US-Preisgestaltung: Medikamente hierzulande bald teurer?

Shownotes

Die USA wollen die hohen Arzneimittelpreise in der staatlichen Krankenversicherung stärker an Preisen anderer wohlhabender Länder ausrichten. Nach einem neuen Modell sollen Hersteller für bestimmte Medikamente höhere Rabatte gewähren, wenn ihre US-Preise über internationalen Vergleichswerten liegen. Eine neue Modellierungsstudie berechnet, dass die staatliche Krankenversicherung Medicare Milliarden Dollar einsparen könnte. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Hersteller als Reaktion in europäischen Ländern die Preise anheben oder Medikamente dort später auf den Markt bringen würden. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, stellt die Studie vor und geht auf mögliche Folgen für Deutschland ein.

Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Prof. Dr. Dr. Afschin Gandjour

Stand: 13. Oktober 2026

Quellen und nützliche Links

  • Aktuelle Studie zu den Folgen einer neuen Preisgestaltung für Arzneimittel in den USA (engl.; DOI10.1016/S0140-6736(26)01555-2)
  • US-Centers for Medicare & Medicaid Services. GLOBE-Modell zur Preisgestaltung (engl.)
  • US-Centers for Medicare & Medicaid Services. GUARD-Modell zur Preisgestaltung (engl.)

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger; Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf; Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler; Chefredakteur: Dennis Ballwieser; Postproduktion: BEBE Medien GmbH


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Transkript anzeigen

00:00:03: Gesundheit hören.

00:00:04: In den Vereinigten Staaten von Amerika der Kostenmedikamente häufig sehr viel mehr als in Europa, das will die US-amerikanische Regierung mit sogenannten internationalen Referenzpreisen ändern.

00:00:19: Die Frage ist ob dieser Preisdruck folgen auch für andere Nationen wie zum Beispiel Deutschland haben könnte?

00:00:31: Guten Morgen und Willkommen zu eine Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:35: Eine Dosis-Wissen gibt es werktags ab sechs Uhr in der Früh in kompaktem zehn Minuten.

00:00:40: Ich bin Dennis Ballwieser ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau.

00:00:44: heute ist Dienstag der dreizehnte Oktober zwei tausendzechsundzwanzig.

00:00:49: ein Podcast von Gesundheit hören apotheken umschau pro.

00:00:56: Es geht in einer Lancet-Veröffentlichung um den Einfluss der US-Preisgestaltung auf Medikamentenpreise, sowohl in den USA als auch in Europa.

00:01:06: Das Ganze ist im Lancet im September zwanzigundzwanzig erschienen.

00:01:09: wir verlinken euch das in den Show Notes.

00:01:11: die Untersuchung kommt von Thomas Wang vom Brigham & Women's Hospital an der Harvard Medical School in den U.S.A und von Kerstin Lülle Voginger von der Universität Zürich in der Schweiz.

00:01:23: Wir haben über diese Untersuchung mit Afshin Ganshur gesprochen.

00:01:27: Der ist Gesundheitsökonom und Professor für Gesundheitsmanagement an der Frankfurt School of Finance and Management.

00:01:34: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages, dann geht's los!

00:01:42: Es ist unter Health Professionals kein Geheimnis dass die Preise für neue Medikamente in den USA zu den höchsten weltweit gehören.

00:01:51: Ende twenty-fünfundzwanzig hat die US Behörde Centers for Medicare and Medicaid Services.

00:01:56: Das sind die beiden Institutionen, Medical & Medicaid in den USA, die für die meisten Menschen irgendwann im Leben Kosten übernehmen müssen.

00:02:05: Also diese Behörder hat Ende zweitausendzwanzighzwei neue Modelle zur Arzneimittelabrechnung vorgestellt um niedrigere Arzneimentelpreise für Versicherte in diesen staatlichen Versicherungen zu erzielen.

00:02:17: Die Modelle sollen ab Januar, twenty-sevenundzwanzig umgesetzt werden.

00:02:22: Das Ganze nennt sich Most Favourite Nation Preisgestaltung.

00:02:26: Da würde der von Medicare bezahlte Preis für bestimmte Arzneimittel an den Preisen orientieren die für dieselben Medikamente in anderen wohlhabenden Ländern also Industrienationen verlangt werden.

00:02:41: Im Rahmen dieses Zahlungsmodells wären die Hersteller konkret verpflichtet, Medicare zusätzlicher Rabatte zu gewähren wenn die Netto-Preise für Arzneimittel den niedrigsten internationalen Listenpreis in einem Korb von Referenzländern übersteigen.

00:02:57: Und in diesem Korb ist unter anderem Deutschland eingeschlossen!

00:03:04: Das Ganze ist deswegen relevant, weil Medicare nicht irgendein System ist.

00:03:08: Dieses System der Krankenversicherung von der US-Regierung für vor allem ältere und Menschen mit Behinderung versorgt aktuell rund achtundsechzig Millionen Personen.

00:03:20: Und das heißt wenn hier Referenzpreise zu Rate gezogen werden um dann Erstattungspreise in den USA festzulegen, dann wirkt sich das durchaus auf die pharmazeutische Industrie aus.

00:03:32: Das was in The Lancet erschienen ist, ist eine Modellierungsstudie.

00:03:36: Wie hoch die Einsparungen von Medicare mit diesem neuen Modell wären und welche möglichen Folgen das für internationale Arzneimittelpreise und Markteinführungen haben könnte?

00:03:46: Das ist der Grund weshalb es auch für uns in Deutschland interessant ist weil hier das Handeln der US-Regierung für den US-Marktauswirkungen auf die Preise und die Markteinführung von Wirkstoffe in Deutschland haben kann.

00:04:00: Dafür haben die AutorInnen zwei Modelle dieser Most Favouritation-Preisgestaltung modelliert, simuliert.

00:04:07: Einmal das Modell Globe für Medikamente, die in Arztpraxen oder Krankenhäusern verabreicht werden und dann das Model Guard für verschreibungspflichtige Medikamente, die über die Apotheke bezogen werden.

00:04:19: Die AutorInnen werteten fast zweihundert Patentgeschützte Medikamente aus und haben da die US-Preise mit den Preisen in anderen einkommensstarken Nationen verglichen.

00:04:30: Modelliert worden ist dann, welche Einsparungen Medicare in den USA erzielen würde wenn sich die Preisgestaltung am niedrigsten Preis innerhalb dieses Korps von neunzehn Referenzländern darunter Deutschland orientieren würde.

00:04:46: Krokret haben sie die Medicare-Ausgaben und Preise mit geschätzten aktuellen Rabatten, Herstellerpreisen und internationalen Verkaufsdaten verknüpft.

00:04:55: Im Ergebnis zeigt sich, dass unter diesen Modellrechnungen Medicare seine Arzneimittelausgaben deutlich reduzieren könnte – es geht um alleine fünf Milliarden US-Dollar bei dem Modell Globe also das was in den Krankenhäusern passiert und mehr als sechs Milliarden bei dem Guardmodell also dem was über die Apotheken passiert.

00:05:16: Es gibt eine Limitation der Studie, die unser Experte Afshenganjur sieht und zwar dass die Studie nur eine Methode nutzt um den Referenzpreis zu ermitteln.

00:05:25: Statt dem niedrigsten Preis im Ausland zu nehmen könnte man zum Beispiel auch einen internationalen Netto-Durchschnittspreis ermittlen.

00:05:33: Den könnten die Hersteller bei der US Behörde einreichen und so zur Grundlage für die Arzneimittelpreise

00:05:39: machen.".

00:05:45: als der niedrigste Preis im Ausland, der es für dieses Paper verwendet wurde.

00:05:50: Das heißt wenn der Referenzpreis dann höher ist, hier tatsächlich für die Bestimmung der Einsparung verwendete wird, dann sind die Einsparungen geringer von Medikaturen und ich glaube das ist also ihr

00:06:01: Hauptlimitation.".

00:06:03: Soweit Afshinganjo zu dieser Frage!

00:06:06: Ein weiteres Ergebnis der Studie ist dass bei rund siebzig Prozent der untersuchten Medikamente mit verfügbaren internationalen Verkaufzahlen die theoretische Einsparung beim Mediker so groß wäre, dass sie das gesamte jährliche Umsatzvolumen des jeweiligen Medikaments im Referenzland übersteigen würde.

00:06:26: Also nochmal!

00:06:27: Wenn man das so umsetzen würde und man nimmt jetzt jeweils das Referenz-Land aus dem der Preis kommt mit dem sich Mediker dann vergleicht, dann würde in den USA mehr Geld eingespart werden als in dem Referenz Land das Medikament überhaupt Umsatz macht.

00:06:45: Und das bedeutet für die Hersteller einen enormen wirtschaftlichen Anreiz, ihre Preis- und Markteinführungsstrategien international anzupassen.

00:06:54: Dazu diskutieren die AutorInnen verschiedene mögliche Maßnahmen der Herstelle.

00:06:59: Wenn zum Beispiel die USA niedrigere Preise aus anderen Ländern als Referenz nehmen?

00:07:04: könnten Pharmaunternehmen versuchen, die Preise in den Referenzländern anzuheben.

00:07:10: Das heißt bei uns könnten in Deutschland die Preisen für Medikamente steigen sollen.

00:07:14: aus Sicht der Hersteller – müsste man erst nochmal umsetzen können – damit in den USA der Abschlag nicht so dramatisch ins Gewicht fällt.

00:07:23: Eine andere mögliche Reaktion wäre es ein Medikament in bestimmten Referenz Ländern später auf den Markt zu bringen oder dort zunächst gar nicht anzubieten, durch solche verzögerte Markteinführungen würden die Pharma-Unternehmen verhindern, die niedrigeren Preise dieser Länder auch in den USA anbieten zu müssen.

00:07:42: Also beispielsweise wird in Deutschland ein Medikament gar nicht mehr eingeführt weil befürchtet wird dass der Referenzpreis in Deutschland zu niedrig für den US Markt ist und das will man sich als Vorlage nehmen um dann in den aufgedrückt zu bekommen Aussicht der pharmazeutischen Unternehmen.

00:08:00: Wir wollten von unserem Experten Afringanjur wissen, wie sich das für Deutschland auswirken könnte?

00:08:05: Ich würde sagen die Auswirkung dürfte eher überschaubar sein bis keine Auswirkungen weil wenn ich jetzt sage mal den niedrigsten Preis im Ausland nehme als Referenzpreis für die USA es ist dann also nach dem Lancet Paper ist das am häufigsten Südkorea der Fall.

00:08:24: Wenn der Hersteller

00:08:49: Das ist jetzt der Vergleich mit den Fakten, da liegt Deutschland nämlich im Schnitt bei den Preisen eher im Mittelfeld.

00:08:56: Dann ist die Frage, wie sieht es mit einem drohenden verzögerten Markteintritt in Deutschland aus?

00:09:24: Von deutscher Seite, also in Deutschland ist der Mais erst mal so nicht viel zu befürchten.

00:09:30: Das heißt hier wäre es unter Umständen ein Glück dass Medikamente in Deutschland nicht günstiger sind als in anderen Nationen.

00:09:38: Ein Glück nur im Zusammenspiel dieser Preisfindungsgestaltung nach den Vorstellungen der US-Regierung.

00:09:46: Jetzt muss man erstmal abwarten ob sich dieses bisher vorgeschlagene neue Modell der Preisgestaltung für die Arzneimittelpreise in den USA tatsächlich so durchsetzt, ob das umgesetzt wird.

00:09:57: Und dann ist es wirklich spannend was passieren wird auf dem Weltmarkt wie die pharmazeutischen Unternehmen reagieren.

00:10:04: sollte das tatsächlich so kommen erfahrt ihr natürlich hier bei eine Dosis Wissen.

00:10:13: Das war eine Doses Wissen für heute.

00:10:15: Die nächste Folge gibt's morgen ab sechs Uhr in der Früh überall da wo Ihr Podcast findet.

00:10:20: Wenn ihr jetzt noch ein paar Minuten Zeit habt, dann lege ich euch auch heute die aktuelle Folge.

00:10:24: Frau Doktor Übernehmen Sie mit meiner Kollegin Julia Rotherbel ans Herz.

00:10:28: Julia unterhält sich mit Laura Weißenburger von Ne Dosis Wissen über unser Mate Two-Symposium Ende September in Berlin – eine halbe Stunde, die sich für alle Menschen im Gesundheitswesen wirklich lohnt!

00:10:41: Frau Dokta Übernehmen sie findet ihr überall da wo ihr Podcast hört und auch Frau Dokte Übernehmen ist natürlich kostenfrei.

00:10:49: Danke, dass ihr eine Dosis wissen hört.

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