Warum sind chronische Schmerzen bei Frauen anders?

Shownotes

Ob Migräne, Reizdarm, Endometriose oder Fibromyalgie: Viele chronische Schmerzerkrankungen sind bei Frauen häufiger als bei Männern. Doch was steckt dahinter? Ein neuer Übersichtsartikel in einem Special zur Frauengesundheit in Science klärt darüber auf, dass Sexualhormone, das Immunsystem und das Darmmikrobiom beeinflussen können, wie Schmerzen entstehen und wie lange sie anhalten können. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin bei der Apotheken Umschau, stellt die wichtigsten Punkte vor, erläutert, worauf die biomedizinische Forschung in Zukunft achten sollte, und erklärt, was das für die Praxis heißt.

Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Prof. Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn


Stand: 27. Oktober 2026

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Quellen und nützliche Links

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH


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Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:04: Denn es und ich gucken ja bei Studien immer wieder sehr genau auf die Geschlechterverteilung.

00:00:10: Und das nicht zu unrecht, wie jetzt ein ganzes Special-Issue in Science oder von Science zeigt!

00:00:19: Die haben nämlich einen Ganzesheft zur Frauengesundheit rausgebracht und wir schauen uns heute einen zentralen Review daraus an.

00:00:32: Guten Morgen, schön dass ihr dabei seid bei Ne Dosis Wissen dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:39: Uns hört ihr jeden Werktag ab sechs Uhr morgens in schnell zehn Minuten mit einem Thema für euch!

00:00:45: Mein Name ist Laura Weisenburger, ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin bei der Apotheken-Umschau.

00:01:02: Dieser Review, den wir uns da aus dem großen Special Issue rausgegriffen haben dreht sich um Schmerzen und vor allen Dingen um chronische Schmerze.

00:01:12: Und welche geschlechtsspezifischen Unterschiede und Ursachen es da gibt.

00:01:17: das sind nämlich natürlich auch aber vor allem nicht nur die Hormone.

00:01:23: Wir haben uns natürlich auch mit einer Expertin unterhalten, und zwar mit Esther Pogatsky-Zahn.

00:01:29: Sie ist Fachärztin für Anästhesologie und OberärztIn an der Klinik für Anesthesologie, operative Intensivmedizin und eben genau Schmerztherapie am Universitätsklinikum in Münster.

00:01:40: Schnappt euch euren ersten Kaffee des Tages!

00:01:43: Und dann gehen wir in das spannende Thema rein.

00:01:49: Ich erspare euch die Vorgeschichte, die ihr hoffentlich alle kennt.

00:01:53: Nämlich dass der männliche Körper schon immer die Norm war.

00:01:56: Ihr könnt euch vielleicht an die ganzen Multiple-Choice-Fragen erinnern wo immer Horst, der ein's siebziggroße, siebzigchitoschwere gesunde Mittelaltermensch... Also man ... Die Vorlage war und dann sollte man irgendwas dazu bestimmen.

00:02:10: Nicht anders wars ja in der Wissenschaft Und nicht anders was in Studien?

00:02:15: Warum?

00:02:16: Frauen wurden sehr häufig besonders früher aus Studien ausgeschlossen.

00:02:20: Erst seit wenigen Jahrzehnten gibt es überhaupt die Vorgabe in Deutschland, zumindest Frauen müssen mit inkludiert sein.

00:02:27: Warum?

00:02:28: Aus der Sorge dass diese hormonellen Spankungen, die wir da bei diesem nervigen Zyklus haben können wir leider nix zu... Tut uns leid, dass sie die Ergebnisse komplizierter machen.

00:02:38: Überraschung überraschungen.

00:02:39: Die machen die Ergebnisse vor allen Dingen ein bisschen fälscher für Menschen, die einen Zyklus haben, wenn man ihn nicht mit einberechnet.

00:02:47: Gut!

00:02:49: Heute gibt es eben langsam mehr Studien mit Frauen?

00:02:53: Ich habe gerade am Anfang schon gesagt, das fällt immer wieder auf, dass es noch nicht ganz ausgeglichen ist und dass sie teilweise doch immer noch stark unterrepräsentiert sind.

00:03:02: aber juhu wir kommen vor.

00:03:05: Häufig ist es leider auch nicht so, dass die Ergebnisse geschlechtsspezifisch ausgewertet werden.

00:03:12: Das bringt natürlich wenig.

00:03:14: Wenn ich mir beide Geschlechte anschaue und die Mühe mache und dann aber nicht gucke, kommt da was unterschiedliches raus?

00:03:19: Nun gut!

00:03:20: Wir wissen aber immerhin bezogen auf Medikamente.

00:03:24: Da sind Frauen und Männer sehr unterschiedlich egal, was man sich anschaut Aufnahme, Verstoffwirkung, Ausscheidungen etc... Gut, jetzt aber zurück zum Special Issue von Science.

00:03:34: Ihr findet die Links natürlich alle bei uns unten in den Show-Notes.

00:03:38: Die haben wie gesagt ein ganzes Hälfte zu Frauengesundheit gemacht, warum.

00:03:43: sie wollten vor allen Dingen hier den Fokus auf das positive liegen und das versuchen wir auch, nämlich Fortschritte im Verständnis dieser biologischen Grundlagen und Differenzen

00:03:53: darstellen!

00:03:54: Und da ist das Heft sehr, sehr bunt.

00:03:56: Es geht zum Beispiel um die Rolle des Immunsystems während der Schwangerschaft.

00:04:00: Was wissen wir da alle schon drüber?

00:04:01: Das Immunystem steuert aktiv.

00:04:02: Die körperlichen Anpassungen der Schwangeren.

00:04:05: in einem anderen Review geht es um die Menopause.

00:04:08: auch ein großes Thema hatten Wir hier auch immer wieder hat die Apothekenumschau auch irgendwann mal wieder als großes Titeltiefer teilweise.

00:04:16: Es geht um Hormontherapien was ist gut was nicht so gut was ist gesundes Altern?

00:04:21: und Ein weiterer review eben zu geschlechtsspezifischen biologischen Mechanismen, hinterkronischem Schmerz.

00:04:28: Und den haben wir uns rausgegriffen und natürlich hat ihn auch unsere Expertin Esther Pogatzky-Zahn gelesen und sagt dazu...

00:04:35: Also wir wissen dass Schmerzen und Geschlecht ein Thema ist was wir bearbeiten sollten alle von der Klinik zum Basic Scientist.

00:04:48: Und diese Publikation hat das ganz schön aufgegriffen und hat sich damit beschäftigt, inwieweit denn aus der Wissenschaft heraus eine Grundlage geschaffen wird die bestätigt dass es dort einen Unterschied gibt und ihr auch schon so ein bisschen darstellen möchte wie vielleicht diese Unterschiede begründet sind und wohin das Ganze führen kann.

00:05:09: ja also ich Ich finde, erst mal ist das eine gelungene Publikation thematisch und auch inhaltlich.

00:05:16: Der Review arbeitet unter anderem heraus, dass Frauen für funktionelle chronische Schmerzstörungen insgesamt ein doppelt so hohes Risiko wie Männer haben.

00:05:28: Und schaut man sich spezielle Krankheiten an?

00:05:30: Dann ist der Unterschied noch größer allen voran.

00:05:32: Natürlich endometriose Überraschung – Männer können das nicht haben!

00:05:36: Aber Reizdam-Syndrom ist noch ein Thema.

00:05:38: Migräne, Fibromöagie, neuropatische Schmärzen überall da leiden sie stärker drunter.

00:05:46: Und ich hatte schon angedeutet, natürlich spielen die Hormone eine Rolle.

00:05:50: Als Drogeen wissen wir inzwischen verstärkt die Aktivität schmerzempfindlicher Nervenzellen.

00:05:57: auch das da Mikrobiom wurde angeguckt denn da gibt es eine Untersuchung Bei der Darmbakterien von Frauen mit Fibromyalgie auf Mäuse übertragen wurden und diese entwickelten dann Veränderungen bei Schmerzen- und Immunreaktionen, die denen der Fibromealgiepatientinnen doch sehr deutlich ähnelten.

00:06:17: Und da sind wir auch schon beim Hauptproblem.

00:06:20: zu den geschlechterspezifischen Mechanismen hinter diesen chronischen Schmerzern gibt es derzeit hauptsächlich Tierstudien.

00:06:28: Das zeigt auch das nächste Beispiel.

00:06:30: Da wurden Immunzellen und Nervenzellen angeschaut, die sich gegenseitig beeinflussen können und dadurch entweder Schmerzen verstärken oder im besten Falle natürlich beenden.

00:06:41: bei weiblichen Mäusen sah man zum Beispiel dass entzündlicher Schmerz nach einer Verletzung deutlich langsamer abklangen.

00:06:49: eine Ursache wurde postuliert könnte sein dass weniger interleukin zehn produzierende Monozyten an den Entzündungsort gelangten.

00:06:57: Beim Menschen gab es den Hinweis, da gab's eine bisschen ähnliche Untersuchung.

00:07:03: Es wurden ähnlichen Parameter angeschaut.

00:07:05: nach Verkehrs- und Fällen berichteten Männer einige Wochen später von geringeren Schmerzen als Frauen Und dann wurden eben dort auch Monozyten und Interleukinwerte angeht schaut und die waren bei den Männern höher.

00:07:19: könnte also zusammenhang sein und wir wollten aber natürlich Wie gut sind denn geschlechter spezifische Unterschiede so richtig belegt?

00:07:30: Also man weiß heute, und das ist in dem Artikel auch sehr schön dargestellt.

00:07:33: Man weiß heute aus Tier-Experimenten einiges darüber.

00:07:37: Leider wissen wir nicht ob das wirklich eins zu eins wird es nicht aber ob es überhaupt auf den Menschen übertragbar.

00:07:45: nur ganz wenige Studien.

00:07:47: Aber es gibt die ersten Studien, die so ein bisschen darauf hinweisen, dass es auch sein könnte, dass solche Mechanismen genderspezifisch auch bei Menschen eine Rolle

00:07:56: spielen.".

00:07:58: Der Review thematisiert natürlich auch das ist dann im Sinne einer Präzisionsmedizin zu der wir immer weiter hingehen sinnvoll sind und die Möglichkeit eben vielfältig sind wenn wieder geschlechts- spezifische Präkisionsmedizinen betreiben.

00:08:13: einen Erster Hinweis ist unter anderem, dass wir wissen eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und medizinischer Behandlung wirkt bei Frauen besser als beim Männern.

00:08:23: Sprich also müssen wir das eben dementsprechend häufiger einsetzen.

00:08:27: Unsere Expertin Issa Bogacki-Zahn hat aber auch noch eine Bitte oder sozusagen Botschaft an alle die Dosis Wissen hören und in der Forschung tätig sind.

00:08:39: Eine wichtige Message, die man an Wissenschaftler geben kann Bitte Frauen und Männer immer untersuchen, in Tier-Experimenten immer weibliche und männliche Tiere.

00:08:50: Und dann am besten auch noch so, dass man die Ergebnisse vergleichen kann zwischen Frauen und Männern?

00:08:56: Ich weiß normalerweise machen wir es umgekehrt.

00:08:59: Wir berichten über Forschung und Studien, die für die Praxis relevant sind.

00:09:03: Hier müssen wir gezwungenermaßen quasi einen Schritt zurückgehen.

00:09:13: Passend dazu wurde im September dieses Jahres, also die Allianz für Frauengesundheit gegründet.

00:09:22: Die hat das ganz konkrete Ziel, Frauengesunderheit in Deutschland strukturell und auch politisch dauerhaft zu verankern.

00:09:29: Wünschenswert und spät hätte ich jetzt gesagt aber besser später als nie!

00:09:34: Und wir also.

00:09:35: die Apothekenumschau ist ein Medienpartner dieser Allianzen.

00:09:39: Wie lässt sich also die Dosis Wissen heute zusammenfassen?

00:09:44: Ja, wir haben da einen deutlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern.

00:09:48: Sie haben häufiger und stärkere chronische Schmerzen – die Frauen!

00:09:53: Die Hormone spielen eine Rolle, dass da Mikrobiom das Immunsystem ist mit dabei.

00:09:59: Allerdings sind all diese Erkenntnisse gewonnen noch aus Tierstudien.

00:10:08: Und einen Punkt den haben wir jetzt noch gar nicht angesprochen.

00:10:11: Da gibt unsere Experte nochmal einen Hinweis zu, da geht es nämlich eher um den sozio-kulturellen Umgang mit Frauen die Schmerzen haben.

00:10:22: In der klinischen Community kann man leider noch nichts ... Empfehlungen geben, dass man Frauen oder Männer anders behandeln sollte.

00:10:30: Das Wichtige ist hier, das man hinschauen muss.

00:10:34: zum Beispiel wissen wir, dass Frauen die kommen und berichten sie haben Schmerzen häufig nicht ernst genommen werden.

00:10:41: Dass dann häufig auch in die Richtung ach vielleicht ist die Frau etwas belastet im Moment?

00:10:47: Und das kann alles sein aber es ist trotzdem sehr wichtig Menschen wahrzunehmen mit ihren Schmerzens

00:10:54: Und das gilt eben insbesondere für Frauen mit chronischen Schmerzen.

00:11:02: Das war eure Dosiswissen für heute!

00:11:05: Wenn ihr weiter hören möchtet, euch mehr mit Frauenmännern geschlechtlichen Unterschieden und Wichtigkeit von geschlechtsspezifischer Medizin befassen möchtete dann empfehle ich euch In die Reihe The Sexgap reinzuhören, dass es ebenfalls ein Podcast von Gesundheit hören wurde hier auch schon ein paar Mal vorgestellt.

00:11:27: Der Podcast dreht sich explizit um geschlechter gerechte Medizin und meine Kollegin Karikunge spricht darin mit Expertinnen wie eine gender-sensible Medizin für insgesamt bessere Behandlung und Mehrgerechtigkeit sorgen könnte.

00:11:44: Wir freuen uns wenn ihr da

00:11:45: reinhört!

00:11:52: und Apothekenumschau pro.

00:11:58: Gesundheit hören, das ist das Audioangebot der Apothekeumschau!

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