Vom Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie: „Geschlechtersensible Medizin ist keine reine Frauenmedizin“

Shownotes

Geschlechtersensible Medizin hält Einzug in die Orthopädie und Unfallchirurgie: Beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) wurde die neue AG für geschlechtersensible Medizin gegründet. Im Gespräch mit Dr. Rebecca Sänger, Orthopädin und Kniechirurgin an der Uniklinik Greifswald, geht es um die Bedeutung geschlechtsspezifischer Unterschiede: von Kreuzbandrupturen über Osteoporose bei Männern bis hin zu ergonomischen Herausforderungen im OP. Dr. Laura Weisenburger, Ärztin und Redakteurin der Apotheken Umschau, berichtet aus Berlin über die Notwendigkeit, gendersensible Versorgung endlich auch in der Orthopädie und Unfallchirurgie zu etablieren.

Diese Folge haben wir am 29. Oktober 2025 aufgezeichnet.

Quellen und nützliche Links


Das Team hinter „’ne Dosis Wissen“:

Hosts: Dennis Ballwieser, Laura Weisenburger;

Autor:innen: Emeli Glaser, Jana Hauschild, Christian Heinrich, Johanna Heuveling, Vincent Suppé, Klaus Wilhelm, Christian Wolf;

Redaktion: Sebastian Brodkorb, Kareen Seidler;

Chefredakteur: Peter Glück;

Postproduktion: BEBE Medien GmbH

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Transkript anzeigen

DR. LAURA WEISENBURGER

’ne Dosis Wissen war mal wieder für euch unterwegs. Und zwar habe ich den Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie besucht. Der fand in Berlin statt, letzte Woche vom 28. bis zum 31. Oktober, und die hatten jede Menge spannende Themen auf der Agenda stehen. So natürlich ganz viel KI, Digitalisierung, um Krieg ging es auch. Also wie müssen wir eventuell Versorgungsstrukturen verändern?

Aber ich hab mir ein Schwerpunktthema, was es auch wirklich war, rausgegriffen und mir da ganz viele Sessions zu angeschaut. Und zwar zur gendersensiblen Medizin in Orthopädie und Unfallchirurgie. Denn wenn wir da ganz ehrlich sind, ist die O und U da ein bisschen spät dran, aber wie heißt es so schön, besser spät als nie. Ich hab mir die Gründungssitzung der AG Geschlechtersensible Medizin für dieses Fach angeschaut und konnte dann sogar mit der Vorsitzenden ein Interview führen.

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DR. LAURA WEISENBURGER

Und damit herzlich willkommen. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei ’ne Dosis Wissen, dem täglichen Podcast für das Gesundheitswesen. Uns hört ihr mal werktags ab 6 in der Früh mit einem aktuellen Thema, diesmal also brandneu aus Berlin vom Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. Mein Name ist Laura Weisenburger, ich bin Ärztin und wissenschaftliche Redakteurin im Team der Apotheken Umschau. Heute ist Freitag, der 7. November und ihr hört das Gespräch, was wir aufgezeichnet haben auf dem Kongress am 29. Oktober.

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Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

DR. LAURA WEISENBURGER

Und wie so oft bei den Interviewfolgen ist auch diese ein kleines bisschen länger, als ihr es sonst von den kompakten 10 Minuten gewohnt seid. Vielleicht findet ihr ja heute am Freitag oder am Wochenende eine ruhige Minute, mehr so eine Viertelstunde, wo ihr eine große Tasse Kaffee, eine große Tasse Tee genießen könnt, euch zurücklehnen könnt, Pause machen könnt und jetzt viel Spaß beim Gespräch.

So, ich bin auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie und ich sitze hier mit Rebecca Sänger. Möchten Sie sich vielleicht mal ganz kurz vorstellen?

DR. REBECCA SÄNGER

Ja, also mein Name ist Rebecca Sänger. Ich bin Orthopädin und Unfallchirurgin, bin aktuell tätig an der Uniklinik Greifswald. Komme ursprünglich aus Berlin, deswegen ist es jetzt hier grade quasi son Heimspiel, war dann auch in München lange Zeit, bin jetzt in Greifswald an der Uni aus einem speziellen Grund, weil ich mich noch mal für die Forschung entschieden hab, also auch Forschung zu betreiben aktiv, mit nem sehr speziellen Thema, das ist nämlich die geschlechtsspezifische Medizin und bin extra quasi in den hohen Norden gezogen, um das dort zu betreiben, neben meiner eigentlichen klinischen Tätigkeit als Kniechirurgin.

DR. LAURA WEISENBURGER

Und jetzt ist auch schon das Stichwort gefallen, weswegen wir uns unterhalten, denn ich war gestern dabei, als Sie die erste Sitzung, ich muss es jetzt richtig sagen, die Gründungssitzung der AG für geschlechtersensible Medizin in der Orthopädie und Unfallchirurgie hier auf dem Kongress gehalten haben. Also gestern, Dienstag war der, jetzt muss ich gescheit nachschauen, der 28. Oktober. Und genau, das ist natürlich Anlass für uns, da mal drüber zu reden, vor allen Dingen Sie als die Leitende dieser AG. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, „Mensch, das braucht's jetzt, diese AG, die wollen wir gründen“?

DR. REBECCA SÄNGER

Also dieses Thema geschlechtersensible Medizin ist ja eigentlich gar nichts ganz so Neues. Die Kardiologen, die betreiben das ja schon sehr, sehr intensiv, seit ganz vielen Jahrzehnten eigentlich schon. Das hat ja Anfang der 2000er bei denen aktiv angefangen. Die haben das schon. Also wir sind nicht die erste Gesellschaft, die das jetzt eingeführt haben.

Also ich hab mir jetzt nicht was wahnsinnig bahnbrechendes Neues ausgedacht, das muss ich einfach immer sagen. Die Kardiologen machen das schon, die Gefäßchirurgen machen das, die Viszeralchirurgen haben das und wir waren jetzt son bisschen die Nachzügler. Also innerhalb dieses Querschnittsfachs sind wir ja noch eine ganz junge Disziplin. Deswegen hat es halt auch eine ganze Weile gebraucht und natürlich auch Überzeugungsarbeit. Es ist ja nicht so, als haben wir uns das letzte Woche überlegt und wollten jetzt mal eine AG gründen, sondern aktiv haben wir das ja eigentlich schon in letzten 3 Jahren betrieben, um das jetzt auch durchzusetzen, um das bewilligt zu bekommen. Das war halt auch längerer Weg. Die Notwendigkeit ist da. Ich glaub, das sehen wir jetzt auch aktuell auch in der Presse. Wir haben letzte Woche wahnsinnig viele Anfragen bekommen von den Medien. Da ging es halt eher ums vordere Kreuzband. Warum reißen vordere Kreuzbänder bei Frauen so häufig? Weil wir jetzt aktuell wieder wahnsinnig viele Verletzte haben im Frauenbereich, im Frauenfußball. Das sind halt alles bekannte Größen und dann kommt dieses Thema immer wieder auf und dann kommt auch immer wieder die Frage auf und auch die Bitte darum, dass wir auch mehr Wissenschaft darüber betreiben. Das ist natürlich was, das dauert ne Weile, wie man das auch wirklich umsetzen kann und jetzt kommt auch dieser Druck wieder von außen, also von quasi der normalen Presse, der Nichtfachpresse und die Notwendigkeit besteht einfach. Und so kamen wir halt auch auf die Idee auch schon vor 3 Jahren, dass wir da erstens ein Zeichen setzen müssen.

Also es braucht auch Zeichen auch nach außen hin, dass wir uns damit beschäftigen, damit wir uns aber auch bündeln können. Das macht immer keinen Sinn, wenn wir unterschiedliche Orte haben in Deutschland, wo sich unterschiedliche kleine Forschungsgruppen bilden, die so immer nur ihrem eigenen Brei kochen und es wird nie wirklich gesehen. Man kann ja auch keine Synergismen bilden. Wenn ich irgendwo anders neue Forschungsergebnisse habe, wäre es gut, wenn wir die woanders auch anwenden können und wenn wir auch relativ schnell darauf zugreifen können. Und das war halt die Idee dahinter.

Also wir machen sowohl Öffentlichkeitsarbeit, um die Systeme auch bekannter zu machen, weil auch davon sind wir abhängig. Wir brauchen natürlich auch Forschungsgelder für unsere Projekte. Das geht nur, wenn es auch Akzeptanz in der Öffentlichkeit gibt. Aber wir wollen natürlich auch die Forschungsschwerpunkte jetzt setzen.

DR. LAURA WEISENBURGER

Da haben Sie jetzt schon einige Themen angesprochen, also was so in den Medien gerade war, aber Sie haben auch gestern ganz, ganz viele, also es war eine richtig Liste, eine Liste quasi von Dingen, die Sie gerne voranbringen möchten mit sagen wir mal geschlechtsspezifischen Aspekten in Orthopädie und Unfallchirurgie. Wenn Sie jetzt, das ist gemein, sich 3 aussuchen müssten, was wären da Ihre Top 3, wo Sie sagen, da will ich, da bohren wir nach, das braucht es?

DR. REBECCA SÄNGER

Also einerseits ist es natürlich, weil ich bin Sportorthopäden, initial. Also ich leite aktuell die Sektion für kniegelenkerhaltende Chirurgie bei uns an der Uni. Das ist natürlich mein eigenes Thema, damit beschäftige ich mich auch schon eine ganze Weile. Ich hab mich schon als Studentin mit Kreuzbandrupturen auch bei Frauen beschäftigt. Also das ist ureigenes Thema, was natürlich, wo ich ein eigenes Interesse natürlich auch groß habe.

Ein anderes Thema, und das ist einfach eigentlich im gesamtgesellschaftlichen Kontext wirklich wichtiges Thema, ist die Osteoporose. Also es leiden nach offiziellen Daten 6 Millionen Menschen in Deutschland an Osteoporose und die Dunkelziffer ist wahnsinnig hoch. Und dort wissen wir, dass wir da einen wahnsinnigen Gender Gap haben. Und zwar haben wir hier nicht die Situation, dass die Frauen benachteiligt sind, die auch schon unterdiagnostiziert sind, untertherapiert sind, sondern eher die Männer. Weil die werden, wenn wir's mal ganz, ganz krass ausdrücken, fast gar nicht diagnostiziert, weil keiner daran denkt, dass natürlich auch einen Mann Osteoporose entwickeln kann.

Die Ursachen sind meist andere, das ist meistens die sekundäre Osteoporose, kann aber auch die senile Osteoporose sein und wir wissen, dass aber die Auswirkungen bei den Männern deutlich gravierender sind als bei den Frauen. Also die Mortalitätsrate nach Schenkelhalzfraktur oder nach proximalen Femurfraktur ist bei Männern deutlich höher. Die sind auch dann eher geneigt oder sie sind gezwungen, nach solchen wirklich schwerwiegenden Brüchen im Anschluss ihr eigenes Zuhause zu verlassen und in Pflegeheimen untergebracht zu werden. Also der Pflegebedarf ist bei denen heute deutlich höher. Das heißt also, wir generieren uns eine Patientenpopulation, die vielleicht gar nicht sein müsste, die wir verhindern könnten und natürlich in hohem Maße.

Das heißt, wir sollten gesamtgesellschaftlich da ein großes Interesse haben, an diesem Themengebiet auch weiter zu forschen und zwar in die Richtung Männer. Obwohl das ja ein schönes Beispiel auch der geschlechtsspezifischen Medizin ist, weil wir auch die Medikamente haben, die sind teilweise exklusiv teilweise nur für Frauen zugelassen und andere für beide Geschlechter. Also wir betreiben hier eigentlich schon geschlechtsspezifische Medizin, ohne es eigentlich zu merken. Das ist ja son Paradebeispiel. Also das sind Dinge, die in den Fokus rücken sollten.

Man muss immer wieder betonen, die geschlechtsspezifische Medizin ist keine reine Frauenmedizin. Sie wird immer so wahrgenommen, was einfach daran liegt, dass die bisherigen Forschungsergebnisse eher männlich geprägt waren, weil man dort eher diesen Standardtypen Mann vor sich hatte. Deshalb muss man sich jetzt auch son bisschen auch mehr auf die Frau konzentrieren. Und da gibt es einfach unterschiedliche, ich nenn's mal Lebenszyklen der Frau, die bisher nicht gut beleuchtet werden und vor denen sich auch jeder fürchtet. Also wir haben grade eine schöne Session nur über Frauenmedizin gehabt, die auch gut besucht war, was mich sehr gefreut hat, weil jetzt immer mehr verstanden wird, dass Frauen bestimmte Bedürfnisse haben, die wir bei Männern nicht finden.

Frauen haben einen Menstruationszyklus, das kennen wir aus der Sportmedizin, dass jetzt da grade viel der Fokus drauf gelegt wird, aber Frauen werden schwanger. Wir trauen uns häufig gar nicht, Frauen überhaupt anzufassen als Ärzte oder irgendwelche Diagnostik zu machen, einfach aus der Angst.

DR. LAURA WEISENBURGER

Die schwangere Frau an der Stelle.

DR. REBECCA SÄNGER

Genau, weil wir Angst haben, ihr zu schaden. Ne, also das ist eine natürliche Angst. Das ist auch in Ordnung, davor Respekt zu haben, aber auch da gibt es wenig Studien. Es gibt wenig Handlungsalgorithmen. Ich sehe ja immer das schöne Beispiel Schwerverletztenversorgung.

Eine Schwangere im Schockraum verursacht im Endeffekt ganz viel Chaos, weil keiner sich traut, keiner versucht sich durchzusetzen.

DR. LAURA WEISENBURGER

Und das ist ja dramatisch an der Stelle, ne? Also wenn ich im Schockraum nicht weiß, wie ich weitermachen soll, da wo ich überall für alles ja wirklich Algorithmen habe und wo es ganz wichtig ist, so wir machen das jetzt nach Schema F, weil dann gehe ich sicher, ich übersehe nichts und dann habe ich ja sogar 2 Leben vor mir, die da auf, ja zur Frage stehen und dann das ist natürlich fatal.

DR. REBECCA SÄNGER

Genau, auch eine Art der Priorisierung, wen priorisiere ich, das Kind, die Mutter? Also das sind ja viele Fragen, die sich in kurzer Zeit stellen. Da machen wir uns wenig Gedanken drüber und das ist nur ein Beispiel. Wenn wir dann wegkommen von der Schwangeren, irgendwann wird die Frau dann doch älter und dann haben wir das Thema Menopause. Das ist ja wirklich auch ein Thema, was gerade in der Öffentlichkeit stark diskutiert wird, zurecht diskutiert wird.

Jede Frau gerät immer in die Menopause, ob sie mehr Symptome entwickelt oder nicht. Das ist von der Frau abhängig, aber ein Riesenthema. Wir haben ja fast 51 Prozent Bevölkerung, die weiblich ist. Also es sind ja immer ein bisschen mehr Frauen als Männer. Und wenn wir überlegen, dass wir dieses Thema komplett ausklammern, klammern wir eigentlich die Hälfte der Gesellschaft irgendwann aus mit ihren Bedürfnissen, die sie eigentlich auch haben.

Also auch ein Thema, wo die Forschung weiter vorangetrieben werden sollte, denn wir haben einfach wenig Daten. Wir haben wenig Daten zur Diagnostik, zur Therapie. Wie können wir die Symptome zu anderen Erkrankungen im Endeffekt differenzieren? Das ist nicht einfach, weil wir die Daten aktuell noch nicht haben. Also das wären für mich so die Schwerpunkte, an denen wir arbeiten, zumindest hinsichtlich der Patienten.

Wir haben inzwischen auch ein eigenes Gebiet, wo wir uns auch son bisschen auch auf die auf die Ärztinnen konzentrieren beziehungsweise eigentlich auf alle Ärzte. Da geht's gar nicht so sehr um politische Fragestellungen. Also viele beschäftigen sich ja damit, wie viel Ärztinnen arbeiten in Führungspositionen? Darum geht das gar nicht, sondern wir haben festgestellt, dass Chirurginnen häufig mit ihren Instrumenten nicht zurechtkommen, weil die sind halt eher an den männlichen Prototyp angepasst. Das haben wir schon längerfristig jetzt festgestellt.

DR. LAURA WEISENBURGER

Also, wir reden richtig über orthopädische oder auch diagnostische Instrumente.

DR. REBECCA SÄNGER

Ja. Instrumente, die sind an die Männerhand angepasst. Die sind also zu groß. Man kann diesen Handgriff vielleicht gar nicht halten mit einer Hand, braucht viel mehr Kraft, die man aufwenden muss, die die Frauen gar nicht haben, die dann deutlich eingeschränkt sind in ihrer Arbeit, weil einfach das Equipment gar nicht stimmt. Das ist auch Bereich, den wir auch angegangen sind.

Da hat jetzt grade die Alice Wermke, die ja unter anderem mit der Susanna Ostendorf diese AG gegründet hat mit mir. Wir sind ja zu dritt. Wir haben jetzt da grade auch schon eine Erhebung aufgestellt aus der Uni Leipzig, die das auch noch mal bestätigt, dass es auch gewisse Instrumente gibt, die Probleme verursachen. Das sind natürlich Daten, mit denen muss man dann irgendwann auch an die entsprechende Industrie gehen, aber auch an die Krankenhäuser und sagen, die Medizin verweiblicht sich ja automatisch grade. Wir haben hohen Anteil an Medizinstudentinnen.

Konsequenterweise werden es wahrscheinlich auch noch mehr in den chirurgischen Bereichen und wir müssen auch das ergonomischer gestalten. Da gibt's auch eine Notwendigkeit. Das ist kleiner Bereich. Wir konzentrieren uns ja sonst eher tatsächlich auf die auf die Patientenversorgung, aber auch da legen wir Fokus drauf.

DR. LAURA WEISENBURGER

Und wenn Sie jetzt, jetzt haben wir doch relativ viel über die Punkte gesprochen, die Frauen betreffen. Männer haben wir auch genannt, profitieren definitiv und brauchen auch die geschlechtersensible Medizin. Aber was ich mich gefragt habe, als Sie auch gestern so schön dargestellt haben, Sie haben's auch eben gerade schon erwähnt, ja, wir sind, die O und U ist bisschen late to the Party, nämlich so 20, 30 Jahre, wenn man jetzt mal gemein ist und sozusagen diesen Startschuss, den die Kardiologin damals mit Evas Rippe gesetzt hat, als Punkt nimmt. Ich stell jetzt mal eine heiße These auf, braucht es Frauen, damit Frauen mitgedacht werden?

DR. REBECCA SÄNGER

Definitiv. Also wir sehen das auch in der Wissenschaft. Also es werden bestimmte Themenbereiche mehr in die Wissenschaft integriert und diese Fragestellungen aufgestellt, die auch Frauen betreffen, wenn weibliche Forscherinnen mit dabei sind. Da gibt's auch Studien, die das auch mal analysiert haben. Also je diverser die Forschungsteams werden, desto diverser werden auch die Fragestellungen. Und ich sag das auch nie mit erhobenen Zeigefinger und möchte da Männer-Bashing betreiben. Ich finde das unfair. Es wäre wahrscheinlich andersrum genauso. Also ich glaube, dass man auch als Frau man da auch nicht gefeit ist vor gewissen Bias, dass man sich da jetzt auf bestimmte Themen stürzt. Das ist normal, wenn man auch selbst von bestimmten Dingen nicht betroffen ist, warum sollte man sie jetzt unbedingt mitdenken? Das ist vielleicht dann ein Zufall, wenn man vielleicht eine Mutter, Schwester, Partnerin hatte, die einfach erst mal betroffen war und man davon so beeinflusst wurde, dass man diese Fragestellung hat.

Sonst kommt man doch an diese Themen gar nicht ran. Sprich, wir haben eine Notwendigkeit diverser in der Orthopädie Unfallchirurgie zu werden, damit auch unsere Fragestellungen diverser werden.

DR. LAURA WEISENBURGER

Da haben Sie echt eine Menge vor. Was wir jetzt noch gar nicht erwähnt haben, sind, glaube ich, Leitlinien, die Sie gestern auch angesprochen hatten, die auch kommen sollen, was natürlich auch superwichtig ist. Ich denke mal, wir haben wahrscheinlich nicht das allerletzte Gespräch geführt. Ich gratuliere auf jeden Fall zur AG-Gründung, weil wir bei der Apotheken Umschau bei ’ne Dosis Wissen, es gibt noch den Podcast „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ sind da ja auch immer hinterher zu gucken, okay, wo haben wir hier den Sex Gap?

Bei uns heißt es mehr so dieser genau Geschlechter-Gap, der sich da eben auftut. Wie können wir möglichst gleichberechtigt auch aufklären? Wie denken wir alle mit? Und da ist das natürlich ganz wunderbar zu wissen, dass jetzt O und U, Orthopädie und Unfallchirurgie, definitiv auch mit an Bord ist. Ich danke Ihnen sehr, sehr herzlich für die Zeit hier im, man hört das immer noch bisschen im Hintergrund, im Kongresswirbel und auch Stress.

Sie haben auf jeden Fall noch einiges, was da auf Sie zukommt, die nächsten Tage und heute auch. Ich danke Ihnen für die Zeit. Sehr, sehr schön, dass das geklappt hat.

DR. REBECCA SÄNGER

Ja, vielen lieben Dank, dass jetzt auch die Apotheken Umschau auch auf uns aufmerksam wird. Wir brauchen das. Wir brauchen diese Unterstützung. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir das Interview führen konnten.

DR. LAURA WEISENBURGER

Wie ihr hört, da hat die AG Geschlechtersensible Medizin für Orthopädie und Unfallchirurgie jede Menge vor. Ich bin gespannt, was da in nächster Zeit alles schon umgesetzt wird, wie viel Zeit das vielleicht auch in Anspruch bringt. Wir bleiben auf jeden Fall für euch dran, an dem Thema. Damit ihr davon nichts verpasst, folgt gleich unserem Kanal, aktiviert die Glocke, dann verpasst ihr auch garantiert keine Kongressfolge mehr von der Dosis Wissen. Vielen Dank fürs Zuhören.

SPRECHER

Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

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