Klimawandel: Forschende fordern Gesundheitsnotstand
Shownotes
Der Klimawandel ist längst eine Gefahr für unsere Gesundheit – und seine Folgen verschärfen sich. Das zeigt der neue „Lancet Countdown“, für den 146 Forschende 54 Indikatoren ausgewertet und Bilanz seit dem Pariser Klimaabkommen von 2016 gezogen haben. Allein 2023 starben weltweit schätzungsweise 710.000 Menschen im Zusammenhang mit Hitze; mehr als 70 Prozent dieser Todesfälle werden dem menschengemachten Klimawandel zugerechnet. Extreme Dürren bedrohen die Wasserversorgung, hohe Temperaturen kosten Arbeits- und Schlafstunden. Die Forschenden fordern deshalb, den Klimawandel als globalen Gesundheitsnotstand anzuerkennen. Was würde das bedeuten, und welche Rolle spielt die bevorstehende UN-Klimakonferenz? Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, ordnet den Bericht ein.
Für diese Folge haben wir gesprochen mit: Dr. med. Alina Herrmann
Stand: 29. Oktober 2026
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Quellen und nützliche Links
- Bericht “Lancet Countdown on health and climate change 2026” (engl.; DOI: 2010.1016/S0140-6736(26)01779-4)
- Bericht “2026 Europe report of the Lancet Countdown on health and climate change”
- Folge “Nach dem Sommer: Hitzetote in Zukunft verhindern”(https://www.apotheken-umschau.de/podcast/episode/ne-dosis-wissen-der-medizin-podcast-fuer-menschen-im-gesundheitswesen/nach-dem-sommer-hitzetote-in-zukunft-verhindern-1604639.html)). ’ne Dosis Wissen. 15. Oktober 2026
Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.
Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH
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Transkript anzeigen
00:00:03: Gesundheit hören.
00:00:04: Bei Klimawandel denkt man ja vornehmlich erst mal an Umweltproblem, umweltschutz.
00:00:11: dabei ist das aber inzwischen eigentlich auch eine wirkliche Gefahr für unsere Gesundheit und genau deswegen fordert jetzt auch ein neuer Lancet-Bericht diesen Klimawandel offiziell als globalen Gesundheitsnotstand anzuerkennen.
00:00:31: Guten Morgen.
00:00:32: Schön, dass ihr wieder dabei seid bei der Dosis Wissen.
00:00:34: Ihr hört den täglichen Podcast für das Gesundheitswesen und es gibt jeden Werktag ab sechs in der Früh in schnellen zehn Minuten mit einem Thema für euch.
00:00:44: Mein Name ist Laura Weisenburger ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin beider Apothekenumschau Und heute ist Donnerstag der neunundzwanzigste Oktober Ein Podcast von Gesundheit hören
00:00:59: und
00:00:59: apothekenumschau pro.
00:01:02: Und wir reden heute über den twenty-twenty six report of the Lancet Countdown on Health and Climate Change, der ist nämlich jetzt gerade am siebenundzwanzigsten Oktober erschienen.
00:01:15: Ihr findet ihn natürlich verlinkt in unseren Show Notes und natürlich haben wir über ein so wichtiges Thema auch mit einer Expertin dafür gesprochen – und zwar mit Alina Herrmann, sie ist Ärztin und Forscherin und dem Institut für Allgemeinmedizin, der Uni Köln.
00:01:34: Und außerdem ist die Sprecherin der Sektion Klimawandel- und Gesundheit der deutschen Gesellschaft für allgemeine Medizin und Familienmedizin.
00:01:43: Das heißt alles ist bereit um sich diesem wichtigen Thema zu widmen.
00:01:46: fehlt noch euer erster Kaffee des Tages und dann geht's los!
00:01:54: Ganz vorneweg – Der Lancet Countdown on Health & Climate Change erscheint eigentlich jedes Jahr.
00:02:00: dieses Mal ist es sogar das zehnte Mal und deshalb haben die Forschenden gesagt, da müssen wir jetzt mal gucken und wirklich Bilanz ziehen.
00:02:09: Was hat sich denn seit dem Pariser Klimaabkommen?
00:02:12: Das war so ein bisschen der Anlass damals von zwei tausendsechzehn getan und verändert Und da schauen wir jetzt gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern drauf.
00:02:23: Insgesamt haben hundertundvierzig an diesem Paper mitgearbeitet und weltweit Daten ausgewertet, zum Beispiel – unter anderem natürlich von Hitze-Toten Dürren, die stattgefunden haben.
00:02:38: Aber auch Infektionskrankheiten wurden angeguckt.
00:02:41: Insgesamt waren es fifty-fünfzig verschiedenste Indikatoren, die angeschaut wurden und dann aber auch durchanalysiert wurden wie sich denn die Situation seit Jahrzehnten entwickelt hat.
00:02:55: Das heißt also das finde ich besonders schön eben wirklich ein Verlauf.
00:03:01: Unsere Expertin Alina Herrmann sagt, das ist ein besonderer Aspekt des Reports.
00:03:06: Dass hier wirklich auf die Folgen für unsere Gesundheit geguckt wurde.
00:03:11: Ja also ich denke eine Veränderung, die sich beispielsweise in den letzten Jahren ergeben hat, dass wir mehr von sogenannten Attributionsforschungen haben.
00:03:21: Attributionsforschung sagt, dass wir jetzt nicht nur messen welche Effekte klimasensibles Phänomene auf die Gesundheit haben.
00:03:29: Zum Beispiel Hitze auf die Gesundheits, sondern das es auch Studien dazu gibt wie viel Prozent dieser Effekten tatsächlich auf die Klimaveränderungen zurückzuführen sind und das ist etwas was ich sehr wichtig finde in der Kommunikation.
00:03:41: Die Autorinnen und Autoren des Papers kommen dann auch zum Schluss.
00:03:46: die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels haben sich in den vergangenen zehn Jahren weiterhin verschärft und bei manchen Folgen geht das auch schneller, obwohl wir bei anderen Aspekten Fortschritte verzeichnen.
00:04:02: Wir gucken uns das jetzt mal ein bisschen genauer an!
00:04:05: zum Beispiel die Hitze toten.
00:04:08: Da haben wir ja natürlich schon darüber gesprochen bei einer Dosiswissen, aber jetzt schauen wir mal die Zahlen des Papers an.
00:04:14: Siebenhunderte und zehntausend Menschen starben allein im Jahr zwei tausenddreiundzwanzig weltweit Im Zusammenhang mit Hitze.
00:04:22: auch Wir haben in unserer Folge besprochen das ist nicht immer direkt verbandelt Das sind Hochrechnungen Aber mehr als siebzig Prozent dieser Todesfälle von den siebenhundertzehn Tausend rechnen die Forschenden dem menschengemachten Klimawandel zu.
00:04:39: Fast zweiundfünfzig Prozent der weltweiten Landfläche wiederum waren in den letzten Jahren mindestens einen Monat lang von extremer Dürre betroffen, das ist eine weitere Zahl aus dem Paper.
00:04:52: und das bedroht natürlich ganz klar Lebensmittel, Trinkwasserversorgung – und das hat natürlich auch Konsequenzen für die Gesundheit!
00:04:59: Auch eine ganz interessante Hausnummer, fünfhundertdreiundsebzig Milliarden Arbeitsstunden gingen aufgrund von Hitze verloren.
00:05:07: Das war zwanzigfünfundzwanzig!
00:05:09: Denn klar das gilt bei uns natürlich auch, weil besonders hohe Temperaturen können und dürfen Menschen ja gar nicht so lange und so leistungsfähig arbeiten.
00:05:21: Und noch ne sehr spannende Zahl die ich mir jetzt so auch noch nie überlegt habe aber rund achtundvierzig Stunden Schlaf Pro Person und Jahr gingen zwischen dem Jahr, den Jahr, der Jahr, die Jahr, im Durchschnitt durch ungünstige Temperaturen nachts verloren.
00:05:40: Das heißt also wir haben auch alle schlechter geschlafen.
00:05:44: Auch da wissen wir das hat gesundheitliche Konsequenzen.
00:05:48: Aber um noch mal darauf zurückzugehen das sind jetzt natürlich Detailzahlen gewesen.
00:05:52: es geht aber auch um eine Verschärfung der Lage auf einer Übergeordneten Ebene.
00:05:58: Dazu hören wir nochmal Alina Herrmann.
00:06:01: Also grundsätzlich ist, glaube ich bei uns in Deutschland vielleicht auch bei der Hitzewelle die wir diesen Sommer hatten doch noch mal mehr Leuten bewusst geworden wie extrem diese Bedingungen teilweise sind.
00:06:12: und der Report sagt jetzt zum Beispiel auch noch einmal dass die Hälfte der Landfläche auf der Welt mindestens ein Monat extremer Trockenheit ausgesetzt war im Durchschnitt.
00:06:24: Und jetzt wollen wir natürlich nicht nur über die negativen Aspekte sprechen, so wie im Lancet Paper auch.
00:06:30: Die haben sich auch die positiven Nachrichten angeguckt.
00:06:34: in gut der Hälfte der hundertvierzig untersuchten Ländern ist die Luftverschmutzung zurückgegangen, die durch fossile Brennstoffe verursacht war?
00:06:44: Und dadurch konnten, so schätzen es die Forschenden rund dreihundertdreiundzwanzigtausend Todesfälle vermieden werden.
00:06:52: Allerdings hat sich die Zahl weltweit nicht besonders doll bewegt denn in anderen Ländern stieg sie wiederum an.
00:07:00: das heißt da haben wir eine plus minus null Rechnung.
00:07:03: Inzwischen müssen.
00:07:04: auch fließt natürlich deutlich mehr Geld in saubere Energien.
00:07:09: Auch dazu haben wir mit Alina Herrmann gesprochen.
00:07:13: Da sieht man auch nochmal, dass das einfach sinnvolle Dinge sind in die investiert wird.
00:07:17: Ganz unabhängig auch von politischer Ausrichtung sondern einfach nur weil es aus vielerlei Hinsicht Sinn macht und aus Sicht des Klimaschutzes aber eben auch aus Sicht der Autonomie, aus Sicht de Energie autarki.
00:07:30: Und so müssen wir eben schauen, dass wir auch tatsächlich Wortschritte erzielen und die eben noch verstärken sollten.
00:07:37: Ja und aus all diesen zusammengetragenen Daten Haben die Forschenden eben eine wichtige Forderung abgeleitet?
00:07:46: Sie sagen, der Klimawandel soll offiziell als globaler Gesundheitsnotstand anerkannt werden.
00:07:55: Dem pflichtet unsere Expertin bei...
00:07:57: Der Leute für das Klimaschutz finde ich eigentlich sehr ungeschickt weil es geht ja nicht darum das Klima zu schützen.
00:08:03: Das Klima in der Welt hat sich tatsächlich über die Jahrmillionen wahnsinnig stark verändert sondern eigentlich darum die Menschen, die sich jetzt insbesondere in den letzten zweitausend Jahren civilisatorisch und in ihrer Ausbreitung und Menge, in der wir jetzt als Menschheit eben auf der Erde leben an wie aktuellen Klimabedingungen angepasst hat.
00:08:23: Die Menschen eben vor diesen sehr schnellen aktuellen Klimawandel zu schützen.
00:08:29: Und das ist glaube ich das was durch diese Gesundheitsperspektive nochmal sehr deutlich wird und dass es ja auch die Hauptbotschaft des diesjährigen Reports dass wir auch in unseren Klimaschutz- und Klimaanpassungsbemühungen Gesundheit in den Vordergrund stellen sollten.
00:08:44: Und es ist wichtig an der Stelle auch zu sagen, es geht hier nicht nur um ein Label oder eine Definition sondern natürlich hätte das auch wirklich folgen wenn wir dem Klimawandel als globalen Gesundheitsnotstand definieren und anerkennen denn das erhöht natürlich den politischen Druck, dass da was getan werden muss.
00:09:04: Wenn die WHO sagt, ja wir haben hier einen globalen Gesundheitsnotstand dann ließen sich zum Beispiel internationale Maßnahmen dagegen besser koordinieren.
00:09:13: Es könnten Frühwarnsysteme ausgebaut werden es gäbe mehr finanzielle Hilfen aber es geht gleichzeitig auch.
00:09:21: diese Anerkennung als Gesundheitsnot stand passiert natürlich nicht automatisch und es kommen auch nicht automatische neue rechtliche Verpflichtungen auf den Tisch, sondern auch dafür braucht es dann nochmal weitere politische Beschlüsse.
00:09:35: Aber es wäre ein Schritt hoffentlich in die richtige Richtung und zu mehr Gesundheit hin!
00:09:42: Wir werfen noch einen ganz kurzen Ausblick denn es kommt jetzt demnächst vom neunten bis zwanzigsten November noch die UN-Klimakonferenz in Antalya.
00:09:54: Da ist es natürlich spannend zu gucken, greifen die das Paper irgendwie auf.
00:09:59: Kommt da die Forderung nach dem globalen Gesundheitsnotstand irgendwie auf den Tisch?
00:10:04: Das schauen wir uns an!
00:10:06: Sollte es da Nachrichten zu geben, könnt ihr's hier bei uns natürlich dann auf jeden Fall hören.
00:10:12: aber zunächst müsste die WHO überhaupt erst mal prüfen wie sich ein solcher Gesundheitsnotstand denn dann international auch koordinieren ließe weil das muss natürlich auch passieren.
00:10:24: Und nicht zuletzt müssten alle Staaten natürlich dann auch wieder mehr für den Klimaschutz und den Schutz der Gesundheit tun, sprich auch Geld in die Hand nehmen.
00:10:38: Das war unsere Dosiswissen zu dem Nicht ganz so guten Entwicklungen, aber ich hatte ja schon gesagt wir haben hier bei der Dosis ein bisschen darüber gesprochen und wenn ihr das jetzt nochmal nachhören wollt.
00:10:51: Das war die Folge vom fünftzehnten Oktober wo wir Dennis und mein Kollege Sebastian Brotkorb über Hitze tote in diesem Sommer gesprochen haben.
00:11:01: Und was wird da eigentlich für Maßnahmen und Präventionen hierzulande räuchten?
00:11:07: Hört doch ruhig noch mal rein!
00:11:08: Ihr findet die Folge in den Schaunungs.
00:11:12: Ein Podcast von Gesundheit hören und Apothekenumschau pro.
00:11:24: Gesundheit Hören, das ist das Audioangebot der Apothekeumschau.
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