Retinachip: Sehen trotz fortgeschrittener Makuladegeneration

Shownotes

Ein zwei mal zwei Millimeter großer Chip unter der Netzhaut, eine Spezialbrille mit Kamera und ein externer Prozessor: Das PRIMA-System soll Menschen mit fortgeschrittener geografischer Atrophie einen Teil des verlorenen zentralen Sehvermögens zurückgeben. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau erklärt, wie die Technik funktioniert und für wen sie infrage kommt. Außerdem geht es um die aufwendige Sehrehabilitation, die bisher wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland und die noch ungeklärte Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Prof. Dr. med. Frank Holz
 Stand: 19. Oktober 2026

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Stand: 19. Oktober 2026

Quellen und nützliche Links

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger; Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf; Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler; Chefredakteur: Dennis Ballwieser; Postproduktion: BEBE Medien GmbH


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Transkript anzeigen

00:00:03: Gesundheit hören.

00:00:04: Das Ding, um das es heute geht ist gerade mal zwei Millimeter lang und breit und nicht einmal Null Komma Null drei Millimeter dick ein winziger Chip der unter die Netzhaut implantiert wird und Menschen wieder besser sehen lässt.

00:00:23: Das ist keine Science-Fiction, sondern eine seit Kurzem in Deutschland zugelassene reguläre Therapiemethode für eine bestimmte Form der altersbedingten Makulati Generation.

00:00:37: Guten Morgen und willkommen zu Ne Dosis Wissen – dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen!

00:00:42: Ne Doses Wissen gibt es Werktags ab sechs Uhr in der Früh in kompakten zehn Minuten.

00:00:46: Ich bin Dennis Ballwieser, ich bin Arzt und Chefredakteur der Apothekenumschau.

00:00:50: Heute ist Montag, der neunzehnte Oktober zwei tausend sechsundzwanzig.

00:01:02: Dieser neue Netzhautchip, das Akronym dafür lautet prima.

00:01:07: Es steht für Photovoltaik Retina Implant Microarray kann Patientinnen mit geografischer Atrophie einer fortgeschrittenen trockenen Variante der altersabhängigen Makula Degeneration einen Teil ihres Seevermögens wiedergeben.

00:01:24: Dieser neue Chip, der Prima ist auf dem Jahreskongress der Deutschen Ofthalmologischen Gesellschaft im September vorgestellt worden und er darf tatsächlich seit wenigen Wochen in Deutschland eingesetzt werden.

00:01:38: Wir haben dazu mit Frank Holz gesprochen.

00:01:40: Der ist Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und er ist der Erstautor der Zulassungsstudie für diesen Chip.

00:01:49: Er blickt für euch im Gespräch mit eine Dosiswissen erst einmal in die Vergangenheit zurück und dann auch in die Zukunft voraus.

00:02:10: extrem lange OP-Zeiten, hohe Komplikationsraten.

00:02:13: Und das ist glaube ich wirklich ein Gamechanger, dass der Chipfoto-Voltaisch die Energie aus der Sicht von außen holt keine Kabel mehr verlegt werden müssen, keine Löcher mehr in den Augenband sind.

00:02:23: Das ist eigentlich der Fortschritt und jetzt nachdem das gezeigt wird es funktioniert.

00:02:26: im Prinzip Ist natürlich auch eine Startung gegeben für weitere Verbesserungen und Entwicklung.

00:02:32: Wir sind also schon mitten in der Zukunft angekommen.

00:02:35: Holt euch euren ersten Kaffee des Tages!

00:02:37: Dann geht's los.

00:02:43: Mehr als ein Drittel der seventy- bis vierundachtzigjährigen hat tatsächlich eine Frühform der altersabhängigen Makula Degeneration, kurz AMD.

00:02:54: Etwa fünf Prozent sind in dieser Alterskohorte bereits in einem der Endstadien der AMD angekommen.

00:03:01: Die Makula wird geschädigt klar das heißt Menschen mit einer AMD können zunehmend weniger scharf sehen.

00:03:08: Eine Spätform dieser trockenen AMD ist die Geografische Atrophie.

00:03:14: Dabei sterben in der Makula nach und nach die lichtempfindlichen Seezellen ab, und wenn die Atrophi dann das Zentrum der Makulare erreicht – also die Fovea den Ort des schärfsten Sehens -, dann entsteht mitten im Blickfeld ein Bereich, in dem Betroffene immer schlechter oder schließlich gar nicht mehr sehen können.

00:03:32: In Deutschland sind rund vierhunderttausend Menschen von einer solchen geografischen Atrophy betroffen Und für diejenigen, bei denen die Erkrankung besonders fortgeschritten ist gibt es jetzt diese neue Therapie den Chip Prima.

00:03:48: Das ist tatsächlich ein sehr kleiner Teil der Betroffenen Die Bedingungen für die Behandlung mit Prima sind ausführlich.

00:03:57: Erstens muss die Erkrankung weit fortgeschrittend sein Dann müssen die Patientinnen mindestens sechzig Jahre alt sein.

00:04:04: Es müssen beide Augen betroffen sein Im zu operierenden Auge muss die Atrophie das Seezentrum einschließen und die Sehschärfe muss bereits sehr stark vermindert sein.

00:04:17: Und die Patientinnen müssen motiviert genug sein, um die Rehabilitation nach der OP vollständig durchzuführen.

00:04:25: Ihr hört da schon heraus – Das soll vor schnelle Behandlungsversuche abwehren, also nur wirklich schwer Betroffene die auch schon ein gewisses Alter erreicht haben und bei denen die Motivation stimmt.

00:04:37: Wir wollten von Frank Holz wissen wie viele der vierhunderttausend Menschen mit geografischer Atrophie diese Kriterien erfüllen?

00:04:44: Also es gibt leider keine exakte Datengrundlage dafür, die fehlt einfach.

00:04:49: Es sind sicherlich tausende Patienten da würde ich mich unkern festlegen viele genau.

00:04:54: man muss das dann einmal runterbrechen.

00:04:56: nicht alle die jetzt morphologisch also vom Ausprägungsgrad die Kriterien erfüllen eignet sich auch für die Implantation.

00:05:04: und Jetzt schauen wir uns mal die Technologie an.

00:05:07: Der Patient oder die Patientin erhält nicht nur einen Chip implantiert, sondern auch noch eine spezielle Brille.

00:05:14: Vorne an der Brille ist eine kleine Kamera befestigt – die nimmt auf was auch der die Brille tragende Mensch gerade anschaut und schickt diese Bildinformationen an einem kleinen externen Prozessor und der bereitet das Bild dann auf!

00:05:31: Das heißt, man kann als Nutzerin selbst unter anderem Kontrast Helligkeit oder Vergrößerung einstellen.

00:05:39: Dieses verarbeitete Bild projiziert die Brille schließlich mit unsichtbaren Nahinfrarotlicht auf den Chip unter der Netzhaut.

00:05:49: Dieser Chip hat dreihundert achtundsiebzig kleine fotovoltaische Pixel, die wandeln das Infrarotlicht in elektrische Impulse um und reizen damit noch erhaltene Nervenzellen der Netzhaut.

00:06:02: Von dort werden die Signale über den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet – erst da entsteht dann der Seeeindruck!

00:06:11: Wir wollten von Frank Holz wissen wie gut dieses komplizierte Verfahren in der Praxis funktioniert?

00:06:18: Der Chip implantiert ist ein komplett blinder Fleck im zentralen Gesichtsfeld.

00:06:23: Die Erkrankung führt nicht zur Vollständigerblindung, dieses sogenannte Peripherasein bleibt erhalten aber das ist extrem schlecht in der Auflösung.

00:06:32: da kann man nicht lesen mit keinem Wörter erkennen keine Gesichter erkennen.

00:06:35: und jetzt am operierten Auge kann dort wovor nichts gesehen worden ist wieder was gesehen werden.

00:06:43: Und hier ist auch die Besonderheit, dass die Patienten in der Lage sind Kontrast, Helligkeit und Zoom zu regulieren mit einem Handprozessor.

00:06:51: So das jeweils was sie sehen wollen oder welche Buchstaben wird es sich sehen wollen, die das attestieren können.

00:06:57: Patientinnen, die vorher Zahlen- und Worte nicht mehr lesen konnten, können das also dann wieder?

00:07:02: Frank Holz ordnet das so ein...

00:07:04: In der Zulassungsstudie konnten das über achtzig Prozent der Patienten in der Tat wiederlesen, aber dass es nicht ganz so ein schnelles flüssiges Lesen wie wir es gewohnt sind und die Patienten würden jetzt wahrscheinlich da keinen dicken Schmöger lesen wollen damit.

00:07:18: Aber im Alltag gibt's ganz andere Dinge man will Überschrift von Zeitung, man will in der Küche anzeigen vom Ofen oder Mikrowelle lesen.

00:07:24: Man will Straßenschilder lesen, man wird am Bahnhof Gleise lesen.

00:07:28: also für solche visuellen Aufgaben ist es quasi geeignet.

00:07:32: Aber dafür müssen die Patientinnen nach der OP eine ziemlich aufwendige See-Reha machen.

00:07:39: Das sind rund sechzig Stunden Training mit speziell geschulten Fachleuten über mehrere Monate, dabei lernen die Betroffenen zunächst den Umgang mit Brille und Bildprozessor – also etwa die Vergrößerung einstellen, Helligkeit und Kontrast so zu regeln, dass sie möglichst viel erkennen können!

00:07:57: Das Gehirn muss auch erst mal lernen, mit diesem völlig neuen Seeeindruck umzugehen.

00:08:02: Deswegen wird das Seen tatsächlich geübt – zunächst einfache Formen und Buchstaben erkennen, später dann Zahlen, Wörter und schließlich möglichst auch Texte lesen.

00:08:11: Dazu sagt Frank Holz….

00:08:26: Dieser Netzhaut-Chip hat im Juli, die CE Kennzeichnung bekommen und ist damit für den europäischen Markt grundsätzlich zugelassen.

00:08:36: Es gibt allerdings noch einige Hürden zum Beispiel die Finanzierung.

00:08:40: eine regelhafte Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen gibt es dafür zum Beispiel nicht und die Kosten das könnt ihr euch vorstellen sind erheblich.

00:08:49: die liegen schnell bei ein hunderttausend Euro oder mehr.

00:08:53: Derzeit laufen die Verhandlungen dazu noch, sodass es keinen fixen Preis gibt.

00:08:58: Auch die Zahl der Kliniken, die diesen Eingriff durchführen ist bislang überschaubar – aktuell gibt es fünf zertifizierte Prima-Zentren in Deutschland.

00:09:07: Das Ganze ist natürlich kein Routine-Eingriffs.

00:09:10: Die DOG bezeichnet die Implantation ausdrücklich als hochspezialisierten Eingrifft der Erfahrung und Präzision erfordert.

00:09:18: Der Chip muss bei dieser sehr speziellen Netzhautoperation präzise unter der atrophierten Marcula platziert werden und dann auch noch die mehrmonatige Rehabilitation.

00:09:28: Da kommt also einiges zusammen, aber das ist ja eigentlich immer so zu Beginn des medizinischen Fortschritts.

00:09:35: Die Sache ist hochspeziell und aufwendig und wird dann irgendwann zur klinischen Routine.

00:09:41: Wir behalten dieses spezielle Thema natürlich weiter für euch im Blick und halten euch hier auf dem Laufenden.

00:09:53: Das war eine Dosiswissen für heute!

00:09:56: Ich abhäute eine besondere Bitte, gerade wenn ihr eine Doseswissen regelmäßig hören solltet.

00:10:03: Wir möchten besser verstehen wie Ihr eine Dosewissen findet und welche Inhalte und Formate Euch besonders wichtig sind.

00:10:11: Deswegen starten wir eine kleine Umfrage.

00:10:13: die dauert etwa fünf Minuten.

00:10:15: Die Antworten helfen dem gesamten Team hinter der Dosis Wissen, das Angebot für euch weiterzuentwickeln.

00:10:22: Wenn ihr mögt könnt ihr auch an einer Verlosung teilnehmen – wir verlosen zehn exklusive Sondereditions-Kaffeetassen.

00:10:30: von eine Dosis wissen?

00:10:32: Die kann man nirgendwo kaufen, die gibt's nur bei uns!

00:10:36: Ab sofort könnt ihr dann euren ersten Kaffee des Tages in dieser Nettdosis-Wissentasse genießen.

00:10:42: Wir würden uns freuen, wenn Ihr mitmacht!

00:10:44: Den Link zur Umfrage findet Ihr in den Shownotes und unter www.a-u.de.

00:10:50: slash netdoseswissen alles in einem durch www.A-U.de.

00:10:55: schrägstrich netdosis wissen.

00:10:57: Danke dass ihr uns hört.

00:11:02: Ein Podcast von Gesundheit

00:11:04: hören Und Apothekenumschau pro Gesundheit hören.

00:11:15: Das ist das Audioangebot

00:11:17: der Apothekenumschau.

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