Blutarmut vor Herz-OP: Hilft eine Eiseninfusion?

Shownotes

Vor geplanten Herzoperationen leidet ein relevanter Teil der Patient:innen an Blutarmut. Das erhöht das Risiko für Fremdbluttransfusionen und Komplikationen deutlich. Eine internationale Studie hat untersucht, was eine einmalige Eiseninfusion vor einem Eingriff bewirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Hämoglobinwert vor der Operation ansteigt und die Transfusionsrate im Anschluss an die OP deutlich sinkt. Zudem reduzierte die Behandlung den Bedarf an Blutkonserven spürbar und verlängerte die Zeit, die Patient:innen nach der OP zu Hause verbringen konnten. Warum dieses Konzept im Klinikalltag dennoch oft an logistischen und finanziellen Hürden scheitert, erklärt Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau.

Für die Folge haben wir Informationen eingeholt bei: Prof. Dr. Patrick Meybohm

Stand: 02.11.2026

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Quellen und nützliche Links

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt.


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;
Autor:innen: Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Felix Kunz, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;
Redaktion: Sina Metz, Kareen Seidler;
Chefredakteur: Dennis Ballwieser;
Postproduktion: BEBE Medien GmbH


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Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:04: Vor geplanten Herz-Operationen leidet ein relevanter Teil der Patientinnen an Blutarmut.

00:00:11: Eine internationale Studie zeigt, dass eine intravenöse Eiseninfusion vor dem Eingriff den Hemoglobinspiegel steigert und Fremdbluttransfusion reduziert.

00:00:22: Welche Bedeutung diese Daten für den Klinikalltag haben erfahrt ihr in der heutigen Folge.

00:00:32: Guten Morgen und willkommen zu eine Dosiswissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen.

00:00:37: Eine Doseswissen gibt es Werktags ab sechs Uhr in der Früh in kompakten zehn Minuten.

00:00:41: Ich bin Dennis Ballwieser, ich bin Arzt- und Chefredakteur der Apothekenumschau.

00:00:45: Heute ist Montag, der zweite November, zwanzigzehntsechsundzwanzig.

00:00:57: Es geht um intravenöse Eiseninfusionen bei präoperative Anämie vor Herzoperationen.

00:01:04: Dazu gibt es eine internationale Studie publiziert im British Medical Journal im August dieses Jahres, vorgelegt von Wissenschaftlerinnen aus Australien und dem Vereinigten Königreich.

00:01:15: Wir haben darüber gesprochen mit Patrick Maybom.

00:01:18: Er ist Direktor der Klinik- und Polyklinik für Anesthesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg.

00:01:29: Seine Gesamteinschätzung gibt's gleich zu Beginn!

00:01:32: Die Studie belegt halt jetzt noch einmal mehr, dass so ein preoperatives Anime-Management sinnvoll ist für den Patienten.

00:01:43: Dass so ein Management sinnvoll isst für Krankenhausbetreiber, die Gesellschaft und letztendlich den Transfusionsverbrauch reduziert.

00:01:53: Und das in Zeiten wo Blutkonserven sowieso Mangelware sind.

00:02:05: Etwa ein Drittel aller Patientinnen startet mit einer Anämie in eine geplante Herzoperation.

00:02:12: Ursache dafür sind häufig chronische Grunderkrankungen wie eine Herzinsuffizienz, Nierenfunktionsstörungen oder einen unentdeckter Eisenmangel.

00:02:21: Durch den Eingriff selbst sowie durch Infusionen kommt es zu Blutverlust bzw.

00:02:27: Verdünnungseffekten, Werbereis mit zu niedrigen Hemoglobinwerten startet erreicht während oder nach der OP schneller die Schwelle ab der Fremdblut transfundiert werden muss.

00:02:39: Durch Patient Blood Management soll dem vorgebeugt werden.

00:02:42: Leitlinien empfehlen, eine Anämie im Vorfeld der Operation gezielt zu behandeln und die Eisenspeicher frühzeitig aufzufüllen um den Hemoglobinspiegel rechtzeitig anzuheben.

00:02:53: Allerdings hakt es bei der Umsetzung.

00:02:55: Das Bild ist relativ heterogen würde ich sagen.

00:02:58: Es gibt viele Krankenhäuser die die Blutarmut im Vorfelt gar nicht entdecken, gar nicht diagnostizieren.

00:03:05: Es gibt Krankenhäuser, die die Blutarmut, die Anämie diagnostizieren.

00:03:09: Z.B.,

00:03:09: weil sie feststellen, dass der Hemoglobinwert zu niedrig ist aber auch nichts machen, weil sie das so als Schicksal hinnehmen oder der Meinung sind, dass das bedingt ist durch die Erkrankung, warum der Patient überhaupt im Krankenhaus ist.

00:03:24: und dann gibt es wenige Krankenhäuser, die das sehr ernst nehmen, die Patienten frühzeitig auch identifizieren.

00:03:38: In der international vorgelegten, doppelblinden placebo-kontrollierten randomisierten ETAX-Studie geht es um genau dieses Thema.

00:03:46: Beteiligt daran sind thirty-three Zentren in zehn Nationen das Ganze unter Schirmherrschaft des Clinical Trials Networks des Australian and New Zealand College of Anesthetists.

00:03:57: Untersucht worden sind knapp tausend Erwachsene mit Blutarmut vor einer geplanten Herzoperation.

00:04:04: Die Teilnehmenden erhielten im Vorfeld per Zufallsauswahl entweder eine einmalige Eiseninfusion, Tausend Milligramm oder ein Placebo.

00:04:14: Das erste Ergebnis der Studie ist – wenig überraschend!

00:04:16: Wiesen die Patientinnen in der Eisengruppe am Tag der Operation signifikant höhere Hemoglobinwerte und deutlich besser gefüllte Eisenspeicher auf als die Kontrollgruppe?

00:04:27: Das zweite Ergebnis war, in der Eisengruppe war der Anteil der PatientInnen die während des Krankenhausaufenthalts Fremdbluttransfusionen benötigten.

00:04:36: Sechzig Komma Eins Prozent in der Placebo-Gruppe.

00:04:39: Sechszig Kommas zwei Prozent.

00:04:41: auf einhundert behandelte Personen hochgerechnet konnten so etwa vierundvierzig Blutkonserven Transfusionin eingespart werden.

00:04:51: Gemessen an der Anzahl der Tage, die Patientinnen in den ersten neunzig Tagen nach der Operation zu Hause verbrachten, lag die Eisengruppe im Medien einen Tag vorne.

00:05:01: Es gibt natürlich Grenzen der Untersuchung – erst mal besticht die hohe methodische Qualität der Studie durch strengen, doppelblindes placebo-kontrolliertes Multicenterdesign an knapp tausend Risikopatienten in dreiunddreißig internationalen Zentren.

00:05:16: Dann gibt es aber durchaus Raum für Methodenkritik.

00:05:20: Zum Beispiel, dass nachträglich ausgeweitet worden ist der primäre Endpunkt von dreißig auf dann neunzig Tage!

00:05:27: Für unseren Experten Patrick Mayboom ist das nicht problematisch.

00:05:32: Der längere Beobachtungszeitraum entspricht dem modernen Standard der perioperativen Forschung, um auch zeitlich verzögerte Effekte und spätere Klinikwiederaufnahmen abzubilden.

00:05:42: Er sagt dazu...

00:05:43: Als die Studienergebnisse publiziert waren und wir sehen konnten was das nun für den Patienten bringt Waren wir dann doch positiv überrascht, dass die Studie nachweisen konnte.

00:05:53: Dass die im Vorfeld behandelten Patienten mit einem höheren Hemoglobinwert zur Operation kommen und dann auch am OP-Tag und vor allem auch während des gesamten Krankenhausaufenthaltes signifikant weniger Fremdblutkonserven benötigten?

00:06:10: Im Ergebnis bleibt damit aus dieser Studie hängen, dass die Eiseninfusionen vor den geplanten Herzoperationen durchaus einen Nutzen haben.

00:06:21: Jede eingeschmarte Fremdblutkonserve schont die ohnehin knappen Blutreserven und verringert logistische Engpässe in den Kliniken.

00:06:28: Außerdem heißen vermiedene Transfusionen, auch vermiedende damit verbundene mögliche Komplikationen.

00:06:35: Das Ganze senkt die Komplikationsrate und auch die Folgekosten.

00:06:39: Und da die Patentfristen der meisten Eisenreparate längst abgelaufen sind, fallen die Medikamentenkosten praktisch nicht ins Gewicht!

00:06:48: Die Frage ist wie sich diese Studie auf die Praxis auswirkt?

00:06:52: Patrick Mayboum sagt dazu...

00:06:57: Im Vorfeld einer Operation, bis ja noch nicht flächendeckend umgesetzt wird.

00:07:02: Wir kommen mehrere Ursachen in Frage und mit dieser neuen Studie und den Studienergebnissen haben wir letztendlich nur ein Problem gelöst – nämlich die Unsicherheit oder die Skepsis, die Zweifel bei den Kollegen.

00:07:17: Die Studie bestärkt dass es wissenschaftlich klinisch sinnvoll ist.

00:07:22: Weiterhin bleiben andere Probleme, wie zum Beispiel der zusätzlich personelle und organisatorische Auffand.

00:07:28: Und eine fehlende Vergütung im Klinikalltag.

00:07:31: Für die Zukunft müssten deshalb Anästhesychirurgie, Apotheken- und Klinikeschäftsführungen pragmatische Prozesse vor Ort erarbeiten um das Anime Management flächendeckend zu etablieren.

00:07:46: Das war eine Dosiswissen für heute.

00:07:48: Die nächste Folge gibt's morgen ab sechs Uhr in der Früh überall da, wo ihr Podcasts findet.

00:07:53: und wenn wir schon beim Thema Herzgesundheit sind im November sind die Herzwochen-Zweißen-Sächsen-Zwanzig der Deutschen Herzschiftung.

00:08:01: In Kooperation mit einer Herzschriftung ist das aktuelle Heft der Apothekenumschau mit entstanden.

00:08:06: es widmet sich dem Thema Vorhoflimmer.

00:08:09: Ab jetzt kriegt Ihr das!

00:08:10: In der Apothekke Eures Vertrauens.

00:08:13: Danke dass Ihr eine Doseswissen hört.

00:08:28: Das ist das Audioangebot der Apothekenumschau.

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