ADHS und Autismus: Risikoprofil von Kindern wandelt sich

Shownotes

Die Zahl der Diagnosen von ADHS und Autismus unter Kindern und Jugendlichen ist in vielen westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Möglicherweise steckt dahinter eine bessere Erkennung. Es könnte aber auch an Veränderungen liegen, welche Kinder überhaupt eine Diagnose erhalten. Nun hat eine große dänische Registerarbeit unter die Lupe genommen, welche Risikomerkmale Kinder und Jugendliche bereits vor ihrer Diagnose aufweisen und wie sich diese Merkmale im Laufe der Jahre verändert haben. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und ordnet sie ein.

Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Prof. Dr. Manfred Döpfner

Stand: 6. Oktober 2026

Quellen und nützliche Links

  • Aktuelle Studie zu veränderten (Risiko-)Profilen von Kindern mit ADHS oder Autismus (engl.; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2026.2722)

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger; Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf; Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler; Chefredakteur: Dennis Ballwieser; Postproduktion: BEBE Medien GmbH


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Transkript anzeigen

00:00:03: Gesundheit hören.

00:00:04: Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten eine ADHS- oder Autismusdiagnose.

00:00:09: Doch unterscheiden sich diese Kinder von Kindern ohne Diagnose genau so wie früher?

00:00:16: Dieser Frage geht eine aktuelle Studie nach.

00:00:23: Guten Morgen und willkommen zu Ne Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen!

00:00:29: Ne Doses Wissen gibt es werktagsabsexuerender früh in kompakten zehn Minuten.

00:00:33: Ich bin Dennis Balmiser, ich bin Arzt und Chefredakteur der Apothekenumschau.

00:00:37: Heute ist Dienstag, der sechste Oktober, zwei

00:00:43: Tausend sechsundzwanzig.

00:00:49: Es geht um prägediagnostische Merkmale von Kindern und Jugendlichen mit späterer ADHS- und Autismusdiagnose.

00:00:57: Dazu ist eine Studie in Jamas High Tree erschienen im September dieses Jahres.

00:01:03: Die Studie kommt von der Aarhus University in Dänemark.

00:01:06: Wir haben darüber gesprochen mit Manfred Döpfner, er ist Psychologe und Leiter der AG Psychologische Diagnostik und Psychotherapie in der Klinik und Polyklinik für Psychiatriepsychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters Ander Uniklinik in Köln.

00:01:23: Hut euch euren ersten Kaffee des Tages!

00:01:25: Und dann geht's los... Die Prävalenz von ADHS bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland betrug zwei Tausend Dreiundzwanzig drei Komma Sechs Prozent.

00:01:39: Die weltweite Präivalenz von Autismus wird auf Zwischen Null Komma Vier Und Ein Prozent geschätzt.

00:01:46: die Zahl der Diagnosen Von adhs und Autismus Spektrum Störung ist in den vergangenen Jahrzehnten In vielen westlichen Ländern deutlich gestiegen auch in Deutschland.

00:01:58: So gab es etwa.

00:01:58: laut einer Analyse der DHK-Gesundheit im Jahr ist im Vergleich zum Vorjahr rund um fünfzehn Prozent mehr Neudiagnosen bei Kindern.

00:02:10: Umstritten sind die Ursachen, werden beispielsweise einfach mehr Fälle von ADHS und Autismus erkannt als früher oder handelt sich um eine Auffeichung der Diagnosekriterien oder sogar über Diagnosen?

00:02:24: Es gibt Hinweise darauf, dass sich das Risikoprofil der diagnostizierten Personen verändert hat.

00:02:30: Zum Beispiel weisen Personen bei denen die Diagnose erst vor Kurzem gestellt worden ist häufig eine geringere genetische Veranlagung für ADHS oder Autismus auf als diejenigen, bei denen diese Diagnosis bereits früher gestellt wurde.

00:02:46: Die aktuelle Studie in Jamasack High-Tree untersucht die Fragestellung, haben sich die prediagnostischen Merkmale von Kindern und Jugendlichen mit späterer ADHS oder Autismusdiagnose im Laufe der Zeit geändert.

00:03:01: Das Ganze ist eine Beobachtungsstudie, die sich die Daten aus landesweiten dänischen Registerdaten zu Nutze macht.

00:03:08: Eingeschlossen wurden sind mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche, die zwischen nineteen-neunzig und zweitausend zwanzig geboren wurden.

00:03:17: Nahverfolgt worden sind sie dann bis sie achtzehn Jahre alt waren.

00:03:20: Für die eigentliche Analyse werteten die Forscherinnen die Daten von mehr als siebzigtausend Kindern und Jugendlichen aus die zwischen zwei Tausend zwölf und zweitausendzweiundzwanzig, vor ihrem achtzehnten Geburtstag eine ADHS- oder Autismusdiagnose erhalten haben.

00:03:38: Das Ganze wurde dann mit mehr als siebenhunderttausend Kontrollpersonen verglichen.

00:03:44: Die Forscherinnen untersuchten neunzehn Merkmale, die bereits vor der Diagnose erfasst wurden waren.

00:03:50: Dazu zählen zum Beispiel älterliche und familiäre Faktoren wie das Bildungsniveau der Eltern, das Einkommen oder Multimobilität.

00:03:58: Dann geht es um Geburts- und Perinathale Faktoren wie ein niedriges Geburzgewicht, eine Frühgeburtlichkeit.

00:04:04: Und das Alter der Eltern bei der Geburt.

00:04:07: Die Studie gehört zu einer Reihe von den dänischen Registerstudien die denen haben den Vorteil dass sie also sehr systematische Register erheben über lange Zeit inzwischen dadurch sehr große Fallzahlen haben Population fast vollständig erfasst wird.

00:04:28: Also insofern ist das ein sehr gutes methodisches Merkmal, die Stichprobe ist ja auch sehr groß.

00:04:34: riesige Stichroben, die da untersucht wurden also Kinder, die die Diagnose ADHS irgendwo herbekommen haben von Erzl jaseits und verglichen mit einer Kontrollgruppe.

00:04:47: natürlich ist eine Limitation es ist eine reine Beobachtungsstudie.

00:04:52: Das sagt unser Experte Manfred Döpfner zu dieser Untersuchung.

00:04:56: In den Ergebnissen zeigt sich, dass sich die jährliche Zahl der Neudiagnosen im Untersuchungszeitraum fast verdoppelt hat.

00:05:03: Bei später diagnostizierten Personen war die Wahrscheinlichkeit höher das ihre Eltern ein geringeres Einkommen hatten und in einer sozial ökonomisch benachteiligten Lage lebten dass mehr Anzeichen für familiäre Instabilität vorlagen und das vermehrt Geburts- und perinnertale Merkmale auftraten, die mit einem höheren Risiko verbunden waren.

00:05:25: Das zentrale Ergebnis ist – die Unterschiede in den prädiagnostischen Merkmalen zwischen diagnostizierten Kindern und den Kontrollpersonen haben im Untersuchungszeitraum abgenommen.

00:05:37: Die Kinder bei denen später ADHS oder Autismus diagnostiziert worden deutlich häufiger bestimmte prädiagnostische Merkmale als Kontrollpersonen.

00:05:47: Und in den Jahren im Jahr ist es nicht so, dass diese Unterschiede wesentlich schwächer waren.

00:05:53: Um ein Beispiel zu nennen….

00:05:54: In dem Jahr war die Orts-Ratio hinsichtlich niedrigerem Geburtsgewicht bei Kindern und Jugendlichen mit späterer Diagnose bei fünftier.

00:06:09: Gegensatz dazu dann noch bei rund Rund eins Komma Eins Sieben.

00:06:13: Bei den sozu ökonomischen Faktoren war es ähnlich, der Rückgang war bei ADHS stärker ausgeprägt als bei Autismus und besonders ausgeprägbar bei Kindern und Jugendlichen die erst im Alter von zwischen zehn und siebzehn Jahren diagnostiziert worden sind.

00:06:29: Die StudienautorInnen interpretieren das Ganze so – möglicherweise hat sich die Diagnostik unter Zugang zum Gesundheitssystem verändert.

00:06:37: So könnte die Zahl der Diagnosen steigen, wenn heute auch Kinder mit weniger starken oder weniger typischen Risikomerkmalen diagnostiziert werden.

00:06:47: Das bedeutet aber nicht dass ADHS- oder Autismus heute weniger beeinträchtigend wären – die Studie untersucht schließlich welche merkmale Kinder und Jugendliche vor ihrer Diagnose hatten gibt also keine Auskunft darüber wie stark die Erkrankungen bei den einzelnen ausgeprägt gewesen sind.

00:07:05: westlichen Industrienationen macht Manfred Döpfner, unser Experte zwei Trends aus.

00:07:11: Die Häufigkeit mit der die Diagnose gestellt wird ist heutzutage wesentlich höher als die früher war und was man auch sagen kann das geht allerdings über den letzten zehn Jahre hinweg.

00:07:24: Auch die offiziellen Kriterien für eine Diagnosis sind über die letzten zwanzig dreißig Jahre reduziert worden sowohl bei ADHS also auch Autismus.

00:07:35: Und jetzt kann man fragen, ist das jetzt gut oder schlecht?

00:07:39: Ich würde sagen es ist nicht automatisch schlecht.

00:07:42: Mögliche Überdiagnosen kann Manfred Dapfner allerdings nicht ausschließen.

00:07:48: Das heißt Kinder und Jugendliche mit Autismus bzw ADHS Diagnose gleichen vom Risikoprofil her.

00:07:55: immer mehr Personen ohne eine solche Diagnose?

00:07:59: Der Grund dafür ist unklar.

00:08:01: Möglicherweise hängt es mit veränderten Diagnosen-Gewohnheiten zusammen!

00:08:37: Gesundheit hören.

00:08:39: Das ist das Audioangebot der Apothekenumschau.

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