Was bedeutet das GKV-Sparpaket für die Psychotherapie?
Shownotes
Psychotherapeut:innen hatten das im Sommer verabschiedete GKV-Sparpaket scharf kritisiert. Am 15. Oktober 2026 hat der Bundestag nun einige Änderungen daran beschlossen. Was bedeutet das für die Psychotherapie? Und wie muss sich die psychotherapeutische Betreuung hierzulande ändern, um die Versorgung zu verbessern? Welche Rolle könnten Prävention, ein ganzheitlicherer Ansatz und digitale Angebote dabei spielen? Darüber spricht Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, mit Prof. Dr. Silvia Schneider, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Direktorin des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit an der Ruhr-Universität Bochum.
Diese Folge wurde aufgezeichnet am 20.10.2026.
Ihr seid gefragt! Wie findet Ihr ’ne Dosis Wissen? Nehmt an unserer 5-minütigen Umfrage teil – und wenn Ihr mögt, auch an der Verlosung von 10 Kaffeetassen in der Sonderedition von ’ne Dosis Wissen!
Quellen und nützliche Links
• Änderungsanträge zum GKV-Beitrags-Satzstabilisierungsgesetz
• AOK. Public Health Index. 2025
• Folge „Kinder und Jugendliche: zu hohe Hürden für Psychotherapie“. 16.10.2026.
• Artikel „Warum sich die Wartezeiten auf eine Psychotherapie ab 2027 verlängern könnten“. Apotheken Umschau. 20.10.2026.
Das Team hinter dieser Folge „’ne Dosis Wissen“:
Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler, Josephine Hölke, Kari Kungel;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: Benedikt Möltner, Yves Seißler
[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer aktuellen Werbepartner findet ihr hier: https://www.apotheken-umschau.de/podcast/partner
Transkript anzeigen
00:00:03: SPRECHER: gesundheit-hören
00:00:04: DR. DENNIS BALLWIESER: Die Psychotherapeut*innen üben heftige Kritik am GKV-Sparpaket. Jetzt sind einige Änderungen am Gesetz beschlossen worden und wir fragen, was wird sich genau ändern und ändert sich wirklich was? Guten Morgen und willkommen zu "’ne Dosis Wissen", dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen. "’ne Dosis Wissen" gibt's werktags ab sechs Uhr in der Früh in kompakten zehn Minuten. Heute haben wir eine Folge, die wieder etwas länger dauert, weil ich eine Gesprächspartnerin habe. Ich bin Dennis Balwieser, ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau. Heute ist Freitag, der 30. Oktober 2026.
00:00:49: SPRECHER: Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau pro
00:00:56: DR. DENNIS BALLWIESER: Der Bundestag hat am Donnerstag, den 15.Oktober zwölf Änderungsanträge zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Wir wollen heute darüber sprechen, welche Auswirkungen dieses Gesetz an sich und die zwölf Änderungen auf die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland haben können. Dazu habe ich Prof. Dr. Silvia Schneider im Gespräch mit "’ne Dosis Wissen". Sie ist Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Direktorin des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum. Holt euch euren ersten Kaffee des Tages und dann geht's los. Guten Morgen, Frau Professorin Schneider.
00:01:42: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Einen schönen guten Morgen.
00:01:43: DR. DENNIS BALLWIESER: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns das Thema noch einmal zu erklären. Es geht um dieses kompliziert benannte Gesetz. Dazu gab es jetzt die Änderungsanträge aus den Koalitionsfraktionen von CDU, CSU und SPD und es geht darum, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen bei besonderer Dringlichkeit zu sichern. Allerdings gab's ja vorher wirklich heftige Kritik der Psychotherapeut*innen an dem Gesetz, die zu diesen Änderungen geführt hat. Mich würde vor allem interessieren, ob Sie den Eindruck haben, dass konkret diese Kritik Gehör gefunden hat.
00:02:23: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Ja, ich würde sagen, die Kritik hat Gehör gefunden und es ist natürlich nicht alles erreicht worden, was hätte erreicht werden können. Aber es ist zumindest geschafft worden, dass für Kinder und Jugendliche, die ja ganz besonders von weiteren Verlängerungen von Psychotherapie-Wartezeiten betroffen sind, dass diese Ausnahme gemacht wurde, dass die also nach wie vor in dieser extrabudgetären Bezahlung bleibt und eine weitere Ausnahme, dass komplexe, schwere Fälle auch aus dieser Regelung jetzt doch wieder rausgenommen wurden. Also insofern ein Teilerfolg und ich denke, es geht in die richtige Richtung und wir müssen natürlich als Gesellschaft schauen, dass wir das Thema psychische Gesundheit wirklich in den Griff bekommen. Das ist mehr als notwendig.
00:03:16: DR. DENNIS BALLWIESER: Auf der einen Seite, Sie haben's jetzt grade schon angesprochen, geht's um die Kosten. Also erstens die extrabudgetäre Vergütung der Psychotherapie für Kinder und Jugendliche und die Akutpatient*innen bei der besonderen Dringlichkeit. Das ist, glaub ich, das eine, was entscheidend ist. Das andere, was ja immer wieder kritisiert wird, ist das Ineinandergreifen von verschiedenen Versorgungsstrukturen rund um die Kinder und Jugendlichen. Haben Sie denn da den Eindruck, dass das zumindest gehört wird und vielleicht auch bei weiteren Beratungen einfließt?
00:03:48: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Ja, also das ist ja eine Forderung, die auch schon Jahrzehnte alt ist. Die ist gar nicht so neu, dass es wichtig ist, wenn wir das Thema psychische Gesundheit ernst nehmen wollen, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Und der eine Ansatz ist natürlich die Psychotherapie, die auch, denke ich, in Deutschland gut geregelt ist, dadurch, dass wir ein Psychotherapie-Ausbildungsgesetz haben und grundsätzlich eben auch das Erstzugangsrecht in psychologische Psychotherapie auch geregelt ist. Gleichzeitig würde ich auch sagen, wir müssen Psychotherapie etwas breiter denken und das tut man insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, wo es auch darum geht, und das ist, glaube ich, die Frage, die Sie gestellt haben, wo wir natürlich auch weiterdenken müssen, dass natürlich auch Lebenswelten von Menschen, die psychische Erkrankungen haben, dass die auch eine Rolle spielen, wenn es darum geht, Prozesse zur Gesundung auch auf den Weg zu bringen. Und deswegen ist auch politisch angekommen, wir müssen diese Silos in unserem deutschen System, wo also Kinder- und Jugendhilfe, Sozialsysteme, Arbeitswelt, Gesundheitswelt völlig nebeneinanderher sozusagen existieren, aber nicht miteinander verwoben sind. Und es gibt ja im Koalitionsvertrag zum Beispiel auch eine Forderung, grade auch für den Kinder- Jugendbereich, dass hier eine bessere Vernetzung von Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheit und Bildung stattfinden muss. Auch das ist ein wichtiger Bereich, wo wir natürlich psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen fördern können und für die Erwachsenen wäre es dementsprechend die Arbeitswelt, wo wir auch viel mehr machen müssen, um psychotherapeutische Hilfen, psychologische Hilfen schneller in die Anwendung zu bringen.
00:05:34: DR. DENNIS BALLWIESER: Das hieße also, das gesamte Thema weniger medizinisch-klinisch alleine zu betrachten, sondern von dem gesamten sozialen System um betroffene Menschen herum.
00:05:45: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Definitiv. Also wir haben eine riesige Welle an psychischen Störungen und wir warten, bis sie sozusagen chronifziert sind, um dann mit viel Geld zu behandeln. Und davon müssen wir definitiv weg. Wir müssen vor die Welle kommen. Wir müssen viel, viel mehr für die Primärprävention machen und da, es gibt ja diesen neuen Report von AOK, wo wir ja auf dem vorletzten Platz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stehen, wenn es um die Investitionen von Prävention, also Geld für Prävention geht, und da muss was passieren. Und das ist gut investiertes Geld, das wissen wir, dieses Geld. Jeder Dollar, das ist insbesondere in USA gezeigt worden, der investiert wird in frühe Intervention, in Primärprävention, rechnet sich natürlich nicht kurzfristig. Und das ist, glaube ich, immer das Problem, weil das sind ja politische Entscheidungen auch. Es ist nicht innerhalb von vier Jahren sozusagen der große Ertrag zu erwarten, sondern der ist in 10, 15 Jahren, aber da ist er dann sehr, sehr hoch. Und das ist etwas, was natürlich sehr viel schwerer zu kommunizieren ist.
00:06:51: DR. DENNIS BALLWIESER: Jetzt haben Sie grade schon gesagt, es wird dann teuer, wenn man quasi erst kommt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wenn die Patient*innen schon erkrankt sind. Es klingt jetzt auch so, wir haben grade drüber diskutiert, dass es um die Akutpatient*innen mit besonderer Dringlichkeit geht. Die bekommen dann den Zugang. Drohen denn dann dadurch auch noch mal andere, die noch nicht so akut sind, erst recht runterzufallen?
00:07:15: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Ja, und das ist auch meine Sorge, dass, also erst mal ist gut, dass es in die richtige Richtung geht, aber das darf nicht bedeuten, dass jetzt für andere Gruppen die Wartezeiten dadurch länger werden und auch, dass wir eben mehr in die Früherkennung, in die Prävention stecken müssen. Das muss gleichzeitig gedacht werden. Also es darf nicht eine einseitige Verbesserung sein, sondern es muss auch hier ein ganzheitlicher Ansatz rein. Und dazu glaube ich, ich würde mir wünschen, dass man politisch auch eine Art Taskforce macht, die dann auch nicht nur aus Gesundheitspolitikern und auch Menschen aus ‘nem Gesundheitssystem dann zusammengesetzt wird, sondern dass man hier größer denkt und sich zusammensetzt: Was können wir in Deutschland tun, um psychische Gesundheit und Gesundheit generell, übrigens finde ich, das Thema, das wir in der Psychotherapie hier gerade diskutieren, ist nicht nur ein psychotherapeutisches Thema. Das ist genauso auch für die klassische somatische Medizin auch relevant. Auch hier wird viel zu wenig in Prävention reingegeben und viel, viel mehr zahlen wir für schon sehr stark chronifizierte Erkrankungen. Ich war grade letzte Woche auf dem World Health Summit in Berlin in einem Panel, das verschiedene Leute zusammengebracht hat weltweit. Also einen Kollegen aus Afrika, aus Kenia, Kollegen aus Spanien, die über Präventionsansätze in ihren Ländern gesprochen haben. Und da fand ich einen sehr interessanten Aspekt, den der Kollege aus Kenia sagte, dass er sagte, wir haben gar nicht das Geld, um schwere Erkrankungen zu behandeln und wir haben gar keine andere Wahl, als alles in Prävention zu setzen. Also diesen Aspekt, glaube ich, der kommt bei uns oft zu kurz. Und das andere, was mich sehr beeindruckt hat, ein Kollege aus Madrid, der sagte, er ist dabei, seine Klinik, die auch einen Schwerpunkt in Onkologie hat, komplett auf Prävention auch umzubilden. Also wirklich seinen Mitarbeitern deutlich zu machen, klar, machen wir Akutbehandlung, aber genauso wichtig ist, dass wir auch Prävention in all unseren Behandlungen mitdenken.
00:09:27: DR. DENNIS BALLWIESER: Sie haben gerade von einer solchen Kommission gesprochen, die man eigentlich bräuchte. Wen würden Sie denn neben den klassischen, also Sie haben gesagt Gesundheitspolitiker*innen auf der einen Seite, aus dem klinischen Betrieb auf der anderen Seite, aber das bitte reduziert. Wer muss dringend mit an den Tisch?
00:09:41: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Also es gibt ja gerade eine Ausschreibung und eine Etablierung eins Strategiezentrums für mentale Gesundheit für junge Menschen, was vom BMFSFJ federführend als Ministerium geleitet wird. Und hier ist genau, wird dieser Ansatz versucht, jetzt umzusetzen, dass man sagt, man will hier ressortübergreifend Gruppen zusammenbringen und hier sind jetzt für den Kinder- und Jugendbereich die Gruppe der Bildung, also das Bildungsministerium dabei oder auch der Bildungsbereich, sagen wir mal so das. Und es ist die Kinder- und Jugendhilfe dabei. Also da wird schon breiter gedacht und ganzheitlicher gedacht. Letztendlich wäre es für den Bereich der Erwachsenenpsychotherapie oder der psychischen Störungen im Erwachsenenbereich neben der Bildung auch Arbeitsleben natürlich ein ganz wichtiger Raum. Aber letztendlich müssen wir das, was die Weltgesundheitsorganisation ja auch schon seit Jahren sagt: mental health in and for all policies. Eigentlich in allen Entscheidungen, die wir treffen, müssen wir Gesundheit mitdenken, und das betrifft sogar auch solche Bereiche wie Stadtgestaltung, Wohnungsgestaltung. Wir wissen, dass Stadtgestaltung wie eine Nachbarschaft aufgestellt ist, wie Wohnquartiere gebaut werden, wie viel Grünfläche ist da, wie viel Auslauffläche ist für Kinder da, dass das auch einen Effekt auf Gesundheit hat. Lärmbelastung, all diese Dinge müssen mitgedacht werden. Also wir müssen da ein totalen Transformationsprozess hinlegen, wo wir sagen, Gesundheit ist eigentlich das wichtigste Gut, das wir haben und das wird uns auch als Gesellschaft volkswirtschaftlich voranbringen.
00:11:25: DR. DENNIS BALLWIESER: Sie haben in der Beschäftigung mit dem ursprünglichen Gesetzespaket davon gesprochen, dass man auch einmal außerhalb der üblichen Wege, also out of the box denken müsste.
00:11:36: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Definitiv.
00:11:37: DR. DENNIS BALLWIESER: Und einen Vorschlag, den Sie da eingebracht haben, das ist der sogenannte Stepped-Care-Ansatz. Was würde sich denn dahinter verbergen?
00:11:44: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Stepped Care ist, das ist übrigens ein Ansatz, der in vielen Ländern mittlerweile flächendeckend und sehr erfolgreich umgesetzt wird. Hier ist die Idee, dass sozusagen mit wenig Dosierung erste Interventionen vorgegeben werden und dass man sozusagen die Dosierung anpasst an die Schwere oder auch an die Art des Störungsbildes. Das heißt, so wenig wie möglich, aber auch so viel wie notwendig, ne? Also dass man nicht sozusagen Gießkannenprinzip sagt. Und das ist son bisschen natürlich schon das klassische, jetzt auch psychotherapeutische System. Man hat halt bestimmte Stundenkontingente, die man sozusagen automatisch bekommen kann, die dann auch genutzt werden, gegebenenfalls noch ein zweites Mal und dass das sozusagen auch selbstverständlich wird, was auch nachvollziehbar ist. Aber wenn wir begrenzte Ressourcen haben, müssen wir anfangen, auch passender und sozusagen mit Dosierungen auch sehr viel flexibler umzugehen. Und das ist die Idee dabei, dass sozusagen auch da auch ein fließender Übergang auch oft zwischen noch Prävention, indizierter Prävention, zu Früherkennung, erste richtige Behandlung von Krankheit, dass da Übergänge sind, die fließend sind. Und dass man hier zum Beispiel über digitale Technologie oder eben es gibt One-Session-Treatments für bestimmte Erkrankungen, die aber sehr häufig sind und wo man durch wenig Einsatz eine Negativkaskade schon relativ früh abfedern kann und sozusagen da auch Entwicklungen ermöglicht, die, wenn ich erst mal ein halbes Jahr warte und dadurch auch eine Symptomatik, die vielleicht noch nicht ganz so stark ist, dann sich natürlich schon weiter chronifiziert hat, dadurch gar nicht so schnell mehr behandelt werden kann. Also dass man dadurch erreicht, schneller Zugänge zu ermöglichen, schnellere Behandlungspakete auch anzubieten und dann darauf aufbauend entsprechend höher dosierte Behandlungen dann auch darauf aufzubauen.
00:13:47: DR. DENNIS BALLWIESER: Ich hab noch eine Frage und ich ärger mich fast ein bisschen, dass ich die Frage stellen muss, aber ich muss sie, glaube ich, stellen, denn in auch in dieser gesundheitspolitischen Diskussion über psychische Erkrankungen begegnet einem jetzt immer der Hinweis, dass ja durch neue digitale Angebote und künstliche Intelligenz sich sowieso ganz neue Möglichkeiten auftun würden. An vielen Stellen nehme ich das wahr als ein Abbiegen des Themas in Richtung, man kann das ja vielleicht künftig kleiner machen, als es in Wahrheit ist. Sehen Sie denn aus Ihrer Perspektive irgendwo echte versorgungsverbessernde Ansätze durch neue Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz oder der digitalen Angebote, die über ein, ich sag jetzt mal etwas provokant, Hinhalten, bis die echte Therapie kommt, hinausgehen?
00:14:35: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Na ja, wir sehen ja schon, wir haben ja schon seit Langem digitale Therapien, also Onlinetherapien, die ja wirksam sind. Das muss man einfach sagen. Die sind wirksam und die sind etwas, die grade in so ‘nem Stepped-Care-Ansatz auch hilfreich sind. Die, die besonders wirksam sind, sind die, wo auch Psychotherapiekontakt auch mit verbunden ist, ne. Also es ist jetzt auch nicht alles nur richtig toll und cool, aber sie ist
00:15:04: DR. DENNIS BALLWIESER: Also differenziert betrachten, wo ist noch Mensch involviert und wo ist es
00:15:08: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Genau, aber es ist durchaus so, dass auch rein digitale Angebote auch für bestimmte Gruppen hilfreich sein können. Und ich finde, wir sollten da einfach pragmatisch sein und gucken, das muss streng evaluiert werden und es muss auch, die Indikationen müssen verbessert werden. Ich glaube, dass wir da am Anfang einer Entwicklung stehen, und ich erwarte mir schon, dass wir dadurch auch Erleichterungen für Psychotherapiepraxen finden können, weil auch bestimmte Dinge erleichtert werden können, bessere Organisationen auch unterstützt werden kann, aber bis hin auch so was wie Psychoedukation, also Aufklärung über Krankheiten, über Bedingungen von besserer Gesundheit. Das sind Dinge, da kann man schon einiges auch digital machen und ich finde, das sollten wir nutzen, um dann eben auch die Fälle, die dann komplexer, schwieriger sind, dafür auch uns mehr Zeit zu nehmen und da auch schneller Zugang zu ermöglichen.
00:16:08: DR. DENNIS BALLWIESER: Das finde ich sehr spannend. Was passiert denn aus Ihrer Sicht, wenn diese Offenheit gegenüber neuen Technologien auf ein System prallt, das in den vergangenen Jahrzehnten sich ja schwergetan hat, neben der KVT und der Analyse noch irgendetwas in die Regelversorgung mit aufzunehmen?
00:16:23: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Ja, definitiv. Deswegen, ich finde, wir müssen auch weg von diesen ganzen Schulen-Denken, sondern wir sollten es so wie in der Medizin ansonsten auch. Wir sollten gucken, was funktioniert und auch pragmatisch sein. Ich bin Psychologin, ich bin sehr stark theoriegeleitet immer ausgebildet worden, finde, Theorien sind super und von daher sind auch Schulen haben irgendwo ihren Platz, aber wir müssen vor allen Dingen auch und das ist, finde ich, eine wichtige Aufgabe für uns an den Universitäten und auch für die Weiterbildung. Wir müssen stärker übergreifend denken und eben auch einfach schauen, wo ist die Evidenz und was evident ist, muss auch angewandt werden. Und wir werden ja momentan durch die verschiedenen Ausbildungen in Verfahren ja auch behindert, bestimmte neue Entwicklungen aufzugreifen, weil die nicht zu meinem Verfahren gehören, ne, dass ich als Psychotherapeutin die gar nicht abrechnen kann. Und das sind natürlich riesige Hemmnisse und ich denke, da müssen wir auch dran.
00:17:21: DR. DENNIS BALLWIESER: Frau Prof. Dr. Silvia Schneider, vielen herzlichen Dank für das Gespräch und die Einordnung und dass Sie sich die Zeit dafür genommen haben.
00:17:28: PROF. DR. SILVIA SCHNEIDER: Sehr gerne.
00:17:36: DR. DENNIS BALLWIESER: Das war "’ne Dosis Wissen" für heute. Die nächste Folge gibt's am Montag um sechs Uhr in der Früh überall da, wo ihr Podcasts hört, wie gewohnt. Danke, dass ihr "’ne Dosis Wissen" hört.
00:17:48: SPRECHER: Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau pro. gesundheit-hören, das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau.
Neuer Kommentar