Sexuelle Belästigung im Gesundheitsbereich
Shownotes
In Kliniken, Praxen oder Pflegeeinrichtungen kommt es häufig zu sexueller Belästigung. Das ergab kürzlich eine Umfrage der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Was betroffene Ärzt:innen, Pfleger:innen und Mitarbeiter:innen tun können, bespricht Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, in dieser Podcastfolge.
Weitere Informationen:
Beratungsstellen für Betroffene und/oder Praxisinhaber:
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe
Nützliche Links:
"Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?" Leitfaden für Beschäftigte, Arbeitgeber und Betriebsräte
Mehr Gesundheitspodcasts gibt es unter www.gesundheit-hoeren.de
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Quelle "3-fach höhere Thymolkonzentration": EMA/HMPC/342334/2013.
Transkript anzeigen
Ne Dosis Wissen der Podcast für Health Professionals
Speaker 200: 00:05
Speaker 200: In meinem heutigen Podcast geht es um sexuelle Belästigung im Gesundheitsbereich. Das ist ein Tabuthema. Ich spreche darüber, wie häufig sie vorkommt. Und was Betroffene tun können. Mein Name ist Dr. Dennis Ballwieser. Ich bin Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau. Heute ist Mittwoch, der 6. Oktober 2021.
Speaker 100: 00:27
Speaker 100: Ein Podcast von Gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro
Speaker 100: 00:34
Unerwünschte Flirtversuche, anzügliche Sprüche oder ungewollte Berührungen: Sexuelle Übergriffe auf Ärzt:innen, Pfleger:innen und andere Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, sind leider keine Seltenheit. Sie kommen in Praxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen oder Wohnheimen häufig vor. Das ergab kürzlich eine Umfrage der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).Befragt hatte man rund 900 Beschäftigte, die in Kliniken, in Pflegeeinrichtungen oder in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiteten. Rund 63 Prozent hatten in den vorangegangenen 12 Monaten sexuelle Gesten oder Entblößungen über sich ergehen lassen müssen. Die Hälfte erlebte körperliche Belästigung wie Küsse oder Gewalt. Doch das war noch nicht alles. Hinzu kamen noch sexuelle Attacken in Form von Worten und anzüglichen Sprüchen.
Die Opfer waren nicht nur Frauen, sondern häufig auch Männer. Und die Täter waren in dieser Umfrage Patienten und Patientinnen sowie Bewohner und Bewohnerinnen.Was mich nicht wirklich überrascht: Die Übergriffe hinterlassen bei den Betroffenen natürlich Spuren. Viele der Gesundheitsprofis leiden unter psychosomatischen Beschwerden, emotionaler Erschöpfung oder Depressionen. Das Thema sexuelle Belästigung im Gesundheitsbereich ist immer noch weitgehend ein Tabuthema. In anderen Fällen geht sexuelle Gewalt nicht von Patient:innen oder Bewohner:innen aus, sondern zum Beispiel von Vorgesetzten oder Kollegen. Sexuelle Belästigung ist so häufig, dass selbst ich sie in der Klinik erlebt habe, obwohl ich nicht sehr lange als Arzt im Krankenhaus gearbeitet habe. Dennoch war ich dabei, wie ein Kollege eine Kollegin anzüglich angesprochen und übergriffig berührt hat. Wir konnten der Kollegin in der Situation beistehen und im Gespräch mit Vorgesetzten dafür sorgen, dass sein Verhalten Konsequenzen für ihn hatte.
Die Frage ist, was können Sie in solchen Situationen tun? Wenn Sie also Zeuge sexueller Gewalt oder Übergriffe werden – oder selbst betroffen sind. Viele Opfer gehen weiter zur Arbeit, bis es irgendwann wirklich nicht mehr geht. Und viele denken: Der Täter oder die Täterin habe es nicht mit Absicht gemacht. Doch ein solches Verhalten ist niemals in Ordnung.Sollten Sie selbst Opfer von sexuellen Übergriffen werden, hören Sie auf Ihre Gefühle. Wenn Sie das Gefühl haben, dass das Verhalten anderer Grenzen überschritten hat, suchen Sie sich Hilfe. Warten Sie nicht darauf, dass die Belästigungen von selbst aufhören! Ein klares Nein und eine eindeutige Zurückweisung sind in der Regel wirkungsvoll! Und nehmen Sie Kontakt zu Kollegen, Vorgesetzten und anderen Vertrauten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis auf.Gehen Sie zu ihrem Arbeitgeber. Lassen Sie sich dabei eventuell begleiten, von einem Menschen, dem sie vertrauen. Ihre Vorgesetzten sollten Sie in jedem Fall ernst nehmen. Dazu sind sie einerseits nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verpflichtet, andererseits ist das schlicht und ergreifend ihre Aufgabe. Lassen Sie den Vorfall auch dokumentieren. Das dient Ihrer rechtlichen Absicherung.
Und erneut: Suchen Sie sich Menschen, die Sie unterstützen. Hilfe bekommen Sie zum Beispiel in Beratungsstellen. Ich habe Ihnen in den Shownotes einige Links zusammengestellt.
Zusammengefasst: Sexuelle Belästigung im Gesundheitsbereich kommt häufig vor. Die Opfer sollten auf sich aufmerksam machen und sich Hilfe suchen. Und wenn Sie Zeuge werden, dann sprechen Sie Opfer direkt an und fragen Sie, wie sie helfen können.
Speaker 200: 04:42
Speaker 200: Haben Sie Themen, die Sie in diesem Podcast gerne hören würden? Dann können Sie uns eine Mail schicken an NeDosisWissen@apotheken-umschau.de
Speaker 100: 04:56
Speaker 100: Ein Podcast von Gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.
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