Was ist ein Herzinfarkt? Eine grundlegend neue Definition
Shownotes
Warum werden Herzinfarkte bei Frauen noch immer leichter übersehen als bei Männern? Ein Grund: Frauen haben im Durchschnitt niedrigere Troponinwerte – bislang wurden jedoch häufig dieselben Grenzwerte für beide Geschlechter verwendet. Die neue, fünfte universelle Definition des Herzinfarkts soll das ändern. Nach der neuen Definition werden Herzinfarkte außerdem künftig in drei große Ursachenkategorien eingeteilt. Das soll die Diagnostik vereinfachen, seltenere Formen wie die spontane Koronararteriendissektion besser sichtbar machen und langfristig gezieltere Therapien ermöglichen. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, hat sich die neue Definition genauer angeschaut.
Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Prof. Kristin Newby
Stand: 15. September 2026
Quellen und nützliche Links:
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Voiceover: Kari Kungel;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03: Gesundheit hören.
00:00:04: Der Herzinfarkt ist natürlich jedem ein Begriff, gleichzeitig bleibt er ein großes Problem.
00:00:10: Rund zweihunderttausend Menschen werden jährlich wegen eines Herzinfarks in einer Klinik behandelt.
00:00:15: Bei Frauen wird er immer noch häufiger übersehen als bei Männern mit halt drastischen Folgen.
00:00:21: Eine neue Definition soll das jetzt ändern – was sich geändert hat und wie dass Frauen helfen könnte, darum geht es heute!
00:00:32: Guten Morgen und willkommen zu eine Dosis-Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.
00:00:36: Eine Dosis Wissen gibt es werktags ab sechs Uhr in der Früh im kompakten zehn Minuten.
00:00:41: Ich bin Dennis Ballwieser ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau.
00:00:44: heute ist Dienstag der fünfzehnte September.
00:00:47: zwei tausend sechsundzwanzig Ein podcast
00:00:50: von Gesundheit
00:00:51: hören
00:00:53: und apotheken umschau pro.
00:00:55: Beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, dem ESC-Kongress in München Ende August dieses Jahres haben die vier wichtigsten kardiologischen Fachgesellschaften weltweit die neue fünfte universelle Definition des Herzinfarkts verabschiedet.
00:01:12: Die Änderungen sollen vor allem künftig dazu führen dass der Herzinfakt bei Frauen nicht mehr so häufig übersehen wird.
00:01:19: Darüber sprechen wir heute mit Kristin Newby.
00:01:22: Sie ist Kardiologin am Duke Clinical Research Institute und sie ist eine der federführenden AutorInnen der neuen Definition des Herzinfarkts.
00:01:31: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages, dann geht's los!
00:01:39: Der Herzenfakt klingt so einfach und doch war es mitunter kompliziert in der Vergangenheit – bisher wurde er in verschiedene Numerierte Typen eingeteilt von eins bis fünf mit Unterformen wie IVA, IVB und IVC.
00:01:54: Das war zwar fachlich präzise im klinischen Alltag aber teilweise kompliziert anzuwenden – und wichtig.
00:02:01: die zugrunde liegende Ursache jeweils im Einzelfall war in dieser Klassifikation nicht mehr wiedergespiegelt.
00:02:09: Außerdem wurden die unterschiedlichen Ursachen- und Verläufe und die unterschiedliche Marker nicht genderspezifisch berücksichtigt Nach dem Motto «Beim Mann ist es so, dann wird's bei der Frau sicher genauso sein».
00:02:21: Ist das aber nicht?
00:02:23: Es gibt eine Reihe von geschlechtsspezifischen Unterschieden und die werden jetzt in dieser neuen fünften Definition des Herzinfarkts berücksichtigt.
00:02:31: Das sind auch nicht die einzigen Neuerungen, die diese Definition mit sich bringt!
00:02:37: Vorgestellt und veröffentlicht worden ist sie wie gesagt auf dem ESC-Kongress in München und die wichtigsten kardiologischen Fachgesellschaften der ganzen Welt haben daran mitgearbeitet.
00:02:46: Was hat sich geändert?
00:02:49: Zunächst die Grenzwerte für den Troponinspiegel.
00:02:52: Da wurde bisher das Geschlecht gar nicht berücksichtigt, was dem Kenntnisstand aber nicht mehr gerecht geworden ist.
00:02:57: Noch mal zur Erinnerung – der Troponin-Spiegel zeigt an ob der Herzmuskel überhaupt geschädigt worden ist.
00:03:04: Beim Verdacht auf ein Herzenfakt wird deswegen das Troponinen im klinischen Alltag als der wichtigste Marker überhaupt bestimmt!
00:03:11: Unsere Expertin Kristin Newby, eine der Autorinnen der neuen Definition erklärt uns warum nun das Geschlecht beim Troponinspiegel mitteinfließt.
00:03:22: Der Grund dafür ist dass der Troponinspiegel bei Frauen über das gesamte Leben hinweg niedriger ist als beim Männern.
00:03:29: Wenn wir für beide Geschlechter denselben oberen Normalwert verwenden, besteht deshalb die Gefahr Herzmuskelschäden bei Frauen zu übersehen und damit möglicherweise auch Herzinfarkte nicht zu diagnostizieren.
00:03:44: Das heißt also... Es wird eine Reihe von Frauen geben, bei denen nach früheren Kriterien anhand des Troponins der Herzenfakt nicht diagnostiziert worden ist.
00:03:52: Aber nun kann bei ihnen ein Herzinfarkt allein schon aufgrund des Troponie-Spiegels diagnostiziert werden mit allen Vorteilen für Frühtherapie und Prognose.
00:04:01: Es gibt noch eine zweite Änderung in der neuen Definition, von der Frauen ebenfalls profitieren – und zwar werden Herzinfakte nun in drei Ursachenkategorien eingeteilt Erstens infarkte durch ein akutes Problem direkt in einem Herzkranzgefäß.
00:04:16: Zweitens infirkte, die im Zusammenhang mit einer anderen schweren Erkrankung entstehen weil der Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt.
00:04:25: und drittens infirkten als Folge eines medizinischen Eingriffs am Herzen.
00:04:29: Die erste Kategorie – das akute Problem.
00:04:31: in einen Herzkransgefäße ist meist ein Blut gerinselt nach dem Aufbrechen einer Gefäßablagerung.
00:04:37: Es gibt aber auch seltenere Ursachen, etwa eine spontane Aufspaltung der Gefäßwand die besonders bei jüngeren Frauen vorkommt.
00:04:45: Und das hat Konsequenzen wie unsere Expertin Christian Ubi erklärt.
00:04:52: Indem wir diese Form nun den primären Herzinfarkten zuordnen – also der Kategorie in die alle akuten Erkrankungen der Herzkranzgefäße fallen sowohl die Häufigen als auch die Seltenen Hoffen wir, dass Ärztinnen und Ärzte häufiger die notwendige Bildgebung einsetzen um die genaue Ursache festzustellen.
00:05:10: Dadurch werden diese Fälle besser dokumentiert – und wir können sie auch wissenschaftlich besser untersuchen!
00:05:17: Und dort wo es heute noch keine spezifischen Therapien gibt, können wir künftig möglicherweise gezieltere und individuellere Behandlungen entwickeln.
00:05:25: Das könnte gerade bei selteneren Herz- und Faktformen ein großer Fortschritt sein… Insbesondere bei der spontanen Coronar-Aterien des Sektions, die bei Frauen häufiger vorkommt.
00:05:45: Aber nicht nur Frauen werden von der neuen Einteilung profitieren – Die Vereinfachung und die neue Einteilen orientiert sich stärker daran was den Infarkt tatsächlich verursacht hat!
00:05:54: Das soll Diagnose und Kommunikation im klinischen Alltag erleichtern, die unterschiedlichen Infarktformen besser dokumentierbar machen und langfristig helfen, Therapien gezielter an jeweiligen Ursachen auszurichten.
00:06:07: Eine weitere Neuerung der neuen fünften Definition ist – Die ExpertInnen-Gruppe hat gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation neue ICD-Elfcodes vorgeschlagen.
00:06:17: Also eigene Kennziffern für die verschiedenen Herzinfarkttformen!
00:06:20: Damit könnten diese künftig genauer erfasst und ausgewertet werden.
00:06:24: Das wäre vor allem bei seltenen Formen wichtig, so ließe sich besser untersuchen wie häufig die tatsächlich auftreten und welche Behandlungen besonders wirksam
00:06:33: sind.".
00:06:34: Was bringt uns allen also die neue Definition?
00:06:37: Sie ist praxisnäher – und das ist zu begrüßen!
00:06:40: Christian Newby drückt das so aus...
00:06:44: Ich denke, diese neue Definition ist deutlich einfacher und intuitiver.
00:06:48: Die drei Kategorien passen besser zu dem was wir in der klinischen Versorgung tatsächlich tun und sie bilden besser ab was beim einzelnen Patienten wirklich passiert ist.
00:06:58: Das erleichtert auch die Gespräche mit den Betroffenen und ihren Familien weil Sie besser verstehen können welche Art von Herzinfarkt sie hatten oder was passiert ist wenn es doch kein Herzinfakt war.
00:07:09: Ich glaube deshalb, dass diese neue Einteilung nicht nur für Spezialistinnen und Spezialisten hilfreich sein wird sondern auch für allgemeine KardiologInnen sowie für Patientinnen selbst.
00:07:31: Das ist doch ein schönes Schlusswort!
00:07:33: Eine neue Definition für den Herzenfakt von der alle profitieren.
00:07:39: Das war ein Dosiswissen für heute.
00:07:41: Die nächste Folge gibt's wie gewohnt morgen ab sechs Uhr in der Früh überall da, wo ihr Podcasts findet!
00:07:47: Für uns von der Apothekenumschau ist diese Woche eine besondere Woche denn es ist Deutscher Apothekertag im München.
00:07:55: Da spricht heute am Dienstag der frisch gebackene Gesundheitsminister Carsten Linnemann von der CDU anlässlich der Eröffnung des Deutschen Apothekertages und wir von der Dosis Wissen berichten für euch direkt hier vom Deutschen Apothekertage in München.
00:08:10: Das Ganze könnt ihr hören, morgen ab sechs Uhr in der Früh in der dann aktuellen Folge.
00:08:16: Ich werde mit meiner Kollegin Stephanie Schersch aus dem Berliner Büro der Apothekenumschau sprechen.
00:08:21: Sie ist die Leiterin unseres Ressorts Politik bei der Apothekenumschau und die Expertin für die gesundheitspolitischen Details.
00:08:29: Es wird unter Umständen spannend, was Carsten Lindemann hier den Apothekerinnen und Apothekern zu sagen hat.
00:08:35: In jedem Fall erfahrt ihr das morgen ab sechs Uhr in der Früh bei eine Dosis Wissen.
00:08:40: Danke dass ihr uns hört Ein Podcast
00:08:44: von Gesundheit hören
00:08:47: und
00:08:48: Apothekenumschau Pro.
00:08:55: Gesundheit hören!
00:08:56: Das ist das Audioangebot der Apothekeumschau.
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