Ambulantisierung: Abschaffung der Hybrid-DRG
Shownotes
Eigentlich wollte die Politik die Ambulantisierung von medizinischen Behandlungen in Deutschland vorantreiben. Zu diesem Zweck wurde 2024 die sektorengleiche Vergütung, Hybrid-DRG, eingeführt. Das sollte unter anderem die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. Doch vor allem ökonomisch erfüllten die Hybrid-DRG die Erwartungen nicht. Nun werden sie 2028 wieder abgeschafft und durch Kurzzeitfallpauschalen ersetzt. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, schätzt ein, welche Folgen diese Entscheidung haben könnte.
Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Dr. med. Julius Wiemschulte
Stand: 26. Oktober 2026
Ihr seid gefragt! Wie findet Ihr ’ne Dosis Wissen? Nehmt an unserer 5-minütigen Umfrage teil – und wenn Ihr mögt, auch an der Verlosung von 10 Kaffeetassen in der Sonderedition von ’ne Dosis Wissen!
Quellen und nützliche Links
- Verordnung zu einer speziellen sektorengleichen Vergütung (Hybrid-DRG-V)
- Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO): Hybrid-DRGs im Fokus: Ausgaben- und Mengenentwicklung sowie Qualitätsaspekte im zweiten Jahr der Umsetzung. September 2026
- Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbands zur Abschaffung der Hybrid-DRG. 09.10.2026
- Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft zur geplanten Abschaffung der Hybrid-DRG. 09.10.2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:04: Die Hybrid-Diergie sollte natürlich eigentlich die Ambulantisierung in Deutschland vorantreiben und ist auch noch gar nicht so alt.
00:00:13: Aber jetzt soll sie wieder gehen!
00:00:15: Es ist eigentlich schon geschlossene Sache, dass sie zu zwanzig achtundzwanzig wieder abgeschafft wird.
00:00:20: Und wir haben nachgefragt – Ist das der richtige Schritt?
00:00:28: Guten Morgen!
00:00:28: Willkommen zu einer Dosis Wissen.
00:00:30: Ich freue mich sehr, dass ihr wieder dabei seid bei dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und hört jeden Werktag ab sechs in der Früh mit einem Thema vor euch in schnellen zehn Minuten.
00:00:40: Mein Name ist Laura Weisenburger.
00:00:42: ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apothekenumschau und heute ist Montag, der sechsohnzwanzigste Oktober.
00:00:50: Ein Podcast
00:00:51: von Gesundheit
00:00:52: hören.
00:00:57: Wir sprechen heute über dieses Thema, weil es da einen Beschluss gegeben hat im Bundestag.
00:01:02: Und natürlich haben wir uns mit einem Experten darüber unterhalten und zwar mit Julius Wiemschulte.
00:01:07: Er ist Mediziner aber auch Ökonom- und Professor für Gesundheitsmanagement an der katholischen Hochschule Mainz.
00:01:14: Und seine Einschätzung so overall lautet ...
00:01:18: Ich finde die Abschaffung gerade in diesem kurzen Zeithorizont problematisch!
00:01:24: Das müssen wir uns natürlich ganz genau anschauen.
00:01:27: Und weil mir Kaffee alles leichter geht und sowieso die neue Wache startet und der neue Tag, holt euch Euren jetzt und dann legen wir los!
00:01:38: Erstmal vorne weg.
00:01:40: gucken wir uns ganz kurz mal die Hybrid-DRGs an.
00:01:43: Diejenigen, die nicht operativ tätig sind haben mit denen wahrscheinlich gar nicht so viele Berührungspunkte gehabt.
00:01:48: Also... Die gibt es seit zwanzig vierundzwanzig und das soll eine sektorengleiche Vergütung sein.
00:01:56: Das sind spezielle Fallpauschalen für ganz bestimmte medizinische Eingriffe, also Operationen die eben sowohl ambulant als auch im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthalts durchgeführt werden können.
00:02:16: Eine nach dem Krankenhausbleibe oder ambulante Appariere.
00:02:19: Die Vergütung ist am Ende die gleiche, sagt ja schon dieses schöne Wort sektorengleiche Vergütungen.
00:02:25: und ich habe gleich noch ein ganz tolles Wort parat.
00:02:28: Und zwar ambulantisierungspotenzial.
00:02:31: das war nämlich das Ziel dieser Hybrid-DRGs dass das besser ausgeschöpft wird.
00:02:38: Das heißt also überhaupt erst die Möglichkeit bei Leistungen die ambulant gehen, das eben dann auch möglich zu machen.
00:02:46: Dadurch sollen und sollten das Pflegepersonal zum Beispiel entlastet werden und gleichzeitig natürlich die Wirtschaftlichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung verbessert werden – denn natürlich spart das ja dann irgendwo Geld!
00:03:01: Aktuell gibt es siebzig Hybrid-DHGs, also ungefähr siebzig.
00:03:06: Und inhalten sind neunhundert unterschiedliche OPS-Codes.
00:03:10: für diejenigen, die das nicht codieren ist jetzt auch nicht so wichtig.
00:03:13: aber damit ihr einen ungefähren Eindruck habt wie viele dazu gehören da fallen unter anderem runter Leistenbrüche.
00:03:20: Das ist schon lange der Fall dass das geht Aber auch Entfernung von Hahnleitersteinen operative Versteifung von zehn Gelenken Gallenblase war in letzter Zeit auch dazugekommen.
00:03:29: Also durchaus größere Geschichten und Jetzt hat das Video Also das wissenschaftliche Institut der AOK, dass man durchanalysiert, wie es so aussah.
00:03:39: Und ja ... Das Ergebnis ist halt leider nicht so, wie man sich das gewünscht hat!
00:03:44: Denn es stieg der Ambulantisierungskrat um noch ein schönes bürokratisches Wort zu nennen.
00:03:50: D.h.,
00:03:52: die Eingriffe haben schon mehr Ambulanz stattgefunden aber weiterhin war fast ein Drittel dieser Hybrid-DRG Fälle mit einer Übernachtung im Krankenhaus verbunden.
00:04:04: Und diese Gesamtverlagerung war also nicht ganz vollständig, was aber Sinn macht, wenn man sich anguckt, was die Ausschlüsse für so eine Hybrid-DHG sind zum Beispiel, wenn sich ältere Menschen komplett alleine nach der Operation versorgen müssten und da auch niemand da ist, der ihn helfen kann, wenn es zu Komplikationen geht.
00:04:23: Also aus Klinikerinnen Sicht is ne hundertprozentige ambulante Verlagerungen ja gar nicht möglich.
00:04:30: Gleichzeitig war es aber gerade bei den vertragsärztlichen Versorgungen so, dass dann deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu beobachten war.
00:04:39: Das heißt also die Hybrid-DHGs haben nicht zu einer Substitution der stationären Leistung geführt sondern insgesamt zu ner Zunabe der Eingriffe selbst!
00:04:51: Und das hatte natürlich auch ein Effekt auf die Kosten, die stiegen.
00:04:54: Nämlich entgegen eben dieser Hoffnung dass sie sinken würden.
00:04:58: im Jahr twenty-fünfundzwanzig waren gegenüber zwei tausendvierundzwanziger mehr Ausgaben in Höhe von rund dreihundertsechzig Millionen Euro für die GKV entstanden.
00:05:09: Das war jetzt natürlich nicht der Plan.
00:05:12: Wir haben auch unseren Experten Julius Wiemschulte gebeten da mal eine Bilanz zu ziehen.
00:05:19: Also ich finde, dass die Bilanz gemischt ausfällt.
00:05:23: Der Ambulantisierungsgrad ist in unterschiedlichen Leistungsbereichen wenn man beispielsweise den Bericht vom Wissenschaftlichen Institut der AUK sich anschaut aus dem September von thirty-two auf achtundvierzig Prozent gestiegen.
00:05:37: Gleichzeitig werden aber erhebliche Mengensteigerung und Mehrausgaben verzeichnet.
00:05:43: Die Ambulantisierung kommt also voran ihre Wirtschaftlichkeit, die eigentlich die Zielsetzung war.
00:05:49: Die muss aber weiterhin verbessert werden.
00:05:51: Entscheidend ist das tatsächlich stationäre Behandlungen zukünftig dann auch wirklich ambulant ersetzt werden?
00:05:57: Na ja!
00:05:58: Aber dass wartet das BMG also das Bundesgesundheitsministerium jetzt nicht wirklich ab sondern reagiert sofort auf diese Analyse Und es ist eigentlich schon beschlossene Sache.
00:06:07: Die Hybrid-DRG werden zu zwanzig, achtundzwanzig abgeschafft.
00:06:12: Zwanzig siebenundzwzig ist dementsprechend eine Übergangsphase und das ist schon alles in trockenen Tüchern.
00:06:18: Das hat der Bundestag am fünfzehnten Oktober sechsundzwantig schon beschlossen.
00:06:23: Aber natürlich fallen die Hybrid-DDRGs nicht einfach so weg sondern sollen jetzt ersetzt werden durch sogenannte Kurzzeitfallpauschalen.
00:06:33: Die sind dann abrechenbar, wenn ich eine stazineure Behandlung habe die bis zu drei Tage, also maximal zwei Übernachtungen dauert.
00:06:45: Das ist nochmal ein Versuch logisch kürzere Aufenthalte zu fördern!
00:06:50: Wir haben ein bisschen rumrecherchiert und geguckt, wie fallen da die Reaktionen drauf aus?
00:06:55: Was sagen die unterschiedlichen Beteiligten.
00:06:57: Das ist ganz klar, je nachdem, aus welcher Perspektive man draufschaut ... Na ja!
00:07:12: Da kommen wir nicht drumrum, dass da nicht alle Interessen unter einen Hut gebracht werden können.
00:07:17: Die Frage ist aber, ist denn das eine gute Entscheidung?
00:07:20: Das jetzt so schnell über Bord zu werfen und sofort zu sagen gut dann hauen wir die Hybrid-DRG eben wieder weg.
00:07:28: Und da hatten wir uns ein Experten wie im Schulter ja schon am Anfang dazu kurz gehört, aber jetzt nochmal seine ausführliche Einschätzung zu dieser Abschaffung!
00:07:37: Ich finde die Abschaffen gerade in diesem kurzen Zeithorizont problematisch.
00:07:42: Ich halte eine Weiterentwicklung für sinnvoller.
00:07:45: Die Ambulantisierung sollte konsequent fortgesetzt werden.
00:07:48: Und wir wollten von ihm natürlich auch wissen, was denn die Folgen dann sein könnten wenn die Hybrid-DHG einfach so abgeschafft wird gerade für eben ambulante Zentren und ambulante Operatörinnen und Operateure?
00:08:04: Also in die Gefahr besteht das ambulante Centren die jetzt erhebliche Personal-, Investitions- und Betriebskosten getätigt haben, davor Unsicherheiten stehen.
00:08:16: Wenn die Vergütung zu stark sinkt, könnten ambulante Kapazitäten verloren gehen, die gerade aufgebaut wurden oder sogar noch aufgebaut werden?
00:08:25: Die schnellen politischen Entscheidungen nehmen den einzelnen Leistungserbringern in diesem Hinblick die Planungssicherheit – das ist schwierig!
00:08:32: Dass
00:08:33: wir hier bei der Dosis wissen davon sprechen dass eine politische Entscheidung zu schnell war.
00:08:38: Das ist, glaube ich auch ein Novum und hatten wir noch nicht.
00:08:41: Aber ja, öfter mal was Neues!
00:08:43: Wir haben Wiem-Schulte natürlich trotzdem danach gefragt, was er denn für einen Vorschlag hätte wie eine sinnvolle sektorengleiche Vergütung aussehen müsste?
00:08:55: Die Vergütungen muss sich an den tatsächlichen Kosten einer effizienten Behandlung orientieren unterschiedliche Patientenrisiken berücksichtigen und die Versorgungsqualität fördern.
00:09:06: dann ist sie aus meiner Sicht Gerecht.
00:09:09: Gleichzeitig muss sie weiterhin gezielte Anreize zur Ambulantisierung setzen, weil ambulante Behandlungen günstiger sind und nach einigen Studien die Qualität auch nicht einschränkt – ohne eben, wie es gerade kritisiert wird, medizinisch unnötige Eingriffe zu begünstigen.
00:09:27: Dafür ist eine differenzierte Kalkulation Eine angemessene Mengensteuerung, beispielsweise über Vergütungsmechanismen und eine kontinuierliche Evaluation wirklich notwendig.
00:09:39: Jetzt am Ende ganz kurz und knackig für euch noch mal zusammengefasst also die Hybrid-DHG, die werden wieder gehen um zwei zu zwanzig acht bis zwanziger Reaktionen darauf sind erwartbar sehr gemischt je nachdem welches Lager.
00:09:50: man fragt
00:09:51: aber
00:09:52: wo sich die Fachleute aller einig sind Die hätten sich eher eine Weiterentwicklung dieses Systems, also der Hybrid-DHG gewünscht und eine Verbesserung anstatt das alles so mit dem Bade auszuschütten.
00:10:05: Und zu sagen, dann werfen wir alles weg und machen noch mal neu!
00:10:13: Vielleicht operiert ihr selber ja auch in der Klinik oder ambulant?
00:10:17: Was haltet ihr von dieser Entscheidung?
00:10:20: Das würde uns total interessieren.
00:10:21: Ihr könnt das wo das möglich ist in die Kommentare
00:10:25: schreiben.
00:10:27: Ein Podcast von Gesundheit hören und Apothekenumschau pro.
00:10:37: Gesundheit Hören, das ist das Audioangebot der Apothekeumschau.
Neuer Kommentar