anwendungen aber die Daten über die längere Anwendung sind noch sehr eingeschränkt und wir müssen sehen ob die Wirksamkeit dieses Medikaments langanhaltend ist.
00:10:42: Wobei wir hier als Ergänzung erwähnen müssen, es gibt bereits eine Extensionsstudie.
00:10:48: Die läuft mit über ninety-fünf Prozent Teilnahme.
00:10:52: und zum Schluss lasse ich das auch unserer Experte nochmal ganz kurz zusammen fassen?
00:10:56: Also ich glaube, dass ist ne wahnsinnig große Wende für Menschen mit einer Kollapsi weil das erste Mal ist, Neuropeptid ersetzen, dass bei der Narkolepsie Typ I wirklich ursächlich für die Erkrankung ist und wirklich direkt den nicht mehr angesprochenen Rezeptor anspricht.
00:11:20: Ihr seht ich habe also am Anfang nicht so viel versprochen als ich gesagt habe da sprechen sehr viele Fachleute über einen Gamechanger ein Paradigmenwechsel in der Therapie die jetzt möglich ist.
00:11:35: Natürlich wird es noch eine Weile dauern, bis das auch hier zugelassen und verfügbar ist.
00:11:45: Das war's mit der Dosis heute gegen Narkolepsie für euch!
00:11:50: Und ich habe jetzt mal ein völlig anderen Her-Tipp ganz anderes Thema Wir haben bei Gesundheit höheren einen noch einigermaßen neuen Podcast – endlich sechzig.
00:12:02: Da unterhalten sich die Hosts Anne-Bärbel Köhle, unsere Chefredakteurin bei der Apothekenumschau und Brigitte Huber.
00:12:09: Die ehemalige Chefredaktüren der Brigitte über das Alter werden.
00:12:14: Dazu sprechen sie natürlich auch mit Expertinnen und Experten.
00:12:18: Und in der aktuellen Folge geht es um das gefühlte Alter und vor allen Dingen ein positives altes Bild.
00:12:26: Hört ihr doch mal rein!
00:12:31: Ein Podcast von Gesundheit hören und Apothekenumschau Pro.
00:12:41: Gesundheit hören, das ist das Audioangebot der Apothekeumschau!
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