Koronarangiografie mit KI: Ersetzt Software die FFR-Messung?

Shownotes

Mittelgradige Koronarstenosen sieht man im Angiogramm. Ob sie Patient:innen funktionell bedrohen, sagt das Bild allein nicht. Die fraktionelle Flussreserve (FFR) gilt als Goldstandard, erfordert aber meist Druckdraht und Hyperämie. Zwei neue Studien prüfen nun angiografiebasierte, KI-gestützte Alternativen ohne Draht. Sind sie bereits in der Routine einsatzfähig? Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, mit Antworten.

Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Steffen Massberg und Prof. Dr. Tommaso Gori

Stand: 21. September 2026

Quellen und nützliche Links

  • Studie zur angiografisch abgeleiteten fraktionellen Flussreserve zur Steuerung der PCI (engl.; DOI: 10.1056/NEJMoa2600949)
  • Studie zur angiografiebasierten Physiologie zur Steuerung der koronaren Revaskularisation (engl.; DOI: 10.1056/NEJMoa2601841)

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sebastian Brodkorb, Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH


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Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:04: Die Flussdrahtmessung ist der Goldstandard, wenn es um die Bewertungen von Herzkranzgefies Stinosen geht.

00:00:14: Gibt es da ein schnelleres, schonenderes und mindestens so effektives Verfahren?

00:00:20: Das haben sich jetzt zwei neue Studien angeschaut, die eben softwaregestützte Verfahren untersucht haben!

00:00:35: Guten Morgen.

00:00:36: Willkommen zu einer Dosis.

00:00:37: Wissensfreut mich sehr, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:43: Uns hört ihr jeden Werktag ab sechs Uhr in der Früh mit einem Thema für euch in schnellen zehn Minuten.

00:00:50: Mein Name ist Laura Weißenburger und ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin im Team der

00:01:02: Apothekenumschau.

00:01:05: Und wir schauen uns heute für euch zwei neue, allerdings auch herstellefinanzierte Studien an.

00:01:13: Die sind im New England Journal of Medicine erschienen und zwar im Juli zwanzig sechsundzwanzig – das war im Print!

00:01:20: Online sind sie schon ein bisschen länger einsehbar und natürlich über diesen Wege auch aufwindbar über unsere Shownotes.

00:01:28: Da findet ihr die Links.

00:01:30: Und wir haben uns nicht nur diese beiden Studien angeschaut, die eben die Flustrad-Messung mit einer softwaregestützten Methode vergleichen.

00:01:39: Sondern auch noch mit zwei Experten darüber gesprochen wie sie die Sache sehen und zwar einmal mit Steffen Masberg er ist Direktor der medizinischen Klinik und Polyklinik eins am LMU Klinikum und mit Tomaso Gori.

00:01:54: er leitet das Herzkartitelabor an der Universitätsmedizin in Mainz.

00:02:00: Masberg sagte, das kann ich schon als erste Einschätzung verraten.

00:02:05: Kein Draht bedeutet weniger Risiko und ohne Hyperämie ist die Untersuchung angenehmer für die Patienten.

00:02:13: Man würde außerdem nach seiner Meinung Zeit, Kosten und potenziell Kontrast mittelsparen.

00:02:19: Das sieht er alles als Vorteile an.

00:02:22: Klingt vielversprechend – wir gucken uns das genauer an zum ersten Kaffee des Tages!

00:02:32: In einer Angiografie werden häufig eher die mittelgradigen Coronastinosen entdeckt.

00:02:40: Jetzt stellt man sich sofort die Frage, was heißt den Mittelgradig?

00:02:44: in der einen Studie?

00:02:45: In fast drei war das definiert als dreißig bis achtzig Prozent.

00:02:49: In der All-Rise-Studie lag die Definition bei fünfzig bis neunzig Prozent Durchmesserstinose.

00:02:56: Ihr seht also da geht es schon ein bisschen auseinander.

00:02:59: Aber die funktionelle Bedeutung von diesen mittelgradigen Stinosen und damit natürlich auch das Infarkrisiko, was dann eventuell daraus resultiert.

00:03:09: Das bleibt meistens unklar!

00:03:11: Deshalb braucht man eben zusätzlich zur Angiografie – meistens bisher noch die Druckdrahtmessung der Fraktionen Flussreserve FFR – zusätzlich zu Katheteruntersuchungen.

00:03:25: Masberg erklärt es folgendermaßen.

00:03:27: Die drahtbasierten Methoden haben Nachteile, erstens werden spezielle Drehtipp nötigt und sind dementsprechend teuer.

00:03:34: Sie können Gefäßverletzungen verursachen – auch wenn das sehr selten vorkommt!

00:03:38: Der Draht muss unter Röntgenkontrolle platziert werden, man braucht außerdem Kontrastmittel um die Lage zu prüfen….

00:03:45: Und man muss bei der klassischen FFR ein adenosin-ähnliches Medikament geben, dass eine Hyperämie induziert.

00:03:53: Wenn ihr euch erinnert, davon hab ich ganz am Anfang kurz gesprochen.

00:03:57: Das kann bei manchen Patienten Atemnot und Unwohlsein verursachen.

00:04:01: Und letztlich ist die Platzierung des Druckdrahts ein zusätzlicher Schritt, der einfach Zeit kostet.

00:04:08: Wer in der Kardiologie arbeitet weiß, dass es seit einigen Jahren zwar im Verfahren, nämlich die Instantaneous Wave-free Ratio gibt das ohne Hyperämieauslösendes Medikament auskommt Aber natürlich bleiben die anderen Nachteile weiterhin bestehen.

00:04:25: Und deshalb schauen wir uns jetzt heute an, was die Entwicklung einer speziellen Software zur Funktionsmessung einer Stinose leisten kann!

00:04:35: Erster Blick auf die Allrise-Studie.

00:04:39: Das ist eine multizentrische Nichtunterlegenheitsstudie, die in mehreren Ländern mit Insgesamt fast zweitausend Patientinnen und Patienten durchgeführt wurde.

00:04:49: Durchschnittsalter lag bei achtundsechzig Jahren, Frauenanteil würde ich mir wie immer ein bisschen höher wünschen, lag bei einem Viertel.

00:04:56: Und es lag mindestens eine mittelschwere Corona-Atherienstinose bei den Betroffenen vor.

00:05:03: Randomisiert wurde entweder in die klassische Druckdrahtmessung oder das Software gestützte FFR Angio System.

00:05:12: Das schätzte die FFR aus, ihr ahnt es vielleicht schon, Angiografie-Bildern.

00:05:18: Als primärer Endpunkt wurde definiert Tod, Murkartinfarkt oder ungeplante klinisch indizierte Coronarevascularisation nach einem Jahr.

00:05:28: Diese ganzen Ereignisse lagen bei ... Und auch wenn man sich die sekundären Endpunkte anschaut, zum Beispiel die Sterblichkeit oder Herzinfarkte und geplante Rheavascularisierung lagen sie immer ziemlich nah beieinander.

00:05:49: Insgesamt dauerte der Eingriff in dieser Studie im Median neununddreißig statt viertzig Minuten bei der FFF-Angio, die Fluoroskopie neun statt zwölf Minuten und Kontrastmittel wurden hundert statt hundertfünf Milliliter gegeben.

00:06:05: Und was man vielleicht auch noch ergänzen sollte, in der FFR-Angie-Gruppe wurden mehr Lesionen mit einer PCI behandelt.

00:06:11: Nämlich ... Das war die erste Studie.

00:06:17: Jetzt schauen wir ganz kurz auf die FAST III-Studie.

00:06:20: Da wurde vor allen Dingen europäische Zentren miteinbezogen.

00:06:25: Fast vierzig Stück über zwei tausend zweihundert Teilnehmende alle hatten logisch ein chronisches Corona-Syndrom eine instabiler Angina pectoris oder ein Enstemi, mit einer Stehnose von dreißig bis achtzig Prozent.

00:06:38: Mit einem nativen Gefäß von mindestens zwei Komma fünf Millimeter Durchmesser.

00:06:44: Verglichen wurde hier der Druckgrad mit der Gefeß.

00:06:47: FFRDese berechnet den schwere Grad ebenfalls aus drei-dimensionalen Angiogrammbildern.

00:06:55: Primärer Endpunkt – wieder sehr ähnlich tot, Myocardinfarkt oder Revaskularisierung nach einem Jahr.

00:07:01: Dieser lag bei sieben Komma fünf Prozent in beiden Gruppen.

00:07:06: Auch hier die sekundären Endpunkte, Gesamtsteblichkeit, Standromose

00:07:11: etc.,

00:07:12: sehr sehr ähnliche Raten.

00:07:13: Die Eingriffszeit lag auch ziemlich nah beieinander, sechsundfünfzig gegen über Sechszehn Minuten.

00:07:21: Aber in der Gefäß-FFR-Gruppe wurden mehr Patientinnen und Patienten rewaskularisiert Und auch mehr Stens pro Patientin gesetzt.

00:07:32: Und jetzt hören wir mal, was die Experten dazu sagen zu diesen Ergebnissen.

00:07:36: Steffen Maasberg meinte das neue Verfahren führt in seinen Angen zu mehr Stand-Inplantationen um die gleichen Endpunkte zu erreichen.

00:07:45: Das heißt der Goldstandard, die FFR hat das gleiche Ergebnis erreicht aber mit weniger Stens.

00:07:51: Das neue Verfahr ist möglicherweise also weniger spezifisch.

00:07:55: Es könnte mehr Stenosen als relevant einstufen, die die FFR als nicht so relevant sieht.

00:08:03: Die Software meinte er scheint ja besonders gut zu funktionieren bei Stenose der Vorderwandarterie.

00:08:09: Andere Gefäßterritorien scheinen schwieriger damit zu beurteilen zu sein?

00:08:15: Eine wichtige Einschränkung beider Studien sieht er definitiv auch in Erfinanzierung, die durch die Softwareentwickler erfolgte – in diesen beiden vorliegenden Studien!

00:08:26: Tomaso Gori sagte zu den Ergebnissen, er sieht eine wesentliche Limitation in der Abhängigkeit von Bildqualität und standardisierter Akquisition.

00:08:36: Insbesondere bei der retrospektiven Auswertung bereits vor Hander-Angiografiefilme also genau in dem Szenario, indem er den größten praktischen Nutzen erwarten würde ist die Performance deutlich eingeschränkt.

00:08:51: Diese Methoden sind nur dann sinnvoll, so meinte er wenn sie direkt in das Röntgensystem integriert und unmittelbar nach Bild Akquisition verfügbar sind.

00:09:01: Steffen Maasberg betont nochmal ja die New England Journal Medicine.

00:09:05: Studien zeigen nicht Unterlegenheit aber mit methodischen Grenzen.

00:09:10: Sponsoring ein Problem einer heterogene Vergleichsgruppe mehr behandelte Lesionen im neuen Verfahren Und Gori ergänzte dazu.

00:09:19: letztlich bleibt die Frage, ob die gezielte Nichtunterlegenheit nicht zumindest teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Ereignisrate bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Coronasyndrom insgesamt einfach niedrig ist.

00:09:34: Was ist also das Fazit für die Folge von diesen beiden Studien?

00:09:39: Zwei angiografierbasierte drahtlose Verfahren zur funktionellen Lesionsbeurteilung wahren der etablierten FFR definitiv nicht unterlegen, zumindest im Studien-Setting.

00:09:50: Aber Masberg meinte auch noch bleibt für ihn die FFR der Goldstandard?

00:09:55: Hat einfach sie stärkste Evidenzbasis.

00:09:59: EFR oder RFR sind für ihn akzeptable Alternativen aber mit schwächerer Evidenzen.

00:10:05: Neue Angiografie basierte Softwareverfahren sieht er als vielversprechend an.

00:10:10: Einfach weiß ich schneller weniger invasiv kostengünstiger und so weiter.

00:10:14: Aber zum Routineinsatz müssen für ihn noch einige Fragen geklärt werden.

00:10:19: Er sieht diese Studien schon als zwei wichtige Meilensteine an, er erwartet auch durchaus eine zunehmende Anwendung in großen Zentren.

00:10:28: aber routinemäßig sieht er das nicht nur im Rahmen von Studien und davon betont er auch braucht es natürlich noch weitere.

00:10:35: die Spezifität muss noch besser werden Und die Anwendungen verschiedenen Gefäßterritorien muss einfach auch validiert werden.

00:10:47: Das war eure Dosis Wissen für heute.

00:10:50: Ich danke euch sehr fürs Zuhören und wenn euch der Podcast gefällt, und ihr solltet ihn noch nicht abonniert haben dann tut das doch jetzt gleich, dann verpasst ja auch keine Folge mehr

00:11:05: von uns!

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